Bermuda Dreieck

Laut Duden (21. Auflage, 1996) ist das Bermuda-Dreieck ein "Teil des Atlantiks in dem sich auf bisher nicht befriedigend erklärte Weise Schiffs- und Flugzeugunglücke häufen" und auch in die Alltagssprache hat der Begriff Eingang gefunden: verschwindet eine Sache im Bermuda-Dreieck, dann kann man sich die weitere Suche danach getrost sparen. Was aber steckt wirklich dahinter? Als Bermuda-Dreieck oder "Devil's Triangle" (Teufelsdreieck) wird das Meeresgebiet zwischen den Bahamas, Bermuda und der US-Amerikanischen Ostküste bezeichnet, in dem die schon erwähnten Schiffe und Flugzeuge auf mysteriöse Weise verschwunden sein sollen. Schon Christoph Columbus, der als erster namentlich bekannter Seefahrer dieses Gebiet durchfuhr, berichtet von geheimnisvollen Geschehnissen und seit den fünfziger Jahren wuchs die Legende um das auch als "Kerker der Verschollenen" bezeichnete Gebiet insbesondere im Zusammenhang mit den damals häufigen UFO-Berichterstattungen weiter an. Das Interesse an den vermeintlich übernatürlichen Phänomenen erreichte 1974 seinen Höhepunkt, nachdem Charles Berlitz und J. Manson Valentine mit ihrem Buch "The Bermuda Triangle" (in Deutschland 1977 im Verlag Droemer Knaur erschienen) einen absoluten Bestseller landen konnten, der weltweit Millionenauflagen erzielte. Als Indiz für das Phänomen Bermuda-Dreieck wird dort - wie bei anderen Autoren vorher - eine Liste spurlos verschwundener Schiffe und Flugzeuge genannt, wobei allerdings schon die Größe des betrachteten Areals nicht immer der "klassischen" Definition des Bermuda-Dreiecks entspricht - fügen doch einige auch die Azoren und die Westindischen Inseln hinzu und vergrößern so dieses "hochgefährliche" Gebiet von 500.000 Quadratkilometern auf die etwa dreifache Größe.

Die Geschichten aus dem Bermuda-Dreieck ähneln sich auffallend: Entweder Schiffe oder Flugzeuge verschwinden bei besten Wetterbedingungen, ruhiger See und trotz erfahrener Piloten bzw. Mannschaft spurlos oder ein verlassenes, aber ansonsten völlig intaktes Schiff wird treibend im Meer gefunden während die an Bord befindlichen Personen verschollen bleiben. Bei einigen Fällen spielen häufig auch unklare und merkwürdige Funksprüche eine Rolle. Als potentielle Ursachen dieser Geschehnisse werden unter anderem Entführungen durch Außerirdische oder von dem versunkenen Kontinent Atlantis ausgehende, gefährliche "Kraftfelder" genannt. Das berühmteste Beispiel ist die Geschichte von "Flug 19", dessen Crew in Steven Spielbergs erfolgreichen Kino-Film "Die Unheimliche Begegnung der dritten Art" aus dem Jahr 1977 von einem UFO zur Erde zurückgebracht wird. Während Bücher über das Bermuda-Dreieck von 6 Flugzeugen mit erfahrenen Piloten auf einem Routineflug über dem Meer erzählen und von mysteriösen Funksprüchen kurz vor dem plötzlichen Verschwinden der Maschinen berichten sind die wahren Gründe dieser Tragödie eher profaner Natur: Eine Gruppe unerfahrener Piloten (die meisten noch in Ausbildung) verirrt sich in der Luft auf Grund fehlerhafter Navigation bei teils sehr schlechten Witterungsbedingungen; meldet sich auch noch mehrmals während der nächsten Stunden über Funk, fliegt aber, da sie sich an einem völlig anderen Ort wähnt, statt in Richtung "rettendes Ufer" weiter aufs offene Meer hinaus - bis ihnen der Treibstoff ausgeht und die Flugzeuge nach der Wasserung bei hohem Wellengang im Meer versinken. Bei anderen mysteriösen Geschichten wird schon mal aus einem bei Sturm gesunkenen, kaum seetauglichen Seelenverkäufer ein "unsinkbares" Schiff, dass bei ruhiger See plötzlich verschwunden ist. Auffallend auch, dass viele der mysteriösen Geschichten von Veröffentlichung zu Veröffentlichung (die entsprechenden Autoren beziehen sich in der Regel auf ihresgleichen) noch mysteriöser und nicht selten immer detaillierter und fantastischer werden (auch wenn sie schon sehr lange zurückliegen).

