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Schon gehört?
Durch die Wälder der Oberpfalz streift ein gefährlicher schwarzer Panter.
Echt wahr. Er soll etwa 1,80 Meter groß sein und einen langen Schwanz haben, heißt es. Falls Sie ihm begegnen, bleiben Sie am besten ganz ruhig
stehen und schauen Sie dem Tier in die Augen, raten Experten. Spätestens dann wird die Raubkatze weglaufen.
Apropos Gefahr: Bei einer Schifffahrt auf dem Genfer See ist gerade neulich erst eine Frau gestorben, weil sie aus einer alten Cola-Dose getrunken hat, deren Rand mit
Rattenurin verseucht war.
Und noch was Erfreuliches: ARD und ZDF müssen nach einem Gerichtsurteil Rundfunkgebühren in Milliardenhöhe an die Fernsehzuschauer zurückzahlen.
Da wir gerade beim Thema Geld sind: Wussten Sie, dass jeder Verbraucher, der Waschmittel oder Kosmetikprodukte der Firma Procter& Gamble kauft, damit die amerikanische
Satanskirche unterstützt? Dass Pop-Sirene Christina Aguilera einen Porno gedreht hat? Oder dass wir seit kurzem im »Wassermann-Zeitalter« leben?
Natürlich wissen Sie das. Es stand ja schließlich in der Zeitung. Oder in einer E-Mail, die heute Morgen in Ihrem elektronischen Postfach aufgelaufen ist.
Oder jemand hat es Ihnen erzählt. Und dieser jemand wiederum weiß es vom Lebensgefährten der Nichte seines Nachbarn.
Eine andere Frage: Glauben Sie das alles? Dass Tampons lebensgefährliches Asbest enthalten. Dass Menschen plötzlich in Flammen aufgehen und von innen heraus verbrennen.
Dass Teeny-Star Britney Spears bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.
Dass im Döner-Sandwich eine tödliche Wurmart lauert, die sich durch den ganzen Körper bis ins Gehirn frisst.
Oder dass Touristen in exotischen Ländern einer Niere beraubt werden.
Sagen wir mal so: Wir neigen ausgesprochen gern dazu, solche Storys und Gerüchte für bare Münze zu nehmen. Und wir empfinden einen angenehmen Kitzel dabei,
sie weiterzuerzählen. Wieso eigentlich?
»Weil sie eine Menge darüber aussagen, wer wir sind und was wir fürchten«, meint der Produzent der TV-Serie »Akte X«, Chris Carter, der eine ganze Reihe von
seltsamen Geschichten, die angeblich das Leben schrieb, in seine kultigen Düster-Dramen eingebaut hat.
Und nicht nur er.
In dem Hollywood-Hit »Men in Black« verkörpern Tommy Lee Jones und Will Smith zwei coole Alien-Jäger, die die Erde »vor dem Abschaum des Universums beschützen«.
Im Klartext: »Agent K« und »Agent J« bringen Außerirdische zur Strecke, die von den Regierungen heimlich geduldet wurden, sich aber als asozial geoutet haben und zu
viel öffentliche Verwirrung auf unserem blauen Planeten stiften. So weit der Plot der abgefahrenen Space-Komödie.
Doch es gibt auch einen echten Mythos um die »Männer in Schwarz«. Und der wabert schon seit den 1950ern um die Welt – als so genannte Wandersage oder Großstadtlegende,
als FOAF-Erzählung (»Friend of a Friend«), deren Urheber meist der Freund eines Freundes sein soll, aber selten ausfindig zu machen ist.
Das ist nichts Ungewöhnliches.
Viele »Urban Legends« sind im Kern uralt, werden aber immer wieder neu ausgemalt und modernisiert.
Die aktuellen Nachkommen der alten Legenden, Sagen, Märchen und Balladen ranken sich zum Beispiel um Verrückte, die mit einer »Aids-Spritze« durch Diskotheken
ziehen und wahllos unschuldige Szene-Gänger infizieren.
