whell

Wolfgang Hell hat in Frankfurt und Heidelberg Physik studiert und anschließend an sein Diplom im Bereich Wahrnehmungspsychologie in Konstanz promoviert. Nach seiner Habilitation auf dem Gebiet Aufmerksamkeit, ebenfalls in Konstanz, hat er in Münster eine Professur für Angewandte Psychologie angenommen. Schon seit langem interessiert er sich für Forschungsmethodik und für normale Erklärungen für scheinbar Paranormales und ist auch nach seiner Pensionierung diesen Interessen treu geblieben. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP.

Heiligenschein und Aura (2024)

Beiden Vorstellungen ist gemeinsam, dass sie einen nichtstofflichen Körper (oder eine Lichterscheinung) um den physischen Körper postulieren. Eine Lichterscheinung um einen Kopf oder Körper ist ein unter bestimmten Wahrnehmungsbedingungen unvermeidlich auftretendes physiologisches Phänomen, das auf einer Kombination von Nachbild und Augenbewegungen resultiert. Seine Interpretation als „Heiligenschein“ beruht auf Unkenntnis der physiologischen Ursache, ist aber im historischen Wahrnehmungskontext verständlich.

Die Aura war ursprünglich sehr nahe dem Heiligenschein verwandt, hat sich aber in der Esoterik erweitert zu „Theorien“ mehrerer Astralkörper, ohne dass einigermaßen Einigkeit auch nur über die Anzahl der Astralkörper bestehen würde. In solchen Gedankengebilden ist die interpretatorische Phantasie dem physiologischen Ursprung weit enteilt.

Der Vortrag demonstriert mit vielen Beispielen die physiologische Grundlage für die Wahrnehmung eines „Heiligenscheins“. Anschließend referiere ich die sehr unterschiedlichen, phantasiereichen Vorstellungen zu Auren, deren Ursprung mehr psychischer als physiologischer Natur ist.

Signifikant! Replikationskrise in der Psychologie (2018)

„In der Führungsriege deutscher Unternehmen geht es nobel zu. Wer Kaiser, König oder Fürst heißt, arbeitet häufiger in Spitzenpositionen als Kollegen mit Namen Bauer, Schäfer oder Maier. Das haben Forscher der Universität Cambridge und der HEC Paris herausgefunden“ (Südwest-Presse Ulm, 02.11.2013). Dies ist eines von vielen Forschungsergebnissen, die bei teilweise systematisch vorgenommenen Neu-Untersuchungen nicht repliziert werden konnten. Wenn (zu) viele Ergebnisse sich nicht bestätigen lassen, ist irgendetwas faul in der Art und Weise, wie Psychologinnen ihre Ergebnisse finden bzw. präsentieren, oder in den Worten von Wagenmakers in Bezug auf Bems parapsychologische Experimente zur Umkehr des Zeitpfeils: „Wenn unsere wissenschaftlichen Standardmethoden einem erlauben, das Unmögliche zu beweisen, dann müssen diese Methoden revidiert werden.“
Schuld ist der allzu laxe und sorglose Umgang der Forscher mit dem Signifikanztest: Multiples Testen, opportunistisches Veröffentlichen, viele Freiheitsgrade bei der Wahl des Tests, Abbrechen oder Weiterführen einer Testreihe nach einem zwischenzeitlichen Signifikanztest usw. sind die „harmlosen“, gut gemeinten Fehler, viel häufiger als der direkte Betrug. Der Vortrag wird zeigen, dass
(1) die Ergebnisse von Signifikanztests oft überinterpretiert werden,
(2) „signifikant“ im Kontext eines statistischen Tests auf keinen Fall synonym mit „bedeutsam“ ist und
(3) das nominelle Signifikanzniveau oft weit von dem realen entfernt ist.
Der Vortrag schließt mit einem Überblick über die verschiedenen Vorschläge zur Abhilfe bzw. zur Verbesserung des Umgangs mit dem Signifikanztest

Dipl.-Ing. Amardeo Sarma, Foto: Evelin Frerk

Amardeo Sarma ist Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und war über 35 Jahre in der industriellen Forschung in den Bereichen Kommunikation und IT-Sicherheit tätig. Derzeit ist er Geschäftsführer der Scientific Temper gUG (haftungsbeschränkt). Sarma ist Mitbegründer der GWUP e. V. und des europäischen Dachverbandes für europäische Organisationen der Skeptikerbewegung ECSO (European Council of Skeptical Organisations), Vorstandsmitglied von WePlanet international und WePlanet DACH e. V. (vormals Ökomoderne e. V.), Fellow und Mitglied des Executive Council des US-amerikanischen Committee for Skeptical Inquiry CSI, vormals CSICOP, sowie CSI-Repräsentant in Europa. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit ist seit über 40 Jahren die Auseinandersetzung mit Pseudowissenschaften ein wesentlicher Schwerpunkt. Seit zehn Jahren schreibt und hält er Vorträge zu den Themen Wohlstand, Umwelt und Klima. Er ist außerdem Ehrenpräsident von Trust in Digital Life VZW und Vorstandsmitglied des SDL Forum e. V.

