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Aberglaube – alt und neu

Die 13. GWUP-Konferenz, Darmstadt 13.–14. 6. 2003

Stephan Matthiesen und Inge Hüsgen

„Was an einem Freitag wird begonnen, hat nie ein gutes End’ genommen“, raunte einst der Volksmund im Erzgebirge. Und die Zahl 13 jagt Abergläubischen ohnehin einen Schrecken ein. Die Skeptikerorganisation GWUP ließ sich davon natürlich nicht abschrecken und startete ihre 13. Konferenz am Freitag, dem 13. Juni. „Am Donnerstag, den 12., klingeln bei den Kollegen in den volkskundlichen Universitätsinstituten häufig die Telefone. Am anderen Ende der Leitung sind so genannte Journalisten, die wissen wollen, was es denn mit Freitag, dem 13., auf sich habe. Wenn man darauf hinweist, dass das eine recht komplexe Frage ist, zu deren Beantwortung man gerne etwas mehr Vorlaufzeit gehabt hätte, und wenn man dann noch anbietet, der Journalist könne gerne in die Bibliothek kommen und die einschlägigen Fachartikel, etwa von Gunther Hirschfelder, studieren, dann heißt es: ‚Da schaue ich doch lieber im Internet nach!‘“ Mit diesen Worten umriss der Volkskundler Stephan Bachter, MA, in der Einleitung seines Vortrages über „Aberglaube und Aufklärung - Volkskundliche Anmerkungen zu einem paradoxen Verhältnis“ das Problem des Aberglaubens als modernes Medienereignis. Doch gerade „Freitag, der 13.“ ist kein uralter Aberglaube - vielmehr findet sich bis 1942 keine Verknüpfung zwischen den beiden Vorstellungen „Freitag als Unglückstag“ und „13 als Unglückszahl“. Was ist überhaupt unter Aberglauben zu verstehen, und wie entsteht er? Das umfangreiche, doch heute in vielen Bereichen überholt erscheinende „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ (1927–1942) sieht den Aberglauben einerseits in Abgrenzung zu den Naturwissenschaften, andererseits in Abgrenzung zu Religionen: Demnach sei Aberglaube „der Glaube an die Wirkung und Wahrnehmung naturgesetzlich unerklärter Kräfte, soweit diese nicht in der Religionslehre selbst begründet sind“. Diese Definition ist aus vielen Gründen nicht unproblematisch, und so vertrat Bachter einen anderen Ansatz: Denn die Wurzeln vieler heute als „volkstümlicher Aberglaube“ angesehenen Praktiken sind keineswegs volkstümlich: Die europäische Magie der frühen Neuzeit „war ein elaboriertes, komplexes und kompliziertes, in sich durchaus rationales System zur Welterklärung“, so Bachter, das umfangreiche Studien erforderte und nur sehr wenigen Gebildeten zugänglich war. Doch seit dem 18. Jahrhundert wurde dieses esoterische Wissen von „gelehrten und halbgelehrten Vermittlern, entlassenen Professoren etwa oder entlaufenen Klosterschülern“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und Mitte des 19. Jahrhunderts war die Popularisierung so weit fortgeschritten, dass so genannte „Zauberbücher“ von speziellen Verlegern billig und mit großem Erfolg auf den Markt gebracht wurden. Die darin enthaltenen einfachen Regeln und Rezepte machten die Magie für jedermann ohne weiteres Studium anwendbar, und viele „abergläubische“ Praktiken lassen sich unmittelbar auf den Einfluss dieser Zauberbücher und die damit verbundene „Aberglaubensindustrie“ von Geisterbeschwöreren und Hexenbannern zurückführen.

