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14. GWUP-Konferenz 2004 Vortragabstrakt von Rainer Wolf & Jochen Bergmann:

Die Würzburger Wünschelrutentests

Wissenschaftlich fragwürdige Ideen sind mehr als theoretische Spielereien ­ mit ihnen lässt sich auch Geld verdienen. Egal ob Wünschelrute, magnetische Wasserentkalker, "baubiologische Beratung" oder "Zapper" nach H. Clark: Viele Produkte und Dienstleistungen werden verkauft, obwohl die Frage nach dem Nutzen für den Verbraucher unbefriedigend beantwortet ist oder verneint werden muss. Grundsätzlich können alle derartigen Angebote entweder theoretisch untersucht werden ("Kann das nach bestem heutigen Wissen überhaupt funktionieren?") oder in einem Praxistest ("Funktioniert es wirklich?").

In den vergangenen Jahren standen in Würzburg fünf Personen auf dem Prüfstand, die vorgaben, mit ihren Fähigkeiten oder Geräten außergewöhnliche Aufgaben meistern zu können (z. B. gesundheitsschädliche "Killerstrahlen" zu finden). Dabei wurde die Theorie außen vor gelassen und die Praxisrelevanz in den Vordergrund gestellt. In dem Vortrag werden die fünf Würzburger Tests kurz vorgestellt. Anhand eines bestimmten Tests (der als Vortest zum sog. "Randitest" durchgeführt wurde) werden wichtige Elemente und Fallstricke praxisnaher Tests herausgearbeitet. Kernpunkt solcher Untersuchungen muss sein, dem Probanden in der Gestaltung des Testparcours so weit wie möglich entgegenzukommen und sicher zu gehen, dass der Versuch erfolgreich funktioniert, solange er unverblindet durchgeführt wird. Die Tester müssen ihrerseits darauf achten, dass mögliche Störquellen ausgeschlossen werden, eine korrekte Verblindung gewährleistet ist und der Test statistisch ein eindeutiges Ergebnis liefert. Die Praxis hat gezeigt, dass auch die Auswertung vermeintlich einfacher Versuche ihre Tücken birgt.

In Würzburg konnte keiner der Probanden die von ihm behauptete Leistung vollbringen. Dieses Ergebnis ist nicht überraschend, denn kontrollierte Versuche verliefen in den letzten Jahrzehnten fast durchweg negativ. Aus Sicht des Verbraucherschutzes ist daher anzunehmen, dass viele Verbraucher von Anbietern ähnlicher Produkte und Dienstleistungen nicht das erhalten, was sie erwarten und wofür sie bezahlen. Für die GWUP sind derartige Tests ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist zu erwarten, dass viele Probanden die von ihnen behaupteten Fähigkeiten nicht demonstrieren können. Daher ist zu überlegen, ob die darin gebundenen Ressourcen nicht sinnvoller für andere Aufgaben eingesetzt werden sollten. Außerdem können viele behauptete Fähigkeiten nur schwer oder gar nicht getestet werden, und die Ergebnisse (ob positiv oder negativ) sind oft von begrenzter Aussagekraft. Andererseits genügt es nicht immer, auf allgemeine Erkenntnisse oder vergangene negative Testergebnisse hinzuweisen. Denn möglicherweise gibt es ja doch etwas Außergewöhnliches zu entdecken! Die Autoren plädieren dafür, dass die GWUP weiterhin einige ihrer Ressourcen für praxisnahe Tests außergewöhnlicher Fähigkeiten einsetzt. Derzeit gibt es wieder ein verstärktes Interesse am sog. "Randi-Test", sowohl von Probanden als auch aus der breiten Bevölkerung und den Medien. Damit bietet sich eine gute Möglichkeit, Verbraucherschutz und Volksbildung zu kombinieren.

Literatur:

  • Blackmore S, Hart-Davis A: Testen Sie Ihre übernatürlichen Kräfte. MVG (1998)
  • Betz H.-D: Rutengänger und Wissenschaft, in: Grenzgebiete der Wissenschaft 51;4:291-312 (2002)
Zum "Wünschelrutenreport":

  • Albrecht F: Kommentar zum "Wünschelrutenreport" aus geologischer Sicht. Skeptiker 2;4:20-21 (1989)
  • Betz H.-D: Geheimnis Wünschelrute. Umschau-Verlag (1990)
  • Loeb H: Gibt es Erdstrahlen? Kommentar zum "Wünschelruten-Report" aus physikalischer Sicht. Skeptiker 2;4:14-20 (1989)
  • Moll J, Richter H, Ross CH, Sarma A, Windeler J: Der Wünschelruten-Report. Kritische Stellungnahmen zu einem umstrittenen Forschungsprojekt. Skeptiker 2;4:11-14 (1989)
Zu den Kasseler Wünschelrutentests der GWUP:

  • König R, Moll J, Sarma A: Wünschelruten-Test in Kassel. Skeptiker 4;1:4-10 (1991)
  • Kommentare dazu von S. Ertel und Replik der Autoren in Skeptiker 3/1992, S. 69-74
Zu den Tests in Würzburg:
  • Wolf R: Sinnestäuschung und "New-Age"-Esoterik: Aktuelle Parawissenschaften kritisch betrachtet. Skeptiker 6;4:88-100 (1993), auch abgedruckt in: Parawissenschaften unter der Lupe (Hg.: I. Oepen und A. Sarma), LIT, Münster, S. 137-149 (1995)
  • Wolf R, Gimmler H, Wolf J, Rosenzweig R: Im Doppelblind-Test "strahlten" die Pflanzen nicht. Ein Wünschelruten-Experiment im Botanischen Institut der Universität Würzburg, in: Skeptiker 11;4: 143-147 (1998)
PD Dr. Rainer Wolf, geb. 1941, studierte Biologie und Physik. 1968 Postdoc am Heiligenberg-Institut für Experimentelle Biologie am Bodensee, ab 1972 am Zoologischen Institut der Universität Würzburg, nach der Habilitation 1985 Dozent am Biozentrum. Forschungsschwerpunkt: menschliche Wahrnehmung und Selbsttäuschung. Mitglied in Vorstand und Wissenschaftsrat der GWUP.
Jochen Bergmann, geb. 1975, hat Lebensmittelchemie studiert und promoviert derzeit an der TU München über ein Thema der Naturstoffchemie. Er ist seit Jahren aktives GWUP-Mitglied, derzeit u.a. Beisitzer im Vorstand und Koordinator des Newsletters "e-Skeptiker".

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