Ein Jahr nach dem Bestseller von Berlitz und Valentine erschien das Buch "The Bermuda Triangle Mystery- Solved!" von Lawrence Kusche (deutsch: "Die Rätsel des Bermuda-Dreiecks sind gelöst!", erschienen bei rororo, 1980). Dieses Werk, das noch heute als Klassiker der skeptischen Recherche gilt, räumte mit einer ganzen Reihe von Vermutungen, Halbwahrheiten und Erdichtetem zum Thema auf. Kusche zeigte, dass nichts an diesem Teil des Atlantiks ungewöhnlich ist. Die Zahl der verschwundenen Schiffe und Flugzeuge ist nicht höher als in anderen, auf Grund des Verkehrsaufkommens vergleichbaren, Gebieten auf den Weltmeeren und die überwiegende Mehrzahl der "sensationellen" Fälle verliert bei Betrachtung der im Buch zur Verfügung gestellten Originalquellen ihren mysteriösen Touch völlig. Inzwischen ist es um das Thema merklich ruhiger geworden. 1980 präsentierte Berlitz einige neue "unerklärliche" Unfälle, die sich jedoch als überhaupt nicht unerklärlich herausstellten und außerdem - bis auf drei Ausnahmen - gar nicht dem Bermuda-Dreieck zuzuordnen waren. Für Aufregung sorgte 1991 die Meldung, ein Flugzeugwrack aus der Nähe von Fort Lauterdale wäre als eines der Flugzeuge von "Flug 19" identifiziert worden, doch dies stellte sich schnell als Missverständnis heraus. Obwohl auch weiterhin Schiffs- und Flugzeugunglücke im Atlantik geschehen, werden diese heute nur noch selten (… mit Ausnahme einschlägiger Internetforen!) mit dem Bermuda-Dreieck in Verbindung gebracht.

Für das Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen im Bermuda-Dreieck sollen Gasausbrüche verantwortlich sein. Ist das möglich?

Gas im Bermuda-Dreieck?

Diese Hypothese wurde offenbar erstmals 1982 von dem Geologen Richard McIver vorgestellt. In seinen eigenen Worten: "Wiederkehrende natürliche Ausbrüche von Gas (...) könnten daher einige der vielen mysteriösen Fälle verschwundener Schiffe oder Flugzeuge erklären - insbesondere in Gegenden, in denen das Tiefseesediment große Mengen von Gas in Form von Hydraten enthält. Dies könnte vor der südöstlichen Küste der USA der Fall sein, ein Gebiet, das dafür bekannt ist, dass dort zahlreiche Schiffe und Flugzeuge verschwunden sind." (McIver 1982). McIver spricht hier nicht von klassischen Erdgaslagerstätten, sondern von so genannten Gashydraten. Unter Druck und bei tiefen Temperaturen kann sich Methangas, das z. B. beim Zerfall organischer Substanz gebildet wird, mit Wasser zu einer festen, eisartigen Masse verbinden. Diese Gashydrate oder Clathrate waren im Labor seit langem bekannt, doch erst in den 70er Jahren wurden sie in Meeressedimenten entdeckt - und zwar tatsächlich vor der Küste des US-Bundesstaates South Carolina. Der Verdacht lag nun nahe, dass sie durch untermeerische Erdrutsche instabil werden und plötzlich große Gasmengen freisetzen könnten, die das Wasser aufschäumen und Schiffe sinken lassen könnten. Wie plausibel ist diese Theorie? Inzwischen wurden Gashydrate in vielen weiteren Meeresgegenden entdeckt - ab einer Tiefe von ca. 300m sind sie stabil. Warum sollten sie dann nur im Bermuda-Dreieck zu Katastrophen führen?