Als „abergläubisch“ definiert Bachter somit alle Praktiken und Verhaltensweisen, bei denen ein ursprünglich komplexes Wissenssystem fragmentiert und trivialisiert wird, und dessen Inhalte aus dem Zusammenhang gelöst, popularisiert und rezeptartig für die sofortige Umsetzung aufbereitet werden. Damit ist der Begriff des Aberglaubens nicht auf die Magie beschränkt: Denn wir kennen mindestens drei weitere Formen von komplexen Welterklärungssystemen: die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft. Aus allen drei kann nach dieser Definition Aberglaube entstehen. So sieht Bachter etwa auch die Theorien Erich von Dänikens als Aberglaube, da sie die komplexen Erkenntnisse der archäologischen Wissenschaft fragmentiert, aus dem Zusammenhang reißt, popularisiert und trivialisiert. Ähnliches gilt für viele Bereiche der Esoterik, in der östliche religiöse und philosophische Modelle leicht konsumierbar gemacht werden. Insgesamt habe sich also das Verhältnis von Aberglaube und Aufklärung als paradoxer und komplexer herausgestellt, als vielfach angenommen, meint Bachter, der an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Aufklärungspublizistik kontra Magie“ beteiligt war und derzeit seine Dissertation über die Tradierung magischen Wissens in den Zauberbüchern fertig stellt. Zu den absoluten Trends der Esoterikszene gehört auch der Schamanismus. „Im wahrsten Sinne unberufene‚ Schamanen‘ bieten so genannte ‚alternative‘ Therapien aus dem weichen Bereich der ,Geistheilerei‘ an oder verheißen Glaubenswilligen durch ‚bewusstseinsverändernde‘ Maßnahmen den Einstieg in vorgeblich ‚höhere‘ Erkenntnissphären“, so umriss Klaus E. Müller in seinem Vortrag den modernen westlichen Schamanismus. Ganz anders die entsprechende Institution in traditionellen Kulturen, wie der emeritierte Frankfurter Ethnologe zeigte. Denn das Amt klassischer Schamanen war entbehrungsreich und verlangte ein Höchstmaß an physischer und psychischer Disziplinierung. Am Anfang standen qualvolle Berufungs- und Initiationserlebnisse, ehe die angehenden Schamanen in einer jahrelangen „Ausbildung“ auf ihre Aufgabe als Mittler zwischen der Menschenwelt und den jenseitigen Mächten vorbereitet wurden. Besonders in Krisenzeiten waren ihre Dienste vonnöten: So sollten sie scheinbar unfruchtbaren Frauen zur Empfängnis, also zum Empfang einer Kindesseele verhelfen, Wetterprognosen treffen und geistige Mächte um Jagderfolg bitten. Dazu versetzte sich der Schamane in eine kontrollierte Trance, damit seine Seele ins Jenseits reisen konnte.

Finanzielle Vorteile konnte ein Schamane für seine Dienste nicht erwarten, erklärte Müller weiter, allenfalls versorgten ihn dankbare Patienten mit Lebensmitteln – sofern sie dazu in der Lage waren. Skeptiker-Redakteur Bernd Harder berichtete mit umfangreichem Bild- und Tonmaterial von seinen Beobachtungen bei den Marienerscheinungen im bosnischen Medjugorje und im saarländischen Marpingen. In Medjugorje wird inzwischen seit 23 Jahren von Kontakten zur Gottesmutter berichtet, wobei stets zwei oder drei der insgesamt sechs Seher und Seherinnen als Ansprechpartner vor Ort sind. Harder legte Wert darauf, einigen populären Vorstellungen zu widersprechen: So gebe es keinen Hinweis auf finanzielle Vorteile der Seherinnen und Seher, und Harder konnte auch die Erklärung „(pubertäres) Geltungsbedürfnis“ nicht recht akzeptieren, denn die Seher sind inzwischen keineswegs mehr Kinder oder Jugendliche, sondern eine sehr heterogene Gruppe Erwachsener mit verschiedenen Berufen, die teilweise verheiratet sind und selbst Kinder haben. Führen diese religiösen Behauptungen im christlich-muslimisch gemischten Teil des Balkans zu religiösem Extremismus und gegenseitigem Hass? Dies impliziert ein Beitrag von Raymond A. Eve im Skeptical Inquirer (Nov./Dez. 2002), der Zeitschrift der amerikanischen „Skeptiker“-Organisation CSICOP, die starke Beziehungen zu atheistischen und antireligiösen Interessensverbänden hat. So stelle sich das wohl ein Amerikaner aus 10000 km Entfernung vor, kommentiert Harder, doch vor Ort sähe es anders aus: Maria wird auch im Islam hoch geschätzt, und Medjugorje habe sich durch diese Integrationsfigur zu einem gemeinsamen Fokus für alle Religionsgruppen entwickelt, zumal die Botschaften der Gottesmutter stets zur Versöhnung aufrufen. Tatsächlich bildete Medjugorje auch während der Bürgerkriege ein ruhiges Zentrum, in dem der Religionsfriede eine größere Chance als in anderen Landesteilen hatte. Auch das saarländische Marpingen hat sich seit 1999 (wie schon 1876) zur Marien-Pilgerstätte entwickelt, seit von drei Frauen aus dem Umfeld des örtlichen Kapellenvereins regelmäßige Sichtungen berichtet werden – sehr zum Unbehagen der übrigen Gemeinde, die über den Einstrom von Tausenden von Interessenten in ihre ruhige Gegend nicht begeistert ist (siehe auch Skeptiker 4/1999, S. 173).

