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Prof. Dr. Tilmann Betsch hat den Lehrstuhl für Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Uni Erfurt inne.

Welche Faktoren begünstigen den Glauben an das Paranormale?*

In einer Studie mit 599 Probanden (60 % weiblich, Alter 18-81 Jahre) in Deutschland 2017/18 wurde der Zusammenhang zwischen 21 potentiellen Prädiktoren und einer Skala paranormaler Überzeugungen als Kriterium (Magie, Astrologie, Esoterik, übernatürliche Entitäten, Spiritualität) untersucht. Als Prädiktoren wurden individuelle Unterschiede mit Standard-Skalen gemessen, wie z.B. Persönlichkeitsinventaren (HEXACO) und Tests zu Fähigkeiten des Denkens (z.B. IQ). Mit regressionsanalytischen Verfahren fand sich ein Modell mit sechs Prädiktoren, das etwa 20 % der Varianz des Kriteriums aufklärt. In absteigender Reihenfolge der Vorhersagekraft der Prädiktoren besteht das Modell aus Ontologischer Konfusion, Intelligenz, Offenheit für Erfahrungen, Emotionalität, Gewissenhaftigkeit des Denkens und Kausalitätsverständnis. Die gefundenen Zusammenhänge lassen sich inhaltlich wie folgt interpretieren. Personen, die paranormale Überzeugungen hegen, betrachten die Welt eher in einer bedeutungsschaffenden, kreativen und emotionalen Weise. Auf der anderen Seite mangelt es ihnen zu einem gewissen Grade an der kognitiven Fähigkeit, dem relevanten Wissen und der Motivation, Annahmen in rigider, systematischer Form zu prüfen. Zusätzlich zu paranormalen Überzeugungen wurden in der Studie auch der Glaube an Pseudomedizin, an Verschwörungstheorien und religiöse Überzeugungen erhoben. Das Vorhersagemodell generalisiert im Wesentlichen auch auf die Kriterien Pseudomedizin und Verschwörungstheorie, nicht jedoch auf religiöse Überzeugungen. Die Implikationen der Befunde für den Umgang mit paranormalen Überzeugungen werden diskutiert.

*An der Untersuchung mitgewirkt haben: Leonie Aßmann und Andreas Glöckner.

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Florian Aigner ist promovierter Quantenphysiker und Wissenschaftspublizist. Er ist Mitglied der Gesellschaft für Kritisches Denken – der Wiener Regionalgruppe der GWUP – und ehemaliges GWUP-Vorstandsmitglied.

Energie aus dem Nichts – der Traum vom Perpetuum Mobile (2019)

Es ist der Traum vieler Hobbybastler – das Perpetuum Mobile, die Maschine, die sich ohne Energiezufuhr von außen für immer bewegt, und die sich vielleicht sogar nutzen lässt, um elektrische Energie aus dem Nichts zu gewinnen. Obwohl man längst physikalisch erklären kann, warum so etwas nicht möglich ist, gibt es immer noch zahlreiche selbsternannte Privatgelehrte, die fest davon überzeugt sind, das alte Rätsel um die immerwährende Bewegung gelöst zu haben. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass manche Irrtümer rund ums Perpetuum Mobile mit erstaunlicher Beharrlichkeit immer wieder aufgegriffen werden. Andere Ideen kommen neu hinzu, etwa die aus der Quantenphysik entlehnte Theorie von der „Vakuumenergie“ im Universum, die man gratis anzapfen könne.

