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Kritik an der Paläo-SETI von Dr. Klaus Richter
Quellen Wissenschaftsfeindlichkeit Ignoranz Religiöse Aspekte Forderung an die Wissenschaft und die Medien Ausblick und Schluss Unwissenschaftliches Arbeiten So verführerisch der Gedanke auch sein mag, daß Außerirdische die Erde in der Vergangenheit besucht haben und sich unsere Frühgeschichte vielleicht nicht so abgespielt hat, wie es uns die Wissenschaft lehrt: Man sollte sich davor hüten, jedes nicht gleich erklärbare Relikt der Vergangenheit zu einem "Indiz" oder "Beweis" für die PS zu erklären, sondern diesen Relikten gründlich nachgehen. Von Bertrand Russell gibt es ein schönes Zitat, das gut in diesen Zusammenhang paßt: "Darin besteht das Wesen der Wissenschaft. Zuerst denkt man an etwas, das wahr sein könnte - und dann sieht man nach, ob es der Fall ist, und im allgemeinen ist es nicht der Fall." Darin kommt ein klares Prinzip wissenschaftlicher
Forschung zum Ausdruck: Es geht nicht darum, eine Behauptung zu beweisen,
es geht darum, sie zu falszifizieren. In der Wissenschaft geht es um Falsifikation
-- mehr als um Verifikation. Wissenschaftliche Hypothesen müssen so
vorgebracht werden, daß sie überprüfbar und damit auch
falsifizierbar sind.
"Das Ziel der A.A.S. - "Forschungesellschaft
für Archäologie, Astronautik und SETI ist es, einen anerkannten
Beweis für ehemalige Besuche von Ausserirdischen auf unserer Erde
zu erbringen. Dabei wollen wir den Grundregeln des wissenschaftlichen
Erkenntnisgewinns folgen, uns aber nicht von bestehenden Dogmen oder
Paradigmen eingrenzen lassen."
An diesen Prämissen muß sie sich messen lassen, gleichgültig, wen sie als Mitglied zuläßt. Im übrigen ist es ein großer Schritt vom bloßen Mitglied zum Artikel in Sagenhafte Zeiten - dazwischen steht die Redaktion, die, so sollte man meinen, problematische Artikel im Vorfeld von einer Veröffentlichung ausschließt. Es sei in diesem Zusammenhang auch auf die Infrastruktur der A.A.S. hingewiesen, die einer der herkömmlichen Wissenschaften ähnlich ist. Man verwendet als Ausgangspunkt einen "Fachterminus", entweder "Prä-Astronautik" oder "Paläo-SETI-Hypothese," veranstaltet nationale und internationale Konferenzen und veröffentlicht mit den "Sagenhaften Zeiten" eine "Fachzeitschrift", in denen "Fachartikel" mit Bezug zur grundlegenden Hypothese veröffentlicht werden. Eine Zeitlang wurde sogar ein Forschungspreis vergeben, man bemühte sich sogar um ein Magazin mit echtem wissenschaftlichen Anstrich: Die Scientific Ancient Skies, die leider nach zwei Ausgaben eingestellt wurden. Geradezu typisch für viele Autoren
der Paläo-SETI ist der unzureichende oder falsche Umgang mit Quellenmaterial.
Quellen, die vielleicht das eigene Weltbild zerstören könnten,
werden ignoriert, statt dessen schreibt man lieber bei anderen Autoren
ab (wo denn schon mal eine Hypothese zur Theorie und diese dann zum Fakt
mutiert) oder es werden Quellen herangezogen, die von der Wissenschaft
längst widerlegt worden sind, beispielsweise Velikovsky,
Muck oder die Tollmanns.
Was aber dann noch schlimmer ist, ist das gegenseitige Zitieren: Man entwirft
eine phantastische These nicht etwa aufgrund wissenschaftlichen Materials,
egal wie alt es auch sein mag, sondern schreibt bei Arbeiten anderer PS-Forscher
ab, die ihrerseits natürlich mit Fehlern behaftet sind. So wird Zecharia
Sitchin mit seiner Mär vom 12. Planeten und den Annunaki, die angeblich
die Menschen geschaffen haben sollen, immer wieder als Beleg für eigene,
bisweilen abstruse Thesen herangezogen. Zillmers Buch "Darwins Irrtum"
ist da nur ein Beispiel von vielen. Mit wissenschaftlicher Arbeit hat das
wirklich nichts mehr zu tun, im Gegenteil, es werden Altlasten weitergetragen,
die sich in den Köpfen der Menschen festnisten und nicht der Forschung,
sondern höchstens dem besseren Verkauf diverser Bücher und der
Befriedigung einer mehr oder weniger fest umrissenen Fangemeinde dienen.