Warum erscheint Maria? Sie gilt im katholischen Glauben als Mittlerin zwischen Göttlichem und Menschlichem, für die Gläubigen also eine nahe liegende Figur für ein göttliches Zeichen. Und warum erscheint sie jetzt? „Eine Mutter kümmert sich um ihre Kinder“, so ihre eigene Aussage aus dem Munde einer ihrer Seherinnen von Marpingen. Bemerkenswert sind jedoch die durchaus gemischten Botschaften von göttlicher Liebe: einerseits „Ich will, dass ihr aus Liebe zu mir kommt, nicht aus Angst“, andererseits „Wenn ihr nicht umkehrt, weiß ich nicht, ob ich den strafenden Arm Gottes abwehren kann“. Die Anerkennung von Marienerscheinungen obliegt übrigens nicht etwa dem Papst, sondern dem jeweiligen Ortsbischof. Dabei gehen allgemeine medizinische Tests und Tests auf die seelische und geistige Gesundheit der Seher und Seherinnen sowie eine Beurteilung ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit ein. Vor allem jedoch wird geprüft, ob die Erscheinungen dauerhafte spirituelle Früchte tragen und generell mit der Botschaft des Evangeliums und der Lehre der Kirche übereinstimmten. Weder die Erscheinungen von Marpingen noch von Medjugorje sind bisher anerkannt. Und obwohl man aus privaten Äußerungen von Papst Johannes Paul II entnehmen kann, dass er selbst sehr gerne nach Medjugorje wallfahrten möchte, darf er ohne Einladung des Ortsbischofs nach Kirchenrecht die Gemeinde nicht besuchen.

Damit waren die Vorträge des Tages beendet – doch vor dem verdienten Abendessen musste man noch die skeptische Gesinnung praktisch beweisen: Denn man konnte den Konferenzort nicht verlassen, ohne zunächst das Schicksal herauszufordern, indem man „mutig und unerschrocken einen ungeheuerlichen Parcours Unheil bringender Praktiken absolviert“: Zunächst war ein Regenschirm im Hausinneren zu öffnen – ein in Deutschland eher unbekannter Unglücksbringer aus dem angelsächsischen Raum; dann musste man unter einer Leiter hindurchgehen - der Autor dieser Zeilen hätte sich dabei fast den Kopf angeschlagen; ein Salzstreuer musste umgeworfen und ein Handspiegelchen zerschlagen werden – zur Sicherheit mit Schutzbrille, damit kein Unglück geschieht. Stolz können die Autoren also nun eine Urkunde vorweisen, in der das Erreichen der „ersten Stufe skeptischer Aberglaubensresistenz“ nach diesem „ungeheuerlichen Parcours“ „höchst daselbst zertifiziert“ ist. Dann ging es zum Abschluss des Tages zu einem üppigen Buffet, das leider in recht beengten Räumlichkeiten stattfand, sodass es nur mit Mühen möglich war, das zu tun, wozu Buffets bei Konferenzen eigentlich gedacht sind: umherzugehen und sich mit verschiedenen Leuten zu treffen und zu unterhalten. Dennoch erfreuten sich die Teilnehmer eines netten Abends in freundlicher Atmosphäre mit Gesprächen unter Gleichgesinnten.

