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Presseecho zur Konferenz
Das Einhorn im Garten zitiert aus der Frankfurter Rundschau vom 2. Juli 2002 "Skeptiker fordern von Politikern eine schärfere Abgrenzung gegen esoterische Heilmethoden Von Gabriele Hooffacker Was tun, wenn ein Freund behauptet, in seinem Garten lebe ein Einhorn? Ganz einfach, denken Sie, er muss es Ihnen zeigen, das Einhorn. Doch so einfach macht es Ihnen Ihr Freund nicht: Erstens sei das Tier mikroskopisch klein und zweitens ohnehin unsichtbar. Und jetzt widerlegen Sie mal . . . Solche "Es gibt . . ."-Behauptungen gehören zu den logischen Übungen, mit denen sich Skeptiker beschäftigen. Das Gegenstück zum Einhorn-Beweis ist als Hempels Raben-Paradoxon in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen: "Alle Raben sind schwarz." Was liegt für den Forscher näher, als den Umkehrschluss zu ziehen: "Alles, was nicht schwarz ist, ist kein Rabe." Des Rätsels Lösung: Diese Umkehrung oder Kontraposition ist logisch nicht erlaubt; sie führt zu absurden Schlussfolgerungen. Wer lediglich den Satz: "Alles, was nicht schwarz ist, ist kein Rabe", belegen möchte, kann nicht nur jedes Rotkehlchen und jeden Grünfink als "Beweis" präsentieren, sondern auch weiße Tennisbälle oder rote Laternen. Und die beweisen ja nun in Bezug auf die Aussage: "Alle Raben sind schwarz", die Ausgangsfrage, gar nichts mehr. Richtig wäre gewesen zu folgern: Der erste weiße Rabe, der mir über den Weg hüpft, hat die Behauptung widerlegt. "Rosenquarz hilft gegen Migräne. Eine Freundin von mir hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht", lautet da eine andere Behauptung. Dass Thesen wie diese keineswegs so harmlos sind, wie sie scheinen, sondern handfeste politische Auswirkungen haben können, war jetzt Thema einer Tagung in Berlin, zu der die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) eingeladen hatte. Denn wenn sich auch Esoteriker gern auf das Shakespeare-Zitat berufen: "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen lässt." Den Verbrauchern und der gesamten Gesellschaft drohen Schäden, die durch Unwissenheit einerseits und durch Irreführung andererseits entstehen. Dabei wenden die Experten, die sich als Skeptiker bezeichnen, schlicht Methoden wie die oben beschriebenen an: Sie prüfen, ob die umstrittenen Aussagen logischen Überprüfungen standhalten, bei empirischen Untersuchungen, ob sich Versuche wiederholen und damit überprüfen und bestätigen lassen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Im Fall der Paramedizin (para = griechisch für "neben"; der Status dieser medizinischen Richtungen ist noch ungeklärt, sie können wahr oder falsch sein) heißt das konkret: Die Krankenkassen zahlen für Therapien, deren Erfolg alles andere als sicher ist. Und alle beitragspflichtigen Bürger zahlen mit. Anthroposophische Heilmittel sind ein Beispiel für solche Paramedizin. Dabei werden Metalle - Blei für die Milz oder Silber fürs Gehirn - "vegetabilisiert", indem Pflanzen mit den jeweiligen Salzen gedüngt werden. über mehrere Stufen der Verarbeitung dienen solche Pflanzen schließlich als Heilmittel. Man bleibt unter sich Die Skeptiker haben sich mit den medizinischen Aussagen Rudolf Steiners beschäftigt. Sie kritisieren, dass Steiners Anhänger nur von ihresgleichen begutachtet werden wollen und sich einer unabhängigen Prüfung verweigern. Mit Sorge beobachten die Skeptiker der GWUP auch, dass Behörden und Politik sich dem Druck von Interessengruppen beugen, die bestehenden Standards abzuschaffen oder bestimmte medizinische Verfahren von der Qualitätssicherung auszunehmen. GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma sagt: "Wir fordern den Gesetzgeber auf, in der nächsten Legislaturperiode die gleichen wissenschaftlichen Standards für alle medizinischen Verfahren durchzusetzen." Dass sich handfesten Ärger einhandelt, wer nicht jedes angebliche Wundermittel ungeprüft vertreibt, musste der Apotheker Gregor Huesmann erfahren. Er fand die Begründung, mit der Hersteller Medisana für das angebliche Schmerz- und Arthrosemittel "Haifit" warb, nicht sonderlich überzeugend: "Haben Sie schon einmal einen kranken Hai gesehen?" Allein die Tatsache, dass die Mischung aus Haifischknorpelpulver, Gelatine, Haferflocken, Apfelpulver, Aromastoffen und einigen weiteren Zutaten, von dem eine Packung 122 Mark kostete, kein Medikament, sondern ein so genanntes Medizinprodukt der Stufe 1 ist, sorgt dafür, dass