claudia courts 400

Claudia Courts wurde 1987 in Ulm als Claudia Graneis geboren. Nach dem Grundstudium in Medizin wechselte sie 2012 zum Studium der Pharmazie, das sie dieses Jahr in Bonn abschließt. Zudem betreibt sie das skeptische Blog „Cloudpharming“, in dem sie unter anderem aktuelle Strömungen in der pharmazeutischen Landschaft, vor allem solche esoterischer Natur, kritisch beleuchtet. Um Esoterik geht es auch im gemeinsam mit ihrem Mann, Cornelius Courts, betriebenen Podcast, der (L)Esostunde.

Wer schön sein will, muss… zahlen: Teure Beautyprodukte und ihre Versprechen aus pharmazeutischer Sicht

Wer sich mit Werbung in Fernsehen und Printmedien auseinandersetzt, kommt um die Preisung teurer Beautyprodukte für Mann und Frau nicht herum. Die Reklame setzt dabei auf einen vorgeblich „wissenschaftlichen“ Anstrich, es wird mit allerlei kompliziert klingenden Begriffen hantiert.
Dem Verbraucher werden hier wahre Wunder versprochen; von „belegter Wirksamkeit“ ist die Rede. Doch wie sehen die Studien aus, die von einschlägigen Kosmetikkonzernen als Evidenz angeführt werden? Was steckt hinter den kryptischen Namen neuer „Wirkstoffe“ wie Pro-Cellium-Keratin, Filloxane, Elasti-Flex & Co? Und welche Wirkung entfalten Q10 und Hyaluronsäure am Körper wirklich?
Auch in Apotheken werden derlei Produkte verkauft. Gibt es wirksame Rezepturen? Welche Bestandteile sind pharmazeutisch sinnvoll – oder reicht es, wenn man/frau jeden Morgen Vaseline appliziert? Der Vortrag soll aufklären über falsche Versprechen der Kosmetikindustrie und wissenschaftlich sinnvolle Alternativen in den Bereichen Pflege und Kosmetik. Die pseudowissenschaftlichen Behauptungen, die in Werbung und Produktbeschreibungen aufgestellt werden, halten einer Überprüfung nicht stand und bewegen, die mangelnde wissenschaftliche Kenntnis und Naivität der Kunden ausnutzend, selbige dazu, aberwitzige Preise für wenig wirksame Produkte zu bezahlen.

Dr. Matan Shelomi

Dr. Matan Shelomi ist Entomologe am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. Er hat an der University of California in Davis promoviert. Er schreibt über allerlei Entomologisches sowie über Skeptisches aus dem Bereich der Biologie auf Quora.com, wofür er 2012 einen Shorty Award gewonnen hat.

Gentechnik-Gegnerschaft zum Schaden von Entwicklungsländern

Gentechnisch veränderten Pflanzen und Tiere werden als Lösung für die Probleme mit der Nahrungsmittelproduktion weltweit angepriesen, schwerpunktmäßig für Regionen wie Afrika und Südostasien. Die wissenschaftliche Grundlage dazu ist korrekt und unstrittig: GV-Lebensmittel sind sicher für den Verzehr und zeigen großes Potential, Bauern bei der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln zu helfen. Doch zwei Probleme, die an entgegengesetzten Seiten der Gentechnik-Debatte zu verorten sind, behindern die Verbreitung von GV-Technologie in den Entwicklungsländern. Zum einen die Anti-Gentechnik-Ideologie der EU, die auf eingebildeten Gesundheitsgefahren beruht; zum anderen beeinflussen externe Interessen die Handelspolitik zwischen den Ländern. Hinzu kommt, dass fehlende Infrastruktur in Ländern mit Ernährungsproblemen die Bauern zögern lässt, die entsprechenden Technologien einzusetzen, oder sie ganz verhindert. So kommt die Gentechnikrevolution aufgrund unberechtigter Ängste und uneinlösbarer Versprechen zum Stillstand, bis sich die sozio-ökonomischen Bedingungen verbessern.