Atomgefahr – zwischen Panikmache und Verharmlosung (2017)

Bringen uns Kernkraftwerke um? Leidet die Welt noch immer unter den Folgewirkungen von Chernobyl und Fukushima? Wie gefährlich ist Radioaktivität wirklich?
Kaum ein Thema wird im deutschsprachigen Raum heute so ideologisch, verbissen und dogmatisch diskutiert wie die Kernenergie. Die Fakten bleiben dabei leider oft auf der Strecke. Deshalb ist Kernenergie ein Thema, in dem sich Skeptiker aktiv einbringen sollen: Von beiden Seiten muss man verlangen, dass mit sauberen, wissenschaftlich haltbaren Fakten argumentiert wird, nicht mit Bauchgefühlen.
Besonders bemerkenswert ist, wie dramatisch die Angaben über Opferzahlen von Reaktorkatastrophen wie Chernobyl oder Fukushima auseinanderklaffen: Von einigen wenigen Toten reden die einen – über hunderttausende oder gar Millionen Todesopfer klagen die anderen. Der Grund dafür ist, dass ganz unterschiedliche Rechenmethoden zur Anwendung kommen, deren Aussagekraft man nicht einschätzen kann, ohne sie näher zu kennen.
Der Vortrag soll einige grundsätzliche Fakten über Kernenergie und Strahlungsgefahr erläutern, die es einfacher machen, die Gefahren richtig einzuschätzen. Es wird erklärt, wie es zu den so massiv unterschiedlichen Abschätzungen für die Opferzahlen kommt.
Aus skeptischer Sicht lässt sich sagen: Kernenergie ist keineswegs ungefährlich, Strahlung kann tatsächlich tödlich sein. Das Ausmaß der Angst davor, das derzeit herrscht, ist rational aber nicht zu rechtfertigen – insbesondere wenn man die Strahlungsgefahr in Relation zu anderen Gefahren setzt, die gesellschaftlich kaum diskutiert werden.

SylviaStang

Sylvia Stang ist Zahnärztin und engagiert sich im Sinne von Aufklärung und Patientenschutz gegen Pseudomedizin und Scharlatanerie.

Die Geschichte der Kurpfuscherei in Deutschland

Neben der Berufsgruppe der approbierten Mediziner hat es zu allen Zeiten Kurpfuscher, Scharlatane und Quacksalber gegeben. Sie wurden zeitweise von Ärzten oder Vertretern der Regierungen vehement bekämpft, in manchen Gegenden und zu manchen Zeiten ließ man sie gewähren.

Nachdem in Deutschland im Jahr 1869 das Kurpfuschereiverbot aufgehoben worden war, setzte ein regelrechter Boom von Laienbehandlern ein. Einen vorläufigen Höhepunkt erlebte die Entwicklung um die Jahrhundertwende. Zu dieser Zeit gab es schon zahlreiche Versuche von ärztlichen Verbänden oder staatlichen Gesundheitsbehörden, dem Treiben ein Ende zu bereiten oder es zumindest einzudämmen, jedoch ohne erkennbare Erfolge.

Im ersten Weltkrieg dann haben es die Militärbehörden mit der Begründung, die Wehrkraft sei durch Kurpfuschertum gefährdet, teilweise geschafft, die übelsten Auswüchse einzudämmen. In der Zeit der Weimarerer Republik kam es allerdings zu einem erneuten Erstarken der Laienheilerbewegung. Besonders durch die Mittel moderner Reklame haben es einige Kurpfuscher geschafft, viele tausende Patienten zu sich zu locken und einen immensen Reichtum zu erlangen.

Etliche Laienbehandler waren vehemente Impfgegner, sie rieten ihren Patienten ab, sich von Ärzten behandeln zu lassen, und machten ihnen Angst vor der „seelenlosen“ Schulmedizin. Sie schafften es immer besser, durch gezielte Fehlinformationen und öffentliche Denunziationen, das Vertrauen in die Ärzteschaft zu untergraben.

Die Gefahr, die dadurch für die Volksgesundheit entstand, war der Grund, weshalb 1939 dann das Heilpraktikergesetz beschlossen wurde. Es sollte zumindest sicherstellen, dass sich keine kriminellen Subjekte mehr an kranken Menschen zu schaffen machen konnten und Geschlechtskrankheiten und gefährliche Seuchen sich nicht weiter ausbreiteten.

Dieses Gesetz gilt bis heute.

