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Erdstrahlen
Die Technik, verborgene Gegenstände oder Strukturen mit der Wünschelrute aufspüren zu wollen, lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie begann damals als eine Methode, das Vorkommen von Erzen festzustellen. Hierbei begingen geländekundige Bergleute vermutete Erzlagerstätten und versuchten, mittels Wünschelrute Erzadern anzuzeigen. Inwieweit dies einer "Mutung" (Lokalisation durch den Wünschelrutenausschlag) im heutigen Verständnis entsprach oder ob diese Zeremonie zur Tarnung eines tradierten Geheimwissens über die Lage der Erzgänge diente, ist heute nicht mehr nachzuprüfen und bleibt Spekulation. Nach den Schilderungen von Zeitzeugen war das Verfahren bereits damals unter den Bergleuten sehr umstritten. Vom Ursprungsland Deutschland hat sich diese volkstümliche Technik inzwischen weltweit verbreitet. Meistens steht heute die Wassersuche im Vordergrund. Einen neuen Schub erhielt das Thema mit dem 1932 erschienenen Buch "Erdstrahlen als Krankheits- und Krebserreger" des Gustav Freiherrn von Pohl. Durch diverse Experimente versuchte er zu belegen, dass Krebserkrankungen besonders häufig über Orten mit angeblichen "Reizströmen" oder "Wasseradern" auftreten. Der Freiherr gilt auch heute noch - ungeachtet seiner methodischen Fehler - bei vielen Anhängern der "Radiästhesie" (Strahlenfühligkeit) als seriöse Referenz. Die populäre Version behauptet, viele Krankheiten hätten ihre Ursache darin, dass Betroffene ihren Schlafplatz über einer "Störzone" hätten. Folglich bieten Wünschelrutengänger heute nicht nur ihre Dienste an, um günstige Bohrpunkte für Brunnen zu bestimmen, sondern auch, um vermeintlich gefährliche "Störzonen" ausfindig zu machen. Betroffene sollen dann ihre Schlafplätze in "störungsfreie" Zonen verlegen. Daneben werden von Wünschelrutengängern und "Geobiologen" zahlreiche "Abschirmvorrichtungen", angeblich wirksame Hausmittel (Spiegel, Stroh, Korkmatten etc.) oder auch Schutzrituale vermarktet. In letzter Zeit entstand eine Reihe weiterer Behauptungen: Die ganze Erde sei mit "globalen Gitternetzen" überzogen, wobei das "Hartmann-Netz" und das "Curry-Netz" die bekanntesten Vertreter darstellen. Die Wünschelrute wird zudem für unzählige weitere Zwecke eingesetzt, wie z.B. zum Aufspüren von Lawinenopfern, Leitungen, archäologischen Fundstätten und Kriminellen. Zu diesen Behauptungen gibt es eine Reihe von Einwänden, die sich aus bisherigen gesicherten Erkenntnissen ergeben: Die weit verbreitete Vorstellung von Wasseradern (also kanalartigen, Wasser führenden Gebilden unter der Erde) stimmt mit geologischen Erkenntnissen nicht überein. Wasser ist fast überall flächig - und nicht etwa in "Adern" - als Grundwasser anzutreffen. Das Grundwasser fließt in Sanden und Kiesen im Porenraum des Untergrundes oder in Festgesteinen in schmalen, flächig verteilten Fugen und Spalten. Nur selten und auch nur in bestimmten Gebieten erfolgt der Grundwasserfluß in großen Spalten oder überfluteten Höhlensystemen, die als lineare Strukturen der Vorstellung von "Wasseradern" ansatzweise entsprechen könnten. Die durch "Mutungen" angeblich festgestellten "Wasseradern" verlaufen meist entgegen der tatsächlichen Geologie unregelmäßig, oft werden von den Wünschelrutengängern sich bachartig windende Wasserläufe aufgezeichnet. Diese Vorstellungen über die Grundwasserverhältnisse decken sich auffallend mit einer in früheren Zeiten verbreiteten, sehr einfachen Volksmeinung über den geologischen Aufbau des Untergrundes. Hierbei werden Strukturen aus dem an bestimmten Stellen zugänglichen Gebirge (Höhlensysteme) und die Formen von Oberflächengewässern in den gesamten Untergrund projiziert. Zudem können Pflanzenwuchs oder andere Geländemerkmale jedem erfahrenen Wassersucher Informationen über die Geologie des Untergrundes und damit Hinweise auf die Verteilung des Grundwassers geben. Es ist daher nicht erstaunlich, dass Wünschelrutengänger tatsächlich immer wieder ausreichend ergiebige Bohrlöcher für Brunnen finden, sie prüfen allerdings niemals nach, ob nicht Bohrungen einige Meter entfernt oder auch an ganz anderen Stellen genauso erfolgreich wären. Außerdem neigen viele Wünschelrutengänger dazu, ihre Misserfolge - die zahlreich belegt sind - schnell wieder zu vergessen. Die von Wünschelrutengängern vorgebrachten Thesen über bekannte oder noch zu entdeckende Strahlungsarten als Ursache für den Wünschelrutenausschlag sind unbelegt und