hermann ritter 400

Hermann Ritter, geboren 1965 in Darmstadt, interessierte sich schon früh für das phantastische Genre. Sein Sozialarbeit-Studium schloss er mit einer Diplomarbeit über Fantasy-Rollenspiele ab, sein Magisterstudium (Geschichte und Politik) beendete er mit einer Arbeit über alternative Weltenentwürfe in der Literatur. Der phantastischen Literatur ist Ritter auch in seiner knapp bemessenen Freizeit verpflichtet: Er liest sich durch Berge von Science Fiction, Krimi und Fantasy – zu seinen Favoriten zählen Klassiker wie Cordwainer Smith und Lyon Sprague de Camp. Hermann Ritter ist seit über 30 Jahren in der Szene aktiv: Er publiziert Fan-Zeitschriften, organisiert Kongresse und hält Vorträge. Daneben veröffentlichte er Artikel und Kurzgeschichten zu allen Bereichen der Fantasy und Science Fiction; als Mitherausgeber von »Magira«, dem Jahrbuch für Fantasy, war er für eines der wichtigsten Sekundärwerke des Genres verantwortlich.

Die Weltregierung tagt auf der Venus

In den letzten Jahren gab es wieder einen Boom um zwei Themen im Bereich Verschwörungstheorien/Esoterik, die mit dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen. Das eine ist das wieder aufgetauchte Thema, dass die Kulturbringer der letzten Jahrtausende allesamt weißhäutige Heroen waren, die von einem mythischen Ursprungsland aus – heiße es Atlantis oder Lemuria oder wie auch immer – der Erde erst die Kultur gebracht haben. Eine Erweiterung dieses Themas sind weißhäutige, blonde Außerirdische, die dann auf der Erde eine Kolonie aufgebaut haben, von der aus … wir verstehen uns.
Das zweite Thema ist die von Tibet ausgehende organisierte Weltherrschaft, die auch mit Nationalsozialisten Kontakt anstrebte.
In vielen Fällen ist die Abgrenzung zwischen beiden Themen nicht oder nicht einfach zu leisten; spätestens dann, wenn atlantisches, arisches Wissen in Tibet eine Rolle spielt, ist eine Abgrenzung unmöglich.
Vielleicht besteht eine Verbindung zwischen dem mythischen Atlantis als atlantisch-polar-pazifisches Inselreich, das spurlos untergeht, zu einem Rückzugsgebiet im Gebirge als tibetisch-chinesisch-mongolischen Bergreich, das spurlos besteht.
Es gibt Dinge „dort draußen“, die einen den Kopf schütteln lassen. Stichworte wie das rassische Wissen aus dem Rückenmark, die Schwarze Sonne, die Herkunft der Olmeken von den Wikingern, der Gral und seine Bindung an europäische Herrscherhäuser, Echsenwesen als geheime Weltherrscher, Hitler auf der Venus, deutsche Atombomben und Nurflügelbomber sowie die Geheimnisse im Dora-Stollen haben wieder Hochkonjunktur. Otto Rahn, Otto Skorzeny, Karl-Maria Wiligut und die Wewelsburg – alle dürfen sie hier mitspielen – oder (wenn man den Verschwörungstheorikern glaubt) wieder mitspielen.
Gerade in der erzählenden Literatur – mehr als in „Fachbüchern“ – haben diese Themen Konjunktur. Was man von all diesen Werken zu halten hat, wird einem oft bei einem ersten Durchblättern schnell klar. Manchmal zweifelt man auch, überlegt … dann mag der Vortrag Lesehilfe sein, ein wenig Unterhaltung, ein wenig Aufklärung.

bettina bussmann

Bettina Bussmann ist seit 2014 Assistenzprofessorin für Philosophiedidaktik an der Universität Salzburg. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Frage, welche Rolle die empirischen Wissenschaften für unser Selbstverständnis, unser Handeln und die Beantwortung philosophischer Fragen hat. Aus diesem Interesse ging auch ihre Dissertation hervor, die ein Konzept einer lebensweltlich-wissenschaftsbasierten Philosophiedidaktik vorlegt und diese auf die Bereiche Wissenschaft, Esoterik und Pseudowissenschaft anwendet.

