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Spiritismus und okkulte Praktiken
In einer klassischen Seance versucht ein besonders "begabter" Mensch, ein Medium, in Trance direkt mit der Geisterwelt Kontakt aufzunehmen. Es scheint dann so, als spräche durch das Medium ein Geist, der die anderen Teilnehmer der Seance erstaunlich genau zu kennen scheint, so als handele es sich um den Geist eines verstorbenen Angehörigen. Die Mechanismen, die solche Seancen sehr überzeugend scheinen lassen, haben Gemeinsamkeiten mit denen, die auch bei Wahrsagern eine Rolle spielen (siehe dazu Abschnitt "Wahrsager"). Es gibt aber auch viele Medien, die mit einfachen Täuschungen und Zaubertricks arbeiten, um ihre Kunden vom Vorhandensein "übernatürlicher" Wesen zu überzeugen. Populärer als diese klassischen Seancen sind heute diverse okkulte Praktiken wie Gläserrücken, Tischerücken oder Pendeln, die meist in einer Gruppe, aber ohne ein professionelles Medium durchgeführt werden. Beim Gläserrücken berühren die Teilnehmer ein umgestülptes Glas, das auf einem mit Buchstaben versehenen Brett steht. Nach einer Weile setzt sich das Glas in Bewegung und wandert zu verschiedenen Buchstaben. Es scheint auf "geisterhafte" Weise auf die Fragen der Anwesenden zu reagieren. Beim Tischerücken wird statt des Glases ein kleines Tischchen (Planchette) verwendet, bei dem ein Bein durch einen Stift ersetzt ist, der die Antworten direkt auf Papier schreibt, und beim Pendeln schlägt ein ruhig in der Hand gehaltenes Pendel über Gegenständen, Buchstaben oder Symbolen aus. All diese Praktiken haben die Tatsache gemeinsam, daß ein unbelebter Gegenstand auf die Fragen der Anwesenden zu reagieren scheint. Ein wichtiger Grund für diese Bewegung ist der seit über 100 Jahren bekannte Carpenter-Effekt, der auch als ideomotorische Bewegung bekannt ist und ebenfalls für den Wünschelrutenausschlag verantwortlich ist (siehe Abschnitt "Erdstrahlen und Wünschelruten"). Schon durch die Vorstellung oder Wahrnehmung einer Bewegung werden im Gehirn motorische Zentren aktiviert, was dazu führt, daß die Muskeln die vorgestellte Bewegung ansatzweise mitvollziehen. Wenn also beim Gläserrücken die Beteiligten das Glas berühren und eine Bewegung erwarten, dann üben sie unbewußt durch kleinste Muskelbewegungen einen Druck auf das Glas aus und setzen es so in Bewegung. Dabei entsteht irrtümlicherweise der Eindruck, das Glas bewege sich auf "geisterhafte" Weise ganz von selbst. Die "Botschaften" entstehen dabei in einem komplizierten gruppendynamischen Wechselspiel zwischen den Erwartungen der einzelnen Teilnehmer. Wenn beispielsweise nach einer Person gefragt ist und die Anwesenden als Antwort einen bestimmten Namen erwarten, so werden sie gemeinsam und unbewußt das Glas so bewegen, daß dieser Name herauskommt. Einige Botschaften geben Stimmungen oder Meinungen in der Gruppe wieder, die unter anderen Umständen vielleicht nicht ausgesprochen werden könnten. In der besonderen Atmosphäre dieser Sitzungen können auch alte, längst vergessene Erinnerungen einzelner Teilnehmer in die Botschaften eingehen und so den Eindruck vermitteln, als wüßte der "Geist" mehr als die Anwesenden. Und nicht zuletzt spielt auch der Zufall eine große Rolle beim Zustandekommen der Aussagen. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß irgendwelche "übernatürlichen" Wesen oder "Geister" mit dem Geschehen etwas zu tun haben. Okkulte Praktiken sind teilweise mit großen Gefahren für die Beteiligten verbunden. Der suggestiven und überzeugenden Atmosphäre einer solchen Sitzung können sich viele Menschen nicht entziehen. Gerade Personen, die "nicht an Übersinnliches glauben" oder "erst mal offen" sein wollen, sind nicht selten besonders erschüttert, wenn sich unerwartet das Glas bewegt und vermeintliche "Botschaften aus dem Jenseits" vermittelt. Die Mitteilungen sind häufig keineswegs harmlos, oftmals werden Unfälle oder gar der Tod eines Teilnehmers vorhergesagt. So kann es zu ernsthaften psychischen Problemen kommen. Angesichts solcher Gefahren und der komplizierten gruppendynamischen Prozesse in derartigen Sitzungen ist höchste Vorsicht angebracht. Keinesfalls dürfen okkulte Praktiken als eine "harmlose Spielerei" angesehen werden. Literatur:
Linktipps:
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