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Paraphysik
Populär wurde die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Quantenmechanik und Religion durch das 1975 erschienene Buch "Das Tao der Physik" des Physikers Fritjof Capra, das zu einem Kultbuch der New-Age- und Esoterik-Bewegung wurde und auch vielen Physikern und physikalisch interessierten Laien bekannt ist. Darin spricht Capra von der "Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie": Die Physik (speziell die Quantenmechanik) und die östliche Mystik (speziell Hinduismus, Buddhismus und Taoismus) seien mit völlig verschiedenen Methoden, nämlich Experimenten auf der einen Seite und Meditation und der Suche nach innerer Einsicht auf der anderen Seite, zu im wesentlichen dem gleichen Weltbild gelangt. Nach Ansicht der New-Age-Anhänger ist die Welt "ganzheitlich" und darf nicht in Teilbereiche zertrennt werden, alles im Universum ist dynamisch und - wie im Hinduismus der kosmische Tänzer Shiva - immer in Bewegung. Eine besondere Rolle spielt die Einheit der Gegensätze: Ebenso wie Zen-Meister ihren Schülern paradoxe Aufgaben stellen, um sie für ein neuartiges Bewußtsein der Wirklichkeit zu öffnen, zeige uns die Quantenmechanik, daß die Welt grundlegend paradox und nicht mit "westlicher Logik" zu verstehen sei. Aus der Sicht der modernen Physik sind solche Aussagen sehr problematisch und stehen auf schwankendem Grund. Die Quantenmechanik führt durchaus nicht zu einem ganzheitlichen Weltbild, in dem stets alles mit allem innig verknüpft ist. Man kann vielmehr die Zustände von Quantenobjekten sehr genau berechnen, ohne das ganze Universum in die Rechnung mit einzubeziehen. Auch das immer wieder ins Feld geführte Einstein-Podolsky-Rosen-"Paradoxon", das bestimmte Korrelationen bei Messungen an verschiedenen Teilchen voraussagt, ändert daran nichts, da diese Korrelationen nur nach einer direkten Wechselwirkung auftreten, aber nicht bei unabhängigen Teilchen. Sehr viele wichtige quantenmechanische Systeme sind stationär, also zeitlich unveränderlich, keineswegs ist stets alles in Bewegung. Und die Quantenmechanik widerspricht auch nicht der klassischen Logik, sie ist vielmehr eine umfassende, in sich widerspruchsfreie Theorie, die klare und eindeutige Voraussagen macht, die durch Experimente sehr gut bestätigt werden. Die Welt der Quantenmechanik ist nicht "paradox" oder logisch widersprüchlich, nur sehr unanschaulich. Aber auch aus der Sicht östlicher Religionen sind Zweifel an dem Weltbild der "New-Age-Physik" angebracht. Die östlichen Philosophien haben keineswegs ein einheitliches Weltbild, und es gibt viele Richtungen, deren Welt statisch-unveränderlich (z.B. Advaita Vedanta) oder pluralistisch ist (z. B. Sarvastivada-Buddhismus) und damit dem dynamischen, ganzheitlichen Weltbild der New-Age-Physik vollständig widerspricht. Insgesamt bleibt der Eindruck, daß die "New-Age-Physik" gezielt diejenigen Elemente aus der Wissenschaft und der Mystik aufgenommen hat, die ohnehin in ihr vorgefertigtes Weltbild passen, und widersprechende Elemente ignoriert. Die moderne Physik läßt sich nur mit Mühe in dieses Weltbild pressen, und die gefundenen Ähnlichkeiten bleiben ziemlich oberflächlich. Viele andere Autoren beschränken sich nicht darauf, nur diese Deutungsfragen der modernen Physik zu diskutieren, sondern behaupten, diverse paranormale Phänomene physikalisch "erklären" zu können. So meinen einige "Parapsychologen" (siehe auch Abschnitt "Parapsychologie"), Telekinese sei auf Quanteneffekte zurückzuführen. Sie berufen sich auf den "Beobachtereffekt" in der Quantenmechanik, von dem viele Lehrbücher - etwas diffus - schreiben, der "Beobachter" (Experimentator) "beeinflusse das quantenmechanische System". Solche Formulierungen führen jedoch leicht zu grundlegenden Mißverständnissen: Der Experimentator kann zwar die Versuchsbedingungen festlegen, und davon hängt es ab, welche Beobachtungsgröße (Observable) gemessen werden kann, aber er (oder gar sein Bewußtsein) kann keinen Einfluß darauf nehmen, welchen Wert die gewählte Beobachtungsgröße bei einer Messung annimmt.
Es sei noch darauf hingewiesen, daß immer wieder einzelne Personen versuchen, gut bestätigte physikalische Theorien, etwa die Relativitätstheorie, zu widerlegen. Die vorgebrachten Argumente zeigen meist deutlich einen erheblichen Mangel an Kenntnissen über Physik und sind für jeden Physiker mühelos und schnell zu entkräften. Sie verkennen auch, daß Theorien wie die Quantenmechanik oder die spezielle Relativitätstheorie nicht etwa "abgehobene Spinnereien" sind, sondern zum täglichen Handwerkszeug Tausender von Physikern gehören und in unzählige Experimente eingehen. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, daß ihre Voraussagen mit extremer Genauigkeit mit den Versuchsergebnissen übereinstimmen. Literatur:
Linktipps:
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