Die neueste Initiative, die sich kritisch mit dieser Situation befasst und die Abschaffung oder grundlegende Reform der Heilpraktikertätigkeit fordert, ist der Münsteraner Kreis um Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert (Lehrstuhl für Medizinethik an der Universität Münster). Die Mitglieder des Kreises prangern an, dass durch die gesetzlich fixierte Bezeichnung „Heilpraktiker” Patienten suggeriert wird, es handle sich um staatlich geprüfte Heiler, die im Grunde äquivalent zu Ärzten ausgebildet seien.

Gerd Antes

Gerd Antes ist Biometriker und war von 1997 bis Oktober 2018 Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums. Er ist Mitbegründer des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Antes hat in seinen Aktivitäten immer die strenge wissenschaftliche Basis als Grundlage für Entscheidungen in den Mittelpunkt gestellt. Wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung von Methodik, Forderungen nach Transparenz und Integrität zeichnen seinen Weg.

Gute wissenschaftliche Praxis und Evidenz versus Big Data und Künstliche Intelligenz – Partner oder Gegner?

Unter den Schlagworten Big Data, Digitalisierung, personalisierte Medizin und Künstliche Intelligenz hat sich eine neue Welt entwickelt, die goldene Zeiten für unsere Gesundheitsversorgung verspricht, dafür aber die Eckpfeiler unseres wissenschaftlichen Denkens außer Kraft setzt. Das Zeitalter der Kausalität ist Vergangenheit, dank unbegrenzter Datenmengen wird Korrelation zu Kausalität. Der damit erzeugte Hype hat zu einer faszinierenden Kritiklosigkeit geführt. Die Datensintflut macht Theorie und Wissenschaft obsolet.
Eine rationale, auf Fakten und Daten gegründete, wissenschaftliche Betrachtung des versprochenen Nutzens versus Risiken und Kosten (Fundament jeder Technikfolgenabschätzung) sucht man vergeblich. Neben den fundamentalen logischen Widersprüchen sind die damit initiierten gesellschaftlichen Auswirkungen überfällig für eine umfassende Bewertung, die jedoch nicht erfolgt. Stattdessen ist die Digitalisierung zu einer Ideologie verkommen, die als Staatsraison realisiert werden muss. Die Frage nach Zielen und Sinn wird tunlichst vermieden. Kritische Fragen zu den technisch nicht erfüllbaren, hype-getriebenen Versprechungen gehen in dieser Stimmung unter. Welche Konsequenzen das hat, wird sich in ein paar Jahren zeigen.

 

Präsentation zum Vortrag: PDF-Datei

Weiterführende Informationen: http://www.cochrane.de/de/links-zu-beitraegen-zu-big-data

Aus der Einleitung: “Künstliche Intelligenz trifft „künstliche Dummheit“ –  “INTERVIEW. Mehr Daten führen nicht immer zu besseren Erkenntnissen, betont Professor Gerd Antes, bis 2018 Direktor des deutschen Cochrane Zentrums. Für den Mathematiker und Biometriker sind Digitalisierung und künstliche Intelligenz inzwischen zur Ideologie verkommen, für die wissenschaftliche Qualitätsstandards über Bord geworfen werden. Antes warnt, die Korrelation von Daten sage alleine überhaupt nichts aus.”

JanOudeAost400

Nach seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger in Bremen studierte Dr. Jan Oude-Aost Humanmedizin in Aachen. Vier Jahre seiner Facharztweiterbildung absolvierte er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden. Aktuell arbeitet er als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in in einer psychosomatischen Klinik für Patienten mit Traumafolgestörungen.

Impfen Pro & Contra – Eine Einordnung

Wollen Eltern sich über Impfen informieren, wird Ihnen das Buch “Impfen Pro & Contra” von Dr. Martin Hirte empfohlen. Verkaufsargument ist seine angeblich ausgeglichene und wissenschaftliche Darstellung sowie sein Quellenreichtum. Folgten Eltern Hirtes Ratschlägen, würden sie einige von der STIKO empfohlenen Impfungen später durchführen und einige ganz weglassen. Außerdem würden sie versuchen, die Chance zu erhöhen, dass ihr Kind zum “richtigen” Zeitpunkt eine “Kinderkrankheit” bekommt. Schaut man sich Hirtes Argumentation und die Quellen, die er anführt, genau an, öffnet sich eine Welt der ideologisch begründeten Impfkritik in einem Universum von Pseudowissenschaft.