Weltbevölkerung: Kollaps, Wohlstand oder Überalterung? (2025)

Noch heute gibt es Warnungen vor einer „Bevölkerungsbombe“, die uns alle zugrunde richtet. Sind wir zu viele oder werden wir zu viele? Paul R. Ehrlich sagte Desaster noch im 20. Jahrhundert voraus. Viele halten das noch für das größte Menschheitsproblem. Stimmt es? Oder tragen gar Menschen zu mehr Wohlstand bei? Oder gibt es das umgekehrte Problem der Überalterung inklusive der Länder Asiens? Der Vortrag gibt einen Einblick in die Komplexität dieser Frage, für die es keine einfachen Antworten gibt. Der Vortrag geht auf die gegenseitigen Abhängigkeiten von Bevölkerungszahlen, Technologieentwicklung, Bildung, Wohlstand, Altersentwicklungen und Umweltbelastungen ein und wie diese dann unsere Zukunft beeinflussen.

 

 

Wider Verharmlosung und Alarmismus: ein rationaler Blick auf die Klimadebatte (2023)

Die Datenlage ist klar: Die Erdatmosphäre erwärmt sich, und die Hauptursache ist anthropogener Natur, d.h. durch Kohlendioxid- und Methanemissionen menschlichen Wirtschaftens bedingt. Doch ist diese Erwärmung eher harmlos oder existenziell bedrohlich? Lassen wir Klimawandelleugner außen vor, gibt es unter denen, die die Sachlage anerkennen, Übertreibungen in beide Richtungen: die einen spielen herunter, die anderen ergehen sich in apokalyptischem Alarmismus. Der Vortrag macht eine sachliche Bestandsaufnahme auf Grundlage der Berichte des Weltklimarates IPCC und des aktuellen Standes der Klimaforschung.

 

Klima, Gentechnik und Nachhaltigkeit: Mit wissenschaftlichem Skeptizismus gegen Wunschdenken und Faktenleugnung (2018)

Im Kontext der Nachhaltigkeit zur Erhaltung der Lebensgrundlagen für bald 10 – 15 Milliarden Menschen betrachtet der Vortrag die Problematik des Klimawandels und der Ernährungssicherheit. Zunächst wird der Stand der Wissenschaft zu diesen Themen in Kurzform behandelt. Anschließend wird in diesen Bereichen gezeigt, dass viele Fakten nicht wahrgenommen werden. Diese betreffen die Bevölkerungsentwicklung und die Entwicklung der Emissionen und der modernen Landwirtschaft. Das Verdrängen oder Ignorieren von Tatsachen hängt oft damit zusammen, dass bei vielen Beteiligten und Entscheidungsträgern eine tatsächliche oder vermeintliche Diskrepanz besteht zwischen ihren Werten und Grundüberzeugungen und den wissenschaftlichen Fakten. Anhand dieser schwierigen Lage werden die Herausforderungen für die Skeptikerbewegung skizziert.

sebastian herrmann 400

Sebastian Herrmann, Jahrgang 1974, ist Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung und Autor mehrerer Bücher – darunter „Starrköpfe überzeugen. Psychotricks für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern, Fundamentalisten, Partnern und ihrem Chef“ sowie zuletzt „Der Krankheitswahn. Wir sind gesünder als wir uns fühlen und die Industrie uns glauben lässt“.
Sebastian Herrmann hat Politikwissenschaft, Geschichte und Psychologie in München, Edinburgh und Kuala Lumpur studiert. Bei der Süddeutschen Zeitung berichtet er regelmäßig über Sozialpsychologie und irrationale Glaubenssysteme. Für seine Arbeit wurde er 2016 mit dem Preis für Wissenschaftspublizistik der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgezeichnet.