Nur wenige machen sich überhaupt
die Mühe, das Quellenmaterial zu sichten und daraus dann eigene Hypothesen
zu entwickeln. Doch mit der Sichtung des Quellenmaterials ist es alleine
nicht getan: Ich kann mich in uralte Texte vertiefen, doch wie ich damit
umgehe, ist eine andere Frage. Entscheidend ist nämlich, daß
man herausarbeitet, was der Schöpfer der Quelle wirklich aussagen
wollte. So mancher PS-Autor macht es sich einfach und handelt nach dem
Motto "Sieht aus wie, also ist es auch ..." Daraus entwirft er dann
eine phantastische These. So sollen die süd- und mittelamerikanischen
"Goldflieger" - einer von ihnen ist das Wappen der A.A.S. - Hinweise auf
einen Kontakt mit einer unverstandenen Technologie sein, eine Art prähistorischer
Cargo-Kult. Von einigen dieser Gebilde wurden Modelle angefertigt, die
tatsächlich flogen und einen technologischen Bezug von Völkern
in der Vergangenheit unseres Planeten aufzuzeigen scheinen. Doch sind die
Originalfundstücke auch Belege für eine frühere Technologie?
Die Mitglieder der A.A.S., die diese Modelle gebaut haben, arbeiteten nach
dem von Erich von Däniken entworfenen Grundsatz, altes auch einmal
durch die moderne Brille zu betrachten. Doch leider ist das der falsche
Ansatz, denn mit unserer modernen Sichtweise können wir alte Kulturen
nicht begreifen. So mögen zwar die Goldflieger wie Flugzeuge aussehen,
sogar als Modelle fliegen und phantastische Flugeigenschaften aufweisen
- doch wollten die Indianer wirklich Flugzeuge darstellen oder nicht doch
vielleicht etwas anderes? Doch danach wird nicht gefragt. Wichtig ist:
Sie sehen aus wie Flugzeuge, nachgebaut fliegen sie wie Flugzeuge, also
sind es Hinweise auf einen Cargo-Kult in ferner Vergangenheit. Und da Menschen
damals nicht fliegen konnten, mußten es Außerirdische sein.
So falsch dieser Gedankengang auch ist, er verkauft sich gut, befriedigt
die Leserschaft. Andere Beispiele sind die "Glühbirnen" von Dendera
sowie die Grabplatte von Palenque. Statt die Nähe der Wissenschaft zu
suchen und ihre Vertreter vom Nutzen der Paläo-SETI zu überzeugen,
wird sie von vielen Grenzwissenschaftlern vehement kritisiert, ja geradezu
diffamiert und mit Haßtiraden überzogen. Die Wissenschaft, so
das allgemein verbreitete Vorurteil, verweigert sich Ansätzen, wie
sie die Paläo-SETI vorträgt, erklärt die Rätsel dieser
Welt mit allen möglichen Kniffen und Tricks, nur um ja nicht Außerirdische
oder andere phantastische Erklärungen ins Spiel zu bringen. Manch
einer munkelt sogar von Verschwörungen und sieht sich, ganz im Stile
der beliebten Fernsehserie "Akte X", von dunklen Schattenmännern verfolgt.