Sie studierte in Hamburg, Philadelphia und München Philosophie, Logik/Wissenschaftstheorie und Volkswirtschaft und arbeitete nach ihrer Erziehungszeit als Lehrerin für Philosophie (Klasse 5-12), sowie als Dozentin für Didaktik an der Uni Hamburg.

Erkenntnisse und Irrtümer der Genderforschung

Dass die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Mann und Frau zum Gegenstand einer eigenen Forschungsrichtung wurden, ist sehr neu: Die Genderforschung entstand aus der feministisch orientierten Frauenforschung in den 1960er Jahren und wurde im Wintersemester 1997/98 mit einer der ersten Professuren an der Humboldt-Universität zu Berlin verankert. Viele weitere folgten, und momentan gibt es im deutschsprachigen Raum ca. 250 Professuren in diesem Bereich. Doch das Wissen um die Ziele und Erkennnisse der Genderforschung muss nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in akademischen Kreisen als unzureichend bezeichnet werden. Dies wiegt umso schwerer, da die theoretischen Grundannahmen und die daraus abgeleiteten politischen Forderungen dieser Disziplin mittlerweile in universitären Curricula, in Bildungsplänen, in Schulbüchern sowie auch in politischen Programmen Eingang gefunden haben.
“Genderdenken” erfordert ein Umdenken, das viele Menschen nicht leisten können, weil sie es nicht verstehen können oder wollen oder weil sie bestimmte Grundannahmen anzweifeln und die gesellschaftlichen Folgen auf mehreren Ebenen für schädlich halten. Ich möchte versuchen, das theoretische Fundament herauszuarbeiten, um deutlich zu machen, an welchen Stellen in der Genderforschung von Erkenntnis gesprochen werden kann und an welchen Stellen wissenschaftsphilosophische – und für jede Wissenschaft geltende – Standards missachtet werden. Zu diskutieren bleibt die Frage: Ist die Genderforschung trotz ihrer blinden Flecken notwendig?

martin mahner

Martin Mahner ist Gründungsmitglied der GWUP und leitet das Informationszentrum der GWUP, das Zentrum für Wissenschaft und kritische Denken. Mit Dr. Rainer Wolf führt er jährlich die Psi-Tests der GWUP in Würzburg durch.

lorenz meyer

Der “charismatische Guru” Lorenz Meyer brauchte verschiedene Berufsausbildungen und einen Schlenker als Lehrbeauftragter an der Uni, um festzustellen, dass sein Herz ganz allein der Satire und dem Humor gehört. Ohne es zu wissen, werden Sie schon etwas von ihm gelesen oder gesehen haben, denn er war es, der das »Bullshit-Bingo« in Deutschland bekannt gemacht hat. Vielleicht kennen Sie ihn aber auch von Facebook und Co., wo er als Guru eine glühende Jüngerschaft mit allerlei Lebensweisheiten, Erleuchtungskeksen und laktosefreiem Basmati-Tee versorgt.
Lorenz Meyers Beiträge werden von namhaften Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern übernommen und fressen sich regelmäßig durch Twitter und Facebook. Außerdem hat er verschiedene satirische Bücher und Parodien verfasst, darunter die Esoterik-Parodie “Sheng Fui”.

Dr. med. Natalie Grams ist Ärztin und ehemalige Homöopathin. In ihrem Buch “Homöopathie neu gedacht” beschreibt sie ihren Weg heraus aus der Homöopathie, bricht darin aber auch eine Lanze für mehr Empathie und Zuwendung in der normalen Medizin. Als Kommunikationsmanagerin der GWUP und als Leiterin des Informationsnetzwerks Homöopathie setzt sie sich dafür ein, dass Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden.

