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Skeptiker 3/2001 Bericht Geschichtsirrtümer, -fälschungen und -leugnungen 11. GWUP-Konferenz in Roßdorf, 24.26. 5. 2001 Thomas Kettenring und Holger von Rybinski "Para-Geschichte(n)" war das Hauptthema der diesjährigen GWUP-Konferenz, die in brütender Hitze am Himmelfahrtswochenende in Roßdorf bei Darmstadt, dem Sitz der GWUP, stattfand. Doch wie bei jeder GWUP-Konferenz wurden neben Vorträgen zum Hauptthema auch Beiträge zu einem weiten Themenspektrum angeboten, sodass die etwa 90 Teilnehmer sich nicht nur über Geschichtsirrtümer, sondern auch über Statistik, Aurasehen, Präkognition und Hypnose informieren konnten
Einige Tricks von Showhypnotiseuren zur Manipulation von Freiwilligen und des Publikums zeigte der Psychologe Hans-Christian Kossak. Wie im Vorjahr begannen die Vorträge mit den Fallstricken der Statistik. Hans-Peter Beck-Bornholdt, Professor für Biophysik und Strahlenbiologie am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf und Koautor des populärwissenschaftlichen Statistikbuches "Der Hund, der Eier legt", zeigte Beispiele für falsche Statistiken, hauptsächlich aus der Medizin, und veranschaulichte die Fehler mit Gleichnissen, bei denen der Hund aus dem Titel des Buches (und des Vortrages) allerdings nicht vorkam. Den Anfang machte das Will-Rogers-Phänomen (oder stage migration): Diese Gefahr besteht immer, wenn man in epidemiologischen Studien ältere Daten zum Vergleich heranzieht ein Grund für die Verwendung gleichzeitiger Kontrollgruppen. Simpsons Paradoxon (Skeptiker 3/00, S. 149) ist ein Extremfall: Hier werden die Gruppen nicht nur verändert, sondern gleich vereinigt. Weiter sprach Beck-Bornholdt über Unterschlagung von Daten (indem z. B. von einer Kurve nur der passendere Teil gezeigt wird), um "Kriminelle Vereinigung" (unzulässige Zusammenfassung zu Gruppen, oder Vergleich der Daten einer Behandlungsmethode nicht mit den Daten der anderen Behandlungsmethode, sondern mit der Summe aus beiden), und um "Stille Post" (Veränderung der Aussage beim Abschreiben eines Wissenschaftlers vom anderen). Ein weiteres Vergehen ist es, bei Untersuchungen eine Hypothese manchmal erst nach Bekanntwerden der Testergebnisse zu formulieren, statt die Hypothesen durch die Tests zu prüfen. Beck-Bornholdt berichtet von Untersuchungen zu Krebstherapien, die oft zu dem Zeitpunkt abgebrochen werden, wenn Langzeitnebenwirkungen auftreten können. "Das ist vergleichbar mit einem Pferderennen, das in dem Moment abgebrochen wird, in dem der eigene Gaul in Führung liegt", meint Beck-Bornholdt. Den Abschluss bildete die statistische Signifikanz: Beck-Bornholdt brachte Beispiele für "Texanische Scharfschützen", die zuerst schießen und dann die Zielscheibe um das Loch malen. Konkret: Aus einer größeren Menge Studien werden nur diejenigen mit positiven Ergebnissen herausgepickt und als Treffer verkauft, obwohl positive Ergebnisse auch ohne einen echten Effekt als Zufallstreffer zu erwarten sind. Denn nach der Definition der statistischen Signifikanz heißt beispielsweise ein Signifikanzniveau von 5%, dass falls "tatsächlich" die Nullhypothese wahr ist, also kein Unterschied zwischen der untersuchten Probe und einer Zufallsprobe besteht mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% dennoch ein falsch positives Ergebnis erhalten wird. Ein weiterer Fehler ist es, die Definition des Signifikanzniveaus umzudrehen und irrtümlich anzunehmen, es gebe die Wahrscheinlichkeit an, dass (bei Vorliegen eines positiven Ergebnisses) die Nullhypothese tatsächlich wahr ist, also sozusagen die Wahrscheinlichkeit, dass man sich