Edu-Kinestetik / Brain-Gym

Innerhalb der letzten zwanzig Jahre hat sich ein gewerblicher Lebenshilfe-Markt etabliert, dessen Angebote u.a. die Heilung körperlicher Beschwerden, psychischer Störungen, die Bewältigung von Lebenskrisen, Leistungssteigerungen u.v.m. versprechen. In den letzten Jahren sind zunehmend Eltern, Kinder und Pädagogen zu Adressaten dieses "Psycho-Marktes" geworden. Zahlreiche Ansätze und Methoden beziehen sich nun explizit auf pädagogische Probleme und drängen immer stärker in pädagogische Arbeitsfelder vor.

Den größten Zulauf unter den speziell für den pädagogischen Bereich angebotenen Methoden und Therapien kann in den letzten Jahren die sogenannte "Edu-Kinestetik" (auch: "Brain-Gym") verzeichnen. Insbesondere für die Schule kann man von einem regelrechten Boom dieses Ansatzes sprechen. Edu-Kinestetik wird von vielen Lehrern und Heilpädagogen praktiziert und ist in einigen Bundesländern offizieller Bestandteil der Lehrerfortbildung. Die Edu-Kinestetik hat sich aber auch in der kindertherapeutischen Praxis (z.B. bei Psychologen, privaten "Lernberatern" -meist ehemalige Lehrer- sowie Heilpraktikern) etabliert. Etliche "Kinesiologen" bieten heute in Schulen, Volkshochschulen, in der Lehrerfortbildung und privaten Praxen eine Behandlung von Kindern mit Edu-Kinestetik bzw. entsprechende Kurse an.

Ihre Vertreter behaupten, mit der Edu-Kinestetik eine Methode zur Lösung vielfältiger pädagogischer Probleme vorzulegen. Ihr Begründer Paul Dennison, so heißt es u.a., sei ein "Pionier in Angewandter Gehirnforschung" und habe Edu-Kinestetik auf dem Hintergrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt. Dreh- und Angelpunkt der Edu-Kinestetik sind körpernahe Behandlungstechniken, die beim Menschen angewandt angeblich viele positive Wirkungen erzielen können. Dabei werden vor allem positive Effekte für den (schul)pädagogischen Bereich bzw. für die Anwendung bei Kindern versprochen, so z.B. die Beseitigung von Lernschwierigkeiten, von Hyperaktivität und Ängsten, vermehrte Leistungssteigerungen oder eine "Erweiterung des Gehirnpotentials". Mit Slogans wie "Bewegung ist das Tor zum Lernen" oder dem Verweis auf "Ganzheitlichkeit" u.ä. erweckt Edu-Kinestetik den Anschein eines (reform)pädagogischen und humanitär orientierten Ansatzes.

Sie möchten mehr Informationen zum Thema? Infoblatt der GWUP zu den Themen Edu-Kinestetik und Brain-Gym als PDF.

Pro-Literatur:

  • Dennison, Paul E. (1996): Befreite Bahnen. Verlag für Angewandte Kinesiologie.
  • Dennison, Paul E.;Dennison, Gail (1998b) : Brain-Gym®. Lehrerhandbuch. Verlag für Angewandte Kinesiologie.
  • Dennison, Paul E.;Dennison, Gail (1998a): Edu-Kinestetik für Kinder. Das Handbuch der Edu-Kinestetik für Eltern, Lehrer und Kinder jeden Alters. Verlag für Angewandte Kinesiologie, 1998.
  • Koneberg, Ludwig und Gabriele Förder: Kinesiologie für Kinder- Damit Lernen mehr Spaß macht. GU, 1996.

kritische Literatur:

  • Walker, Barbro (2004): Edu-Kinestetik- ein pädagogischer Heilsweg? In: Die Deutsche Schule, Nr.4/2004, S. 514-515.
  • Walker, Barbro (2004): Edu-Kinestetik - ein pädagogischer Heilsweg? Eine kritische Analyse. Tectum-Verlag, Marburg.
  • Hund, Wolfgang (1998): Edu-Kinestetik als pädagogische Wunderwaffe? In: Skeptiker 1, S. 23-26.
  • Hund, Wolfgang (1997): Edu-Kinestetik: Denk-, merk-, frag- würdig?. Kritische Anmerkungen zu einer "neuen Methode". In: Grundschulmagazin 7-8/.
  • Kierspe-Goldner, Claudia (2001): Erdknöpfe und Denkmützen. Dubiose Angebote auf dem Nachhilfe- und Lernförderungsmarkt. In: Schulheft, Nr. 103,S. 65-73.
  • Walker, Barbro (2004):Edu-Kinestetik - Ein seriöser, wissenschaftlich fundierter und pädagogisch sinnvoller Ansatz? In: Skeptiker 3, S. 88 - 95. Lesen Sie hier die ersten zwei Seiten des Artikels.
  • Logen, Andrea, Fügemann,Christiane, Minsel, Wolf-Rüdiger, Stephan, Egon (2004): Stressreduktion und Leistundsverbesserung : hält Brain-Gym was es verspricht? (PDF-File)

Linktipps:


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