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Skeptiker 3/2001 Buchbesprechung Harder, Bernd Nostradamus Ein Mythos wird entschlüsselt Alibri Verlag, Aschaffenburg 2000, ISBN 3-932710-23-1, 153 Seiten, ¤ 12,27 (DM 24,-) Hier ist es, das neue Buch über Nostradamus eines von 105 Titeln, die zu diesem Thema im Handel sind. Also ein überflüssiger Abklatsch? Nein.
Von Bernd Harder, dem Pressesprecher der GWUP, kann man ein ähnlich skeptisches, aber auch sachliches Buch erwarten, und das zu Recht. Dieses Buch gibt in bester Tradition der GWUP dem Leser alle denkbaren Unterstützungen, damit er sich selbst eine fundierte Meinung über dieses Thema bilden kann. Da das erste Kapitel einige der glücklicherweise nicht eingetroffenen Weltuntergangsszenarien zur Sonnenfinsternis 1999 schildert, werden es echte Nostradamus-Gläubige schnell aus der Hand legen, denn wer will schon an Fehler seiner Leitbilder erinnert werden. Für andere aber stellt dies einen gelungenen Einstieg in die Suche nach dem Wahrheitsgehalt der echten Prophezeiungen des bedeutendsten aller Seher dar. Zum Einstieg in diese Prophezeiungen von Nostradamus schildert Harder den Lebensweg von Michel de Notredame (15031566) als Pestarzt und später als Astrologe in einer Zeit der Seuchen, aber auch der Hexenverfolgung und Inquisition. Mit diesem geschichtlichen Umfeld wird in vielen Büchern begründet, warum Nostradamus keine klaren eindeutigen Aussagen über die von ihm gesehene Zukunft macht, sodern seine Prophezeiungen in Rätseln, eben den Centurien, versteckt hat. Bei der Analyse der Centurien liefert Harder keine eigenen Interpretationen, sondern stellt in einer reichhaltigen Sammlung von Beispielen die Deutungen verschiedenster Nostradamus-Experten für gleiche Centurien gegenüber (7 Seiten Literaturangaben im Anhang). Die erkennbare Tatsache, dass diese Experten sich häufig widersprechen, deutet darauf hin, dass die Rätsel von Nostradamus vielseitig interpretierbar sind, aber eben keine eindeutigen, verlässlichen Aussagen über die Zukunft darstellen. Dabei widersprechen sich nicht nur die Interpretationen verschiedener Experten, nein, auch die Aussagen verschiedener Jahrbücher des gleichen Experten unterscheiden sich. Aber was kann dieser Experte auch tun, wenn der angekündigte Weltuntergang dann eben doch nicht stattgefunden hat? Mit zusätzlichen Informationen über Landschaft und geschichtliche Vorgänge einschließlich der Begründungen, warum auch Nostradamus diese wahrscheinlich kannte, gibt Harder dann dem Leser eine Art Entscheidungshilfe. Im Sinne von Ockhams Rasiermesser regt er an darüber nachzudenken, ob es nicht doch natürliche Erklärungen für viele der geheimnisvollen Rätsel geben könnte. Im letzten Kapitel geht Harder über Nostradamus hinaus und gibt Hinweise auf modernere Wahrsager vom Mühlhiasl über den Bibelcode bis zu Uriella und erstellt schließlich eine Liste von Weltuntergangsterminen, die die Menschheit bisher glücklich überstanden hat. Trotz der sehr sachlichen Sprache liest sich dieses Buch sehr spannend, denn es ist ja auch fast ein Krimi. Es wird wirklich ein Mythos entschlüsselt, aber weniger der von Nostradamus, sondern der Mythos der Nostradamus-Experten und anderer Weltuntergangspropheten. Ich jedenfalls kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich sachlich über Nostradamus und den Wahrheitswert seiner Prophezeiungen informieren will. Es ist auch ein ideales Geschenk für Jugendliche und alle, die genügend Neugier besitzen, aber trotzdem nicht leichtgläubig sein wollen. Hans-Ludwig Reischmann |
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