mit dem positiven Ergebnis geirrt hat was laut Beck-Bornholdt durch den Namen "Irrtumswahrscheinlichkeit" suggeriert wird. Tatsächlich kann ein Signifikanztest diese Frage gar nicht beantworten. Allerdings: Auch der Vortragende selbst fängt sich in seinem Buch (erste Auflage, S. 56) in dieser Falle. Wie er als Einleitung sagte: "Auch ich mache die selben Fehler immer wieder." Angesichts der Tatsache, dass einige der zitierten falschen Statistiken bereits in Medizin-Lehrbüchern gelandet sind, appellierte er dann an die anwesenden Skeptiker, ihre Aufmerksamkeit doch etwas von den Astrologen und anderen "klassischen" Parawissenschaften weg auf die ungleich wichtigeren medizinischen Forscher zu lenken, die er provozierend zum guten Teil selbst unter den Parawissenschaften einordnete. Der zweite Kongresstag war dem eigentlichen Hauptthema, den Geschichtsirrtümern, -leugnungen und -fälschungen, gewidmet. Angefangen mit der Prä-Astronautik des Erich v. Däniken und seinen Epigonen bis zu den Nostradamus-Deutungen gibt es eine Vielzahl von Publikationen, die scheinbar Fakten zu historischen Ereignissen wiedergeben, in ihrer eigenwilligen Deutung und Verfälschung tatsächlicher Ereignisse jedoch typische Beispiele für Pseudowissenschaft liefern. Daher nahmen die Referenten des zweiten Kongresstages zu solchen Publikationen Stellung. Den Anfang machten Martin Mahner, Leiter des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken in Roßdorf, sowie einer der Redaktionsleiter des Skeptiker, Stephan Matthiesen, mit dem Thema "Kreationismus als Naturgeschichtsleugnung". Im Anschluss widmete sich Lee Traynor einem für einen Skeptiker-Kongress auf den ersten Blick ungewöhnlichen Thema: dem Buch "The Guitar & Mandolin" von Philip J. Bone. Dieser, ein 1964 im Alter von 64 Jahren gestorbener Musiker, hatte es sich zum Ziel gesetzt, die seiner Meinung nach vernachlässigte Bedeutung seiner beiden Lieblingsinstrumente Gitarre und Mandoline hinreichend zu würdigen. Zu diesem Zweck verfasste er 1914 das oben genannte Werk. Laut Bone hatten die großen Komponisten wie Mozart, Händel und Beethoven ihre edelsten Werke für die beiden Zupfinstrumente geschrieben, eine Behauptung, der die meisten Musiker sicher sofort widersprechen würden. Lee Traynor zeigte nun anhand von Textbeispielen, wie Bone angestrengt den Beweis für seine These anzutreten versuchte. Der Referent listete eine Reihe von sachlichen Fehlern auf und wies nach, dass einige von Bones Argumenten offensichtlich frei erfunden waren (" some of the details are not quite accurate", wie ein zeitgenössischer Kritiker bemängelte). Auf der Suche nach Quellen für Bones Thesen wurde er bei Werken anderer Autoren fündig, von denen kräftig abgekupfert worden war. Der Vortrag zeigte, dass sich Skeptiker keineswegs nur mit Paranormalem auseinandersetzen müssen, sondern auch ungewöhnliche Thesen aus anderen Bereichen in kritischer Manier auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können. Der Berliner Daher war Haase bemüht, in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit einen Abriss der Epoche zu zeichnen, in der die Pyramiden einst entstanden sind. Denn die großen Pyramiden stehen nicht ohne Vorläufer da, und Haase ging besonders auf die ältere so genannte Rote Pyramide des Pharao Snofru in Dahschur ein. Mit Informationen über diese Pyramide entkräftete Haase auch das Argument v. Dänikens, die Ägypter seien zu solchen architektonischen Leistungen gar nicht fähig gewesen, allein die logistischen Probleme wären unlösbar gewesen. Geologische Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass beispielsweise der