 

JuliaNeufeind400

Julia Neufeind ist Humanmedizinerin und hat in Tübingen, Leipzig und Kanada studiert. Seit 2017 arbeitet sie im Fachgebiet Impfprävention im Team Kommunikation und Akzeptanz am Robert Koch-Institut. Sie forscht zu Determinanten von Impfakzeptanz in Deutschland, vornehmlich bei medizinischem Personal.

Impfakzeptanz bei Ärztinnen und Ärzten in Deutschland. Zwischen Bauchgefühl und Expertenwissen?

Niedergelassene Ärzte sind ein wichtiger Hebel für die Impfakzeptanz in der Allgemeinbevölkerung. Sie beraten ihre Patienten, genießen hohes Vertrauen, und sind letztendlich diejenigen, die einen Großteil der Impfungen verabreichen. Dies gilt insbesondere für Hausärzte. Im Allgemeinen sind diese motiviert, fähig und befähigt ihre Patientinnen und Patienten zu impfen. Sie stehen dem Impfen auch positiver gegenüber als die Allgemeinbevölkerung. Dennoch gibt es auch in der Ärzteschaft Zweifel an der Sicherheit von Impfungen und an der Unabhängigkeit der Gesundheitsbehörden. Nicht alle sind von der Notwendigkeit jeder einzelnen Impfung überzeugt. Alternativmedizinisch orientierte Hausärzte machen nur einen kleinen Teil der Hausärzteschaft aus, sie impfen jedoch weniger und sind impfskeptischer.

In dem Vortrag werden Daten aus einer aktuellen Befragung von Hausärzten vorgestellt. Neben Einstellungen zum Impfen geht der Vortrag auch auf strukturelle Barrieren bei der Durchführung von Impfungen ein. Außerdem werden theoretische Grundlagen zur Impfakzeptanz vorgestellt.

WolfgangAust

Wolfgang Aust ist Maschinenbauingenieur und seit rund 20 Jahren Freimaurer. Vor etwa 10 Jahren ist er im Rahmen einer Internetrecherche auf Verschwörungstheorien über die Freimaurerei aufmerksam geworden. Seit dieser Zeit schreibt er aktiv in einem Internetforum, wobei seine Themenschwerpunkte Freimaurerei, sowie alle technik/physik-basierten Themen wie z.B. Chemtrails, Mondlandungslüge, Nibiru usw sind.

Freimaurerei – Aus dem Nähkästchen eines Verschwörers

Die meisten Verschwörungstheorien richten sich normalerweise gegen irgendwelche namenlosen, nebulösen Eliten. Nicht so bei der Freimaurerei. Hier sind es reale Personen, denen die persönliche Verstrickung in angebliche Machenschaften vorgeworfen wird, die so sinister wie absurd sind. Ungewöhnlich ist dabei nicht nur diese persönliche Erfahrung, sondern auch, dass sich der einzelne Freimaurer im Gegensatz zur namenlos-nebulösen Elite hierzu äußern und dabei ins Gespräch mit den Verschwörungstheoretikern kommen kann.

Der Vortrag wird in Punkt 1 eine knapp gehaltene Vorstellung der Freimaurerei und in Punkt 2. eine Auswahl der bekanntesten gängigen Verschwörungstheorien enthalten.

Viele Erfahrungen in der Diskussion mit den Verfechtern der Freimaurer-Verschwörungstheorien sind nahezu allgemeingültig. In den Diskussionen stellt sich heraus, dass nicht nur die Argumente, sondern die Verschwörungstheorien selbst themenunabhängig auf den immer wiederkehrenden Stereotypen basieren. Ob es sich nun um Freimaurer oder Chemtrails oder anderes handelt: Man führt bei Verschwörungstheorien eigentlich immer die gleiche Diskussion.

