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Parapsychologie
Seit Anfang der 30er Jahre ist "Parapsychologie" auch sehr vereinzelt an einigen Universitäten etabliert. Ein Lehrstuhl für "Parapsychologie" besteht heute in Europa nur noch an der Universität Edinburgh (Schottland). Die sich mit "parapsychologischen" Fragestellungen beschäftigenden Wissenschaftler sind in der "Parapsychological Association" (PA) zusammengeschlossen. Bis vor kurzem glaubte sich jede Generation von "Parapsychologen" im Besitz bestimmter "unzweifelhafter Belege" für die Existenz von "Psi", wobei diese "Belege" dann aber immer von der jeweils nachfolgenden Generation widerlegt werden konnten. Insofern ist die Geschichte der "Parapsychologie" eine Geschichte der Nieten und Reinfälle. Doch die "Parapsychologen" haben aus dieser Geschichte gelernt, sie berücksichtigen zunehmend Fehler- und Täuschungsmöglichkeiten, die sie in der Vergangenheit schmerzlich erfahren mußten. Als eine Konsequenz daraus wurden die von "Parapsychologen" behaupteten Psi-Effekte mit der Zeit immer kleiner, bescheidener und bedeutungsloser. Die in der PA zusammengeschlossenen "Parapsychologen" sind sich heute über folgende Punkte weitgehend einig:
Doch was ist mit dem Begriff "Psi" überhaupt gemeint? Keineswegs verstehen die meisten "Parapsychologen" darunter übersinnliche oder paranormale Fähigkeiten, wie in der Öffentlichkeit meist irrtümlich angenommen. Häufig sind mit "Psi" nur vorläufig unerklärte Anomalien (d. h. Abweichungen von einem Erwartungswert) gemeint, nichts weiter. Die Existenz von "Psi" im Sinne von "übernatürlichen oder paranormalen Kräften" ist für die meisten heutigen "Parapsychologen" eine unbelegte Behauptung. Eine Reihe von "Parapsychologen" ist der Ansicht, daß man vor dem Hintergrund dieser Begriffsverwirrung auf den "Psi"-Begriff lieber ganz verzichten sollte.
Derzeit existieren zwei Klassen von (Labor-)Experimenten, die innerhalb der
"Parapsychologie" als die augenblicklich überzeugendsten Anomalien angesehen werden. Einerseits
Experimente mit sogenannten Schmidt-Maschinen, bei denen Versuchspersonen die Zerfallsrate eines radioaktiven
Präparats beeinflussen sollen (als Beispiel für Mikro-Psychokinese), andererseits die sogenannten
Ganzfeld-Experimente, in denen eine Versuchsperson - weitgehend abgeschirmt von verwertbaren Sinneswahrnehmungen -
Informationen einer anderen Person empfangen soll (als Beispiel für Telepathie). In beiden Experimentklassen
ergaben sich minimale (und in der Praxis völlig irrelevante) statistische Abweichungen von der Zufallserwartung,
die nur angesichts einer extrem großen Zahl von Einzelversuchen eine gewisse statistische Signifikanz erreichten.
Insbesondere im Fall der Ganzfeld-Experimente ist es bis jetzt unklar, wie diese Abweichungen zu erklären sind. Es
besteht jedoch keine Veranlassung, als Ursache "Psi" im Sinne von "übersinnlichen"
Fähigkeiten anzunehmen, genausogut können noch unentdeckte minimale Fehler bei der Durchführung der
Experimente dahinter stecken. Die Geschichte der "Parapsychologie" mahnt in diesem Zusammenhang jedenfalls
zur Vorsicht. Allerdings muß auch gesagt werden, daß sowohl die Ganzfeld- als auch die Experimente mit
Schmidt-Maschinen weit von der in den Wissenschaften üblichen Forderung entfernt sind, reproduzierbare positive
Ergebnisse zu liefern. Von 28 Ganzfeld-Studien, die der 1992 verstorbene führende Forscher dieses Gebiets,
Charles Honorton, zusammenstellte, führten nur 12 zu einem positiven Ergebnis (5 % Signifikanzniveau). Nimmt
man die Studie von Bem und Honorton aus dem Jahr 1994 vor, scheint der Effekt zeitweise nicht so klein zu sein
(über 32% Trefferrate). Nach der Meta-Analyse von Storm und Ertel aus dem Jahr 2001 sind jedoch die Effekte
der neuen Studien (hier wurden die Datensätze von Bem und Honorton (1994) und Milton und Wiseman (1999)
zusammengefasst) signifikant niedriger als die früherer Studien. Storm und Ertel erklären sich dieses
Absinken der Effektgrößen über zwei Jahrzehnte v.a. mit der Einführung strikterer Kontrollen,
Automatisierung etc, die psi- inhibiting gewirkt haben könnten. Zudem versuchen sie unter der
Zufallserwartung liegende Effekte als Manifestation von Psi zu interpretieren (Psi-Missing).
