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Skeptiker 2/2001 Magazin »Area 51« Zwischen Schwerkraft und Unendlichkeit Um die supergeheime US-Militärbasis ranken sich zahllose UFOlogische Mythen. Was hat die Monty-Python-Komödie Das Leben des Brian mit dem Mythos gemein, der sich um Amerikas supergeheime High-Tech-Militärbasis Area 51 rankt? In beiden wird ein obskurer und widerwilliger Messias von fanatischen Anhängern verfolgt, die ihn unerbittlich verehren und sogar in dem Schuh, den er nach ihnen wirft, ein heiliges Zeichen sehen wollen. Diesen Vergleich zieht ausgerechnet der Leiter des Area 51 Research Center in dem Wüstennest Rachel (Nevada), Glenn Campbell, der von der US-Presse als Aktivist tituiliert wird, der in Eigenregie die Rechtmäßigkeit staatlicher Vorgehensweisen überwacht. Ein Querulant aus Passion also. Ein real existierendes Abziehbild der drei paranoiden Verschwörungsfanatiker The Lone Gunmen aus der Kult-Serie Akte X. Und zugleich die schillerndste in der Menge aufregender Gestalten mit ebenso aufregenden Geschichten (PM), die man in der Kneipe Little ALeInn in dem 100-Seelen-Kaff trifft. Der obskure Messias, von dem Campbell in dem Report Die Dreamland-Akte (Knaur, 1999) bereitwillig berichtet, ist niemand Geringerer als Bob Lazar. Jener Bob Lazar, der 1989 in US-Nachrichtensendungen auftrat und UFOlogische Geschichte schrieb. Der Konstruktionsingenieur will im Top-Secret-Abschnitt S-4 der Area 51 gearbeitet haben und dabei an der Analyse des Antriebssystems einer fliegenden Unterasse aus dem Weltraum beteiligt gewesen sein. Eine ganze Flotte aus neun geborgenen außerirdischen Flugkörpern lagere in den unterirdischen Hangars. Weder die Kongressabgeordneten noch der Präsident hätten davon gewusst außer sie haben gerade die Nachrichten gesehen, sollte man annehmen, merkte eine Journalistin einigermaßen belustigt zu Lazars spektakulären Enthüllungen an. Ein kosmisches Watergate? Sogar eine Schlüsselszene des 100-Millionen-Dollar-Knallbonbons Independence Day spielt in der Nähe des Allfahrts-Orts Rachel: Es gab nie abgestürzte Raumschiffe! versucht darin der amerikanische Präsident im Brustton der Überzeugung einen aufgebrachten Bürger zu beruhigen, der sich über die Verschleierungsstrategie der Regierung in Sachen UFOs erregt. Da nimmt ein Sicherheitsberater den mächtigsten Mann der westlichen Welt beiseite und raunt ihm sichtlich unwillig zu: Das ist leider nicht ganz richtig, Sir Nur wenige Filmminuten später befindet sich die zusammengewürfelte Gruppe von Überlebenden der Alien-Attacke auf Washington auf einem mysteriösen Stützpunkt in der Wüste und kann sich dort nicht nur von der Existenz extraterrestrischer Raumschiff-Wracks, sondern auch von tiefgekühlten grünen Männchen überzeugen. Und jeder Zuschauer, der auch nur entfernt mit der aktuellen UFO-Literatur vertraut ist, weiß sofort: Hier ist die geheimnisumwitterte Area 51, rund 150 Kilometer nördlich von Las Vegas, gemeint. Dreamland, Land der Träume, wird das hermetisch abgeriegelte Hochsicherheitsgelände um den ausgetrockneten Salzsee Groom Lake auch genannt. Und tatsächlich fliegen hier die Träume der überzeugten Ufologen ganz besonders hoch. Und nicht nur das. Die Area 51 sei ein großer Wäschekorb, in den man jede moderne Verschwörungstheorie werfen könne, schreibt Dreamland-Akte-Autor David Darlington ironisch:
Und was meint der philosophische Krieger und vagabundierende intellektuelle Terrorist Glenn Campbell zu solchen UFOtainment-Stories? Ich persönlich glaube, vertraute er dem Stern an, dass die einzige unheimliche Begegnung hier draußen mit verirrten Rindern stattfindet. Aber die Leute wollen sehen, was sie sehen wollen. Und Bob Lazar? Seine Glaubwürdigkeit erlitt ernsthafte Risse, als einige seiner akademischen Qualifikationen sich als falsch erwiesen. Nur wenige sympathisierende Beobachter drückten bei Lazars Bankrott, seinen nicht bestätigten Jobs und seinen unauffindbaren Universitätsabschlüssen beide Augen zu. Der bekannte UFOloge Stanton Friedman zögerte keinen Augenblick, Lazar einen Betrüger zu nennen. Dennoch wird Area 51 auch in Zukunft der Heilige Gral der UFO-Kontaktsucher bleiben. Denn die US-Regierung tut ihr Bestes, eine X-Akte zur Akte XXL aufzublasen. Während der Clinton-Präsidentschaft erließ Luftwaffenministerin Sheila Widnall eine weitreichende Geheimhaltungsvorschrift. Um Fragen nach dem Stützpunkt abzuwehren, ist die Verbreitung einschlägiger Informationen, ja selbst die Verwendung fiktiver Namen wie Dreamland nun untersagt. Ohnehin wurde allein die pure Existenz der Area 51 von der Regierung lange geleugnet, auf Landkarten ist das Gebiet bis heute als nicht vermessen eingezeichnet. Erst seit dem 31. 1. 2001 findet sich auf den Internet-Seiten des Weißen Hauses der Text of a letter from the President to the Speaker of the House of Representatives and the President of the Senate, in dem von der Militärbasis die Rede ist (siehe Web-Tipps). Area 51 ist eine Art Institution bei Geheimniskrämern der Dienste und Rüstungsproduzenten mit einer langen Geschichte, hat der deutsche Journalist Stefan Maiwald recherchiert:
Für die Justiz der USA wirft die Tatsache, dass es offiziell eine Area 51 gar nicht gibt, ein bizarres Problem auf. Denn: Die Geisterbasis scheint nebenbei auch als geheime Giftmüll-Deponie zu dienen. Der Rechtsprofessor George Turley vertritt sechs ehemalige Arbeiter des Dreamland, die an Leberkrebs und schweren toxischen Ekzemen erkrankt sind. Sie mussten in den achtziger Jahren exotische Lacke, Harze und Lösungsmittel verbrennen. Doch die gerichtliche Auseinandersetzung verläuft außerordentlich zäh. Maiwald: Das Washingtoner Umweltministerium behauptet, dass der Stützpunkt im Verzeichnis bundeseigener Liegenschaften nicht aufgeführt ist, folglich auch nicht existiert. Und wenn das ganze Gelände nicht existiert, kann auch der Befund von Biochemikern, die in Gewebeproben hohe Werte von Dioxin und Dibenzofuranen festgestellt haben, nur fiktiv sein. Anscheinend treibt die Regierung die Sorge um, vor Gericht könnte möglicherweise die Zusammensetzung der radarunsichtbarmachenden Spezialbeschichtung des legendären Tarnkappenbombers bekannt werden. Nicht alles also, was an Mysteriösem über Area 51 gesagt und geschrieben wird, gehört von vorne herein ins Reich der Hirngespinste. Doch was die Gerüchte in der Twilight Zone zwischen Schwerkraft und Unendlichkeit angeht, mag eine Episode aus Rachel vom 30. 4. 1993 trefflich illustrieren. An jenem Tag war Bob Lazar zu einem Vortrag im Little ALeInn angereist. Plötzlich brüllte jemand draußen: Da ist etwas in der Luft! Blitzartig leerte sich der Saal. Das vermeintliche UFO erwies sich jedoch als Ballon der das spöttische Gesicht der Mickymaus trug. Bernd Harder Ins Netz gegangen: Web-Cams für die Monster- und Geisterjagd:
Clyde Ropers Kalmar-Expedition: Area 51: |
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