Aufklärung über Pseudomedizin: Was haben Skeptiker erreicht? (2017)

Homöopathie, Bachblüten, TCM und Osteopathie – die Angebote der Pseudomedizin sind mittlerweile fest verankert in der Gesellschaft und haben es teilweise bis an Universitäten geschafft. Mit den suggestiven Etiketten „ganzheitlich“ und „natürlich“ haben sie erreicht, dass die Bedeutung von tatsächlicher Wirksamkeit eines Verfahrens hinter einem guten Gefühl zurücktritt. Dass dies mitunter zu einer kompletten Ablehnung der modernen Medizin führt und mit Impfgegnerschaft und Virenleugnung verbunden sein kann, ist dramatisch und manchmal lebensbedrohlich. Skeptiker versuchen durch ihre Aufklärungsarbeit – auch im Internet – hier ein Gegengewicht zu setzen. Doch was haben sie erreicht? Ist es möglich, gefühlten Wahrheiten mit Fakten zu begegnen? Ist es möglich, die Bedeutung von Wissenschaft und Evidenz zu vermitteln? Dr. Natalie Grams´ Vortrag zeigt das Dilemma der aktuellen Gemengelage auf.

Homöopathie – zwischen Wunsch und Wirklichkeit (2016)

Während mehr und mehr Menschen auf die Homöopathie schwören, kann wissenschaftlich gesehen kaum etwas an der 200 Jahre alten Methode heute noch Bestand haben. Ein bekanntes Dilemma. Natalie Grams ist Ärztin und war viele Jahre als überzeugte klassische Homöopathin in eigener Praxis tätig. Warum sie ihre homöopathische Arbeit aufgegeben hat und sich heute für die Aufklärung über Homöopathie auf der Kritikerseite einsetzt, davon wird ihr Vortrag handeln. Wo ist die Homöopathie heute anszusiedeln? Welche Schlüsse können wir aus ihrer Beliebtheit ziehen? Und warum kann sie heute ganz klar kein Teil der Medizin mehr sein? Eine Bestandsaufnahme der Homöopathie zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

bernd harder

Bernd Harder hat Politikwissenschaft in Saarbrücken studiert. Für die GWUP engagiert er sich als Skeptiker-Chefreporter und Blogger. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Themen wie Nostradamus, Großstadtmythen, paranormale Phänomene. Sein aktuelles Buch “Verschwörungstheorien:  Ursachen – Gefahren – Strategien” ist im Alibriverlag erschienen. 

Die Weltherrschaft der Skeptiker (2018)

„Verschwörung: GWUP will Weltherrschaft!“ war vor zehn Jahren ein vielbeklatschter Vortrag bei der Jubiläumskonferenz 2007 in Darmstadt – und natürlich reine Satire. Doch auch in diesem Bereich werden wir zunehmend von der Wirklichkeit als Realsatiren eingeholt.
„Das GWUP-Logo in Augenform“ elektrisiert Verschwörungstheoretiker im Internet ebenso wie vermutete Zuwendungen der Pharmaindustrie oder ein angeblich straff organisiertes Netzwerk aus Wikipedia und verschiedenen skeptischen Organisationen und Webseiten wie GWUP, Psiram, Ruhrbarone, Brights, Hpd und anderen. In dem von der Konspirologen-Szene gefeierten Youtube-Film „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien“ versteigt sich nicht zuletzt der Psychologe Harald Walach zu der vagen Hypothese, die Skeptiker würden in verschiedenen Foren die Namen von Comic-Figuren als geheimen Code verwenden, um ihre heimliche Sehnsucht nach Aberglauben und Esoterik auszuleben.
Solche Verschwörungsphantasien sagen üblicherweise mehr über deren Verbreiter aus als über den Gegenstand ihrer Beschäftigung. Der Referent gibt einen Überblick über die derzeit kursierenden Verschwörungstheorien zur Skeptiker-Szene und erklärt, wie diese stereotypen und monokausalen Vorstellungen in den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Conspiracy Theories“ eingeordnet werden können.