Gefühlte Wahrheit Von wegen Fakten, Fakten, Fakten – die Psyche entscheidet, was als richtig oder falsch gilt. Ein paar psychologisch fundierte Ratschläge für den Umgang mit Starrköpfen

Vor Jahren entließ Andrew Wakefield eine Lüge in die Öffentlichkeit, die bis heute durch die Welt vagabundiert. Der Arzt arbeitete für Auftraggeber, die sich eine Veröffentlichung wünschten, mit der sie ihre Agenda vorantreiben konnten. Er fabrizierte eine alarmierende Studie. Es gelang ihm, seine Fälschung in einem renommierten Fachblatt zu publizieren. Nach viel zu langer Zeit flog der Schwindel auf. Der Arzt verlor die Approbation. Die Studie wurde als gefälscht gebrandmarkt. Und gerade deshalb wirkt die Lüge des Andrew Wakefield bis heute: Noch immer fürchten viele Eltern, dass die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln Autismus auslösen könnte.
Die Karriere der Impfhysterie offenbart ein Dilemma. Wer aufklären will, erreicht oft das Gegenteil. Wer Gerüchte widerlegt, befeuert deren Verbreitung. Zugleich darf Desinformation nicht unwidersprochen bleiben. Mediziner waren gezwungen, die irrigen Behauptungen ihres Kollegen zu entkräften. Sie konnten die Angst vor der Immunisierung nicht ignorieren. Sie mussten dem entgegentreten. Doch haben sie der Lüge ihres Kollegen so eine noch größere Bühne verschafft.
Vor dem gleichen Dilemma stehen Politik, Medien, Öffentlichkeit und auch die Mitglieder der GWUP: Sie müssen auf die vielen Fehlinformationen reagieren, die sich in der Flüchtlingsdebatte verbreiten; sie müssen Aussagen widerlegen, die von Figuren wie Donald Trump, Parteien wie der AfD oder den Befürwortern des Brexit in Großbritannien in die Öffentlichkeit und die Köpfe des Publikums entlassen werden; sie müssen auf die größtenteils widersinnigen Inhalte aus der Esoterik und Alternativmedizin reagieren, die unter schreckend vielen Menschen als wahr gelten.
Derzeit rufen Publizisten gerne die Post-Fakten-Ära aus – ein Zeitalter einer generellen Informationsüberdosis, in der nur mehr an das geglaubt wird, was sich in das eigene Weltbild einpassen lässt und in der Fakten keinerlei Relevanz mehr besitzen. Damit haben sie nur bedingt recht: Reine Fakten haben noch nie die Überzeugungskraft entfaltet, die sie haben sollten. Ganz entscheidend ist vielmehr, dass sich diese Fakten auch wahr anfühlen müssen – und das geschieht nur unter gewissen Bedingungen.
Wer zum Beispiel eine Fehlinformation widerlegen möchte, muss sie erzwungenermaßen in Teilen wiederholen. Das aber hilft zum Beispiel schon, diese Unwahrheiten weiter zu verbreiten und wilde Gerüchte in gefühlte Wahrheiten zu verwandeln. Erzeugt eine Aussage aber Empfindungen von Vertrautheit, fördert dies eine Illusion der Wahrheit. Es kostet weniger geistige Mühe, bekannte Informationen zu verarbeiten – und wenn etwas geistig wenig anstrengt, akzeptiert ein Mensch diese Informationen mit höherer Wahrscheinlichkeit als zutreffend.
Die Psyche eines Menschen fällt – mehr oder weniger automatisch – das Urteil darüber, ob eine Aussage als wahr akzeptiert oder als falsch zurückgewiesen wird. Und unter manchen Umständen fühlen sich Aussagen eher als wahr an. Der Vortrag wird diese generellen Denkmuster darstellen und vor allem Beispiele zu liefern, wie Informationen präsentiert werden können, so dass sie stärkere Überzeugungskraft entfalten oder wenigstens nicht das Gegenteil bewirken. Außerdem werden Fehler aufgezeigt, die künftig vermieden werden sollten.
Die Psyche entscheidet, ob ein Argument überzeugt. Wer das bezweifelt, der möge berichten, wie er zum Beispiel einen glühenden Homöopathen vom Wahnwitz dieser Therapierichtung überzeugt hat, indem er diesem eine methodisch irre gut gemacht Studie präsentiert hat, die dieses einwandfreie Ergebnis gebracht hat. Und? Genau. So etwas passiert nicht. Die Studie kann so gut sein wie nur was, der Homöopath wird an seinen Kügelchen festhalten. Doch es existieren andere Wege.

bernd harder

Bernd Harder hat Politikwissenschaft in Saarbrücken studiert. Für die GWUP engagiert er sich als Skeptiker-Chefreporter und Blogger. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Themen wie Nostradamus, Großstadtmythen, paranormale Phänomene. Sein aktuelles Buch “Verschwörungstheorien:  Ursachen – Gefahren – Strategien” ist im Alibriverlag erschienen. 