Im Vortrag wird in Punkt 3 und 4 versucht, die Stereotype der Diskussion und einer Verschwörungstheorie herauszupräparieren, und hieraus in Punkt 5. einige Empfehlungen für die Diskussionen mit Verschwörungsgläubigen abzuleiten. Insgesamt ergibt sich also folgende Gliederung des Vortrags:

1. 300 Jahre warten auf die NWO: Die Freimaurerei
2. Baphomet lässt grüßen: Klassiker der Verschwörungstheorien
3. Ad Hominem, ad verecundiam, ad youtubeiam: Diskussionen mit Verschwörungstheoretikern
4. Das gleiche Gebräu in allen Schläuchen
5. Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Tipps für Diskutanten

Sollten Sie mal gehört haben, dass Freimaurer immer nur langweilig und knochentrocken sind: Auch das ist nur eine Verschwörungstheorie!

 

Stefanie Handl

Stefanie Handl ist Tierärztin aus Wien, Fachgebiet Ernährung & Diätetik. Als Mitglied der „Gesellschaft für kritisches Denken“ engagiert sie sich in der Aufklärung über Ernährungsmythen und Alternativmedizin, nicht nur – aber besonders – in der Veterinärmedizin.

Die “Futterverschwörung” – Trends in der Ernährung von Hunden und Katzen

„Gesunde Ernährung“ ist ein Modethema, das auch vor unseren Haustieren nicht haltmacht. Während auf der einen Seite das Angebot an Futter im Zoohandel ins Absurde wächst, entwickeln sich auf der anderen Seite Trends von der „naturnahen Rohfütterung“ bis zur Frage, ob man Hunde und Katzen nicht vegan ernähren könnte. Irrlehren und Modeerscheinungen der Humanernährung von „glutenfrei“ bis „detox“ werden auf Haustiere übertragen und mit religiösem Eifer verteidigt.

Dieser Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle Trends und Irrungen in der Fütterung von Hunden und Katzen und beleuchtet den wissenschaftlichen Hintergrund sowie mögliche Gefahren.

norbert aust

Dr.-Ing. Norbert Aust studierte Allgemeinen Maschinenbau an der TU Darmstadt und promovierte über ein Thema aus dem Bereich Thermischer Turbomaschinen. Beruflich tätig war er in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Qualitätsmanagement bei führenden Herstellern von Vakuumpumpen und Kompressoren. Seit Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben beschäftigt er sich intensiv mit den Grundlagen der Homöopathie und den Nachweisen zur Wirksamkeit.

Mögliche Rolle der Kernenergie in der deutschen Energiewende (2025)

Die Kernenergie sei viel zu teuer und käme ohnehin zu spät, um für die deutsche Energiewende einen wirksamen Beitrag zu leisten, wonach bis 2045 in Deutschland eine klimaneutrale Energieversorgung aufgebaut werden soll. Unter dieser Voraussetzung ist es natürlich wenig sinnvoll, sich mit den ohne Zweifel bestehenden Problemen bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle oder auch mit einem wahrgenommenen erhöhten Risiko eines katastrophalen Störfalles auseinanderzusetzen: Wenn kein Nutzen erkennbar ist, dann wäre es natürlich unverantwortlich, selbst das kleinste Risiko einzugehen oder auch ein Entsorgungsproblem zu generieren.

Aber stimmt die Voraussetzung? Ist die Kernkraft wirklich zu teuer und kann sie wirklich aus Zeitgründen keinen Beitrag liefern?

