| |
Der James-Randi-Preis - kritische Anmerkungen von Stephan Matthiesen, erschienen im Skeptiker 1/2000, S. 20 - 21. Hinter diesem Pries, der von James Randi Educational Foundation (JREF) in Fort Lauderdale, Florida, verwaltet wird, steht der Gedanke, Personen, die etwas Fantastisches behaupten, direkt auf die Probe zu stellen: Sind sie bereit, ihre Behauptungen zu belegen? Falls ja, so haben sie einen Anreiz, sich von der JREF prüfen zu lassen. Falls nicht, so haben siek ein Recht, ihre Behauptungen weiterhin aufrechtzuerhalten. Bisher wurde der Preis noch nicht ausgezahlt. Viele Menschen scheint die Idee, die Existenz des Paranormalen derart zu testen, intuitiv anzusprechen. Doch es gibt vielfältige Kritikpunkte, die vor allem die Wissenschaftlichkeit und die Relevanz des Preises anzweifeln. Was wäre, wenn tatsächlich jemand den Test bestünde? Wäre dann - entsprechend dem Preisversprechen - die Existenz "übersinnlicher, übernatürlicher oder paranormaler Fähigkeiten" bewiesen? Wohl nicht, vielmehr müsste man wohl annehmen, dass der erfoglreiche Bewerber einfach nur bessere Tricks kennt, dass also ein Zauberkünstler den anderen hereingelegt hat (Truzzi M. (1997) in: Krippner, S. (Hrsg.): Advances in Parapsychological Research, 8, 221-271). Der Einwand, dies sei bisher nicht geschehen und deshalb irrelevant, verkennt, dass dieses Problem nur eine Folge viel fundamentalerer Schwierigkeiten ist. Um anerkannt zu werden, müssen die Ergebnisse laut Preisbedingungen "offensichtlich für jeden Beobachter" sein, ein einzelner Test soll also über Existenz oder Nichtexistenz eines Phänomens entscheiden. Leider kommt es in der Wissenschaft selten vor, dass der Nachweis eines komplexen Phänomens einfach und offensichtlich ist - in der parapsychologsichen Forschung ist dies nicht anders. Weiterhin hat die JREF "kein Interesse an Theorien oder Erklärungen, wie die behaupteteten Kräfte wirken sollen", während in der Wissenschaft stets gefordert wird, neue Ergebnisse theoretisch zu untermauern. Daher widerspricht der James-Randi-Preis nach Ansicht von Kritikern in wesentlichen Punkten wissenschaftlichen Methoden; es ist nicht einmal klar definiert, welche wissenschaftliche Fragestellung überhaupt untersucht wird. Wegen dieser methodischen Schwächen müssen Erfolg und Nichterfolg mit zweierlei Maß gemessen werden: Versagt ein Bewerber, so gilt dies als Beleg dafür, dass die behaupteten Fähigkeiten nicht existieren. Hat er aber Erfolg, so wird man den Beleg trotzdem nicht akzeptieren: eine logisch und ethisch schwer zu vertretende Situation, und es ist in der skeptischen Bewegung sehr umstritten, ob es mit dem skeptischen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit vereinbar ist, ein Projekt mit derartigen methodischen Mängeln zu unterstützen und öffentlich zu propagieren. Freilich ist der Preis nicht als wissenschaftliches Forschungsprojekt gedacht, sondern soll Personen auf die Probe stellen, die großspurig fantastische Fähigkeiten behaupten. Mit Erfolg? Nach Randis eigenen Angaben sind es vor allem die "naiven Gläubigen" (Skeptic[USA], 1998, 6(3), 6 -7), die sich bewerben, während bekanntere und geschäftstüchtigere Zeitgenossen kaum betroffen sind. Oft wird impliziert, dass es sich bei denen, die sich nicht bewerben, um Scharlatane handeln muss, die sich der Prüfung nicht stellen wollen. Dies ist nicht nur ein logischer Fehlerschluss, sondern erfahrungsgemäß auch kein glaubwürdiges Argument, da es genug Gründe gibt, nicht teilzunehmen. Damit hat die Arbeit der JREF in der Paxis nur geringe Auswirkungen und ist im Wesentlichen darauf beschränkt, unwichtige Personen am Rande der Gesellschaft zu testen, während der Beitrag an sinnvoller Forschung verschwindend gering ist. Viele Kritiker sähen daher die enormen finanziellen Mittel der JREF lieber für andere Aktivitäten genutzt. Ein weitere Kritikpunkt bezieht sich darauf, wie der James-Randi-Preis im gesellschaftlichen Diskurs verwendet wird. Als schnell vermittelbares Argument gegen die Existenz paranormaler Phänomene wird oft vorgebracht, dass sich schon längst jemand den Preis abgeholt hätte, wenn die Phänomene existierten. Kritiker sehen darin eine bequeme Ausrede, sich nicht mehr mit der umfangreichen und detaillierten Forschung auseinandersetzen zu müssen, die zu vielen parawissenschaftilchen Themen existiert. Wer dieses Argument verwendet, muss daher mit dem Vorwurf rechnen, statt Substanz nur ein billiges Totschlagargument zu liefern und dabei vor allem den skeptischen Anspruch nicht einzuhalten: Nicht die leichtesten Ziele, sondern vielmehr die jeweils fundiertesten Belege zu untersuchen. Stephan Matthiesen. Lesen Sie die Reaktion von James Randi.
|
||||
|
[ Home | Aktuell | Skeptiker | Themen | Shop | Über uns | Mitglieder | Kontakt ]
|
|||||