Die Weltherrschaft der Skeptiker (2018)

„Verschwörung: GWUP will Weltherrschaft!“ war vor zehn Jahren ein vielbeklatschter Vortrag bei der Jubiläumskonferenz 2007 in Darmstadt – und natürlich reine Satire. Doch auch in diesem Bereich werden wir zunehmend von der Wirklichkeit als Realsatiren eingeholt.
„Das GWUP-Logo in Augenform“ elektrisiert Verschwörungstheoretiker im Internet ebenso wie vermutete Zuwendungen der Pharmaindustrie oder ein angeblich straff organisiertes Netzwerk aus Wikipedia und verschiedenen skeptischen Organisationen und Webseiten wie GWUP, Psiram, Ruhrbarone, Brights, Hpd und anderen. In dem von der Konspirologen-Szene gefeierten Youtube-Film „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien“ versteigt sich nicht zuletzt der Psychologe Harald Walach zu der vagen Hypothese, die Skeptiker würden in verschiedenen Foren die Namen von Comic-Figuren als geheimen Code verwenden, um ihre heimliche Sehnsucht nach Aberglauben und Esoterik auszuleben.
Solche Verschwörungsphantasien sagen üblicherweise mehr über deren Verbreiter aus als über den Gegenstand ihrer Beschäftigung. Der Referent gibt einen Überblick über die derzeit kursierenden Verschwörungstheorien zur Skeptiker-Szene und erklärt, wie diese stereotypen und monokausalen Vorstellungen in den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Conspiracy Theories“ eingeordnet werden können.

Ihr grinst uns an mit euren aufgeweichten Phrasen! Glaubenskrieger in den sozialen Medien (2017)

Ob Pseudomedizin, Klimawandel, Impfen oder LHC-Experimente: Wann immer die Skeptiker oder andere Organisationen, Behörden und engagierte Einzelpersonen über Esoterik, Pseudowissenschaft, Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien aufklären, sehen sie sich einer Kommentarflut von „Glaubenskriegern“ gegenüber.

Was tun? Wie geht man sinnvoll mit antiwissenschaftlichen Schreihälsen um – auch im Hinblick auf die eigene Psychohygiene sowie auf die passiven Mitleser, die sich noch in der Urteilsbildung befinden?

Der Vortrag fasst die Erfahrungen aus den Social-Media-Präsenzen der GWUP zusammen und kombiniert sie mit aktuellen Erkenntnissen der Kommunikationsforschung zu einem Leitfaden für Kommentatoren.

 

Die Ufo-Schlacht von Nürnberg und das halb menschliche Schwein: Wie Esoteriker die “Urban Legends“ der frühen Neuzeit deuten (2016)

Der große Schreckenskönig, der vom Himmel herabsteigt: eine Atomrakete?
Das Wesen, halb Schwein, halb Menschenkind: ein Soldat mit Gasmaske?
“Ein sehr erschröckliches gesicht, vom Hymel herab auff die erden, gleich alls ob es alles Brennet, gefallen”: Ufo-Absturz bei Nürnberg?

In den Schriften des Renaissance-Propheten Nostradamus finden sich zahlreiche geheimnisvolle Bilder und Metaphoriken, ebenso wie in der Ufo-Literatur. Fans des Paranormalen sehen darin die genaue Beschreibung konkreter Ereignisse.

* So wird zum Beispiel die Flugschrift „Nürnberger Himmelsspektakel“ von 1561 als Schilderung einer „Schlacht zwischen unbekannten Flugobjekten“ betrachtet.
* Im Vers 64 der I. Centurie („Nachts glaubt man die Sonne zu sehen – wenn man erblickt halb Schwein, halb Menschenkind – Lärm, Schreie, Schlacht in Himmelshöhen – wilde Tiere zu vernehmen sind“) soll Nostradamus den Ersten Weltkrieg vorausgesagt haben.