Es gibt eine ganze Reihe von Studien, in denen Szenarien für eine klimaneutrale Energieversorgung entwickelt und optimiert werden, um die Möglichkeiten einer rein auf erneuerbaren Energiequellen aufgebauten Energieversorgung zu untersuchen. Sie alle kommen zu dem Schluss, dass dies möglich sei. Allerdings gelingt dies nur, indem wesentliche Probleme ausgeklammert werden, etwa die Finanzierung des gigantischen Aufwandes für die Infrastruktur oder der Zeitbedarf, diese Anlagen zu errichten. Es muss daher bezweifelt werden, dass die Energiewende in der bisher vorgesehenen Konzeption bis 2045 – oder innerhalb nur weniger Jahren danach – erreicht werden kann. Da in keiner dieser Studien die Kernenergie in die Betrachtungen einbezogen wird – der Atomausstieg ist schließlich eine gesetzliche Vorgabe – ist weder deren Kostennachteil belegt noch der zu große Umsetzungszeitraum.

Dies war Anlass, eine wissenschaftliche Studie in Auftrag zu geben, in der erstmals das Szenario einer allein auf regenerativen Energiequellen beruhenden Energieversorgung einem Vergleich zu einem unter Anwendung der Kernenergie optimierten System unterzogen wird. Die Ergebnisse werden spätestens im Januar 2025 veröffentlicht werden. In diesem Vortrag sollen die Ansätze, die Methodik und die Ergebnisse dieser Studie vorgestellt werden.

Soweit erste Ergebnisse bereits vorliegen, ist erkennbar, dass mit dem Einsatz der Kernenergie ganz erhebliche Kostenvorteile verbunden wären. Terminlich zeichnet sich ab, dass zwar das Zeil der Treibhausgasneutralität auch mit der Kernenergie nicht erreichbar sein dürfte, sie aber eine erhebliche Abkürzung auf dem Weg dahin ermöglichen könnte.

Betrachtungen zu einem systematischen Review aus dem Bereich „Fat Studies“ (2024)

In unserer Gesellschaft haben übergewichtige Menschen ein Problem: „Sie werden diffamiert und erhalten eine schlechtere medizinische Versorgung.“ Diese Aussage eines Skeptikerkollegen fand ich erstaunlich: Ich zähle mich durchaus zu den Betroffenen, habe aber in dieser Richtung keine nennenswerten Erfahrungen gemacht.

Als Beleg für die Aussage wurde ein systematisches Review genannt, in dem 21 Einzelstudien aus dem Bereich der „Fat Studies“ zusammenfassend ausgewertet wurden. Anhand dieses Reviews und der eingeflossenen Einzelstudien soll exemplarisch der Unterschied zu Arbeiten aus der Versorgungsforschung aufgezeigt werden, die den gleichen Problemkreis untersuchen. Aus den unterschiedlichen methodischen Ansätzen ergeben sich wesentliche Unterschiede in der Aussagekraft, wenn anhand der Ergebnisse über gesellschaftlich relevante Probleme diskutiert wird und über eventuell notwendig erscheinende Verbesserungsmaßnahmen entschieden werden soll.

Für Skeptiker ist es selbstverständlich, Aussagen auch belegen zu können, am besten natürlich mit Ergebnissen wissenschaftlicher Studien. Dabei ist es wichtig, zu bewerten, wie die Studienergebnisse zustande gekommen sind, um die Aussagekraft der Ergebnisse abzuschätzen. Die Auswahl der Probanden, die Kontrolle von Störgrößen oder auch die Auswertung der erhobenen Daten haben einen sehr großen Einfluss darauf, welche Aussage die Studie belegen kann. Dabei soll nichts dazu ausgesagt werden, ob der Befund für die untersuchte Arbeit auf andere Studien aus dem Bereich Critical Studies übertragbar ist. Vielmehr soll die Vorgehensweise beispielhaft aufgezeigt und darauf hingewiesen werden, dass das kritische Denken auch dann sinnvoll ist, wenn Studienergebnisse die eigene Sichtweise stützen.

