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Beeinflußt
uns der Mond?
Der 384.000 Kilometer
entfernte Erdtrabant ist für die gewaltigen
Gezeitenströme in den Ozeanen verantwortlich. Aber
beeinflußt er auch das Verhalten von uns Menschen? Seit
Anfang der 90er Jahre finden im deutschen Buchhandel
immer mehr Publikationen Verbreitung, in denen eben
solches behauptet wird: Bei Vollmond sollen mehr Geburten
stattfinden, mehr Verkehrsunfälle, Verbrechen und
Selbstmorde. Geworben wird für ein "Leben nach dem
Mond": Zahnarztbesuche, Wäschewaschen, Kochen,
Gartenpflege und viele andere Dinge des täglichen Lebens
sollen von der Mondphase abhängig gemacht werden oder
davon, in welchem Tierkreiszeichen der Mond gerade steht.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind solche
Behauptungen zweifelhaft, denn bis heute sind keine
Kräfte des Mondes bekannt, die solche Auswirkungen haben
könnten. Die Gezeitenkräfte sind bei so kleinen
Objekten wie Menschen vernachlässigbar gering.
Statistische Überprüfungen haben bis jetzt stets
ergeben, daß die aufgestellten Behauptungen nicht
haltbar waren. Beispielsweise werden bei Vollmond
nachweislich nicht mehr Kinder geboren als zu jeder
anderen Mondphase auch, und Polizeistatistiken zeigen
keinen Zusammenhang zwischen Unfällen oder Gewalttaten
und der Mondphase. Auch das Auftreten von Komplikationen
bei medizinischen Operationen ist völlig
unabhängig von der Stellung oder Phase des Mondes. Viele
Patienten wurden durch derart haltlose Behauptungen
bereits verunsichert.
Obwohl
man trotz großer Anstrengungen keinen "wahren
Kern" des Mondglaubens finden konnte, machen manche
Menschen die Erfahrung, daß beispielsweise Autofahrer
bei Vollmond aggressiver fahren. Es gibt einfache
psychologische Gründe, die diese Erfahrungen erklären.
Selbst wenn das wirkliche Verhalten der Autofahrer
unabhängig von der Mondphase ist, wird jemand, der an
den Einfluß des Mondes glaubt, bei Vollmond unbewußt
stärker auf rücksichtsloses Verhalten achten und sich
dadurch selber in seiner Erwartung bestätigen, während
er die gleiche Rücksichtslosigkeit bei Neumond
übersieht. Ganz deutlich zeigte sich diese selektive
Wahrnehmung bei Hebammen an der Nordseeküste: Obwohl die
meisten fest davon überzeugt waren, daß Geburten fast
nur bei Flut stattfinden, ergab eine Untersuchung ihrer
eigenen Aufzeichnungen, daß tatsächlich von 1.360
Spontangeburten 699 - mehr als die Hälfte - bei Ebbe
stattfanden. Einen detaillierten Überblick über den Stand der Forschung zum Thema Mondeinflüsse finden Sie bei unter Links: Mondeinflüsse auf den Menschen.
Literatur:
- Campbell, D.E./Beets, J.L. (1978): Lunacy and the moon. Psychological Bulletin 85, 1123.
- Culver, R./Rotton, J./Kelly, I.W. (1988): Moon Mechanisms and Myths: a critical Appraisal of Explantions of purported Lunar Effects on Human Behavior.
Psychological Reports 62, 683.
- Durm, T./Hammons (1986): Lunar Phase and Acting-out Behaviour. Psychological Reports 59, 987.
- Forbes, G.B./Lebo, G.R. (1977): Antisocial Behaviour and Lunar Activity: A Failure to validate the Lunacy Myth. Psychological Reports 40, 1309.
- Wunder, E.:Geburtshelfer Mond? - Zum paranormalen Überzeugungssystem des Lunatismus und seiner
empirischen Überprüfung. In: Skeptiker, 1/95
und 2/95
- Rotton, J./ Kelly, I. W.: Much Ado About the Full Moon: A Meta-Analysis of Lunar-Lunacy Research. In: Psychological Bulletin, Bd. 97, S. 286, 1985
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