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Der 12. Europäische Skeptikerkongress 2005Martin Mahner
Der Psychologe Frits van Dam konnte über einen Rückgang der Inanspruchnahme alternativer Diäten bei Krebspatienten in den Niederlanden berichten. In den 1990er Jahren war etwa die Houtsmuller-Diät in den Niederlanden sehr populär. Ihr Erfinder, ein Arzt, behauptete, er sei durch seine Diät von einem metastasierenden Melanom (einem Hautkrebs) geheilt worden. Nach seiner Entlarvung in einer Fernsehsendung musste Houtsmuller allerdings zugeben, dass er nie Metastasen aufgrund eines Melanoms hatte, und nach dem Tod einer beliebten Schauspielerin, die ihre Brustkrebsbehandlung zugunsten der Houtsmuller-Diät abgebrochen hatte, rückte die Kritik an solchen Diäten ins Bewusstsein der niederländischen Öffentlichkeit - offenbar mit einem heilsamen Effekt. So nahm die Anzahl der Patienten, die eine alternative Krebsdiät anwandten, von 13% Ende der 90er Jahre auf nur noch 2% im Jahre 2005 ab. Schließlich enthüllte Willem Betz, Professor für Allgemeinmedizin an der FU Brüssel, die Hintergründe zu einem geplanten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die Homöopathie. Offenbar habe die Pro-Homöopathie-Lobby dort bereits wichtige Stellen infiltriert, denn nur so könne die nur oberflächlich als wissenschaftlicher Bericht getarnte Propagandaschrift zugunsten der Homöopathie zustande gekommen sein (siehe auch Skeptical Inquirer 5/2005, S. 12-14). Der Samstag war hauptsächlich dem Thema Medien und Parawissenschaften gewidmet. Dirk Volckaerts, Herausgeber der Wochenzeitung Brussel Deze Week, berichtete über den Glaubwürdigkeitsverlust, den die Medien allenthalben erfahren haben. Zum einen seien dafür schlechte Ausbildung und Zeitdruck verantwortlich, zum anderen aber auch die Verlagshäuser selbst, die Zeitungen häufig lediglich als kommerzielle Produkte sehen, bei denen die Wahrheitsfrage eine nur mehr nachgeordnete Rolle spiele. Volckaerts ermunterte die anwesenden Skeptiker, auf Falschmeldungen oder einseitige Berichterstattung konsequent mit Leserbriefen zu reagieren. Zumindest mittelfristig könne man so durchaus erreichen, dass sich Journalisten vor dem nächsten Bericht gezwungen sehen, auch einmal den skeptischen Standpunkt darzustellen. Der Journalist Luis Gámez erläuterte anhand seiner eigenen Arbeit bei der spanischen Zeitung El Correo, dass es möglich ist, skeptische Themen populär aufzubereiten und regelmäßig zu publizieren, denn günstige Anlässe, solche Themen in der Zeitung immer wieder unterzubringen, gebe es genug. Die Skeptiker müssten jedoch lernen, wie man Nachrichten auch populär formuliert und dazu ihre häufig anzutreffende akademische Trockenheit überwinden. Ähnlich äußerte sich der niederländische Wissenschaftsjournalist Hans van Maanen. Die meisten Journalisten seien entgegen eines skeptischen Vorurteils eigentlich gar nicht vorwiegend paragläubig, sondern lediglich an „sexy" Geschichten interessiert. Auch skeptische Themen ließen sich so aufbereiten. Zudem sollten Skeptiker gerade bei „sexy" Nachrichten, wie „Frauen mit schmalen Hüften haben attraktivere Stimmen" oder „Kaffee verursacht Leberkrebs" besonders auf die Beweise achten, denn gerade solche weit publizierten und gern geglaubten Berichte bedürften im Sinne Carl Sagans „außerordentlicher Belege". Ferner berichtete die Psychologin Krissy Wilson über populäre englische Fernsehsendungen mit Spiritisten und Medien; der Physiker Richard Monvoisin von der französischen Skeptikerorganisation Observatoire Zététique stellte einen Kurs über kritisches Denken vor, und der Physiker Jean Bricmont untersuchte die Zusammenhänge zwischen der bekannten Sokal-Affäre aus den 1990ern und der Teissier-Affäre von 2001, als die französische Astrologin Elisabeth Teissier den Doktortitel in Soziologie von der Pariser Universität Sorbonne verliehen bekam. Er machte dafür dieselbe postmodernistisch wissenschaftsfeindliche Haltung in bestimmten akademischen Kreisen verantwortlich, die bereits Alan Sokal 1996 angeprangert hatte. Am Sonntag standen ein Vortrag und eine Diskussion mit dem englischen Parawissenschaftler Rupert Sheldrake auf dem Programm. Sheldrake sprach vorwiegend über seine Telepathieexperimente mit Menschen und Tieren. Er gestand zu, dass die Ergebnisse parapsychologischer Forschung bislang recht mager sind, glaubte aber, dies läge an der Tatsache, dass man hauptsächlich mit Fremden gearbeitet habe. Seinen Erfahrungen zufolge seien nämlich die Ergebnisse mit nahen Verwandten oder anderen Personen, die einander sehr nahe stehen, deutlich besser. Die Parapsychologie müsse diesen „Verbundenheitsfaktor" künftig stärker berücksichtigen. Sheldrake gab sich ganz als seriöser Wissenschaftler, obwohl man daran berechtigte Zweifel hegen darf (s. Skeptiker 3/04, S. 36ff.) In seiner Gegenrede erläuterte der holländische Mathematiker Jan Willem Nienhuys, warum Telepathie physikalisch unmöglich ist. Sheldrake wies diesen Einwand mit der üblichen empiristischen Strategie zurück, dass solche dogmatischen Positionen stets ein Forschungshindernis gewesen seien; zudem seien sie allzu oft widerlegt worden. Mit anderen Worten: Wie unplausibel eine Behauptung auch immer sein mag, der „gute Wissenschaftler" ist diesem Ansatz zufolge offenbar verpflichtet, sie bereitwillig und endlos zu testen. Wie so oft in Diskussionen mit Parawissenschaftlern haben beide Seiten die Argumente der jeweils anderen zur Kenntnis genommen, ohne dass dies Auswirkungen auf die eigene Position gehabt hätte. Dennoch ist es lehrreich, die „Großen" der parawissenschaftlichen Zunft einmal in Aktion zu erleben und deren Argumentationsweise live zu verfolgen. Auch wenn hier nicht über alles berichtet werden konnte, mag es doch genügen, einen Eindruck von einer abwechslungsreichen und entspannten europäischen Konferenz zu vermitteln. Der nächste Europäische Skeptikerkongress steht im September 2007 in Dublin an. Dieser Artikel erschien im "Skeptiker", Ausgabe 4/2005. |