Weil es nicht so ist, wie es nicht sein kann: Manipulation in der Homöopathieforschung? (2020)

Im Oktober 2020 wurde in einem angesehenen Journal eine Studie zur Homöopathie veröffentlicht, die den Standpunkt der Skeptiker zu widerlegen scheint: Bei qualitativ hochwertiger Methodik wurden hervorragende Ergebnisse erzielt, die auf eine weit über Placebo hinausgehende Wirksamkeit der verabreichten Mittel hindeuten. In einer vierköpfigen Arbeitsgruppe haben wir diese Arbeit gründlich unter die Lupe genommen. Dabei fanden wir starke Indizien dafür, dass diese Ergebnisse nicht das Resultat einer wissenschaftlich soliden Forschungsarbeit sind.

Die Energiewende – ein Thema auch für Skeptiker (2019)

Der Schutz unseres Klimas durch Reduzierung oder gar Vermeidung von CO2-Emissionen ist ein Thema, bei dem auch die Skeptiker aktiv werden können. Die Weichenstellungen werden auf jeden Fall in der näheren und weiteren Zukunft auf ökologischem wie ökonomischem Gebiet weitreichende Folgen haben. Die Diskussion darüber ist aber von hoher Irrationalität und mangelndem Faktenwissen geprägt. Auf jeden Fall werden sich unsere Einstellungen, vielleicht auch unsere Lebensgewohnheiten, entschieden ändern müssen – wir haben lediglich die Wahl, uns für die am wenigsten unangenehme Option zu entscheiden. Umso wichtiger ist es, die Handlungsalternativen unvoreingenommen und rational zu betrachten und zu bewerten. Dies ist in der gegenwärtigen Diskussion allerdings nicht erkennbar.

In diesem Vortrag soll aufgezeigt werden, warum wir alleine mit erneuerbaren Energien keine sichere Stromversorgung erreichen können (Beispiel: mangelnde Produktion aus Windanlagen und Photovoltaik in einem Zeitraum von vier aufeinander folgenden Tagen im November und Dezember 2017), und dass dieses Wissen in der Bevölkerung und anscheinend auch bei dem einen oder anderen Entscheidungsträger nicht vorhanden zu sein scheint. Die zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten werden dargestellt und deren Vor- und Nachteile grob skizziert. Der Schwerpunkt liegt auf der großtechnischen Realisierbarkeit, insbesondere den Möglichkeiten der Speicherung und der Beseitigung von CO2. In diesem Kontext erscheint es wenig zweckmäßig, auf die derzeit einzige großtechnisch verfügbare CO2-freie Technologie der Stromerzeugung zu verzichten, deren Leistung wir weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen dem Bedarf anpassen können.

An einem konkreten Beispiel (Ausfall des KKW Krümmel im Jahr 2009, Tschernobyl) soll zum Schluss verdeutlicht werden, welche irrationalen Ängste und auch Fehlinterpretationen des Geschehens die Vorbehalte schüren.

Es geht mir nicht darum, für oder gegen eine Technologie Stellung zu nehmen. Dazu sind die Zusammenhänge viel zu komplex, um als Einzelner oder als kleine Gruppe den bestmöglichen Lösungsansatz zu finden, da hier technologische, ökologische und ökonomische Belange gegeneinander abzuwägen sind. Die Skeptiker könnten sich allerdings dafür einsetzen, dass dies aufgrund bekannter Fakten in der Öffentlichkeit rational diskutiert wird.

Begleitinformationen zum Vortrag von Norbert Aust Skepkon 2019

 

Freie Energie und Nullpunktsenergiemaschinen (2016)

Gibt es Energiequellen, die jedem quasi grenzenlos zur Verfügung stehen, praktisch nichts kosten und außerdem keinerlei Belastung für die Umwelt ergeben? Existieren Lösungen für eines der dringendsten Probleme der Welt, die aber von bestimmten Interessengruppen unterdrückt werden? Im Internet werden zahlreiche Maschinen und Apparate gezeigt, die angeblich mehr Energie abgeben, als sie aufnehmen. Es handelt sich aber dabei keineswegs um Perpetua Mobilia, denn schließlich zapfen sie in irgendeiner Form ein unendliches Energiefeld an – sagen zumindest die Erfinder. In diesem Vortrag werden einige solcher Konzepte näher beleuchtet.

