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Skeptiker 3/2002 Traumatische Kindheitserinnerungen und ein kritischer Blick auf NLPVor einigen Jahren erregten die Erinnerungen Binjamin Wilkomirskis an eine Kindheit in Nazi-Konzentrationslagern Aufsehen - bis sie durch kritische historische Nachforschungen als unwahr erkannt wurden: Wilkomirski heißt in Wirklichkeit Bruno Dössekker und kennt die Lager nur als Tourist. Doch wie kam es dazu, dass Dössekker solch ein komplexes System von falschen Erinnerungen aufbaute? Liegt ihnen ein anderes Kindheitstrauma zugrunde? Nein, meint der Psychologe und Rechtswissenschaftler Harald Merckelbach, und zeichnet in seinem Artikel nach, wie der mit einer reichen Phantasiewelt ausgestatte Dössekker sich durch den Erfolg seiner Fabulationen und suggestive Therapien immer weiter selbst von seinen Erinnerungen überzeugte. Stimmt es überhaupt, dass Kindheitstraumen zu Persönlichkeitsstörungen, zu so genannten Dissoziationen, führen? Merckelbach hinterfragt diese populäre Ansicht kritisch: Könnten nicht vielmehr Menschen mit Dissoziationen eher dazu neigen, im Nachhinein Erinnerungen an nicht erlittene Kindheitstraumen zu entwickeln? Dafür spricht, dass bei einer Untersuchung von Holocaust-Überlebenden keine erhöhten Dissoziationswerte gefunden werden konnte, und umgekehrt in einer anderen Studie der Zusammenhang von Dissoziationen und Kindheitstraumen nicht mehr vorhanden war, wenn man sich nicht auf die Erinnerung der Patienten stützte, sondern die Anzahl der Kindheitstraumen unabhängig beurteilen ließ. "In beiden Fällen, bei Wilkomirski wie bei den scheinbaren Missbrauchsopfern, war es ihr emotionaler Gehalt, der ihre Geschichten so überzeugend machte. Über ihre Authentizität sagt er jedoch nichts aus, denn diese muss für jeden Einzelfall kritisch geprüft werden. Erweist sich eine selbst geglaubte Biografie als objektiv unrichtig, sollte uns dennoch bewusst sein, dass dahinter oft eine andere, wenn auch weniger spektakuläre Leidensgeschichte verborgen ist.", fasst Skeptiker-Redaktionsleiterin Inge Hüsgen den Themenkomplex in ihrem Editorial zusammen und erinnert gleichzeitig daran, dass über die Debatte um falsche Erinnerungen die wirklichen Gewaltopfer nicht vergessen werden dürfen. In einem weiteren Themenbeitrag des Skeptiker-Heftes wirft der Psychologe Christoph Bördlein einen kritischen Blick auf eine populäre Psychotechnik, das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP). Beworben als hochwirksame Technik zur Veränderung des Erlebens und Verhaltens, steht es jedoch aus der Sicht der psychologischen Forschung auf wackligen Beinen. Weder läßt sich eine theoretische Basis für NLP in den wissenschaftliche fundierten Erkenntnissen der Psychologie finden, noch kann NLP auf erfolgreiche Nachweise seiner Wirksamkeit verweisen. Warum ist NLP trotz dieser gravierenden Mängel so erfolgreich? Es bestünde, so Bördlein, ein "echter Bedarf an Psychotechniken, die nicht - wie andere Verfahren - eine Theorie und Weltanschauung im Gepäck haben", gerade unter Personen, die beruflich mit Menschen zu tun haben, aber für den Umgang mit Problemen unzureichend ausgebildet sind. Die Psychologie müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, diesen "Außenbereich" kampflos Scharlatanen zu überlassen. Der US-Musiker Marilyn Manson ist Mitglied der "Church of Satan" und kokettiert mit Tod und Teufel. Im populären Magazin-Teil des Skeptikers fragt sich Bernd Harder, ob dies nur ein Image oder echte Überzeugung ist: Satan als Publicity-Gag, Satan als Symbol, Satan als Weltanschauung, Satan als Kriegserklärung? Inhaltsverzeichnis |
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