Was wir wahrnehmen, ist nicht immer wahr. Viele
Sinnes- und Denktäuschungen führen uns vor Augen, dass wir
Menschen keine unfehlbaren Geschöpfe sind. Oft nehmen wir nur das wahr,
was wir bewusst oder unbewusst erwarten, sofern dies ein unbewusster
"Zensur"-Prozess in unserem Gehirn für realistisch hält. Gerade die
Wahrnehmungstäuschungen sind daher für die Hirnforschung ungemein
aufschlussreich: Sie zeigen uns, nach welchen formalen Prinzipien unser
Gehirn - normalerweise höchst erfolgreich! - arbeitet.
Viele bekannte Täuschungsmechanismen spielen eine Rolle bei
Behauptungen, die oft vorschnell als "wissenschaftliche Revolution" oder
als "paranormal" präsentiert werden. Wie aber überlistet man die
eigene Täuschbarkeit, um zwischen bloßen Behauptungen und
verlässlicher Erkenntnis zu unterscheiden?
Anschauliche Schlüsselexperimente liefern hier wertvolle Hand- und
Denkwerkzeuge. Und so lautet unsere take-home-message: Angesichts der
Fülle von Täuschungen, denen wir ständig unterliegen und von
denen wir uns grundsätzlich nicht zu befreien vermögen,
ist das Höchste, was wir erreichen können, zu erkennen, ob -
und warum - wir uns täuschen, und auf welche Erkenntnisse wir uns
verlassen können.
1. Wie wahr sind unsere Wahrnehmungen?
Erfahrung und Erwartung beeinflussen die Wahrnehmung
Optische Täuschungen werden zu "Seh-Wahrheiten"
Wenn Konstanzleistungen versagen: Bewegungs-Nacheffekte und der "Zauberstuhl" von BEUCHET
Wir sind blind, ohne es zu merken
Wie man die eigenen Sehzellen der Netzhaut betrachten kann
Auf falsch gestellte Fragen gibt es keine Antwort
Die Wahrnehmung wird ohne unser Wissen "zensiert"
Wir fühlen uns frei - auch wenn wir es nicht sind
Echte Wahrnehmung oder Halluzination?
Sinnestäuschungen als Erkenntnisquelle
2. Wissenschaft oder Pseudowissenschaft?
Die Wünschelrute: "Und sie bewegt sich doch!"
"Erdstrahlen" und "Elektro-Smog": Macht allein die Angst davor krank?
Gibt es paranormale Phänomene?
Hat, wer heilt, immer Recht?
"Credomanie": die Sucht zum Aberglauben und ihre biologischen Wurzeln
Literatur:
Bördlein Ch: Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Eine Einführung ins skeptische Denken. Alibri, Aschaffenburg (2002)
Wolf R: Der biologische Sinn der Sinnestäuschung. Videofilm, BIUZ 17:33-49 (1987)
Wolf R, Wolf D: Vom Sehen zum Wahrnehmen. In: Vom Reiz der Sinne. Begleitbuch zur ZDF-Fernsehserie. VCH, Weinheim (1990)
Wolf R: Sinnestäuschung und "New-Age"-Esoterik. In: Parawissenschaften unter der Lupe (I. Oepen und A. Sarma, Eds). LIT, Münster (1993)
Wolf R: Erkenne dich selbst! In: Die esoterische Verführung. IBDK, Aschaffenburg (1995)
Wolf R: Believing what we see, hear, and touch. Skeptical Inquirer 20:23-30 (1996)
Wolf R, Windeler J: Erfolge der Homöopathie - nichts als Placebo-Effekte und Selbsttäuschung? Skept. Jahrbuch, IBDK, Aschaffenburg (1997)
Wolf R: Vom Sinn und Unsinn der Sinnestäuschung. Studium Generale, Universität Würzburg (1998)
Wolf R: Das 11. Gebot: Du sollst dich nicht täuschen. Skeptiker 12:140-149 (1999)
Wolf R, Rosenzweig R, Schuchardt M: Looking at one`s own cone cells. Perception Suppl. 31:165 (2002)
Wolf R, Wolf D: Hohlköpfe. Verblüffende Einsichten in unsere Wahrnehmung. In: Wenn Monster munter werden (M. Keil M, Kremer B, Eds), Wiley-VCH, Weinheim (2004)
Wolf R.: Zusammenhänge: Bildende Kunst, Wahrnehmung und Wahrnehmungstäuschung. In: "Anblick/Augenblick" (Neumann M, Ed.). Sympos. Kath. Univ. Eichstädt (2004)
Wolf, R: Bildende Kunst - Wirklichkeiten gespiegelt und auf den Kopf gestellt. In: Raum-Zeit-Materie. 123. Vers. der GDNÄ, Passau (2004)
PD Dr. Rainer Wolf, geb. 1941, studierte Biologie und Physik. 1968 Postdoc am
Heiligenberg-Institut für Experimentelle Biologie am Bodensee, ab 1972 am Zoologischen Institut der
Universität Würzburg, nach der Habilitation 1985 Dozent am Biozentrum. Forschungsschwerpunkt:
menschliche Wahrnehmung und Selbsttäuschung. Mitglied in Vorstand und Wissenschaftsrat der GWUP.