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Skeptiker 3/2001

Buchbesprechung

Dudley

Die Macht der Zahl

Was die Numerologie uns weismachen will

Aus dem Amerikanischen von Gisela Menzel

Birkhäuser, Basel Boston Berlin 1999, ISBN 3-7643-5978-1, 288 S., ¤ 22,50 (DM 44,-)

Nicht erst seit dem Rummel um das Jahr 2000 wissen wir, dass Zahlen eine gewisse Faszination ausüben können. So existieren viele irrationale Konstrukte, die ihnen tiefe Bedeutungen über die Mathematik hinaus beimessen. Solche Systeme sind es, die Dudley im vorliegenden Buch kritisch betrachtet.

Das Inhaltsverzeichnis zeigt nur eher populistische als informative Kapitelüberschriften. Wer vermutet schon hinter der Überschrift „Wehe, wenn das Tier kommt“ eine Abhandlung über die Zahl 666, die in der Bibel als Symbol für den Antichristen verwendet wird?

Dabei finden parawissenschaftlich Interessierte neben dieser noch zahlreiche andere Informationen, die über die klassische Numerologie hinausgehen, z. B. über die Behauptung, die Zahl p (Pi) spiele eine Rolle in den Pyramidenmaßen. Ferner wird die Biorhythmen-Lehre von Wilhelm Fliess kritisch betrachtet.

Einige Kapitel zur klassischen Numerologie sollen im Folgenden stichwortartig charakterisiert werden: Wie Dudley zu Beginn seines Buches zeigt, unterlag schon der bekannte Mathematiker Pythagoras (etwa 580 bis 496 v. u. Z.) der Faszination der Zahlen. Sie waren für ihn nicht etwas praktisch Verwendbares, sondern Sinnbild für die Ordnung und Harmonie der Welt, das Urprinzip aller Dinge. Dudley beschreibt im ersten Kapitel seines Buches recht ausführlich die mathematische Geisteswelt des Pythagoras. In diese Zahlenmystik werden emotional erlebbare Eigenschaften und Regelmäßigkeiten der Zahlen hervorgehoben. Hiergegen gibt es nichts einzuwenden, so meint Dudley, der einzige Nachteil der Zahlenmystik besteht darin, dass sie durch ihre Überbewertung des emotionalen von der praktischen Anwendbarkeit der Zahlen ablenkt.

Ein wesentlicher Glaubensgrundsatz der Pythagoreer bestand in der Annahme, dass die Verhältnisse zwischen beliebigen Größen aus der realen Welt stets ganzzahlig sind. Diese Annahme wurde jedoch bereits vor 420 v. u. Z. durch einen geometrischen Beweis widerlegt, eine Entdeckung, die mit zum Zerfall des pythagoreischen Bundes beitrug. Praktische Anwendungen der Mathematik rückten in den Vordergrund, und die Zahlenmystik geriet in Vergessenheit. Sie war z. B. in Euklids „Elementen“ (um 300 v. u. Z.) nicht mehr enthalten. Erst im ersten Jahrhundert u. Z. wurde die Zahlenmystik durch die Neupythagoreer wiederbelebt, wie Dudley in einem weiteren Kapitel darlegt. Viele Texte der Zahlenmystiker wurden vor etwa 1500 Jahren in dem Werk „Theologumena arithmetica“ von Iamblicus gesammelt. Im Gegensatz zu den undisziplinierten Spekulationen moderner Numerologen haben die von Iamblicus beschriebenen Zahleneigenschaften – wenn auch mystisch überhöht – noch einen Bezug zu realen Eigenschaften der Zahlen und zur Mathematik des Pythagoras. Da die Griechen zur Bezeichnung von Zahlen Buchstaben verwendeten, war es naheliegend, auch in Texte und Worte zahlenmystische Bedeutungen hineinzulegen (Gematrie).

Auch in der modernen Numerologie ist dies ein beliebtes Spiel, wie Dudley darlegt. Dabei wird jedoch wegen der heutigen unterschiedlichen Symbole für Buchstaben und Zahlen die jeweilige Zuordnung sehr unterschiedlich und willkürlich gehandhabt. Der wesentliche Unterschied zwischen Zahlenmystik und Numerologie besteht jedoch darin, dass – im Gegensatz zur reinen Mystik – die Numerologie glaubt, die mystischen Eigenschaften der Zahlen auch praktisch anwenden zu können. So werden z. B. Personen vermittels ihrer Namen oder ihres Geburtsdatums Zahlen zugeordnet und die Eigenschaften dieser Zahlen – analog zur Astrologie- auf die Personen übertragen. Dabei herrscht natürlich reine Willkür. An dem mathematischen Niveau eines Pythagoras besteht kein Interesse.

Wie in einer Sammlung von Buchbesprechungen beschreibt Dudley die verschiedenen Spielarten der Numerologie, die bis auf ganz wenige Ausnahmen alle auf die Erfindungen von Josephine D. Balliett, dargelegt in ihrem Buch „Erfolg durch die Kraft der Schwingungen“ (1905) zurückgeführt werden können.

In jedem Kapitel werden die Grundgedanken eines Numerologiebuches zunächst zusammenfassend dargelegt und anschließend mit sehr ausführlichen Beispielen und langen Textzitaten belegt. Will man das Buch vollständig durchlesen, so wirkt diese Ausführlichkeit sehr ermüdend, und man beschränkt sich bald auf das Diagonallesen. Betrachtet man das Buch jedoch als Nachschlagwerk, dann kann die Fülle an Informationen sehr wertvoll sein, wobei jedoch das Fehlen eines Sachregisters und eines gemeinsamen Literaturverzeichnisses schmerzlich spürbar wird.

Volker Guiard


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