Hauptsteinbruch der Roten Pyramide nur etwa 400 m entfernt lag. In den Steinblöcken finden sich noch heute Inschriften mit Jahresangaben, sodass der Baubeginn ziemlich genau bestimmt werden kann. Zwischen Baubeginn und Errichtung der zwölften Steinlage beispielsweise lagen 284 Tage, wobei 400 000 Kubikmeter aufgeschichtet wurden. Also 6 Steine pro Stunde (Anm.: Siehe hierzu das Erratum) wesentlich weniger als die von v. Däniken behaupteten 30 Steine pro Stunde durchaus machbar, da auf der großen Grundfläche mehrere Bautrupps gleichzeitig arbeiten konnten. Die Cheops-Pyramide selbst sei in ihrer Bauweise keineswegs beispiellos. Zwar sei die Anordnung der Grabkammern einzigartig aber tatsächlich hat jede Pyramide ein individuelles Kammersystem, und die Cheops-Pyramide fällt nicht aus dem allgemeinen Muster heraus. Auch die These, dass sich die Anordnung der Pyramiden von Giseh an den Sternen des Orion orientiert, wies Haase zurück, vielmehr ginge die Anordnung auf die Platzverhältnisse auf dem Giseh-Plateau zurück. Ein weiterer Versuch, die Zuordnung der Cheops-Pyramide in Zweifel zu ziehen, sei die Behauptung, dass keine Inschriften im pyramidalen Kammersystem zu finden seien. Tatsächlich jedoch gibt es eine Baumarkierung mit dem Pharaonennamen, und die Cheops-Pyramide kann außerdem durch Vergleich mit anderen Pyramiden datiert werden: In einem Zeitraum von 270 Jahren wurden Pyramiden in diesem Stil erbaut.
Ein trauriges, leider heute immer noch aktuelles Thema behandelte der Historiker und Lehrer Markus Tiedemann. "Die Argumente der Holocaustleugner und ihre Widerlegung" befasste sich mit dem Thema Geschichtsrevisionismus. Revisionisten leugnen drei zentrale Punkte: die Absichtlichkeit des Völkermordes ("Hitler selbst hat von der Ermordung der Juden gar nichts gewusst"), die technische Durchführbarkeit und die Rolle der Gaskammern sowie die Zahl von fünf bis sechs Millionen Toten. Über den pseudowissenschaftlichen Charakter der revisionistischen Argumente besteht kein Zweifel, und Tiedemanns Zielrichtung lag vor allem im pädagogischen Bereich: Er begründete, warum sich Lehrer und Eltern mit den Argumenten der Revisionisten auseinandersetzen sollten, und erklärte, wie das in der Praxis geschehen kann. Zuerst zeigte Tiedemann, wie Geschichte oft unabsichtlich, beispielsweise durch unvollständige Bildunterschriften in Zeitungsartikeln, verfälscht wiedergegeben wird. Dann unterschied er drei Stufen des Revisionismus. Eine erste Stufe sei der salonfähige, gesellschaftliche Revisionismus. Dieser sei fester Bestandteil von Stammtischgesprächen, beiläufigen Bemerkungen und in der Gesellschaft vorhandenen Vorurteilen. Tiedemann meinte, Sprüchen wie "Zu Hitlers Zeiten konnte Oma noch sicher über die Straße gehen" könne man am besten entgegnen mit "Ja, wenn sie nicht an einer Erbkrankheit litt, nicht Gewerkschafterin war, Sozialdemokratin, homosexuell oder gar behindert dann konnte sie sicher über die Straße gehen." In einer zweiten Stufe des Revisionismus würden Verschwörungstheorien zum Kennzeichen rechtsradikaler Propaganda. Die Attraktivität des Mythischen und der Stigmatisierten würde für rechte Zwecke ausgenutzt. Daher müsse mit Geschichtsmythen Schluss gemacht werden. Die Wehrmacht beispielsweise dürfe nicht als Identifikationsfläche für junge Männer dienen. Wie man an der Debatte über die Wehrmachtsausstellung sehen konnte, marschierten bei Gegendemonstrationen Gruppen aus dem rechten Spektrum zusammen, die sonst nichts miteinander zu tun hatten. Auch gebe es die Tendenz, Verbrechen der Wehrmacht gegen Verbrechen der Roten Armee aufzurechnen. Hierbei werde jedoch meist