
Bernd Harder hat Politikwissenschaft in Saarbrücken studiert. Für die GWUP engagiert er sich als Skeptiker-Chefreporter und Blogger. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Themen wie Nostradamus, Großstadtmythen, paranormale Phänomene. Sein aktuelles Buch “Verschwörungstheorien: Ursachen – Gefahren – Strategien” ist im Alibriverlag erschienen.
Die Weltherrschaft der Skeptiker (2018)
„Verschwörung: GWUP will Weltherrschaft!“ war vor zehn Jahren ein vielbeklatschter Vortrag bei der Jubiläumskonferenz 2007 in Darmstadt – und natürlich reine Satire. Doch auch in diesem Bereich werden wir zunehmend von der Wirklichkeit als Realsatiren eingeholt.
„Das GWUP-Logo in Augenform“ elektrisiert Verschwörungstheoretiker im Internet ebenso wie vermutete Zuwendungen der Pharmaindustrie oder ein angeblich straff organisiertes Netzwerk aus Wikipedia und verschiedenen skeptischen Organisationen und Webseiten wie GWUP, Psiram, Ruhrbarone, Brights, Hpd und anderen. In dem von der Konspirologen-Szene gefeierten Youtube-Film „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien“ versteigt sich nicht zuletzt der Psychologe Harald Walach zu der vagen Hypothese, die Skeptiker würden in verschiedenen Foren die Namen von Comic-Figuren als geheimen Code verwenden, um ihre heimliche Sehnsucht nach Aberglauben und Esoterik auszuleben.
Solche Verschwörungsphantasien sagen üblicherweise mehr über deren Verbreiter aus als über den Gegenstand ihrer Beschäftigung. Der Referent gibt einen Überblick über die derzeit kursierenden Verschwörungstheorien zur Skeptiker-Szene und erklärt, wie diese stereotypen und monokausalen Vorstellungen in den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Conspiracy Theories“ eingeordnet werden können.
Ihr grinst uns an mit euren aufgeweichten Phrasen! Glaubenskrieger in den sozialen Medien (2017)
Ob Pseudomedizin, Klimawandel, Impfen oder LHC-Experimente: Wann immer die Skeptiker oder andere Organisationen, Behörden und engagierte Einzelpersonen über Esoterik, Pseudowissenschaft, Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien aufklären, sehen sie sich einer Kommentarflut von „Glaubenskriegern“ gegenüber.
Was tun? Wie geht man sinnvoll mit antiwissenschaftlichen Schreihälsen um – auch im Hinblick auf die eigene Psychohygiene sowie auf die passiven Mitleser, die sich noch in der Urteilsbildung befinden?
Der Vortrag fasst die Erfahrungen aus den Social-Media-Präsenzen der GWUP zusammen und kombiniert sie mit aktuellen Erkenntnissen der Kommunikationsforschung zu einem Leitfaden für Kommentatoren.
Die Ufo-Schlacht von Nürnberg und das halb menschliche Schwein: Wie Esoteriker die “Urban Legends“ der frühen Neuzeit deuten (2016)
Der große Schreckenskönig, der vom Himmel herabsteigt: eine Atomrakete?
Das Wesen, halb Schwein, halb Menschenkind: ein Soldat mit Gasmaske?
“Ein sehr erschröckliches gesicht, vom Hymel herab auff die erden, gleich alls ob es alles Brennet, gefallen”: Ufo-Absturz bei Nürnberg?
In den Schriften des Renaissance-Propheten Nostradamus finden sich zahlreiche geheimnisvolle Bilder und Metaphoriken, ebenso wie in der Ufo-Literatur. Fans des Paranormalen sehen darin die genaue Beschreibung konkreter Ereignisse.
* So wird zum Beispiel die Flugschrift „Nürnberger Himmelsspektakel“ von 1561 als Schilderung einer „Schlacht zwischen unbekannten Flugobjekten“ betrachtet.
* Im Vers 64 der I. Centurie („Nachts glaubt man die Sonne zu sehen – wenn man erblickt halb Schwein, halb Menschenkind – Lärm, Schreie, Schlacht in Himmelshöhen – wilde Tiere zu vernehmen sind“) soll Nostradamus den Ersten Weltkrieg vorausgesagt haben.
Aber sind diese aktuellen Deutungen geschäftstüchtiger Interpreten haltbar? Oder haben wir es stattdessen mit den „Urban Legends“ der frühen Neuzeit zu tun? Eine Betrachtung der kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe scheinbarer Vorhersagen und Wunderberichte zeigt, was sich tatsächlich hinter solchen Erzählmotiven verbirgt. In den Monstern, Himmelsschlachten und Finsternissen der antiken und mittelalterlichen Prodigien-Literatur bündelten sich Sensationsgier, Zukunftsängste und gelehrte Kompilationsmanier zu einer orakulären Poesie.
Vermeintlich Unerklärliches in jahrhundertealten Darstellungen lässt sich somit unschwer auf die intensive Auseinandersetzung einer verunsicherten Leserschaft mit den sogenannten Vorzeichen zurückführen. Düstere Omen, die nicht zuletzt auch Nostradamus weidlich ausschlachtete.