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Editorial Immer wieder Psi Gibt es paranormale Phänomene? Wie lassen sie sich gegebenenfalls beschreiben und erklären? Um diese Fragen kreist die parapsychologische Forschung. In den letzten Jahrzehnten ist das Labor zum wohl wichtigsten Ort parapsychologischer Forschung geworden. Anstoß für diese Abkehr von der Erforschung spektakulärer Einzelfälle gab in den 1920er Jahren das Rhine’sche Paradigma. Nach den Vorstellungen von Joseph Banks Rhine sollten kontrollierte Versuchsanordnungen der Parapsychologie zu einer Methodik verhelfen, die auch von anderen Disziplinen anerkannt wird. Dennoch zeigt sich die Mainstream-Wissenschaft bis heute äußerst reserviert gegenüber der Parapsychologie. Ein zweites Ziel hat die Zunft nach Ansicht vieler ihrer Vertreter inzwischen jedoch erreicht: den empirischen Beleg für die Existenz von Psi. Aber was ist Psi überhaupt? Eine brauchbare Definition steht noch aus. Deshalb sehen viele Kritiker in Auflistungen von Einzelergebnissen – und seien sie auch, jedes für sich betrachtet, signifikant – bestenfalls ein Sammelsurium von Anomalien. Einen guten Überblick über die Argumente und Vermutungen von Psi-Befürwortern und –kritikern gibt der Band „Psi Wars“ (Exeter 2003), herausgegeben von James Alcock, Jean Burns und Anthony Freeman, ursprünglich erschienen als Sondernummer der interdisziplinären Zeitschrift Journal of Consciousness Studies. Durch die Bündelung von parapsychologischen und skeptischen Argumentationen sollte die unausgewogene Artikelauswahl früherer Ausgaben ein wenig ausgeglichen werden, so James Alcock. In den vorhergehenden Jahren sei eine ganze Reihe von Artikeln veröffentlicht worden, welche die Existenz von paranormalen Phänomenen durchaus in Betracht gezogen hätten, während skeptische Beiträge in der Unterzahl gewesen seien. Die Mühe hat sich gelohnt: Inzwischen ist der Band bereits zum Standardwerk avanciert. Kein Wunder, denn die Fülle des Gebotenen ist enorm. Der Wiener Psychologe Andreas Hergovich hat den Band für uns gelesen. In seinem Artikel (S. 4-12) stellt er die prägnantesten Aufsätze vor. Gemeinsam mit dem Mathematiker Volker Guiard hat sich Hergovich auch mit einem grundsätzlichen Problem nicht nur der Parapsychologie befasst, dem File-Drawer-Effekt (Schubladen-Effekt, S. 13-18). Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Forschung die Tatsache, dass unliebsame Daten oft unveröffentlicht im Aktenschrank verbleiben. Artikel zu Versuchen mit negativen Ergebnissen werden nur selten zur Veröffentlichung eingereicht. Darüber hinaus lehnen die Redaktionen wissenschaftlicher Zeitschriften derartige Studien eher ab als solche mit positiven Ergebnissen. Diese selektive Berichterstattung verzerrt nicht nur die öffentliche Wahrnehmung des jeweiligen Forschungsstandes, sie führt auch zu falschen Ergebnissen bei Metaanalysen, also zusammenfassenden Auswertungen mehrerer Studien zu einem Thema. Dabei versprechen sich Wissenschaftler von der Metaanalyse gerade ein besonders verlässliches Urteil über die Existenz eines Effektes, weil in dieser viel größere Datenmengen erfasst werden als in den Einzelstudien. Andreas Hergovich und Volker Guiard haben die verschiedenen Strategien zur Abschätzung der theoretischen Anzahl der nicht berücksichtigten Studien untersucht. Ihr Fazit: Bei näherer Betrachtung erweisen sie sich alle als relativ unsicher. Aber die beiden Autoren erwähnen auch neuere Ansätze, die derzeit diskutiert werden. Mit welchem Ergebnis, das bleibt abzuwarten.
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