Oder um einen Schauspieler, der sich nach autoerotischen Experimenten eine lebendige Maus in der Klinik-Notaufnahme aus dem Rektum entfernen lassen muss.
Oder um außerirdische Besucher, die nächtens Frauen kidnappen und an Bord ihrer Raumschiffe verschleppen.
Oder um einen anonymen Geschäftsvorschlag, beim Transfer von vielen Millionen US-Dollar aus einem fremden Land Hilfestellung zu leisten – üppig entlohnt
natürlich.
Mit anderen Worten:
Es geht um Abenteuerlust, Habgier, Schadenfreude, Machbarkeitsdenken, Eifersucht, Ressentiments, Vorurteile oder aber um die Wiederverzauberung unserer »kalten«,
rationalen Welt – um zeitlose Erzählstoffe also, die vagabundierende Ängste, Wünsche und Befindlichkeiten in eine Form gießen.
Schon vor dem Internet-Zeitalter hat der Volkskundler Rolf Wilhelm Brednich viele klassische Wandersagen analysiert und in Büchern wie »Die Spinne in der Yucca-Palme«
beschrieben.
Doch die mündlich oder in den Tageszeitungen überlieferten »düsteren Legenden« haben starke Konkurrenz aus der virtuellen Realität bekommen: durch so
genannte »Rumors«, zu Deutsch: Internet-Gerüchte.
Nehmen wir nur den 11. September 2001, den Tag der »Terror-Apokalypse«. In Windeseile rumorten nach der WTC-Katastrophe in New York undurchsichtige
Verschwörungstheorien – die in diesem Buch nicht Thema sein können.
Wohl aber die bald darauf folgende Wander-Warnung, am 30. und 31. Oktober keine Einkaufszentren oder andere öffentliche Einrichtungen zu betreten, denn es könne
dort weitere Anschläge geben. Die Quelle hierfür: ein angeblicher Abschiedsbrief, den ein Araber seiner Freundin in Süddeutschland geschrieben haben
soll, die das Ganze wiederum ihrem Cousin erzählte …
War es ein Zufall, dass sich dieses Gerücht ausgerechnet an den 31. Oktober festkrallte? An diesem Tag wird nicht nur in Amerika Halloween begangen, das Fest der
Masken und Geister.
Höchstwahrscheinlich war es kein Zufall. Aus unverstandenen Ereignissen erwachsen unverarbeitete Gefühle. Mit einem Mal waren die Terroristen der neue
»Boogeyman«, der »schwarze Mann« aus unseren Kindertagen, eine archetypische Schreckensgestalt. Und sind sie noch immer. Denn nach dem 11. September 2001 begann der
anhaltende »Krieg gegen den Terror«, und aus den wild kursierenden Web-Mythen lässt sich wohl auch die Sehnsucht nach irgendeiner Art von Ordnung im Chaos ablesen,
nach einer ganz eigenen Weltsicht, gleichberechtigt neben den neuesten Agenturmeldungen.
Viele Zeitgenossen hätten »zunehmend Schwierigkeiten, Gerüchte und Realität zu unterscheiden«, wunderte sich die »New York Times«. Doch mit
Leichtgläubigkeit hat das Phänomen der elektronischen Enten nur wenig zu tun. Das Faszinierende an Mythen bleibt trotz aller logischen Erklärungen
bestehen: Es könnte ja doch etwas dran sein …
Wandersagen passieren mehr oder weniger ungefiltert den kritischen Verstand, weil sie sich an eine andere, überlegene Instanz richten: an unser Gefühl.
Eine Studie im renommierten »Journal of Personality and Social Psychology« kommt zu dem Schluss, dass eine Urbane Legende die weiteste Verbreitung findet, wenn sie an
starke Emotionen appelliert wie Angst, Ekel oder Empörung.
Kennen Sie etwa nicht die Geschichte von den Alligatoren in der Kanalisation?