die Beweislast umgekehrt ist: Nicht der Hersteller muss die Wirkung des Produkts beweisen, sondern der Verbraucher muss nachweisen, dass es nicht wirkt. Das ist für den Laien nicht nur schwer, sondern schier unmöglich. Deshalb liegt in der Wissenschaft die Beweispflicht immer bei dem, der die Behauptung aufstellt. Apotheker Huesmann griff zur Selbsthilfe und prangerte "Haifit" im Schaufenster seiner Apotheke als "Scheiß des Monats" an. Das hätte er besser nicht tun sollen: Per einstweiliger Verfügung wurde das Plakat entfernt und der Apotheker auf Unterlassung und Schadensersatz in Höhe von 200 000 Mark verklagt. Das Landgericht München bestätigte das Verbot aus wettbewerbsrechtlichen Gründen: Huesmann stehe mit seiner Apotheke als Verkäufer in einer Konkurrenzsituation zu den Pharmakonzernen. Damit sei eine sittenwidrige Schädigung eines Mitbewerbers gegeben. Immerhin: Im persönlichen Gespräch sei es dem Apotheker unbenommen, Kunden vom Kauf des Präparats abzuraten, nur das Pappdisplay dürfe er nicht im Schaufenster aufstellen, so das Gericht. Manchmal kommen die Skeptiker auch zu ungewöhnlichen Ergebnissen. Der Physiker Mark Pössel etwa fragte: "Sind Zeitreisen möglich?" Dabei berief er sich auf Einsteins spezielle Relativitätstheorie, zu der er direkten Bezug herstellen konnte: Fand doch die gesamte Skeptiker-Tagung in der Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow statt. Und dort im Vortragssaal hatte Einstein das erste Mal in Deutschland über die Relativitätstheorie referiert. Keine Reise in die Vergangenheit Mark Pössel befand, dass die Frage nach den Zeitreisen rein theoretisch selbstverständlich mit "Ja" zu beantworten sei - allerdings nur, was Reisen in die Zukunft angehe. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft: Auch Stephen Hawking hat die Frage bejaht. Reisen in die Vergangenheit hingegen scheitern am so genannten Großvater-Paradoxon: Angenommen, Sie unternehmen eine Reise in die Vergangenheit und entschließen sich, Ihren Großvater der Wissenschaft zu opfern. Mit einem Schießeisen, das Sie zu diesem Zweck mitnehmen, töten Sie ihn - möglichst zu einem Zeitpunkt, bevor er eine Chance hat, Ihren Vater zu zeugen. Und jetzt warten Sie ab, was passiert: Haben Sie ihn erschossen, kann es Ihren Vater nicht geben, also auch Sie nicht - womit der Schuss nicht erfolgt ist. Und also lebt Großvater noch, Ihr Vater und Sie existieren, also konnten Sie ihn erschießen - und so weiter. Zeitreisen in die Vergangenheit stehen also vor gewissen logischen Problemen, wie jeder Star-Trek-Zuschauer weiß. Ob Albert Einstein diesem Schluss gefolgt wäre, ist nicht mehr herauszufinden. Dänikens Trugschluss Eine weitere beliebte logische Finte ist der Däniken-Schluss: Weil man eine Tatsache nicht widerlegen kann, wird sie als bewiesen dargestellt. Konkret: Weil niemand widerlegen kann, dass vor Urzeiten Astronauten auf die Erde kamen, von denen die Menschen abstammen, wird unzulässig geschlossen: Also war es so. Ähnlich ist es mit der Aussage: "Alle Raben sind schwarz." Solche "Allaussagen" sind nicht beweisbar, weil niemand alle Raben auf der Welt untersuchen kann, nur widerlegbar - allerdings nicht über die Kontraposition. Und mit etwas Logik ist auch die Frage nach dem Einhorn im Garten - oder der Heilkraft von Steinen - zu beantworten: Dabei handelt es sich um eine Existenzaussage ("Es gibt . . ."). Solche Existenzaussagen kann man nicht widerlegen, man kann sie nur beweisen. In unserem Eingangsbeispiel: Der Freund muss schlicht beweisen, dass das Einhorn in seinem Garten existiert - wenn ihm das gelingt, muss der Skeptiker es zauuml;hneknirschend akzeptieren. Weniger politisch, dafür umso einfacher ist die Antwort im Fall der angeblich heilenden Steine: "Selbstverständlich haben Steine Einfluss auf den Menschen", sagt Klaus Olschewski, "wenn sie Ihnen beispielsweise auf den Kopf fallen." Lesetipps: Christoph Bördlein: Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Eine Einführung ins skeptische Denken, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2002, 14 Euro. Gregor Huesmann: Schwarzbuch Wundermittel , Hirzel Verlag, Stuttgart / Leipzig 2001, 17,40 Euro.Irmgard Oepen: Lexikon der Parawissenschaften, Lit Verlag, Münster 1999, 17,90 Euro. Internet: www.skeptiker.de (Links zu zahlreichen parawissenschaftlichen Themen), www.quackwatch.com (hier werden Quacksalber unter die Lupe genommen)." |
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