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Skeptiker 2/2003

Editorial

Vielen Dank für die Schokolade


Offenbar haben wir im letzten Heft einen sehr deprimierten Eindruck hinterlassen, als wir um Verständnis für die Heftverzögerung baten. Jedenfalls erhielten wir in den letzten Wochen ungewöhnlich viele lobende Zuschriften von Leserinnen und Lesern. Ein aufmerksamer Leser schickte uns gar eine Packung Marsriegel zum Auffrischen unserer Energie. Auch wenn sie wegen der Sommerhitze ein wenig verformt bei uns ankamen und erst eine Weile im Kühlschrank lagern mussten, so erfüllten sie doch ihren Zweck. Wenn Ihnen also nun am vorliegenden Heft einiges seltsam vorkommt, liegt das zweifellos an den euphorisierenden und psychoaktiven Wirkungen der Schokolade.

Ihre Zuschriften (auch diejenigen ohne Schokolade) sind für uns aus vielen Gründen sehr wertvoll. Denn wir machen den Skeptiker nicht für uns selbst (auch wenn wir natürlich viel Begeisterung in die Arbeit stecken und viel Freude aus ihr gewinnen), sondern für Sie, liebe Leserinnen und Leser. Daher möchten wir von Ihnen hören, wie Sie den Skeptiker einschätzen, wo seine Schwächen und Stärken sind, und was sich verbessern lässt. Zögern Sie bitte auch nicht, uns mitzuteilen, was Ihnen nicht gefällt – denn gerade bei diesen Punkten sind vielleicht Verbesserungen möglich.

Anscheinend besteht auch großes Interesse daran, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, zu erfahren, wie der Skeptiker eigentlich entsteht, wie ein ehrenamtliches Team in der Freizeit so ein Projekt durchführt. Daher will ich an dieser Stelle kurz unsere Arbeit beschreiben.

Wo kommen die Texte her? Manchmal erhalten wir spontan Texte, aber meist geht die Initiative von der Redaktion aus: Wir überlegen, welche Themen interessant sein könnten, und suchen dann nach geeigneten und kompetenten Autoren – und schon bei dieser Suche sind Vorsicht und Sorgfalt angebracht, denn gerade in unseren Themenbereichen gibt es viele Autoren mit einer Herangehensweise, die nicht in das Profil des Skeptiker passen würde.

Aus dem selben Grunde werden die eingegangen Artikel dann sorgfältig begutachtet. Dabei werden durchaus auch Artikel abgelehnt. Übrigens – auch das werden wir oft gefragt – spielt für die Artikelbewertung nur die Qualität des Textes eine Rolle, nicht hingegen, ob die Autorin oder der Autor GWUP-Mitglied ist oder der GWUP fern steht, denn der Skeptiker ist kein Blatt für Vereinsmitteilungen oder -verlautbarungen, sondern versteht sich als eine an GWUP-Zielen orientierte populärwissenschaftliche Zeitschrift, die allen am Thema Interessierten fundierte und sachliche Informationen liefern möchte.

Wenn ein Artikel angenommen ist, fängt für die Redaktion ein Großteil der Arbeit erst an, denn kaum ein Text wird unverändert übernommen. Es ist einer der motivierendsten und spannendsten Aspekte der Redaktionsarbeit, in Absprache mit den Autoren alle machbaren Verbesserungsmöglichkeiten zu nutzen: Was kann gekürzt werden, was sollte genauer ausgeführt werden? Was könnte missverständlich sein, wo kann die Argumentation klarer und schlüssiger gemacht werden? Auch die Infokästen, die ergänzende Hintergrundinformationen bereit stellen, entstehen in dieser Phase: Welche Zusatzinformationen sind sinnvoll, und wer kommt als Autor in Frage?

Bei der gesamten Arbeit ist nicht nur auf inhaltliche und sprachliche Richtigkeit zu achten, sondern auch auf eine sachliche und undogmatische Ausdrucksweise. Denn der Skeptiker soll gerade auch mit Gewinn von Menschen gelesen werden können, die der skeptischen Bewegung fern stehen – und so werfen wir ein besonders strenges Auge auf alles, was als abwertend, herablassend, zynisch oder aggressiv verstanden werden könnte.

Und dann geschieht das Wunder: Aus dem unübersichtlichen Stapel von Textdateien zaubert unser Layouter Alexander Paul ein ansprechendes Gesamtwerk, sucht geeignete Abbildungen und gestaltet eine passende Titelseite.

Das ist aber nicht das Ende: Der Skeptiker besteht aus etwa 200 000 Buchstaben, und jeder von ihnen kann falsch sein! Es sind noch sorgfältige Korrekturen nötig, denn wie leicht werden Bildunterschriften vertauscht, gehen Texte oder Textteile verloren, oder verändern sich Texte beim Konvertieren zwischen verschiedenen Computern auf unvorhergesehene Weise.

Für den kleinen „harten Kern“ des Teams bedeutet die Arbeit also, vorausschauend zu denken und den Überblick über mehrere Monate Arbeit, 20–30 Beitragende und doppelt so viele Texte, 200 000 Buchstaben und mehrere Marsriegel zu behalten, und dabei zu beachten, dass alle Beteiligten in ihrer Freizeit arbeiten und sich oft nicht an strikte Zeitpläne halten können.

Gleichzeitig muss sich alles zu einem harmonischen Ganzen fügen. So wird es leider nie möglich sein, alle Ideen und Vorschläge umzusetzen. Viele – auch gute – Ideen passen schlecht ins Konzept des Skeptiker, der keine eierlegende Wollmilchsau sein kann. Solche Ideen wären leichter in anderen Medien zu verwirklichen, etwa auf den GWUP-Webseiten.

Außerdem haben wir die Verantwortung, dass der Skeptiker sich nicht zu einem schülerzeitungsartigen Kuriositätenkabinett entwickelt, sondern dem Ideal einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift möglichst nahe kommt, die Ihnen solide und sachliche Informationen bietet.

Insgesamt also, trotz aller durcharbeiteten Stress-Nächte, eine abwechslungsreiche Arbeit, die durch die intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen viel Enthusiasmus frei setzt. Und wenn wir dann von Leserinnen und Lesern hören, dass sie den Skeptiker mit Interesse lesen, dass er sie zum Nachdenken anregt, dass ihn Lehrer im Unterricht oder Uni-Dozenten in Seminaren verwenden konnten, dann hat sich die Mühe gelohnt.
Stephan Matthiesen


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