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Christoph Bördlein: Das sockenfressende Monster
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Leseprobe als PDF-File (52 Kbyte): Einfluss des Mondes auf den Menschen
Kurzbeschreibung
Bördlein, C. (2002). Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Eine Einführung ins Skeptische Denken. Aschaffenburg: Alibri. ISBN: 3-932710-34-7 14,- € Eine allgemeinverständliche und anschauliche Einführung ins wissenschaftlich-skeptische Denken. Christoph Bördlein führt anhand vieler Beispiele aus Wissenschaft und Alltag ins skeptische, wissenschaftliche Denken ein. Allgemeinverständlich und unterhaltsam erklärt er, wie Wissenschaft als Methode, Thesen zu überprüfen, funktioniert. Ausführlich werden Möglichkeiten, sich zu täuschen, vorgestellt und Strategien, nicht in solche Fallen zu tappen, aufgezeigt. Vorwort Unser Leben ist voller Vermutungen und Behauptungen: Gibt es den Osterhasen? Ist die Erde eine flache Scheibe? Ist noch Senf im Kühlschrank? Warum häufen sich einzelne Socken in meinem Schrank und wohin verschwanden ihre Sockengeschwister? Wenn Sie sich „gemäß dem Erscheinenden und nach den väterlichen Sitten“ mit diesen Aussagen beschäftigen (wie Pyrrhon aus Ellis, den wir später in diesem Buch kennen lernen werden, empfahl), liegen die Antworten auf der Hand: Den Osterhasen gibt es – denn Ihre Eltern sagen, dass es ihn gibt. Die Erde ist eine flache Scheibe, denn so erscheint sie ja zweifelsohne. Wenn Sie glauben, dass noch Senf im Kühlschrank ist, dann ist noch Senf im Kühlschrank. Und die Socken verschwinden einfach ins Nichts, basta! Wenn Sie jedoch nicht dem ersten Eindruck und dem Althergebrachten folgen, dann fangen Sie an, kritisch zu denken. Dieses Buch kann Ihnen dabei helfen. “Normalerweise“ machen Sie sowieso den ersten Schritt in Richtung aufs kritische Denken: Sie glauben nicht einfach, dass noch Senf im Kühlschrank ist, Sie sehen nach, ob es sich so verhält. Wenn Sie aber nicht dem ersten Augenschein folgen, sondern genauer nachsehen, dann sind Sie ein Skeptiker. Ein Skeptiker glaubt nicht einfach, er prüft. Oft sind die Vermutungen und Behauptungen von großer Bedeutung für unser Leben. Beim Senf ist es meistens belanglos, ob Sie sich über sein Vorhandensein im Kühlschrank täuschen oder nicht. Hier genügt der erste Eindruck, das Kurz-mal-Nachsehen, denn wenn Sie sich täuschen, sind die Folgen relativ unbedeutend (z.B. ein fades Wurstbrot). Erstaunlicherweise nehmen Menschen aber auch bei schwerwiegenden Entscheidungen oft nicht die Mühe des kritischen Denkens auf sich. Bei der Entscheidung, mit welcher Therapie sie sich behandeln lassen, folgen sie dem nur schlecht begründeten Rat eines Bekannten („Bei mir hat das geholfen“). Wenn sie für viele tausende Mark einen Brunnen bohren lassen, verlassen sie sich auf den Ausschlag einer Wünschelrute. Wenn sie mit ihren Kinder nicht zurechtkommen, geben sie sie irgendjemandem, der meint, er könne durch Bewegungsübungen die „Energieströme“ der Kinder neu ordnen. – Ohne sich zu erkundigen, was an diesen Methoden „dran“ ist, ohne zu prüfen, was „Sache ist“! Dieses Buch kann Ihnen dabei helfen, richtige Entscheidungen zu treffen. Skeptisches Denken ist aber nicht nur nützlich, es macht auch Spaß. Von vielen Behauptungen, die ich Ihnen hier vorstelle, werden Sie nicht glauben, dass jemand sie im Ernst vertritt: Dass es eine antike Mars-Zivilisation gab, dass regelmäßig Menschen von Außerirdischen entführt werden und dass Gott geheime Botschaften im Text der Bibel versteckt hat. Trotzdem werden sie fair geprüft werden. Zudem erfahren Sie bei der Prüfung von Behauptungen viele Dinge, die „gut zu wissen sind“, z.B. was Hypnose wirklich ist und welchen optischen Täuschungen und Denkfehlern wir alle immer wieder erliegen. Dieses Buch ist aber auch ein Lehrbuch: Wenn Sie es durcharbeiten, sollten Sie danach besser in der Lage sein, zweifelhafte Behauptungen zu prüfen. Wenn Sie es als ein Lehrbuch benutzen wollen, versuchen Sie die ab und an auftauchenden Fragen an den Leser zunächst selbst zu beantworten. Machen Sie sich Notizen und benutzen Sie dieses Buch – denn nur durch aktive Auseinandersetzung lernt man wirklich. 