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14. GWUP-Konferenz 2004 Vortragabstract von Manfred Stöhr: Anti-Aging - Fakten und Märchen Ein Jungbrunnen, der alten Menschen Jugend und Schönheit wiedergibt, und ein Lebenselixier
das Langlebigkeit garantiert, sind uralte Träume der Menschheit, die gegenwärtig in besonderer
Intensität auftauchen. Die Anti-Aging-Welle rollt und zieht immer mehr lebenshungrige Zeitgenossen mit sich.
Fitness-Päpste, Ernährungsgurus, Entspannungstrainer und Gesundheitsexperten haben Hochkonjunktur und
verheißen ihren gläubigen Anhängern eine rosige Zukunft in körperlicher und geistiger Frische.
Etwas irritierend sind dabei allerdings gewisse Ungereimtheiten und Einseitigkeiten in den angepriesenen Methoden:
Während die einen auf Wunderpillen und Hormonspritzen setzen, fordern andere eine Lebensstiländerung oder
eine Ernährungsumstellung; die einen propagieren ein konsequentes Fitness-Training, die anderen ganz im
Gegenteil ein Leben in Faulheit und Bequemlichkeit - um Lebensenergie zu sparen. Manchen gibt auch zu denken, dass
James Fixx, der Initiator der Jogging-Bewegung, im Alter von 52 Jahren beim Laufen auf der Landstraße tot
zusammenbrach. Er starb damit fixer als es dem Renommee dieser Bewegung gut tat, die doch angetreten war, um dem
Herzinfarkt davonzulaufen - ein unter Marketing-Aspekten denkbar unpassendes Ende. Ein gewisser Trost bietet hier
höchstens der Sportmediziner Richard Rost, der zwar konstatierte, dass Sportler auch nicht länger leben
als andere Menschen, aber dafür gesünder sterben. Anhänger diverser Ernährungstheorien werden
dadurch verunsichert, dass sich die Bestandteile des Anti-Aging-Food von Jahr zu Jahr und von einem Ernährungsguru
zum anderen ändern, so dass sie Mühe haben mit den Änderungen Schritt zu halten. Etwas bequemere
Zeitgenossen erhoffen sich das Heil von wissenschaftlichen Fortschritten und nehmen begierig zur Kenntnis, dass es
kürzlich kalifornischen Biologen durch genetische Manipulationen gelang, die Lebensspanne von Fadenwürmern
(Caenorhabditis elegans) um den Faktor 6 zu verlängern. Auf Menschenjahre übertragen wären
dies rund 500 Jahre, so dass die Spekulationen über eine mögliche drastische Verlängerung der
menschlichen Lebenszeit durch genetische Eingriffe dadurch neu angeheizt wurden. Da mit Wünschen nach einem
langen Leben Geld zu verdienen ist - und zwar viel Geld -, entwickelte sich in den letzten Jahren eine boomende
Anti-Aging-lndustrie mit Zuwachsraten, von denen andere Wirtschaftszweige nur träumen können.
Medizinische Heilspropheten, die Gesundheit und Vitalität bis ins hohe Alter versprechen, haben Hochkonjunktur, und die Palette der angepriesenen Produkte reicht von Aloe vera bis Zink und von Vitaminen und Spurenelementen bis zu "Power-" und "Master-Hormonen", wobei alle Register der multimedialen Vermarktung gezogen werden. In Hunderten von populären Jubelbüchern werden die verschiedensten Mittel und Methoden propagiert, so dass es kaum noch möglich ist, in dieser verwirrenden Vielfalt einen Überblick zu behalten und sich ein Urteil zu bilden.
Bei der Wahl der Mittel ergibt sich somit das Problem, dass die unterschiedlichsten Methoden propagiert werden, von denen einige geeignet sind, wenigstens die aktive Lebenszeit zu verlängern. Die absolut mögliche Lebenszeit dürfte demgegenüber größtenteils genetisch determiniert sein, und seriöse Altersforscher rechnen in absehbarer Zeit mit keiner nennenswerten Zunahme der mittleren Lebensdauer, deren phänomenaler Anstieg in den letzten hundert Jahren auf Fortschritte der Medizin und der Hygiene zurückgeht und nicht auf Anti-Aging-Maßnahmen.
Werbeslogans wie "Jeder Mensch kann in bester Gesundheit und Vitalität bis zu 120 Jahre alt werden" sind als reine Scharlatanerie zu werten, und es ist sicher vernünftiger, sich an die erstaunlich aktuelle Einsicht von Hippokrates zu erinnern, der die Menschen zum ganz persönlichen Einsatz aufforderte: "Alle Körperteile die gebraucht werden sind gesund, gut entwickelt und altern langsamer ... wenn sie jedoch nicht benutzt werden und träge sind, neigen sie zur Krankheit ... und altern schnell", wobei er hinzufügt, dass der Gebrauch maßvoll zu geschehen habe. Fügt man dieser Empfehlung noch die nach einer gesunden Ernährung und einem stressarmen Lebensstil hinzu, hat man bereits die einfachsten und zudem effektivsten Anti-Aging-Maßnahmen kennengelernt.
Prof. Dr. Manfred Stöhr, geb. 1939, ist Direktor der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Klinikum Augsburg. |
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