vergessen, dass Kriegsverbrechen innerhalb der Roten Armee sehr wohl bestraft wurden, während sie in der Wehrmacht durch die Wehrmachtsführung gefördert wurden. Damit sei die Wehrmacht, so Tiedemann, eine verbrecherische Organisation gewesen eine Aussage, an der sich nach dem Vortrag eine heftige Diskussion entzündete. Auf die Kritik aus den Reihen der Zuhörer präzisierte Tiedemann seine Aussage dahingehend, dass nicht alle Wehrmachtssoldaten als Individuen verbrecherisch gehandelt haben, sondern die Wehrmacht als Institution eine verbrecherische Organisation gewesen sei. Den letzten Teil seines Vortrages widmete er dem "harten Revisionismus, 3. Ebene". Ein professioneller Revisionist sei jemand, der wesentliche Inhalte des Nationalsozialismus relativiert bzw. leugnet. Bezug nehmend auf Veröffentlichungen wie den so genannten "Leuchter-Report" zeigte Tiedemann, wie man die Scheinargumente der Verfasser solcher Werke widerlegen kann. Dessen Autor, Fred Leuchter, der sich selbst als Gaskammer-Experte ansieht (in Wirklichkeit hat er nur einmal an Bauzeichnungen für eine Todeszelle im US-Bundesstaat Maryland mitgewirkt die nie gebaut wurde, weil sich Maryland stattdessen für die Todesspritze entschied), behauptet in diesem zur Verteidigung des Rechtsradikalen Ernst Zündel geschriebenen Stück, die Massenvernichtung in den Konzentrationslagern sei technisch gar nicht möglich gewesen doch tatsächlich lassen sich die angeführten Argumente leicht entkräften. Ein sicherlich makabres Unterfangen, doch kann man nach Tiedemanns Ansicht nur Erfolg gegen den Revisionismus haben, wenn man die Behauptungen dieses unter rechtsgerichteten Jugendlichen weit verbreiteten Reports konkret kennt und mit Gegenargumenten reagieren kann. Daher sollten sich Pädagogen und Lehrer mit dieser Thematik beschäftigen und Jugendlichen zeigen, warum die Argumente der Holocaustleugner und Neonazis falsch sind. Es folgte ein Vortrag von Andrea Kamphuis mit dem Titel "Sonnenhut in Buchenwald Alternativmedizinische Forschungsprojekte und Menschenversuche im 'Dritten Reich". Sie berichtete darüber, dass die Echinacea-Produkte der Firma Madaus bei Menschenversuchen der SS zur Behandlung von Brandwunden verwendet wurden, und dass die Firma auch an einem Vorhaben zur Zwangssterilisation beteiligt war (siehe den Artikel in Skeptiker 2/01, S. 52). Ungewöhnliches hatte Heidi Peter-Röcher unter dem Motto "Mythos Menschenfresser" zu berichten. Im Anschluss zeigte Lee Traynor nochmals den Videofilm "Magic Tricks, Science Facts", in dem der amerikanische Zauberkünstler Bob Friedhoffer auf spielerische Weise vor einer Schulklasse Zaubertricks präsentierte und diese dann sofort erklärte. So wurde deutlich, dass hinter vermeintlicher Magie nur Physik und Show stecken.
Am dritten Tag ging es hauptsächlich um parapsychologische Themen. Gerald Huber referierte über die allgemeine Beweislage in der Parapsychologie. Zunächst sprach er die Definitionsfrage an: Wie nennt man das Ganze? Statt "paranormal" hat sich inzwischen "anomal" eingebürgert. Dann bemängelte er, dass die Stärke des von Parapsychologen gemessenen Effekts wechselt und es keine konkreten Voraussagen gibt, was bei einem Experiment herauskommen sollte. Viele Studien fallen bereits aus diesem Grund als nicht aussagekräftig weg. Für die Experimente, die positive Ergebnisse zeigen, gibt es laut Huber drei mögliche Erklärungen: Betrug, Inkompetenz oder echtes Psi. Betrug hält er nicht für ausgeschlossen, betont aber auch die hohe Qualität parapsychologischer Experimente, die nicht zuletzt durch Kritik von Skeptikern inzwischen einem hohen Standard entsprechen.