Tatsächlich wurde 1991 die Freisetzung von Gas aus Gashydraten im Ochotskischen Meer nachgewiesen - allerdings mit sechs Milliliter Methan pro Liter Wasser viel zu wenig, um eine Gefahr für die Schifffahrt darzustellen, und nirgendwo sonst konnte ein ähnlicher Gasgehalt im Wasser gemessen werden. Auch die Belege für eine ruckartige Freisetzung großer Gasmengen, wie sie für die "schäumende See" der Bermuda-Theorie nötig wäre, entpuppen sich als wenig alarmierend: Geologische Untersuchungen des Meeresbodens im Bermuda-Dreieck erbrachten zwar Hinweise auf katastrophale Erdrutsche - aber bereits vor 15 000 Jahren, am Ende der Eiszeit. Damals wurden die Gashydrate durch starke Temperaturänderungen sowie Meeresspiegel- und damit Druckschwankungen instabil. Unter heutigen Bedingungen sind große Ausbrüche kaum möglich, wie William Dillon vom US Geological Survey mit Hilfe eines Instrumentes mit dem passenden Namen GHASTLI (Gas Hydrate and Sediment Test Laboratory Instrument) feststellen konnte. Obwohl also gefährliche Gasausbrüche prinzipiell möglich sind, ist es doch extrem unwahrscheinlich, dass sie im heutigen Bermuda-Dreieck eine Rolle spielen, und sie sind sicher nicht häufig genug, um viele Schiffe über einen langen Zeitraum hinweg verschwinden zu lassen. Was ließ dann die Schiffe verschwinden?

Verschwanden sie überhaupt? Der Mythos wurde zuerst durch den 1974 erschienenen Bestseller "The Bermuda Triangle" von Charles Berlitz bekannt, in dem er das Verschwinden von 37 Flugzeugen und 38 Schiffen beschrieb. Eine Nachprüfung der Fälle durch den Autor Lawrence Kusche (1975) ergab jedoch, dass Berlitz mit den Fakten sehr großzügig umgegangen war: Namen und Daten stimmen nicht; Schiffe, von denen Berlitz behauptet, sie seien bei strahlend blauem Himmel verschwunden, gerieten tatsächlich in einen Orkan; andere sanken gar nicht im Bermuda-Dreieck, sondern im Pazifik; wieder andere scheinen gar nie existiert zu haben. Fazit: Das Mysterium des Bermuda-Dreiecks ist größtenteils eine Erfindung Berlitz'. Auch die Versicherung Lloyds in London bestätigte im Rahmen der Dokumentarsendung "Equinox - The Bermuda Triangle" des britischen Fernsehsenders Channel 4, dass im Bermuda-Dreieck nicht mehr Unglücke passieren als in anderen viel befahrenen Regionen.

Letztendlich versucht also die Gashydrat-Theorie des Bermuda-Dreiecks ein Rätsel zu lösen, das keines ist. Unabhängig davon lohnt sich jedoch das Studium von Gashydraten: Einerseits könnten sie für die Zukunft eine reiche Energiequelle darstellen, denn in ihnen ist - vorsichtig geschätzt - doppelt so viel Energie wie in allen bekannten fossilen Lagerstätten gespeichert. Andererseits ist es durchaus möglich, dass es im Zuge der derzeitigen Erderwärmung wieder zu Methanausbrüchen ähnlich denen der letzten Eiszeit kommen kann (Suess et al. 1999).

Literatur:

Linktipps:


[ Home | Aktuell | Skeptiker | Themen | Shop | Über uns | Mitglieder | Kontakt ]

Fragen, Probleme, Anregungen?

©1996-2008 GWUP e.V.