Man sollte die Wissenschaft nicht verteufeln, zumal es Vertreter aus ihren
Reihen gibt, die die Idee der Paläo-SETI vom Ansatz her für durchaus
sinnvoll und diskussionswürdig halten. Aber so manch ein Autor der
"Szene" macht sich gar nicht die Mühe, wissenschaftliche Methoden
und Erkenntnisse anzuwenden. Man redet darüber einfach hinweg, ordnet
es den eigenen Wunschvorstellungen unter und konstruiert bisweilen abstruse
Sachzusammenhänge, die sich aber dennoch wegen ihrer Einfachheit und
Verführbarkeit gut verkaufen lassen. Viele Reaktionen auf die MGS-Bilder
vom "Marsgesicht", die es als einen natürlichen Felshaufen entlarvt
haben, belegen dies ebensogut wie die Haßtiraden der Kreationisten
gegen die Evolutionstheorie, von ihnen abfällig als "Darwinismus"
bezeichnet. Solange in der Paläo-SETI auch auf diese Weise gearbeitet
wird, dürfen sich viele ihrer Vertreter nicht wundern, wenn man sie
als Träumer oder Spinner abtut. Es sei denn, sie wollen nur von einer
überwiegend kritiklosen, mehr oder weniger klar umrissenen "Gemeinde"
bewundert werden. Und das scheint, so mein Eindruck, tatsächlich auch
der Fall zu sein.
Die Wissenschaft hat ihr Weltbild und kann es zumindest durch Theorien auch belegen. Die Grenzwissenschaft stellt überwiegend Behauptungen und Spekulationen auf, fordert dann von der Wissenschaft, darauf einzugehen. Dabei erkennen die Grenzwissenschaftler nicht, daß sie es sind, die die Beweislast tragen.
Es reicht also nicht, daß ein Sonntagsforscher
nur Fragen stellt. Wenn er das wissenschaftlich fundierte Weltbild angreift,
muß er Erklärungen bieten, mit denen Wissenschaftler auch arbeiten
können, er muß seine Behauptungen belegen, und zwar im Sinne
eines empirischen Beweises! Ob ein solcher Beweis dann von der Wissenschaftswelt
ernst genommen wird, klärt sich nicht durch Veröffentlichung
in grenzwissenschaftlichen Büchern oder Magazinen, sondern wissenschaftlichen
Zeitschriften, Vorträgen, Diskussionen und Konferenzen. Wird man von
der main stream science nicht ernst genommen, muß man eben
eigene wissenschaftliche Konferenzen oder Zeitschriften organisieren. Bis
auf den hoffnungsvollen, aber leider eingeschlafenen Ansatz mit der Zeitschrift
"Scientific Ancient Skies" ist daraus leider nichts geworden. Ehrlich
gesagt: Bislang hat niemand einen echten Beweis vorlegen
können, obgleich seit über 30 Jahren geforscht wird.
In der PS-Forschung werden allerdings nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Forschungsergebnisse ignoriert, man kümmert sich auch ungern um Richtigstellung aus den eigenen Reihen. Dabei gibt es zahllose exzellente Arbeiten von Autoren, die mit einigen Mythen der Paläo-SETI gründlich aufräumen. Als Beispiele seien hier nur Jörg Dendl, Wolfgang Siebenhaar oder Johannes Fiebag genannt. Doch werden deren kritische Arbeiten irgendwo in nennenswertem Umfang erwähnt? 1989 schrieb Johannes Fiebag in Ancient Skies kritische Artikel über den Mythos, Atlantis sei eine Insel, die im Atlantik versunken sei. Hat die "Szene" daraus gelernt? Mitnichten, vielmehr hat man den Eindruck, solche Arbeiten werden wie faule Eier gemieden, denn noch immer geistert der Inselkontinent Atlantis durch die Grenzwissenschaften. Wenn überhaupt, werden solche kritischen Arbeiten aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Lobenswerte Ausnahme ist Erich von Däniken, der in seinem letzten Buch "Im Namen von Zeus" die Arbeiten von Johannes Fiebag zum Thema Atlantis gewürdigt hat. Doch erstreckt sich die Ignoranz nicht nur auf kritische Artikel aus den eigenen Reihen, sie erstreckt sich auf alles, was die Hypothesen der PS-Forscher gefährdet. Protagonisten der PS ignorieren Fakten, sie halten unbeirrbar an ihrem Weltbild fest, es kann nicht sein, was nicht sein darf: Sitchin hat die Kartusche in der Königskammer als Fälschung Vyses entlarvt, es