Aber sind diese aktuellen Deutungen geschäftstüchtiger Interpreten haltbar? Oder haben wir es stattdessen mit den „Urban Legends“ der frühen Neuzeit zu tun? Eine Betrachtung der kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe scheinbarer Vorhersagen und Wunderberichte zeigt, was sich tatsächlich hinter solchen Erzählmotiven verbirgt. In den Monstern, Himmelsschlachten und Finsternissen der antiken und mittelalterlichen Prodigien-Literatur bündelten sich Sensationsgier, Zukunftsängste und gelehrte Kompilationsmanier zu einer orakulären Poesie.
Vermeintlich Unerklärliches in jahrhundertealten Darstellungen lässt sich somit unschwer auf die intensive Auseinandersetzung einer verunsicherten Leserschaft mit den sogenannten Vorzeichen zurückführen. Düstere Omen, die nicht zuletzt auch Nostradamus weidlich ausschlachtete.

Marius Raab

Marius Raab studierte Psychologie (Diplom) und Angewandte Informatik (B.Sc.) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre Im Juli 2016 wurde er mit einer psychologischen Arbeit zum Thema Experimentelle Ansätze zur Erforschung von Verschwörungstheorien promoviert. Sein Buch „Am Anfang war die Verschwörungstheorie“, verfasst zusammen mit zwei Kollegen, erscheint im Sommer im Springer-Verlag. Weitere Forschungsgebiete sind Wahrnehmungspsychologie, die Dynamik ästhetischen Erlebens, und die Entwicklung technikgestützter Methoden für die psychologische Forschung.

Trau‘ keinem Experten – aber wem dann?
Realitätsmodellierung aus psychologischer und philosophischer Perspektive

„Meine Unwissenheit ist genauso gut wie dein Wissen“: Im Jahr 1980 hat Isaac Asimov diese Überzeugung als roten Faden der amerikanischen Kulturgeschichte bezeichnet. Im Jahr 2018 ist er zu einem Klischee geworden. ‚Gefühlte‘ Wahrheiten haben angeblich Fakten den Rang abgelaufen; und Verschwörungstheorien sind im öffentlichen Diskurs omnipräsent. Dabei sind es immer ‚die Anderen‘, die sich ihre Realität aus Fake und Vorurteilen konstruieren.
Einerseits wissen wir, dass Realität immer (auch) in unseren Köpfen entsteht, damit immer auch subjektiv ist und Überheblichkeit gegenüber anderen Realitätsmodellen nicht angebracht ist. Andererseits weigern wir uns natürlich, über die Jahrhunderte entwickelte Errungenschaften, ethische wie epistemische, zu relativieren und sie als gleichwertig anzusehen mit Vorurteilen, erfundenen Geschichten und Hassbotschaften.
Diese Zwickmühle ist ein Thema der Philosophie: Wie funktioniert Erkenntnis, welche Arten von Wissen gibt es, und was können wir als ‚Wahrheit‘ ansehen? Sie ist auch ein psychologisches Problem: Wie erkennen wir Fakten, wie konstruieren wir unsere Realität, und wie bleiben wir offen für neues Wissen, ohne in Beliebigkeit zu verfallen?
Wir benötigen Heuristiken und Prüfkriterien. Philosophie und Psychologie bieten uns Ansätze, auch Erklärungsmodelle zu prüfen, in denen zentrale Akteure im Dunkeln sind oder Fakten vielleicht auch Fake sein können. Karl R. Popper hat eine „offene Gesellschaft“ gefordert, die transparent ist in ihren Strukturen und Absichten. Das wird zu einer Herausforderung, wenn wir konfrontiert werden mit Information, deren Quellen intransparent sind. Wir müssen also bei epistemisch schwierigen Fällen – wie mutmaßlichen Fake News und Verschwörungstheorien – einen Umgang zu finden, der verborgene Wahrheiten ins Licht bringt, ohne ins Irrationale abzugleiten. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis bei unseren individuellen Realitätsmodellen zu berücksichtigen.
Anders gesagt: Als Skeptiker, die kritisches Denken fordern, müssen wir alles in Frage stellen – auch unsere eigenen Überzeugungen und Gewissheiten. Wir müssen uns an unseren eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Geht das überhaupt?

A.Fischer

Alexander Fischer studierte Germanistik, Philosophie, Kommunikationswissenschaft und Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (M.A.). Zudem studierte er Film & Literatur an der kanadischen University of Waterloo (MA). Er arbeitete als Redaktionsassistent im Bereich Philosophie/Ethik in C.C. Buchners Verlag und lehrte und forschte seit Abschluss seines Studiums (2012) als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Universität Bamberg. Nach Forschungsaufenthalten an der Duke University (USA) und der University of Cambridge (UK) wurde er im August 2016 mit einer interdisziplinären Arbeit zum Thema Manipulation promoviert, die im kommenden Herbst unter dem Titel „Manipulation. Zur Theorie und Ethik einer Form der Beeinflussung“ im Suhrkamp Verlag erscheint. Seit September 2017 ist er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Universität Basel. Seine Forschung und Lehre fokussiert sich hauptsächlich auf Fragen der Ethik und der Politischen Philosophie, aber auch die Schnittstelle von Philosophie und Psychologie sowie Philosophie und Literatur.