Ihr grinst uns an mit euren aufgeweichten Phrasen! Glaubenskrieger in den sozialen Medien (2017)

Ob Pseudomedizin, Klimawandel, Impfen oder LHC-Experimente: Wann immer die Skeptiker oder andere Organisationen, Behörden und engagierte Einzelpersonen über Esoterik, Pseudowissenschaft, Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien aufklären, sehen sie sich einer Kommentarflut von „Glaubenskriegern“ gegenüber.

Was tun? Wie geht man sinnvoll mit antiwissenschaftlichen Schreihälsen um – auch im Hinblick auf die eigene Psychohygiene sowie auf die passiven Mitleser, die sich noch in der Urteilsbildung befinden?

Der Vortrag fasst die Erfahrungen aus den Social-Media-Präsenzen der GWUP zusammen und kombiniert sie mit aktuellen Erkenntnissen der Kommunikationsforschung zu einem Leitfaden für Kommentatoren.

 

Die Ufo-Schlacht von Nürnberg und das halb menschliche Schwein: Wie Esoteriker die “Urban Legends“ der frühen Neuzeit deuten (2016)

Der große Schreckenskönig, der vom Himmel herabsteigt: eine Atomrakete?
Das Wesen, halb Schwein, halb Menschenkind: ein Soldat mit Gasmaske?
“Ein sehr erschröckliches gesicht, vom Hymel herab auff die erden, gleich alls ob es alles Brennet, gefallen”: Ufo-Absturz bei Nürnberg?

In den Schriften des Renaissance-Propheten Nostradamus finden sich zahlreiche geheimnisvolle Bilder und Metaphoriken, ebenso wie in der Ufo-Literatur. Fans des Paranormalen sehen darin die genaue Beschreibung konkreter Ereignisse.

* So wird zum Beispiel die Flugschrift „Nürnberger Himmelsspektakel“ von 1561 als Schilderung einer „Schlacht zwischen unbekannten Flugobjekten“ betrachtet.
* Im Vers 64 der I. Centurie („Nachts glaubt man die Sonne zu sehen – wenn man erblickt halb Schwein, halb Menschenkind – Lärm, Schreie, Schlacht in Himmelshöhen – wilde Tiere zu vernehmen sind“) soll Nostradamus den Ersten Weltkrieg vorausgesagt haben.

Aber sind diese aktuellen Deutungen geschäftstüchtiger Interpreten haltbar? Oder haben wir es stattdessen mit den „Urban Legends“ der frühen Neuzeit zu tun? Eine Betrachtung der kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe scheinbarer Vorhersagen und Wunderberichte zeigt, was sich tatsächlich hinter solchen Erzählmotiven verbirgt. In den Monstern, Himmelsschlachten und Finsternissen der antiken und mittelalterlichen Prodigien-Literatur bündelten sich Sensationsgier, Zukunftsängste und gelehrte Kompilationsmanier zu einer orakulären Poesie.
Vermeintlich Unerklärliches in jahrhundertealten Darstellungen lässt sich somit unschwer auf die intensive Auseinandersetzung einer verunsicherten Leserschaft mit den sogenannten Vorzeichen zurückführen. Düstere Omen, die nicht zuletzt auch Nostradamus weidlich ausschlachtete.

philipp schmid 400

Dr. Philipp Schmid ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Psychology and Infectious Disease Lab der Universität Erfurt und Doktorand am Center for Empirical Research in Economics and Behavioral Sciences. Seine Forschungsarbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit Strategien zur Korrektur von Falschwissen. Fachpublikationen und Vorträge: https://philippschmid.org

Effektive Strategien im Umgang mit Wissenschaftsleugnern– Eine psychologische Perspektive (2020)

