Rhein-Ruhr-Skeptiker bei NRZ-Online
Subtitle – Länge ungefähr 35 Wörter
Autoren Name
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31.12.2006
(GWUP) – Unter dem Titel: “Aufklärer in Till Eulenspiegels Narrengewand” erschien in der Onlineausgabe der Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung ein Bericht von Stephan Hermsen über die GWUP-Regionalgruppe Rhein-Ruhr.
Zitat: “WISSEN. Die “Skeptiker” wollen selbsternannten Gurus und Heilsbringern ein Schnippchen schlagen. Ihr Rezept: gesunder Menschenverstand gewürzt mit einer Prise Ironie.
Blei gießen und das Jahreshoroskop studieren, Feuerwerk abbrennen und Böller zünden, um die bösen Geister zu vertreiben? Das werden sie sich gespart haben, die Mitglieder des GWUP. Die etwas unhandliche Abkürzung steht für “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften”. Deswegen nennen sich die Mitglieder der Gruppe, die sich einmal im Monat im Unperfekthaus trifft, auch schlicht die Skeptiker. Denn Skepsis, Ironie und der gesunde Menschenverstand sind die Waffen, mit denen sie dem grassierenden Aberglauben, den Verschwörungstheorien, den Gurus und Heilern dieser Tage ein wenig ins Handwerk pfuschen wollen.
Und das gelegentlich auch mit dem Hang zum Spektakel: So haben sie sich schon mal alle Mühe gegeben, einen der ihrigen ins Jenseits zu befördern. Weil in der Homöopathie die Devise gilt, dass die Wirkung einer Substanz immer größer wird, je stärker sie verdünnt wird, haben sie schon mal durch dramatische Verdünnung der Wirksubstanzen potenziell tödliche, homöopathische Mittel zu sich genommen.
Todeswasser kreiert
Die Folgen blieben nicht aus: Mittlerweile hat einer der ihren bereits Todeswasser kreiert. Wenn an der Esotherik etwas dran ist, dann bitteschön muss doch schlichtes Wasser zum tödlichsten Gift werden, wenn man es von einem Satanisten unter ständigem Fluchen aus der heiligen Quelle zu Lourdes zapfen lässt. Und das Wasser dann Erdstrahlen und Elektrosmog aussetzt, homoöpathische Mittel in 100-facher Verdünnung zusetzt, vom Schamanen verhexen lässt, unter schlechtesten Feng-Shui-Bedingungen abfüllt und die Flasche in eine Boulevardzeitung einwickelt, um es mit bösen Gedanken zu verseuchen. Und das Beste daran, so die bösen Skeptiker: Wer seiner Schwiegermutter dieses Wässerchen kredenzt, dem wird zumindest der Pathologe den Mord niemals nachweisen.
Derlei Gemeinheiten versprüht Ingenieur Arnold Engel mit ebenso großer Begeisterung wie er die Geschichte von jenen schwedischen Wissenschaftlern erzählt, die tief im Himalaja ein Bergvolk entdeckten, dessen Kinder so bemerkenswert gut schliefen. Weil das Volk ein Mutter-Kind-Pendel entwickelt hat. Unter einem Holzdreibein hängt an einer Schnur ein dicker Stein, darunter baumelt ein kleines Steinchen. “Und die Schwingungen werden dabei aufeinander abgestimmt”, erzählt Engel. Mit viel Liebe und dem Geschick eines Ingenieurs hat er das Pendel nachgebaut.
Und manchmal juckt es ihm in den Fingern, auf einer Esotherik-Messe das gute Stück für 99 Euro zu verkaufen. Genauso wie die handlichen Pulvergläser mit Wisdom-Powder. 25 Gramm feingemahlene Bücher, zum Einrühren ins Getränk oder zum Dranschnuppern. Je nach Wunsch gibt es die Bibel, evangelische oder katholische Ausgabe, Sokrates´ gesammelte Schriften, den großen Brockhaus, zumindest von A bis DOF und den Lehrplan der Klassen 1-4 an Grundschulen. So, spricht der Ingenieur mit Engelszunge, lässt sich die Weisheit mit Löffeln fressen.
Und in bester Erfinderlaune hat er gleich auch noch einhändig bedienbare Wünschelrouten zum Aufspüren von Wasseradern und Erdstrahlen entwickelt. Aus Edelstahl, mit bunten Steinchen an der Spitze, Materialwert drei, vier Euro, Verkaufspreis 20 Euro. Doch leider gilt: Solange er selbst derartigen Humbug nicht glaubt, wäre der Verkauf Betrug.
Wirrer Hexenglaube
Und unter der Hand und ohne dass es jemand laut aussprechen würde, leitet sie dabei auch noch ein hehres Ziel, das nicht nur im Neujahrstrubel allzuoft verschüttet zu werden droht: Die gute alte Aufklärung, die Mühe hat, die hauchdünne Schicht der Zivilisation auf unserem demokratischen Miteinander zu bewahren. Denn unter der dünnen Firniss von Wissenschaft und Forschung tobt noch immer der wirre Hexenglauben des Mittelaltermenschen. Und damit´s nicht eine allzu trockene Vorlesung wird einmal im Monat in der Friedrich-Ebert-Straße, verpackt sich die Aufklärung a la Skeptiker oft genug im Gewand des Till Eulenspiegel.”
Quelle: Stephan Hermsen (2006): Aufklärer in Till Eulenspiegels Narrengewand. In. NRZ-Online vom 31.10.2006