kann nicht sein, daß sie echt ist, weil Sitchin sich das nicht ausgedacht und Cheops nicht die Große Pyramide erbaut haben darf. Gerade die Pyramiden von Gizeh sind ein Standardbeispiel für diese Haltung: Die Forschung der Ägyptologen und Archäologen hat inzwischen so viele Indizien gefunden und gesammelt, die belegen, daß die Cheops-Pyramide von Pharao Cheops erbaut wurde und daß sie sich in eine lange Evolution einordnen läßt, die etwa ein Jahrhundert zuvor mit der Stufenpyramide Djosers begann. Doch diese Fakten werden ignoriert, man will auf Seiten der PS-Forscher nicht akzeptieren, daß die Pyramiden Grabmäler waren, und so konstruiert man munter Hypothesen aus einer isolierten Betrachtung des Bauwerks heraus, die sich bei näherer Nachprüfung nicht halten lassen. Alles darf es sein - nur darf Cheops die Pyramide nicht als Grabmal errichtet haben. Der Vorwurf der Ignoranz läßt sich noch auf einen anderen Punkt beziehen: Es wird alten Kulturen die Fähigkeit abgesprochen, sich eigenständig entwickelt und in diesem Zusammenhang eigene, hervorragende Leistungen vollbracht zu haben. Diese Vorgehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bücher oder Artikel in der Paläo-SETI: Außerirdische oder Angehörige einer untergegangenen, irdischen Superzivilisation waren die Kulturbringer auf Erden, die Menschen selbst sollen dazu gar nicht in der Lage gewesen sein. Das äußert sich in vielen Facetten: So behauptete Ignatius Donnelly im 19. Jahrhundert, der versunkene Inselkontinent Atlantis habe die Kulturen Mittelamerikas, Ägyptens und Mesopotamiens beeinflußt. Auch wenn Archäologen inzwischen nachgewiesen haben, daß es derartige Kulturbringer nicht gab, glauben immer noch viele an diese Legende, wird sie regelmäßig in der ein oder anderen Form in Artikeln oder in Büchern weitergetragen. Ein anderes Beispiel ist die Behauptung, der frühe Mensch sei von einer außerirdischen Intelligenz genetisch manipuliert worden, denn nur so lasse sich der Schritt zum modernen Menschen, das Fehlen eines Missing Links erklären. Daß dieser Gedanke von Paläoanthropologen und Paläontologen nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird, hat nicht etwa etwas damit zu tun, daß man sich vor einem außerirdischen Eingriff fürchtet, sondern daß es dafür bislang keinerlei ernstzunehmende Belege gibt. Warum soll sich nicht der Mensch eigentständig zu dem entwickelt haben, was er heute ist? Diese Fähigkeit traut man ihm jedenfalls in der Paläo-SETI-Forschung nicht zu, etwaige Forschungsergebnisse, die gegen eine außerirdische Manipulation sprechen, werden ignoriert oder lächerlich gemacht. Das kann, das darf nicht sein, es muß eine außerirdische Superzivilisation dahinter stehen. Die Halbwahrheiten, die von Paläo-SETI-Autoren
verbreitet werden, mutieren zu Glaubenssätzen, zu Ideologien, die
vehement verteidigt werden. Eigene Erfahrungen belegen, daß es eine
harten Kern überzeugter Menschen gibt, die an die Paläo-SETI-Hypothese
glauben und nicht bereit sind, auch nur einen Milimeter davon abzurücken.
Wird eine liebgewonnene PS-Theorie sachlich kritisiert, gar zu Fall gebracht,
reagieren diese Menschen mit Unverständnis oder Polemik, also so,
als seien sie persönlich angegriffen worden. Direkten Fragen wird
gezielt ausgewichen, nur um einen Irrtum nicht zugeben zu müssen.
So hatte vor einigen Jahren Wolfgang Siebenhaar, selbst Mitglied der A.A.S.,
die Geschichte des 12. Planeten, die sich Zecharia Sitchin ausgedacht hat,
in einer Artikelserie in G.R.A.L. sowie der kurzlebigen Zeitschrift "Scientific
Ancient Skies" glänzend widerlegt und als Unsinn entlarvt. Vielfache
Reaktion war: "Es ist anmaßend, daß ein Herr Siebenhaar es
wagt, einen Herrn Sitchin zu kritisieren." Anderes Beispiel: Die angeblich
von Howard Vyse gefälschte Kartusche des Pharao Cheops in der Cheops-Pyramide.