Doch, natürlich.
Und es fällt uns auch überhaupt nicht schwer, sie zu glauben.
Wieso auch nicht? Viele unserer Großstädte sind anscheinend längst zu einem gefährlichen Dschungel geworden. Und dazu passt denn auch irgendwie die
Vorstellung, dass darunter ein Hades fließt und Furcht erregende Bestien sich darin tummeln.
Mit dem Internet hat die Verbreitung von Mythen und anderen Luftnummern eine ganz neue Dimension erreicht. Denn mit dem World Wide Web steht erstmals ein Medium zur
Verfügung, das die Wiedergabetreue des Schreibens und die Langlebigkeit der mündlichen Überlieferung mit der Geschwindigkeit des Telefons kombiniert.
Und nicht nur das.
»Scham- und Peinlichkeitsgrenzen sinken in der anonymen Netzstruktur«, stellt der Medienwissenschaftler Axel Becker von der Uni Mannheim fest. Nirgendwo kocht die
Gerüchteküche so schnell und heiß wie im Internet.
Willkommen im Desinformationszeitalter.
Apropos Internet:
Wussten Sie schon, dass skrupellose Geschäftemacher neugeborene Miezen in Einmachgläser quetschen und sie später als »Bonsai-Kätzchen« feilbieten?
Dass so genannte »Snuff«-Filme kursieren, in denen Menschen real und nur für die Kamera getötet werden?
Dass ein Geologen-Team in Sibirien die Hölle angebohrt hat?
Dass man Menschen mit einem »Zombie-Pulver« zu willenlosen Sklaven machen kann?
Wie gesagt: Wir haben unleugbar ein Bedürfnis, solche Geschichten zu hören – und zu erzählen.
Denn in solchen Momenten werden wir selbst zu einer Art Stephen King, mit der einzigartigen Fähigkeit des berühmten Grusel-Autors, das Merkwürdige,
Skurrile, Empörende, Unvorhersehbare und Schreckliche in den banalen Alltag einbrechen zu lassen.
Manche der modernen Mythen nehmen sich absurd aus.
Andere recht plausibel.
Wie die Geschichte vom schwarzen Panter in einheimischer Wildbahn.
Vielleicht ist das Raubtier ja aus einem Tierpark oder einem Wanderzirkus ausgerissen.
Es wird aber nirgendwo eine Raubkatze vermisst?
Macht nichts.
Manchmal klingen Großstadtsagen einfach zu gut, um falsch sein zu können.
Oder zu gut, um wahr zu sein?
Egal.
Eins von beiden eben.
Inhaltsverzeichnis:
1. Außerirdische
Alien Autopsie 15,
Alien-Entführungen 17,
Area 51 19,
Astronautengötter 22,
Das Bermuda-Dreieck 24,
Das Greifswald-Rätsel 26,
Der Hühnermensch von Waldenburg 27,
Kornkreise 28,
Das Marsgesicht 30,
Men in Black 31,
Die MJ-12-Dokumente 33,
Die Partherbatterie 35,
Der Roswell-Crash 36,
Das Sirius-Rätsel 38,
Ufos 40,
Die Ufo-Verschwörung 43
2. Computer und Internet
Die Afrika-Connection 47,
Gewinnspiele/Geschenk-Aktionen 51,
Glückskette 53,
Petitionen 57,
Schneeballsysteme 58,
Tränendrüsen-Briefe 59,
Virus-Warnungen 62
3. Esoterik
Astrologie 65,
Aura 70,
Channeling 72,
Feng-Shui 74,
Feuerlaufen 77,
Hexen 78, Intuition 80,
Kristallschädel 81,
Ley-Linien 84,
Lichtnahrung Mond 85,
Palmblatt-Bibliotheken 88,