Impfungen sind sicher und effektiv. Menschen verursachen globale Erderwärmung. Die Evolutionstheorie erklärt die Vielfältigkeit von Lebensformen. Keiner dieser Fakten ist in wissenschaftlichen Fachkreisen umstritten. Dennoch zweifeln Wissenschaftsleugner den Wahrheitsgehalt dieser Erkenntnisse öffentlich an und nutzen öffentliche Diskussionsforen im Internet und in klassischen Medien, um Falschinformationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um trotz fehlender Evidenz überzeugend zu wirken, bedienen sich Wissenschaftsleugner bei der Verbreitung von Falschinformationen fünf rhetorischer Hilfsmittel. Sie stellen die Faktenlage in einer verzerrten Weise dar und nutzen logische Fehlschlüsse (misrepresentation and false logic). Sie erwarten Unmögliches von der Wissenschaft (impossible expectations). Sie vermuten Verschwörungen von Industrie und Wissenschaft (conspiracy theories). Sie selektieren einzelne Befunde aus der Gesamtheit der vorhandenen Datenmenge (selectivity). Und sie ziehen Quellen heran, die aufgrund fehlender wissenschaftlicher Expertise oder Integrität nicht als seriös gelten (fake experts). Der Schaden dieser rhetorischen Mittel ist eine Abnahme positiver Einstellungen der Öffentlichkeit gegenüber evidenzbasierten Maßnahmen wie beispielsweise dem Impfen.

Das WHO Regional Office for Europe entwickelte im Zuge dieser Problematik einen Ratgeber für Sprecher von Gesundheitsbehörden. Der Ratgeber stellt zwei Strategien zum Kontern von Falschwissen in öffentlichen Diskussionsforen vor, die im Rahmen eines Artikels des Fachjournals Nature Human Behaviour auf ihre Effektivität geprüft wurden. Zum einen können Fürsprecher von Wissenschaft die Fakten darlegen (topic rebuttal) oder Fürsprecher demaskieren die rhetorischen Techniken der Wissenschaftsleugner (technique rebuttal). Beide Ansätze erweisen sich als hilfreiche Strategien im Kampf gegen Falschinformationen.

Vom Autor des Ratgebers und der empirischen Evaluationsstudie werden in diesem Vortrag die Herausforderungen im Umgang mit Wissenschaftsleugnern am Beispiel der individuellen Impfentscheidung aufgezeigt. Neben Einführungen in die Gestaltung und Wirkweise von klassischen Korrekturen von Falschwissen (debunking) und der „Impfung“ gegen fake news (inoculation) wird vor allem die konzeptuelle und empirische Befundlage zum Kontern von Falschwissen in öffentlichen Diskussionsforen (rebuttal) thematisiert.

Kommunikation von und mit Impfgegnern (2016)

Impfungen gelten als Meilensteine des wissenschaftlichen Fortschritts. Die von den Gesundheitsbehörden empfohlenen Impfungen verhindern weltweit jährlich Millionen von potentiellen Krankheits- und Todesfällen. Dennoch sind mangelnde Impfbereitschaft bei spezifischen Impfungen, wie beispielsweise Influenza, und sogar Ablehnung von Impfungen im Allgemeinen keine Seltenheit.

Die Gründe für diese sogenannte Impfmüdigkeit in Deutschland und allen weiteren Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind vielfältig. Neben einem fehlenden Bewusstsein für die Folgen von impfpräventablen Krankheiten und der damit verbundenen Wahrnehmung, dass Impfen nicht relevant ist, sowie organisatorischen Hindernissen vor Erhalt einer Impfung und einer rationalen Berechnung von individuellem Nutzen und Risiken der Impfung, führen auch Impfmythen und Falschwissen zur Ablehnung von Impfungen. Die Verbreitung der Impfmythen wird maßgeblich durch die Art der Kommunikation und die Wahl der Kommunikationskanäle von Impfgegnern zu einem ernstzunehmenden Risikofaktor für die Gesundheit des Konsumenten solcher Falschinformationen. Die Relevanz des Einflusses von Impfmythen und Einzelfallberichten auf die individuelle Impfentscheidung wird vor allem durch die starke Präsenz dieser Informationen im Internet und den Effekt solcher Informationen auf die Risikobewertung von Impfungen deutlich.