Trau‘ keinem Experten – aber wem dann?
Realitätsmodellierung aus psychologischer und philosophischer Perspektive

„Meine Unwissenheit ist genauso gut wie dein Wissen“: Im Jahr 1980 hat Isaac Asimov diese Überzeugung als roten Faden der amerikanischen Kulturgeschichte bezeichnet. Im Jahr 2018 ist er zu einem Klischee geworden. ‚Gefühlte‘ Wahrheiten haben angeblich Fakten den Rang abgelaufen; und Verschwörungstheorien sind im öffentlichen Diskurs omnipräsent. Dabei sind es immer ‚die Anderen‘, die sich ihre Realität aus Fake und Vorurteilen konstruieren.
Einerseits wissen wir, dass Realität immer (auch) in unseren Köpfen entsteht, damit immer auch subjektiv ist und Überheblichkeit gegenüber anderen Realitätsmodellen nicht angebracht ist. Andererseits weigern wir uns natürlich, über die Jahrhunderte entwickelte Errungenschaften, ethische wie epistemische, zu relativieren und sie als gleichwertig anzusehen mit Vorurteilen, erfundenen Geschichten und Hassbotschaften.
Diese Zwickmühle ist ein Thema der Philosophie: Wie funktioniert Erkenntnis, welche Arten von Wissen gibt es, und was können wir als ‚Wahrheit‘ ansehen? Sie ist auch ein psychologisches Problem: Wie erkennen wir Fakten, wie konstruieren wir unsere Realität, und wie bleiben wir offen für neues Wissen, ohne in Beliebigkeit zu verfallen?
Wir benötigen Heuristiken und Prüfkriterien. Philosophie und Psychologie bieten uns Ansätze, auch Erklärungsmodelle zu prüfen, in denen zentrale Akteure im Dunkeln sind oder Fakten vielleicht auch Fake sein können. Karl R. Popper hat eine „offene Gesellschaft“ gefordert, die transparent ist in ihren Strukturen und Absichten. Das wird zu einer Herausforderung, wenn wir konfrontiert werden mit Information, deren Quellen intransparent sind. Wir müssen also bei epistemisch schwierigen Fällen – wie mutmaßlichen Fake News und Verschwörungstheorien – einen Umgang zu finden, der verborgene Wahrheiten ins Licht bringt, ohne ins Irrationale abzugleiten. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis bei unseren individuellen Realitätsmodellen zu berücksichtigen.
Anders gesagt: Als Skeptiker, die kritisches Denken fordern, müssen wir alles in Frage stellen – auch unsere eigenen Überzeugungen und Gewissheiten. Wir müssen uns an unseren eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Geht das überhaupt?

Michael Marquardt
Michael Marquardt, Studienrat aus Oberkochen, geboren am 28.02.1981 in Stuttgart.
Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte an der Universität Stuttgart, Lehrer in Heidenheim an der Brenz für die Fächer Ethik, Deutsch, Geschichte,
Gemeinschaftskunde sowie in der gymnasialen Oberstufe Philosophie und Psychologie. Betreiber der Website Forschungsforum Philosophie (Relaunch im Januar 2017), nach der Geburt einer Tochter im selben Monat bislang allerdings etwas stiefmütterlich behandelt (die Website, nicht die Tochter!). Forschungs- bzw. Interessensschwerpunkte: Philosophie des kritischen Rationalismus, Philosophie des Materialismus/Atomismus in Antike und Neuzeit, Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien aus naturwissenschaftlich-historischer,psychologischer und philosophischer Sicht