lassen sich allesamt nicht halten. Ein Zusammenhang zwischen dem Ausschlag einer Wünschelrute und einer bekannten Strahlungsart konnte bisher nicht belegt werden. Zudem gibt es in der Physik kaum noch Spielraum für weitere, gänzlich unbekannte Strahlungsarten. Der Wünschelrutenausschlag selbst enthält nichts Geheimnisvolles. Hierfür ist der seit etwa 150 Jahren bekannte Carpenter-Effekt verantwortlich, der auch als ideomotorische Bewegung bezeichnet wird. Durch die Vorstellung oder Wahrnehmung von Bewegungen werden in der Muskulatur Tonusverlagerungen ausgelöst, die unwillentlich zum ansatzweisen Mitvollzug und damit zur Auslösung der Rutenbewegung führen. Wenn ein Wünschelrutengänger - bewusst oder unbewusst! - einen Ausschlag erwartet, dann schlägt die instabil gehaltene Wünschelrute auch aus, und sie wird immer wieder an den Stellen ausschlagen, an denen er eine Wasserader oder eine Störzone erwartet. Der Carpenter-Effekt ist auch für ähnliche Bewegungen beim Pendeln und Gläserrücken verantwortlich (siehe auch Abschnitt "Spiritismus und Okkulte Praktiken"). Steht die Rute bei der Mutung unter mechanischer Spannung, kommen psychomotorische Automatismen hinzu wie das wohlbekannte "Kohnstamm-Phänomen". Die Bewegung entsteht spontan durch unbewusst gesteuerte Muskelkraft als Folge der sog. nervösen Nacherregung. Jedem, der sie erlebt, gaukelt diese autonome Bewegung der Rute vor. Steckt aber - ungeachtet aller theoretischen Überlegungen - nicht vielleicht doch ein noch unbekanntes Phänomen hinter dem Ausschlag? Um dies zu testen, wurde eine Reihe von Experimenten durchgeführt, in denen Wünschelrutengänger beispielsweise feststellen sollten, ob durch ein Rohr gerade Wasser fließt. Damit sichergestellt ist, dass der Wünschelrutengänger keinesfalls aufgrund anderer Informationen wissen kann, wann das der Fall ist, muss ein solcher Versuch doppelblind ausgeführt werden (siehe Abschnitt "Wahrnehmungstäuschungen"). Besondere Aufmerksamkeit fand 1989 eine vom Bundesministerium für Forschung und Technologie mit DM 400.000 geförderte Untersuchung an der TU München, die nach Angaben der Verantwortlichen bei zwei der vier Versuchstypen angeblich schwach positive Ergebnisse geliefert hatte. Es blieben aber viele Kritikpunkte offen. Insbesondere wurde die Art der Hypothesenbildung und deren Überprüfung, die statistische Auswertung und das Fehlen ausreichender Kontrollen heftig kritisiert. Völlig unverständlich ist, dass die wenigen "erfolgreichen" Rutengänger, die - wie statistisch zu erwarten - etwa 5% der Gesamtzahl ausmachten, nicht ein zweites Mal getestet wurden. Unabhängige Überprüfungen der Daten kamen zum Schluss, dass die Ergebnisse nicht von dem abwichen, was per Zufall zu erwarten war. Die GWUP führte 1990 in Kassel eine eigene Untersuchung durch. Sie ging der Frage nach, ob Wünschelrutengänger in der Lage sind, das Fließen von Wasser in einer Leitung zu erkennen. Ein weiteres Experiment untersuchte, ob Wünschelrutengänger feststellen können, in welche von zehn Kisten ein Gegenstand ihrer Wahl gelegt worden war. Obwohl die teilnehmenden Wünschelrutengänger vor dem Versuch überzeugt waren, dass diese Aufgaben für sie einfach zu lösen seien und ihnen unter nicht-verblindeten Versuchsbedingungen auch gelangen, unterschieden sich die Testergebnisse nicht von einer Zufallsverteilung: Man hätte statt Wünschelrutengehen auch einfach raten oder eine Münze werfen können. Alle weltweit durchgeführten, gut kontrollierten und doppelblind durchgeführten Versuche, die die verschiedensten Behauptungen von der Wassersuche über das Finden von Gold bis hin zur Suche nach elektrischen Leitungen prüften, sind bisher ähnlich negativ ausgegangen. Die James Randi Foundation in Fort Lauderdale, Florida, hat seit Jahren für den Nachweis von paranormalen Phänomenen wie einer Ortung durch Wünschelruten unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen eine Erfolgsprämie von US $ 1.000.000 ausgesetzt. Vortests hierzu wurden u.a. von der GWUP im Biozentrum der Universität Würzburg durchgeführt. Trotz zahlreicher Versuche konnte bislang noch kein Wünschelrutengänger die behaupteten "radiästhetischen" Fähigkeiten im kontrollierten Laborversuch vorführen - die Prämie wartet immer noch auf ihre Auszahlung. Schauen Sie sich den Beitrag von Welt und Wunder über die GWUP-Psi-Test 2007 an (mit freundlicher Genehmigung der WeltderWunder-Redaktion):
Literatur:
Linktipps:
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