Der zweite Konferenztag begann mit einem Vortrag von Holm Hümmler über den Missbrauch physikalischer Begriffe durch die Esoterik. Dabei ging er insbesondere auf Tachyonen ein, hypothetische überlichtschnelle Teilchen aus der theoretischen Physik, die von esoterischen Anbietern für heilwirksame „Tachyonen-Produkte“ in Glasperlchen eingefangen werden – ein Trick, um den sie alle Physiker beneiden, forschen diese doch bisher erfolglos nach diesen Teilchen (siehe den Bericht von Holm Hümmler in Skeptiker 4/02, S. 154, sowie die Leserbriefe in Skeptiker 2/03, S. 78). In dem Vortrag „physikalische Wasserbehandlung – Zwischen Esoterik und Normung“ berichtete Dr. Ivo Wagner über die mehr als 100 Jahre alten Bestrebungen, das Trinkwasser zu verbessern, ohne es chemisch zu verändern. Magnetische oder andere Verfahren wie die Behandlung nach dem Grander-Verfahren bewirken zwar bei vielen Personen subjektiv empfundene Geschmacksverbesserungen, üppigeren Pflanzenwuchs oder ähnliche Effekte, jedoch ist ein objektiver Nachweis von Eigenschaftsänderungen bisher noch nie gelungen (siehe auch den Themenbeitrag auf S. 98). Nur das Problem der Kesselsteinbildung konnte seit kurzem „physikalisch“, und zwar mit elektrischen und biokatalytischen Verfahren, gelöst werden. Entsprechende Geräte haben ihre Funktion in einem genormten Test wiederholt unter Beweis gestellt (siehe hierzu auch Skeptiker 2/03, S. 52). Die von Wagner geleitete Prüfstelle Wasser und Korrosion des Technologiezentrums Wasser (TZW), die den in dem Arbeitsblatt W 512 beschriebenen Test entwickelt hat, testet entsprechende Wasserbehandlungsgeräte und erteilt nach bestandener Funktionsprüfung das Prüfzeichen der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfachs e. V. (DVGW).

Mit der Akupunktur widmete sich der Heidelberger Mediziner Dr. Konrad Streitberger einer umstrittenen Therapiemethode. Zwar liegen zahlreiche Studien zur klinischen Wirksamkeit vor, so Streitberger. Aber ihr häufiger Mangel an methodischer Qualität und die Formenvielfalt der Akupunktur erschweren eine wissenschaftliche Bewertung der Ergebnisse. So haben Akupunktur-Studien zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen überwiegend positive Ergebnisse gezeigt, während für die Wirkung bei einer der häufigsten Indikationen, nämlich der Behandlung von Schmerzzuständen, noch ein unklares Bild vorherrscht. Umstritten ist auch die Frage, ob die beobachteten Effekte durch eine unspezifische Nadelreizung hervorgerufen werden können, oder ob spezifische Auswirkungen der Akupunkturpunkte eine Rolle spielen. Einen besonderen methodischen Fortschritt stellt dabei die Entwicklung von Placebo-Nadeln dar, die dem Patienten den Eindruck einer Akupunktur vermitteln, die Akupunkturpunkte tatsächlich jedoch nicht anstechen, sodass ein Vergleich zwischen echter Akupunktur und Placebo-Akupunktur möglich ist (Lancet 352, 1998, S. 364–365). Damit konnte Streitberger zeigen, dass der tatsächliche Einstich gegenüber der Placebo-Akupunktur bei Übelkeit keinen zusätzlichen Effekt zeigt.

Streitberger gab einen umfangreichen Überblick über die derzeit laufenden großen klinischen Studien, mit denen u.a. die Anerkennung als kassenärztliche Leistung entschieden werden soll. Der Wiener Psychologe Andreas Hergovich sprach über die psychologische Erforschung paranormaler Phänomene. Insbesondere ging er auf den Forschungsstand von Ganzfeldexperimenten ein, bei denen in einer strikt kontrollierten Laborumgebung eine mögliche Informationsübertragung zwischen räumlich getrennten Versuchspersonen untersucht wird. Inzwischen gibt es eine große Anzahl von Ganzfeld-Studien, und einige Metaanalysen, in denen diese Studien gemeinsam statistisch ausgewertet werden, ergaben signifikante positive Ergebnisse, sodass Ganzfeldexperimente als einer der Hoffnungspfeiler der Parapsychologie gelten. Andere Metaanalysen hingegen zeigen nicht signifikante Ergebnisse, und derzeit scheint die Gesamtbewertung noch zu stark davon abzuhängen, nach welchen Kriterien Originalstudien für eine Metaanalyse ausgewählt werden. Damit hält Hergovich den empirischen Nachweis von Psi-Phänomenen derzeit nicht für gelungen. Auch mangele es der Parapsychologie an theoretischen Untermauerungen, die die untersuchten Effekte vor unserem Hintergrund von bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen erklären könnten.