Nach einem Blick auf die Definitionsproblematik stellt der Vortrag die drei grundsätzlichen Perspektiven auf das Thema Verschwörungstheorien dar und versucht schwerpunktmäßig ihre Möglichkeiten und Grenzen (vulgo: Vor- und Nachteile) auszuloten. Davon ausgehend soll letzten Endes auch die Fragen behandelt werden, wie man mit VT am besten umgeht.
Die erste Perspektive ist die naturwissenschaftlich-historische Perspektive. Auch wenn es sich hier um unterschiedliche wissenschaftliche Zweige handelt, so haben sie doch gemeinsam, dass sie sich vor allem mit den (alternativen) Fakten auseinandersetzen. So kann man beispielsweise versuchen, durch eine Versuchsanordnung die Behauptung zu widerlegen, Flugzeugbenzin hätte das Stahlgerüst des WTC nicht ausreichend schwächen können. Das Gleiche Prinzip gilt auch für die Geschichtswissenschaft, die die Genese der Protokolle der Weisen von Zion aufarbeiten und so die mit der Schrift verbundenen Vorwürfe als haltlos und bösartig entlarven kann. Wie Stephen Law besonders anschaulich zeigt, kann man diesen Fakten allerdings jederzeit widersprechen, auch wenn
der Übergang zur Beliebigkeit fließend ist.
Die psychologische Sicht befasst sich mit der Anfälligkeit des Menschen für Fehler bei der (Re-)Konstruktion seiner Realität im Allgemeinen und der Neigung zum
Verschwörungsdenken im Besonderen. Der Zuschreibung von Intentionalität kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Ein Zug des psychologischen Ansatzes ist aber auch, dass seine Erkenntnisse nicht zwingend sind, denn die Welt könnte trotz aller Psychologie doch anders sein („just because you’re paranoid, don’t mean there not after you“).
Die Philosophie schließlich stellt einerseits analog zur Pseudowissenschaftsdiskussion die Frage nach den Merkmalen guter und schlechter Theorien, andererseits ist der Umgang mit VT eine Frage, welche auch die Ethik (besonders Kants drei Maximen des gemeinen Menschenverstandes) berührt. Besonders die ethische Perspektive ist bislang in der Auseinandersetzung mit VT noch völlig unterrepräsentiert – diesem Umstand soll besonders Rechnung getragen werden.

Keilich

Nach Abschluss seines Medizinstudiums absolvierte Dr. med. Matthias Keilich noch einen MBA. In Medizin promovierte über ein herzchirurgisches Thema und arbeitet in seiner privatärztlichen Praxis in Berlin. Hier behandelt und berät er seine Patienten ausschließlich nach wissenschaftlich fundierten Aspekten. Da Patienten auch immer wieder nach Möglichkeiten neben der wissenschaftlichen, evidenzbasierten Medizin fragen, beschäftigt er sich schon länger mit dem Thema alternative Behandlungsmethoden.

Osteopathie – was (nicht) geht

Osteopathie leitet sich vom griechischen osteon = Knochen und pathos = Leiden ab.
Auf den Seiten des Verbands der Osteopathen in Deutschland e.V. (VOD) ist zu lesen, dass alle Strukturen des menschlichen Körpers „gut beweglich und somit auch gut versorgt“ sein müssen. Dieses wäre Grundvoraussetzung für die Selbstheilung des Körpers. Falls es nicht so sei, würde die Osteopathie die gute Beweglichkeit und damit Versorgung für die Selbstheilung wieder herstellen.
In letzter Zeit gewinnt die Osteopathie, nicht nur bei chronischen Schmerzpatienten, immer mehr an Interesse.
Es gibt eine scheinbar standardisierte Ausbildung für Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Ärzte an den unterschiedlichsten Schulen. Nach Aussagen des VOD, ist die Akademisierung der Osteopathie nicht mehr aufzuhalten. Insgesamt legt der VOD scheinbar großen Wert auf eine wissenschaftliche Darstellung und Ausbildung der Osteopathie. Unterwirft sie sich damit auch den akademischen, wissenschaftlichen Standards und liefert anhand entsprechender Studien nachvollziehbare und valide Ergebnisse?
Es gibt viele Ärzte, vornehmlich Orthopäden, die die Osteopathie anbieten. Was aber verbirgt sich eigentlich dahinter? Was war die Osteopathie ursprünglich im Sinne ihres Erfinders Arzt Andrew Taylor Still und hat sie sich hiervon weg oder nur weiterentwickelt?
Heute wird Osteopathie für eine Vielzahl an Erkrankungen angeboten. Doch kann man wirklich alles mit Osteopathie heilen oder möglicherweise gar nichts? Ist vielleicht die Osteopathie hilfreich eventuell aber gar nicht in dem Sinne wie es die Osteopathie vorgibt zu sein? Wie stehen steht die Schulmedizin dem Thema gegenüber?
Auf all diese Fragen soll der Vortrag Antworten liefern. Darüber hinaus soll ein strukturierter Überblick aus medizinischer Sicht gegeben werden, was Osteopathie ist, was sie möglicherweise im Stande ist zu leisten, wo ihre Grenzen erreicht sein könnten und stellt diese in den Kontext der damaligen Zeit, als sie entwickelt wurde.