Steinkamps Voraussage vor der Studie, Präkognition würde sich im Gegensatz zu ASW (Außersinnlicher Wahrnehmung) eher in Träumen äußern, hat sich bewahrheitet. Die Vorahnungen der Befragten waren von unterschiedlicher Qualität: Eine Person hatte geahnt, sie würde auf einer Treppe vor einem Haus sein, eine andere, ein Freund sei aus dem Hospital entlassen worden. Eine hat vom Tod ihres Vaters und von einem Leichenwagen geträumt, eine, dass sie Herrn B. im Urlaub an einem bestimmten Ort treffen würde. Einen Skeptiker werden solche anekdotischen Vorhersagen nicht beeindrucken, aber die Studie diente auch nicht dazu, die Echtheit des Phänomens nachzuweisen, sondern die Erlebnisse zu klassifizieren. So waren die Mehrzahl der Vorahner weiblich (56%). Erstaunlicherweise unternahm die überwiegende Mehrzahl (78%) keinen Eingriffsversuch, versuchte also beispielsweise nicht, ein vorhergesehenes Unglück zu verhindern. Die Neigung, in das Geschehen einzugreifen, war nicht korreliert mit den Kontrollüberzeugungen (d. h. es spielte keine Rolle, ob die Personen sich eher selbst in Kontrolle über ihr Schicksal erleben oder eher von der Umwelt dominiert); auch zur Ambiguitätstoleranz, also der Fähigkeit, widersprüchliche Reize zu tolerieren, wurde keine signifikante Korrelation gefunden. Eingriffsversuche wurden jedoch häufiger unternommen von Personen, die auf der Neurotizismus-Skala von Eysenck, Eysenck und Barrett zu nicht-neurotischen Werten tendierten weniger neurotische Personen versuchten also eher, das vorhergesehende Ereignis zu beeinflussen.
Es folgte "Ontogenese und individuelle Repräsentation des Aurasehens" von Ludwig Issing und Oliver Amm. Issing ist Leiter des Arbeitsbereichs Medienforschung am Institut für Pädagogische Psychologie und Medienpsychologie der Freien Universität Berlin. Amm berichtete von fünf Interviews mit Aura-Sichtigen, darunter einer Verhaltenstherapeutin, die einen Aura-Seh-Kurs mitgemacht hatte, und einer Russin, die außer Auren auch Geister sieht. Deutlich wurde die starke individuelle Komponenten, jede Person erfährt die Auren anders: Flirren, wabernde Farben, fließendes Wasser oder ein Kokon um einen Menschen herum, und auch andere Sinnesmodalitäten können betroffen sein, etwa Hören oder Riechen. Insgesamt handelt es sich um eine veränderte Wahrnehmung, die von allen Befragten als emotional bedeutungshaltig und spirituell erfahren wird. Amm betonte dabei, dass keiner der Befragten Anzeichen für psychische Störungen aufwies. Die Erklärungsansätze für das Aura-Sehen sind vielfältig. Charles Tart unterscheidet vier Erklärungsansätze: physikalische Ansätze dazu gehören der "übliche Verdächtige" Elekromagnetismus, Popps Biophotonen oder Kirlian-Gasentladungen , Esoteriker wünschen sich Feinstoffliches, Parapsychologen mutmaßen eine Projektion von Gefühlen nach außen mittels Psi. Psychologische Erklärungen fanden am meisten Anklang, auch wegen der Türrahmenversuche, bei denen Aura-Sichtige im Doppelblindversuch nicht erkennen konnten, ob eine Person hinter einer Tür steht oder nicht. Demnach können Auren entstehen durch die Wahrnehmungstäuschung beim Anstarren eines Gesichtes (Skeptiker 4/99, S. 142), durch Synästhesie und Halluzination, Migräne (eher als geometrische Muster) oder das