Anderseits sieht Hergovich auch einen „blinden Fleck des Skeptizismus“. Denn Skeptiker nehmen oft eine materialistische Position ein, ohne sich bewusst zu werden, dass dies eine philosophische Position ist, die nicht aus der Wissenschaft abgeleitet, sondern a priori angenommen werden muss. Und in der Praxis mögen Skeptiker etwa die Aussage „Es gibt keine Telepathie“ vertreten, ohne zu bedenken, dass die Realität des Erlebnisses, der Erfahrung naturwissenschaftlich nicht bestreitbar ist. Hergovich selbst interessiert sich in seinen Forschungen vorwiegend dafür, den Glauben an paranormale Phänomene psychologisch zu untersuchen, und fand beispielsweise, dass Psi-Gläubige von Tricktäuschungen stärker beeindruckt waren als Nicht-Gläubige (siehe Skeptiker 1/03, S. 4). Auch in der Architektur haben magische und parawissenschaftliche Konzepte Hochkonjunktur. Diese Tendenzen betrachtete der Architekt Gerd Aldinger in seinem Vortrag (siehe auch Skeptiker 2/02, S, 52). Neben antimodernen Strömungen wie Anthroposophie und Hundertwassers Baukunst widmete er sich besonders der chinesischen Gestaltungslehre Feng Shui. In der westlichen Rezeption hat dieses Konzept eine gewaltige Veränderung erfahren, erklärte Aldinger. Ursprünglich eng mit der traditionellen chinesischen Ahnenverehrung verwoben, wird es im Westen meist isoliert dargestellt und mit hiesigen magisch-okkulten Traditionen vermischt.

Dabei ist auch die abendländische Baukunst eng mit religiösen Vorstellungen verbunden, so der Architekt weiter. Bis ins 18. Jahrhundert hinein spielte der sakrale Aspekt dabei eine wichtige Rolle. Das bedeutet Aldinger zufolge aber nicht, dass man sich von einer bestimmten Gestaltung eine konkrete Wirkung versprach: „Insofern gibt es in der hiesigen Tradition einen deutlichen Unterschied zum Feng Shui.“ Aldingers Fazit: Architektur wird bestimmt durch pragmatische, kulturelle und nicht zuletzt individuelle Faktoren. Besonders letztere haben in der Moderne zusehends an Einfluss gewonnen. So bestimmen die persönliche künstlerische Arbeit des Baumeisters und die individuellen Bedürfnisse des Bauherrn zunehmend den Planungsprozess. Vor diesem Hintergrund räumt Aldinger den Feng-Shui-Ideen durchaus inspirierende Kraft ein, sofern sie nicht starr an ein magisch-religiöses Weltbild gekoppelt werden. Als Abwechslung zu den informativen Vorträgen wurde zum Abschluss das Video einer Fernsehdokumentation der britischen BBC vorgeführt, in der der von vielen Skeptikern als Vorbild angesehene amerikanische Zauberkünstler James Randi einen einfachen Test der Homöopathie vorführte. Obwohl der Volltext der Sendung und umfangreiche Zusatzinformationen im Internet abrufbar sind (www.bbc.co.uk/science/horizon/2002/homeopathy.shtml) und der Ausgang der Untersuchung keinen der anwesenden Skeptiker überrascht haben dürfte, stieß der Beitrag doch auf viel Begeisterung, und man erfreute sich sehr daran, dass die skeptische Position so schön anschaulich und populär im britischen Fernsehen zur Hauptsendezeit vertreten wurde.

Damit gingen die beiden heißen Konferenztage zu Ende. Dass sich die Teilnehmerzahl in recht überschaubaren Grenzen hielt und wenig Interessenten anwesend waren, die nicht der skeptischen Bewegung zugerechnet werden können, lag dabei wohl nicht an negativen Auswirkungen des Unglücks-Datums „Freitag, der 13.“. Denn auch wenn man einigen der Vortragenden ein breiteres Publikum gewünscht hätte, haben sich schon seit langem GWUP-Konferenzen eher als Treffpunkt für Gleichgesinnte denn als öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zur Verbreitung skeptischen Denkens etabliert, zumal die Veranstaltungen außerhalb der unmittelbaren GWUP-nahen Szene wenig beworben werden. Doch über diesen Mangel waren keine Klagen zu vernehmen, und sicher finden einige es auch angenehm, dass man bei den Konferenzen Kraft und gegenseitige Bestätigung der skeptischen Grundhaltung erhält, ohne in lästige Diskussionen mit Andersdenkenden verwickelt zu werden. Im nächsten Jahr wird dieses Auftanken der skeptischen Batterien auf der GWUP-Konferenz 2004 in Würzburg möglich sein, die vom 20.–22. 5. 2004 in den prachtvollen Räumen der Würzburger Residenz stattfinden wird.

Stephan Matthiesen und Inge Hüsgen bilden die Redaktionsleitung des Skeptiker.

Dieser Artikel erschien im "Skeptiker", Ausgabe 3/2003.



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