Auch hierbei handelt es sich um eine Erfindung Sitchins, die von Michael
Haase und später nochmals von Markus Pössel mit vernichtenden
Argumenten widerlegt wurde. Auch hier die Reaktion: Unverständnis
oder Polemik. Ich selbst kritisiere seit Jahren den grenzwissenschaftlich-kreationistisch
motivierten Versuch Dr. Zillmers, die Evolutionstheorie
zu widerlegen. Auch hier die Reaktion: Unverständnis und Polemik.
Allen drei Fällen gemeinsam ist, daß diejenigen, die so heftig
auf die Widerlegung der PS-Theorien reagieren, selbst nur diese kennen,
sonst aber überhaupt keine weitergehenden Kenntnisse besitzen oder
besitzen wollen. Man nimmt dann zwar schonmal wissenschaftliche Arbeiten
zur Kenntnis, liest sie aber nicht richtig oder verdreht völlig die
Aussage, die dort getroffen wird. Typische "Totschlagargumente" der PS-Anhänger,
die angewandt werden, wenn die Argumente ausgehen, sind Sätze wie
"Die Wissenschaftler waren damals nicht mit dabei, die können das
gar nicht genau beurteilen" oder "Kritiker liefern keine Argumente, ihnen
paßt nur die Ansicht der PS nicht."
Forderung an die Wissenschaft und die Medien Es gibt Wissenschaftler, die sich kritisch
mit dem Gedankengut der PS-Forschung auseinandersetzen, die auch immer
wieder bereit sind, gemeinsam mit kritisch eingestellten Laien solche Thesen
zu beleuchten und mit wissenschaftlicher Methodik zu hinterfragen. Doch
leider sind es nicht genug. Es gibt immer noch zu viele Wissenschaftler,
die sich auf ihre aktuelle Forschung zurückziehen und sich aus Zeitmangel
oder Desinteresse weigern, auf grenzwissenschaftliche Thesen einzugehen.
Am Beispiel Dr. Zillmers läßt sich das gut beobachten: Welcher
Wissenschaftler macht sich einmal die Mühe, Dr. Zillmer in eine Diskussion
zu verstricken oder ihn zu widerlegen? Ich kenne bislang niemanden. So
darf man sich dann auch nicht wundern, wenn mehr und mehr Leute, denen
das nötige Hintergrundwissen fehlt, an die grenzwissenschaftlichen
Thesen glauben. Meine Forderung an die Wissenschaftler: Geht auf diese
Thesen ein, widerlegt sie, laßt nicht zu, daß so etwas zu Gemeingut
wird. Was nützt die ganze wissenschaftliche Arbeit, wenn die Menschen
auf der Straße den Grenzwissenschaftlern hinterherlaufen? Oder konkret:
Ich bin auf das Gesicht des Ägyptologen gespannt, der auf der Straße
von Passanten angesprochen wird und nicht etwa gefragt wird, wie die Pyramiden
gebaut wurden, sondern warum sie nach den Gürtelsternen des Orion
ausgerichtet sind. Wissenschaftler tragen gegenüber der Allgemeinheit
die Verantwortung dafür, daß das grenzwissenschaftliche Gedankengut,
wie es durch die PS-Hypothese repräsentiert wird, nicht zum Allgemeingut
wird. Mancher Wissenschaftler mag argumentieren, die Beschäftigung
mit der PS-Hypothese und ihren Protagonisten führe nur zu deren Aufwertung,
was man vermeiden solle. Doch bleibt die Frage, ob man eine Aufwertung
nicht auch dann betreibt, wenn man die PS-Hypothese und ihre Vertreter
ignoriert und ihre Behauptungen unkorrigiert im Raum stehen läßt.