Charles-Bonnet-Syndrom (Skeptiker 4/00, S. 206) und in Ausnahmefällen und als Begleitung akustischer Halluzinationen durch Schizophrenie. Doch ging es Amm in seiner Untersuchung zunächst nicht um eine Erklärung, sondern eine differenzierte Beschreibung des Phänomens, sodass die Frage der Erklärung vorläufig offen bleiben muss. Hans-Christian Kossak, Psychologe und Therapeut, gab einen Überblick über die Möglichkeiten der Hypnose und zeigte, was mit Hypnose möglich ist und was nur mit Bühnentricks. Von Schamanen praktiziert, von Franz Anton Mesmer vermarktet (sein "Magnetismus" funktionierte auch ohne Magnet), von Braid auf den Namen "Hypnose" getauft, von Bernheim untersucht ("Suggestion"), von Freud kritisiert ("ändert nur Symptome"), von Schultz zur Selbsthypnose erweitert ("Autogenes Training"), hat diese Technik eine wechselvolle Geschichte. Was bei der Hypnose abläuft, ist unklar. Es gibt Theorien, wonach Hypnose ein spezieller Bewusstseinszustand ist oder auch nicht ("State-Theorien", "Non-State-Theorien"). Die Hypnotisierbarkeit ist zwar individuell unterschiedlich, aber sie hängt nicht von anderen Persönlichkeitsmerkmalen ab, und auch das Alter und die Intelligenz spielen keine Rolle (sofern ein Mindestmaß an Kommunikation möglich ist). Wesentlichen Elemente der Hypnose sind das Vertrauen in den Hypnotiseur, die Suggestion und das Einengen der Aufmerksamkeit. Allergikern kann man laut Kossak ihr Allergen vortäuschen oder seine Abwesenheit; bei Hochdruck, Diabetes, Hämophilie, Epilepsie, Rheuma, Schlafproblemen, Essstörungen, Nägelkauen etc. wird Hypnose eingesetzt. Beim Zahnarzt erspart der Hypnotiseur die Narkose. Eher nutzlos, aber unterhaltsam war die Geschichte von dem Mann, dem suggeriert wurde, er esse ein Käsebrot, und der daraufhin eine ganze Weile Stresssymptome zeigte, weil er erst im Geist zu seinem Auto gehen musste, wo im Handschuhfach sein Käsebrot lag, oder das Video von dem Mann, der "die Zahl zwischen fünf und sieben" vergessen sollte und dann beim Zählen von Fingern zu seiner Bestürzung immer wieder auf elf kam. Es folgten die Tricks der Show-Hypnotiseure. Zum größten Teil führen hier die "Hypnotisierten" Dinge aus, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen, es aber nicht sind: Waagerecht auf zwei Stuhllehnen liegen, Scherben- und Feuerlaufen, Nagelbrettliegen. "Blindes" Autofahren und "Suggestion" von Brandblasen sind einfache Tricks. Und die Freiwilligen machen oft auch einfach zum Spaß mit, aber auch aus sozialem Druck. Gefährlich wird es, wenn die Mitwirkenden tatsächlich hypnotisiert und zu erniedrigendem Verhalten veranlasst werden vor allem dann, wenn dies vor einem großen Publikum geschieht, kann es in der Folge zu schweren psychologischen Problemen führen. Daher ist Show-Hypnose in Schweden und Israel verboten. Viele Fragen bezüglich der Hypnose mussten offen bleiben, die Trennung zwischen seriöser Hypnose und Showhypnose ermöglicht jedoch dem interessierten Laien sich nun intensiver mit der spannenden Thematik zu beschäftigen. Mit diesem vielfältigen Einblick in das interessante Thema der Hypnose ging die diesjährige Konferenz zu Ende. Die nächste GWUP-Konferenz wird am 9.11. 5. 2002 in Berlin stattfinden. |
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