 

Weymayr

Dr. Christian Weymayr (Mitglied der GWUP und des GWUP-Wissenschaftsrats) ist freier Medizinjournalist und Projektleiter des IGeL-Monitors. Er ist einer der federführenden Autoren des “Münsteraner Memorandums Heilpraktiker”.

Osteopathie – was sagt die Evidenzbasierte Medizin?

Die Osteopathie ist eine von Ärzten, Physiotherapeuten und Heilpraktikern häufig angebotene Leistung, die diverse Beschwerden lindern soll. Sie zählt zu den Leistungen der komplementären und alternativen Medizin. Ihre Grundannahmen sind naturwissenschaftlich unplausibel, aber es findet eine echte, wenn auch milde Interaktion statt, so dass positive Effekte auf die Gesundheit nicht ausgeschlossen sind.
Eine osteopathische Behandlung ist keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern eine so genannte Individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL. Manche Krankenkassen bezahlen die Osteopathie jedoch freiwillig. Zur SkepKon wird der IGeLMonitor, ein Projekt des Medizinischen Dienstes Bund der Krankenkasen (MDS), die Osteopathie bewertet haben. (Über das Ergebnis der Bewertung kann ich jetzt noch nichts sagen.)
In meinem Vortrag möchte ich am Beispiel der Osteopathie darstellen, wie eine Bewertung von Nutzen und Schaden nach der Methodik der Evidenzbasierten Medizin (EbM) abläuft.
Dabei wird deutlich werden, dass “EbM” mehr ist als bloße Studienlektüre. Die Methodik fordert vielmehr einen festgelegten, aufwändigen Prozess aus Festlegen der Fragestellung, Suchen, Auswählen und Bewerten der wissenschaftlichen Literatur, Ermitteln von Nutzen und Schaden anhand der ausgewählten Literatur sowie gegebenenfalls Abwägen von Nutzen und Schaden für eine Gesamtbewertung.
Dieses Schema gilt nach heutigem methodischen Stand gleichermaßen für alle Maßnahmen der Medizin, unabhängig davon, wie plausibel der angenommene Wirkmechanismus ist. Als Ausblick möchte ich diskutieren, was das für die Nutzen-Bewertung anderer Verfahren der komplementären und alternativen Medizin bedeutet.

SusanneGnther FotoStefanFreiwald 400

Susanne Günther hat nach ihrem Magister in Philosophie den Redakteursberuf gelernt und einige Jahre in verschiedenen Bereichen Mitarbeiter- und Kundenzeitungen “gemacht” sowie Internetportale betreut. Seit sie vor gut zehn Jahren auf einen Bauernhof gezogen ist, bewegen sie Themen rund um Landwirtschaft und Grüne Gentechnik, mit denen sie sich in ihrem Blog schillipaeppa.net auseinander setzt. [Foto: Stefan Freiwald]

Gentechnik, Glyphosat und die Legenden der Landwirtschaft

Moderne Landwirtschaft findet heute nicht mehr auf klassischen Bauernhöfen statt, wo es gleichermaßen Kühe, Schweine, Hühner, Gänse und Enten gibt, sondern auf hochspezialisierten Betrieben. Diese Spezialisierung ging in den vergangenen Jahrzehnten mit einer enormen Produktivitätssteigerung einher. In den Vorstellungen der Verbraucher spielen aber immer noch romantische Bilder (Tiere auf der grünen Weise) eine Rolle, wenn es um Landwirtschaft geht. Diese Diskrepanz wird von verschiedenen Interessengruppen (NGOs, Parteien) für ihre Kampagnen ausgenutzt. Wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa zur Unbedenklichkeit von Glyphosat oder zur Sicherheit von Grüner Gentechnik – werden dabei bewusst ignoriert bzw. verzerrt wiedergegeben. Die moderne Landwirtschaft findet sich so im Zentrum gesellschaftlicher Kritik („Glyphosat“, „Tierschutz“, „Nitrat“) wieder, und zwar nicht, obwohl, sondern, weil sie immer produktiver geworden ist. Warum wir nicht mit Wehmut auf die gute alte Zeit zurückblicken müssen und Innovation auch im Agrarbereich ihre Berechtigung hat, das soll dieser Vortrag verdeutlichen.