1. Jeder kann sich mal irren... Haben Sie schon einmal etwas geglaubt, von dem sich nachher herausstellte, daß es falsch war? Sicher haben Sie schon einmal etwas geglaubt, von dem Sie nun wissen, daß es nicht stimmt. Das kann etwas ganz Banales sein (daß Kalkutta am Ganges liegt), etwas sehr Abstraktes (daß alle mathematischen Probleme lösbar sind), etwas, das Sie in Ihrer Kindheit geglaubt haben (daß es einen Osterhasen gibt) und vieles anderes. Dies ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aller möglichen Irrtümer. Man kann sich über fast alles täuschen, und einige Irrtümer sind so verbreitet, daß sie sogar in ein Lexikon - das “Lexikon der populären Irrtümer” - Eingang gefunden haben. Walter Krämer und Götz Trenkler (1996) listen hier Irrtümer aus allen möglichen Fachgebieten auf: Medizin, Statistik, Ernährung, Wirtschaft, Geschichte und andere mehr. Die Idee, einmal alle Irrtümer zu sammeln, ist auch gar nicht so neu: Adolf Brodbeck verfaßte bereits 1893 eine Art “Lexikon der populären Irrtümer”, nämlich “Die Welt des Irrthums. Hundert Irrthümer aus den Gebieten der Philosophie, Mathematik, Astronomie, Naturgeschichte, Medicin, Weltgeschichte, Aesthetik, Moral, Socialwissenschaften, Religion”. Auch er sieht bereits eine Zunahme des Unwissens und schreibt daher im Vorwort: “Häufiger, als je früher, finden wir, dass Jemand in einem oder einigen Gebieten zuhause ist, dabei aber in anderen Gebieten noch alten Irrthümern huldigt”. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind seine Richtigstellungen auch nach heutigem Kenntnisstand noch zutreffend, ja man muß bemerken, daß so mancher “Irrthum” noch heute verbreitet ist: “Es ist ein Irrthum zu meinen, dass kalte Waschungen und kalte Bäder für jedermann gut seien” (S. 46). Sie sehen, die Anzahl der Möglichkeiten, sich zu täuschen, ist fast unendlich. Und vermutlich ist ein großer Teil dessen, was wir zu wissen glauben, falsch. Wenn Sie mir bis jetzt folgen und mir eingestehen, daß es möglich ist, sich zu irren, dann können wir beginnen: Irgendwann einmal kamen Sie dazu zu bemerken, daß die Dinge sich nicht so verhalten, wie Sie es sich bis dahin dachten. Wie fanden Sie heraus, daß es falsch ist? Sie haben neue Informationen erhalten, indem Sie eigene Erfahrungen oder Beobachtungen gemacht haben oder indem Sie an den Beobachtungen oder Erfahrungen anderer teil hatten. Zum Beispiel haben Sie Ihren Vater erwischt, wie er die Ostereier im Garten versteckt hat. Oder Sie haben auf der Landkarte gesehen, daß Kalkutta gut 100 km vom Ganges entfernt liegt. Und so weiter. Meistens haben Sie vermutlich nicht bewußt versucht, ihre bisherige Überzeugung (der Osterhase bringt die Ostereier, Kalkutta liegt am Ganges) zu hinterfragen, sondern Sie sind mehr oder minder zufällig über die Wahrheit gestolpert. In vielen Fällen ist es vollkommen unwichtig, ob das, was Sie zu wissen glauben, auch wahr ist. Jedenfalls solange keine wichtigen Entscheidungen anstehen. Ob Kalkutta wirklich am Ganges liegt oder nicht, könnte z.B. dann für Sie wichtig werden, wenn Sie ein Kanufahrt auf dem Ganges planen, die in Kalkutta enden soll (Ich weiß nicht, ob Kanufahrten auf dem Ganges anzuraten sind. Ich stelle mir den Ganges als eine ziemlich dreckigen Fluß vor. - Aber vielleicht täusche ich mich ja darüber). Und ich muß zugeben, daß ich es irgendwie befriedigend finde, wenn das, was ich zu wissen glaube, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wahr ist, auch wenn aktuell keine Entscheidung ansteht. Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann sollten Sie sich jetzt folgende Frage stellen: Was aber ist der optimale Weg, das, was Sie zu wissen glauben, zu überprüfen? Sie können gezielt Informationen suchen, z.B. in einem Lexikon nachschauen, einen Inder aus Kalkutta fragen, sich Bücher über höhere Mathematik besorgen usw. Sie könnten sich auch schon vorher überlegen, was der Fall sein muß, um Ihre Annahmen zu bestätigen. Nach Aristoteles ist Wahrheit die Übereinstimmung einer Behauptung mit einem Sachverhalt (mit der Realität). Wenn Sie wissen wollen, ob etwas wahr ist, dann stellen Sie gewissermaßen Fragen an “die Welt da draußen”. Was müßte der Fall sein, damit Sie eine Aussage als “wahr” oder “richtig” akzeptieren könnten? Und die Welt gibt Ihnen Antworten: Was erwarten Sie von diesen Antworten, wie müssen diese aussehen, damit sie für Sie “wahr” sind? Genügt es Ihnen, daß sie von “einem Professor” stammen oder daß sie in einem Buch stehen? Was gehört noch zum “Wissen”, daß etwas “wahr” ist? Daß in Büchern nicht immer die Wahrheit steht, ist ja bekannt. Und auch Professoren und andere Autoritäten können sich irren: Vielleicht haben sie es selbst nur gehört, vielleicht haben sie nur bei jemandem abgeschrieben, der es selbst nicht genau wußte. So ist z.B. die - irrige - Annahme, Spinat sei besonders eisenhaltig, auf eine falsch gesetztes Komma in einer wissenschaftlichen Publikation zurückzuführen. Spätere Autoren übernahmen den Tippfehler. Offenbar genügt es nicht, daß eine Aussage von einer Autorität stammt, damit sie “wahr” wird. Wir kommen anscheinend nicht umhin, die Übereinstimmung der Behauptung mit der Realität selbst zu prüfen. Christoph Boerdlein |
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