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Reinkarnation
Seit den 50er Jahren wird die Idee der Wiedergeburt auch in "therapeutischem" Zusammenhang praktiziert. Im deutschsprachigen Raum ist die Reinkarnationstherapie vor allem mit dem Namen des Münchener Psycho-Astrologen Thorwald Dethlefsen verbunden, der 1968 die Arbeiten amerikanischer "Jenseitsforscher" aufgriff und publikumswirksam aufbereitete. In angeblicher "Fortentwicklung" der Psychoanalyse, die die Ursache von psychischen Störungen in erster Linie in ungelösten Konflikten der frühen Kindheit sucht, geht die Reinkarnationstherapie in ihrer "Ursachenforschung" weiter zurück. Noch vor der Empfängnis, also in angeblichen früheren Existenzformen, liege die Ursache von Störungen. Traumatische und unbewältigte Extremerfahrungen früherer Leben wie schwere Krankheit, Folter und der eigene Tod würden sich zwangsläufig in die jeweils nächste Inkarnation "übertragen" und sich dort in einer Vielzahl psychischer und psychosomatischer Beschwerden niederschlagen. Ängste, Schuldgefühle, chronische Schmerzen, Allergien, Epilepsie u. v. a. seien allesamt Überreste aus früheren Leben. Die Symptome lösten sich auf, sobald ihre "wirkliche" Ursache erkannt und noch einmal bewußt "durchlebt" werde. Die Rückführung wird in der Regel auf hypnotisch-suggestivem Wege vorgenommen. Vielfach wird hyperventilierendes Atmen eingesetzt, um einen Trancezustand herbeizuführen. "Rückgeführte" berichten aus jedwedem vergangenen Zeitalter, ob bei den alten Römern, Griechen oder Chinesen; "Vorausgeführte" - auch das ist möglich - beschreiben Landungen auf dem Mars oder auf Alpha Centauri. Auch Erlebnisse in Tier-, Pflanzen- oder Mineralform gibt es, ebenso wie Berichte aus Himmel, Hölle oder dem "Leben zwischen den Leben". In keinem einzigen Fall konnte jedoch nachgewiesen werden, daß die Erinnerungen an "frühere Leben" auf tatsächlichen Geschehnissen beruhen. Meist widersprechen die berichteten Erfahrungen sogar den historisch bekannten Fakten. Auch die Behauptung, daß "Rückgeführte" plötzlich fremde Sprachen sprechen, hielt einer genauen Überprüfung durch Sprachforscher nicht stand: Das angebliche "mittelalterliche Gälisch" oder "Bulgarisch" stellte sich als Lautfolge heraus, die zwar oberflächlich wie eine fremde Sprache klang, aber tatsächlich völlig sinnlos war. Die Erklärung für vermeintliche Erinnerungen an frühere Leben liegt in erster Linie darin, daß sich in Trance das Wahrnehmungsfeld des Klienten verengt, während gleichzeitig enorme Fantasietätigkeit freigesetzt wird. Nach außen bleibt lediglich der Kontakt zum Therapeuten erhalten, dessen Suggestionen - beabsichtigte wie unbewußte - leicht aufgenommen und in die jeweiligen Fantasiekonstrukte eingebaut werden. Menschen in Trance fabulieren bestechend "logisch" und detailliert. Zudem sind ihre Geschichten meist begleitet von heftigsten Gefühlswallungen, so daß sie selbst, wie auch Augenzeugen, unverrückbar an die faktische Realität des Erlebten glauben. Tonband- und Videoprotokolle sind oft von beklemmender Authentizität. Aufgrund mangelhafter Ausbildung sind Reinkarnationstherapeuten in der Regel nicht in der Lage, die Gefährlichkeit ihres Tuns richtig einzuschätzen. Reinkarnationstherapie kann von akuter Verwirrung und Identitätskonflikten hin zu schweren psychotischen Entgleisungen führen. Auch von suizidalen Krisen wird berichtet. Reinkarnationstherapie ist - unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt - zur Behandlung seelischer Probleme und Störungen nicht geeignet, da sie mit einem hohem Risiko verbunden ist. Literatur:
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