Die Prophezeiungen von Celestine 90,
Reinkarnation 91,
Wassermann-Zeitalter 95,
4. Gesellschaft
Angriffe mit Aids-Spritzen 97,
Asbest in Tampons 98,
Attentats-Warnungen 99,
Blut-Schokolade und -Wein 101,
Busenstarren hält
Männer fit 102,
Döner-Wurm 103,
Dosentod 104,
Freitag, der 13. 105,
Ikea-Horror 107,
"Licht aus!" 108,
LSD-Klebebilder 109,
Maria im Spiegel 111,
Phantomclowns 112,
Tödliche Briefumschläge 113
5. Medien
Amityille Horror 115,
Backward-Masking 117,
Blair Witch Project 121,
"Der Exorzist" 122,
Harry Potter 127,
Lukas - Vier Jahre Hölle und zurück 128,
"Poltergeist"-Fluch 131,
Ramona und "The black Omen" 132,
Science oder Fiction? 136,
Snuff-Filme 137,
Star Trek 141,
Subliminale Beeinflussung 144
6. Medizin
Augentraining 149,
Bach-Blüten 150,
Biorhythmus 153,
Blutgruppendiät 154,
Entschlacken 157,
Fünf Tibeter 158,
Geistchirurgie 159,
Hai-Knorpel 161,
Heilsteine/Hildegard-Medizin 163,
Homöopathie 165,
Nierenklau 170,
Positiv denken 173,
7. Paranormales
Astralreisen 175,
Der FLuch des Pharao 178,
Gesiter 180,
Uri Geller 182,
Mühlhiasl, der Waldprophet 186,
Nostradamus 190,
Die Papst-Weissagungen des Malachias 192,
Parapsychologie 194,
Pendeln, 197,
Poltergeist 198,
PSI-Agenten 202,
Spiritismus 204,
Spontane menschliche Selbstentzündung 207,
Tonbandstimmen 210,
Wahrsagen 212,
Wünschelrute 214,
8. Prominente
AC/DC 219,
Christina Aguilera 220,
Blondie 221,
Mariah Carey 223,
Cher 223,
Jamie Lee Curtis 225,
John Denver 227,
Mel Gibson 228,
Kiss 229,
Jennifer Lopez 230,
Paul McCartney 232,
Eddie Murphy 234,
Ozzy Osbourne 236,
Sylvester Stallone 237,
9. Religion
Der Bibel-Code 239,
Blut und Tränenwunder 241,
Das dritte Geheimnis von Fatima 245,
Shaolin-Mönche 249,
Bill Gates, Antichrist 250,
Die Hölle angebohrt? 252,
Die Jedi-Religion 253,
Der Jesus-Klon 254,
Lichtkreuze 255,
Procter&Gamble und die Satanskirche 256,
Das 6. und 7. Buch Mosis 258,
Stigmata 259,
Das Turiner Grabtuch 262,
Unverweste Leichname 268
10. Sex
Akt im All 275,
Neil Armstrong und "Mr. Gorsky" 276,
Bettmann 277,
Liebes-Hummer 278,
"Mausen" 280,
Mündliche Befriedigung 281,
Scheidenkrampf 282
11. Tiere
Alligatoren in der Kanalisation 285,
Bigfoot 286,
Bonsai-Katzen 288,
Geisterkatzen 289,
Godzilla und Co. 292,
Nessie 293,
Yeti 295
12. Wissenschaft und Technik
Benzinspar-Mythen 299,
Eis-Bomben 300,
Graham Hancock und die versunkene Superzivilisation 302,
Kalte Kernfusion 307,
Kugelblitze 308,
Magnetberge 310,
Philadelphia-Experiment 311,
Radarblitz-Mythen 313,
Tachyonen 314,
Der Zehn-Prozent-Mythos 316,
Zombies 317
Autor:
Bernd Harder, geboren 1966, arbeitet als Journalist für die Zeitschrift Skeptiker und ist Pressesprecher der GWUP. Seit Jahren veröffentlicht er zu
parawissenschaftlichen Themen und hat zahlreiche Bücher über das "Übersinnlche" veröffentlicht.
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