Es bestehen ernsthafte Zweifel am Fortbestehen der Paläo-SETI, so wie sie derzeit bei uns betrieben wird. Man hat den Eindruck, es geht den meisten Protagonisten der PS-Hypothese im wesentlichen weniger um Erkenntnisgewinn als vielmehr um das Aufstellen von Halb- oder Unwahrheiten, mit denen man eine mehr oder weniger fest umrissene "Fangemeinde" befriedigen kann, von denen viele - leider - nicht bereit sind, eigene Nachforschungen anzustellen und diverse phantastische Theorien kritisch zu hinterfragen. Es spricht viel dafür, daß die derzeitigen Vertreter der PS-Forschung in Deutschland, wie sie sich in der A.A.S. konzentriert, gar kein Interesse an einer Veränderung haben, da sie wissen müßten, daß dann Manipulationen, die vielfach vorgenommen wurden und werden, an die Öffentlichkeit gelangen und sie sich auf diese Weise ihrer Existenzgrundlage berauben. Interessante Aspekte, die eine kritische Forschung ermöglichen könnten, wurden eingestellt. All das zeigt, daß letztlich PS-Forschung in Deutschland weltanschaulich, ideologisch motiviert ist und es gar kein wissenschaftlich motiviertes Interesse an einer Suche nach einem Beweis gibt. Markus Pössel gibt in seinem Buch "Phantastische Wissenschaft" im Schlußteil eine gute Zusammenfassung der gesamten Problematik. Ich will seine Argumente, entsprechend für diesen Artikel abgeändert, hier abchließend wiedergeben: 1. Paläo-SETI-Autoren gehen mit erschreckender Nachlässigkeit und ohne fundiertes Hintergrundwissen mit Argumenten, Quellen, Fakten oder sogar ganzen wissenschaftlichen Theorien um und entwickeln daraus falsche und fragwürdige Aussagen, deren Ziel die Bewahrung der Ideologie ist: Es gab außerirdische Besucher auf der Erde.Treffend formuliert es auch die Zeitschrift "Skeptiker" in der Ausgabe 3/01 unter der Überschrift "Wie man Rätsel erzeugen kann. (S. 132)" - Fundstücke, aus ihrem kulturellen Rahmen herausgelöst, erscheinen exotischDas Schlusswort überlasse ich Professor Dieter B. Herrmann, einem seit langem bekannten Kritiker des Tempel'schen Sirius-Rätsels, das von so vielen pseudowissenschaftlichen Autoren unkritisch übernommen und weitergetragen wurde. In seinem Buch "Rätsel um Sirius" (Berlin, 1994) schreibt Herrmann zum Abschluss seiner kritischen Betrachtung des Sirius-Rätsels (ebd., S. 20 f.): "Wissenschaft lebt von Rätseln - gewiß. Man kann Wissenschaft durchaus als eine Strategie des Rätsel-Lösens verstehen. Jedoch die ungelösten Rätsel im weiten Feld der Forschung erweisen sich meist als künftig lösbar. Anders die Rätsel der "Rätselmacher". Sie greifen wundersame Korrelationen auf, für doe man leicht eine spekulative und schwer eine rationale Erklärung finden kann. Angesichts einer wachsenden Flut solcher Art von Literatur verhält man sich dieser Spezies gegenüber vielleicht nicht unpassend, wenn man ihr auch den Status einer Kategorie zuerkennt: Neben die wissenschaftliche Literatur, die populärwissenschaftliche und die etablierte 'Science-fiction' würde sie als 'Science-mystery' zu stellen sein. Die seriöse wissenschaftliche Literatur wirft Fragen der Forschung auf und beantwortet sie mit den historisch entstandenen Methoden der Wissenschaft nach dem jeweiligen Erkenntnisstand. Die populärwissenschaftliche Literatur stellt Methoden und Resultate aus Forschung und Wissenschaft auf eine auch dem Nichtfachmann verständliche Weise dar. Die 'Science-fiction', die wissenschaftlich-phantastische Literatur, bringt wissenschaftliches Denken und phantastische Visionen zusammen, wobei meist aus der Sicht heutiger Erkenntnisse mögliche Zukunftsbilder der Menschheit unter starkr Berücksichtigung des wechselseitigen Geschehens in Wissenschaft, Technik und Gesellschaft entworfen werden. Die 'Science-mystery' nun gibt sich mit dem Anspruch der wissenschaftlichen Literatur, verwendet die Mittel der populärwissenschaftlichen und stellt vom Standpunkt der wissenschaftlichen Klärbarkeit 'hoffnungslose' Fälle vor, mit denen sie ihre Leser in Atem hält und ihnen Probleme suggeriert, die angeblich von existenzieller Bedeutung sein sollen."Dem ist nichts hinzuzufügen. Für Interessierte hier noch zwei Buchtipps:
Klaus Richter, 17. August 2001; zuletzt geändert am 6. Juli 2003
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