Die von Impfgegnern genutzten Medienkanäle, wie beispielsweise das Internet, öffentliche Fernsehdebatten und/oder Interviews, bieten allerdings auch für Gesundheitsbehörden und Impfbefürworter eine Chance zur Korrektur von Falschinformation. Um effektive Korrekturen von Falschwissen zu gestalten, ist das bloße Präsentieren von wissenschaftlichen Fakten jedoch nicht hinreichend. Ganz im Gegenteil, psychologische Forschung zeigt, dass die unbedachte Korrektur von Falschwissen im schlimmsten Fall zur Verstärkung des Falschwissens führen kann. Psychologische Ansätze bieten vor allem bei der Aufbereitung von schriftlichem Informationsmaterial Hilfestellung bei der Aufklärung von Impfmythen.

Ein Spezialfall der Korrektur von Falschwissen ist die öffentliche Debatte bzw. das Interview mit einem Impfgegner. Die erforderliche Kombination aus medizinischem Fachwissen, rhetorischer Argumentationsstärke und Kenntnis über psychologische Aspekte der Interviewsituation macht die öffentliche Konfrontation mit einem Impfgegner zu einer komplexen Herausforderung.

Das WHO Regional Office for Europe entwickelt im Zuge dieser Problematik einen Ratgeber für Sprecher von Gesundheitsbehörden. Der Ratgeber basiert auf evidenzinformierten Schlussfolgerungen psychologischer und kommunikationswissenschaftlicher Forschungsergebnisse und bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Eindämmung von Mythen rund um das Thema Impfungen.

lydia benecke 400

Lydia Benecke ist Kriminalpsychologin, seit ihrer Studentenzeit bei der GWUP und seit 2015 in deren Wissenschaftsrat aktiv. Im Rahmen ihrer skeptischen Aktivitäten befasst sie sich u.a. mit der Entlarvung falscher Hellseher, dem Einsatz gegen die “Satanic Panic” in Deutschland, dem Phänomen “Real-Life-Vampyre” und der psychologischen Beleuchtung abergläubischer Überzeugungen. Weitere Infos auf www.benecke-psychology.com und Facebook.

Wie Trickser sich Wissenschaftsskepsis und alternative Heilmethoden zunutze machen

Extreme Fallbeispiele illustrieren Zusammenhänge zwischen manipulativen Verhaltensweisen im Bereich medizinischer Phänomene und deren gezieltem Einsatz von alternativen Heilverfahren in der dramaturgischen Selbstinszenierung:

– Die Cheerleaderin Desiree Jennings gab an, einen neurologischen Impfschaden durch eine Grippeimpfung erlitten zu haben. Sie zeigte starke motorische Auffälligkeiten, die ihr ein normales Leben scheinbar unmöglich machten. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie medial bekannt, impfkritische Kreise trugen deutlich dazu bei. Ein Team investigativer Journalisten und unterschiedliche Mediziner beleuchteten den Fall kritisch. Die Symptome von Frau Jennings verschwanden, wenn sie sich keiner Anwesenheit von Kameras bewusst war. Sie erklärte diese scheinbare Wunderheilung – wenig überraschend – mit der Nutzung alternativer Heilmethoden.

– Belle Gibson täuschte eine Krebserkrankung vor, um als Food-Bloggerin möglichst viele Anhänger zu gewinnen und ein dubioses Kochbuch zu vermarkten. Bei ihrer Selbstinszenierung standen gesunde Ernährung und alternative Heilmethoden im Vordergrund. Journalisten enttarnten schließlich ihre Lügen und sie musste sich vor Gericht verantworten.

– Lacey Spears induzierte ihrem Sohn von seiner Geburt an schwerste Krankheitssymptome, die sie umfassend über soziale Medien als dramatische Geschichten zur Schau stellte. Hierbei propagierte sie alternative Heilmethoden und Wissenschaftsskepsis. Ihr Gewinn: Umfassende Aufmerksamkeit und finanzielle Zuwendung unzähliger Menschen, deren Mitgefühl sie bewusst für sich instrumentalisierte. 2014 tötete Lacey Spears ihren fünfjährigen Sohn mit einer Überdosis Salz.

Die psychologischen Hintergründe der Fälle werden beleuchtet und in Zusammenhang mit der Attraktivität von Pseudowissenschaften für entsprechend agierende Menschen gebracht.