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Buchbesprechung Schwarzbuch Wundermittel, Huesmann, Gregor (unter Mitarbeit von Petra Kniebes) Christian Steffen S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-7776-1005-4, 181 Seiten. Wer sich über dubiose Nahrungsergänzungsmittel vom Haifischknorpelpräparat bis zum Riech Dich schlank-Stift informieren will, der findet in diesem Buch vieles, mit leichter Hand gut geschrieben und flüssig zu lesen. Wie schön, wenn man sagen könnte, der Leser fände alles. Dafür ist jedoch die Aktivität der Vertreiber dieser Produkte zu groß: Die Zahl ist nicht zu überblicken und fast wöchentlich kommen neue Produkte auf den Markt, deren Nutzen für den Verkäufer groß, für den Verbraucher jedoch minimal ist. Bundesweit sorgte der Marburger Apotheker Huesmann bereits 1995 durch seine Aktion Scheiß des Monats für Aufsehen (Skeptiker 4/95, 4/98). In seinem Schaufenster platzierte er ein entsprechendes Plakat, das vom Kauf des Haiknorpel-Pulvers Haifit abriet, und der Hersteller verklagte ihn prompt auf Unterlassung und Schadenersatz. Vier Jahre später wies der Bundesgerichtshof die Schadensersatzklage in letzter Instanz ab, untersagte aber auch Huesmann seine drastische Aktion. In diesem Buch präsentiert er beispielhaft Produkte, erläutert die Methoden der Werbung und zeigt, wie der Verbraucher hinters Licht geführt wird. Die frei erfundenen Experten, die als Erfinder der sensationellen neuen Mittel abgebildet werden, sind nach Ansicht der Agenturen, die sie konzipieren, etwas übertriebene Werbung. Der Käufer wird es wohl eher als Betrug empfinden, wenn er für viel Geld das neue Schlankheitsmittel kauft, das doch nur aus Milchpulver und einigen Vitaminen besteht. Huesmann zeigt auch das presserechtlich fragwürdige Verfahren auf, redaktionelle Artikel mit Anzeigen zu koppeln. Aber warum nennt er hier nicht Ross und Reiter? Was sind das für Produkte, die hier vorgeführt werden und schlank machen, die Potenz steigern, den Alkohol im Blut schneller abbauen oder gegen das Rauchen helfen sollen? (Ist es Zufall, das kein Intelligenz förderndes Mittel dabei ist?) Meist sind sie als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Was diese Bezeichnung bedeutet, welche Aussagen gemacht werden dürfen, wie sie sich rechtlich von Arzneimitteln abgrenzen, das wird knapp und kompetent an vielen Beispielen vermittelt. Dazu wird über viele so genannte Wirkstoffe informiert, sei es nun die grünlippige Muschel aus Neuseeland, die angeblich gegen Rheuma hilft, oder der grün schäumende Gerstengrasextrakt. Schade, dass ein Stichwortverzeichnis fehlt, um schnell zu einem Stoff oder Produkt zu finden! Ein weiterer Teil des Buches informiert über Nahrungsergänzungen, die Huesmann für sinnvoll erachtet. Gegenüber den vielfältigen Aussagen, die der Leser vorher kennen gelernt hat, ist dies ernüchternd. Und doch: Auch die Autoren, die sich vorwiegend auf Sekundärliteratur stützen, fallen manchmal den tendenziösen Angaben in der Literatur zum Opfer. Ein Beispiel: Die Cambridge Heart Antioxidant Study hat zwar tatsächlich gezeigt, dass die Zahl der nicht tödlichen Herzinfarkte von 41 in der Kontrollgruppe durch Gabe von Vitamin E auf 14 vermindert wurde aber die Zahl der tödlichen Infarkte betrug statt 13 bei den supplementierten Patienten 18! Das ist wahrlich kein erstrebenswertes Ziel der Prophylaxe. Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich mit Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt dem Fachmann zur aktuellen Information über die Vermarktungsstrategien dieser Produkte, dem potenziellen Käufer und interessierten Laien als Prophylaktikum gegen Täuschungen und Enttäuschungen und zur Schonung seines Portmonees. |
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