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Editorial Unterhaltsame Fehler und lebensgefährliche Fehlentscheidungen Manchmal kann es ganz schön unterhaltsam sein, von der naturwissenschaftlichen Wahrheit abzuweichen, z. B. wenn Filmregisseure unrealistische, aber effektvolle Szenen inszenieren. Eine ganze Reihe solcher Passagen aus populären Kinostreifen präsentierten Bernd Harder, Ralf Wambach, Martin Mahner, Stephan Matthiesen und Rainer Wolf beim Filmquiz auf der Würzburger GWUP-Konferenz. So ließen sie das Publikum zuschauen, wie Lara Croft in einem voll erleuchteten Observatorium die Sterne betrachtet. Aufgabe der Zuschauer war es, den Fehler zu finden. Der liegt auf der Hand: Die „Tomb-Raider“-Heldin hätte dabei in Wirklichkeit kaum etwas gesehen, weil ihre Augen in einer so hellen Umgebung gar nicht an die Lichtverhältnisse des Nachthimmels angepasst wären. Für Fans schmälert dieses Detail natürlich keineswegs den Unterhaltungswert des Streifens, und das ist auch gut so. Aber die Szene ist ein guter Aufhänger, um zu erklären, wie unser Auge funktioniert. Werden wissenschaftliche Erkenntnisse allerdings in einem Sachdiskurs ignoriert und durch unbelegte Spekulationen ersetzt, bleiben viele spannende Erkenntnisse auf der Strecke. Das zeigt Klaus Richters Beitrag über altägyptische Kernbohrungen in diesem Heft. Richter hat die parawissenschaftlichen Diskussionen um diese verblüffend modern anmutenden Spuren antiken Handwerks verfolgt. Kreisrunde, tiefe Löcher in Hartgestein, gebohrt vor 4500 Jahren: Dieser Befund rief parawissenschaftliche Adhoc- Erklärungen auf den Plan. So deuten manche Autoren die Bohrungen als Spuren außerirdischer Kulturbringer. Damit unterschätzen sie jedoch die Fertigkeiten der alten Ägypter gewaltig und verstellen den Blick auf einige spannende Forschungsergebnisse der letzten Jahre. So hat der Experimentalarchäologe Denys A. Stocks gezeigt, wie sich mit relativ einfachen Säge- und Bohrwerkzeugen aus Holz und Kupfer sogar härtestes Gestein bearbeiten lässt. Seine Ergebnisse lehren uns Respekt vor dem Können und dem Einfallsreichtum der antiken Handwerkern. Außerirdische Kulturbringer hingegen mögen wohl eine spannende Vorstellung sein, aber sie gehören bis auf weiteres in den Bereich der Sciencefiction. Immer wieder müssen wir auch über gesundheitsgefährdende, ja tödliche Praktiken der Paramedizin berichten. Die Beratung durch die Geistheilerin Jomanda ist solch ein Fall, wie die niederländische Gesundheitsbehörde (Inspectie voor de Gezondheitszorg, IGZ) glaubt. Nach dem Krebstod des Fernsehstars Sylvie Millecam hat die IGZ Anklage gegen Jomanda erhoben. Die Schauspielerin hatte neben Jomanda noch mindestens 27 andere „Alternativ“-Heiler konsultiert, von denen einige jetzt ebenfalls mit einer Anklage rechnen müssen. Eine reguläre medizinische Behandlung hatte Millecam hingegen bis zuletzt abgelehnt. Unser Autor Herman Nimis verfolgt seit Jahren die Aktivitäten Jomandas. So hatte sie bereits im Jahr 2000 für Aufsehen gesorgt, als sie im Internet ein vermeintliches Krebsmittel propagierte – aus Honig, Lebertran und Salbeiblättern, wie die Tageszeitung De Telegraaf berichtete. Jetzt hat das niederländische Gesundheitsministerium allerdings Konsequenzen gezogen und fordert eine Meldebzw. Erfassungspflicht für alle „alternativen“ Heiler. Außerdem sollen sie verpflichtet werden dazu beizutragen, dass jeder Patient die optimale Therapie erhält.
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