Zusammenfassend gibt es keinen Beleg für Psi, weil
Tatsächlich kann die "Parapsychologie" bis heute kein einziges stichhaltiges, wiederholbares Experiment vorweisen, das die Annahme von Phänomenen, die nicht auf konventionell-natürliche Weise erklärbar sind, rechtfertigen würde. Es ist keine andere Wissenschaftsdisziplin bekannt, für die Vergleichbares gilt: daß sie nach über 100jähriger Existenz noch immer keinerlei Belege vorbringen kann, die einen eigenen Forschungszweig rechtfertigen würden. Die disziplininterne Kritik innerhalb der "Parapsychologie" hat innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte ständig zugenommen, verschiedene "parapsychologische" Einrichtungen (z. B. das Institut für Parapsychologie der Universität Utrecht) wurden geschlossen, und selbst führende "Parapsychologen" (z.B. John Beloff) räumen heute ein, daß die skeptische Position gegenüber der Existenz von "Psi-Phänomenen" durchaus haltbar und vertretbar ist. Es deutet vieles darauf hin, daß die "Parapsychologie" ihre Zukunft als Wissenschaftsdisziplin bereits hinter sich hat und primär zu einem Phänomen der Wissenschaftsgeschichte werden wird. Jedenfalls ist eine zunehmende Annäherung der Positionen von "Parapsychologen" und Skeptikern zu beobachten, auch was die Wichtigkeit der Untersuchung der psychosozialen Hintergründe des Glaubens an "Psi-Phänomene" betrifft. So genannte "Spontanberichte" über angebliche paranormale Erscheinungen (z. B. Spuk) haben zwar aufgrund der notorischen Unkontrollierbarkeit der Umstände keinerlei Beweiskraft für die Existenz von "Psi". Aus ihnen hat man jedoch viel über die Psychologie und Soziologie der Anhänger paranormaler Überzeugungssysteme gelernt. Durch die Aktivitäten des 1991 verstorbenen Freiburger Professors Hans Bender wird beim Stichwort "Parapsychologie" in Deutschland häufig an die Erforschung sogenannter "Spukphänomene" gedacht. Wer allerdings - wie Mitglieder der GWUP - bereits einmal vor Ort einen solchen "Poltergeistfall" untersucht hat, der wird schnell feststellen, daß - ganz im Gegensatz zu den Horrormeldungen in der Sensationspresse - keinerlei "paranormale" Vorgänge dingfest zu machen sind. Trotz erheblicher Anstrengungen existiert bis heute weltweit kein einziges fotografisches Dokument (z. B. Videoaufnahmen), das ein behauptetes Spukphänomen zweifelsfrei wiedergeben würde. In zahlreichen Fällen konnte jedoch Betrug und Manipulation nachgewiesen werden, so z. B. beim Fall "Chopper" 1982 in einer Regensburger Zahnarztpraxis oder beim "Spukfall" von Rosenheim 1967 in einer Anwaltskanzlei. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen fast immer pubertierende Jugendliche in persönlichen Krisensituationen, die durch inszenierte "Spukerscheinungen" (z.B. Steinwürfe, Schwingenlassen von Bildern, Verschwindenlassen oder Zerstörung von Gegenständen usw.) die Aufmerksamkeit auf sich lenken und die Erwachsenen schockieren wollen. Meist ist der soziale Kontext derart gespannt, daß das Tricksen von "Spukerscheinungen" als ein letzter "Hilferuf" der Jugendlichen interpretiert werden muß, weil sie in ihrer Umgebung mit ihren Problemen sonst immer nur auf "taube Ohren" stoßen und sich nicht anders zu helfen wissen. Jedoch ist die durch den "Spuk" ausgelöste psychosoziale Dynamik in aller Regel derart destruktiv (Familienmitglieder machen sich gegenseitig "verrückt", Nachbarn verdächtigen und beschuldigen sich gegenseitig, sensationsgierige Journalisten schlachten den Fall gnadenlos aus und machen die Beteiligten in aller Öffentlichkeit lächerlich usw.), daß der angereiste Untersucher schnell merken wird, daß er hier nicht etwa als "Spukforscher", sondern als Sozialhelfer gefragt ist. Literatur:
Linktipps:
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