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PD Dr. Nikil Mukerji ist Philosoph und Autor. Er lehrt Philosophie an der LMU München. Seit 2016 ist er Mitglied der GWUP und seit 2019 Vorsitzender des Wissenschaftsrats und Vorstandsmitglied. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a. Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands sowie Covid-19: Was in der Krise zählt (mit Adriano Mannino).

Wissenschaftskommunikation 2.0 – eine neue Vision für die GWUP (2023)

Die GWUP hat es in 35 Jahren weit gebracht: Mehr als 2.200 Vereinsmitglieder, eine beachtenswerte Bekanntheit in Medien und Gesellschaft sowie viele erfolgreiche Aktionen gegen esoterischen Humbug und Pseudowissenschaft. Und doch endet der Kampf gegen die Irrationalität nicht. Es wird sie vermutlich immer geben, wenn auch in stetig wechselnder Form. Als Skeptiker müssen wir uns darauf vorbereiten, dass alte, bereits tot geglaubte Glaubenssysteme eine Renaissance erleben und neue Varianten entstehen. Zudem wandeln sich die gesellschaftlichen Bedingungen und die Kommunikation wird immer digitaler und schneller. Wie sollten wir als Skeptiker darauf reagieren? Und wie sollten wir unsere Arbeitsweise anpassen, um unter diesen Umständen unsere gesellschaftliche Relevanz auch in Zukunft zu wahren? Ich werde versuchen, diese Fragen mit der Vision einer Wissenschaftskommunikation zu beantworten, die bewährte Formen skeptischen Engagements durch neue Formen ergänzt, um die GWUP auf diese Weise inklusiver, partizipativer und digitaler zu machen.

Die Ethik des Klimawandels – ein skeptischer Blick (2020)

Die Wissenschaft des Klimawandels ist extrem kompliziert. Deswegen würde kaum ein Laie ernsthaft behaupten, sie verstehen zu können. Dennoch kann sich jeder sicher sein, dass der menschengemachte Klimawandel real ist. Schließlich gibt es einen überwältigenden Konsens in der Expertengemeinschaft. Mit den ethischen Fragen, die der Klimawandel aufwirft, verhält es sich interessanterweise genau umgekehrt. Hier sind sich die Experten in wesentlichen Teilen uneins. Viele Laien glauben jedoch zu wissen, welche moralischen Schlussfolgerungen man aus den wissenschaftlichen Tatsachen ziehen sollte. Diese Konstellation lässt vermuten, dass die Ethik des Klimawandels anfällig für Denkfehler und Pseudoargumente ist, für die sich Skeptiker interessieren sollten. Im Vortrag sollen einige davon thematisiert und mögliche Schlussfolgerungen für die Ethik des Klimawandels skizziert werden.

Gemeinsam mit Martin Moder:
Jordan Peterson – Wichtiger Denker oder gefährlicher Pseudointellektueller? (2019)

Durch seine radikalen Thesen wurde der umstrittene Psychologie-Professor Jordan Peterson vor zwei Jahren über Nacht zum Internet-Phänomen. Seine YouTube-Videos generieren Millionen von Klicks, sein Buch „12 Rules for Life“ wurde zum Megabestseller. Der Spectator nennt ihn „einen der wichtigsten Denker auf der Weltbühne seit Jahren“. Viele sehen in Peterson eine ermächtigende Vaterfigur, andere einen pseudointellektuellen Vordenker der Alt-Right Bewegung.

In unserem Vortrag werden wir das Phänomen Jordan Peterson kritisch durchleuchten und seine Denkweise prüfen. Dabei werden wir die für Skeptiker interessantesten Themenkomplexe diskutieren, etwa:

1) Pseudowissenschaft à la Peterson – was ist dran an seinen Lebensratschlägen?
2) „12 Rules for Life“ – eine Einstiegsdroge in die Alt-Right-Bewegung?
3) Atheismus – auch nur eine Form der Religion?
4) „Enforced Monogamy“ – Zwangsverheiratung von Frauen zur Vorbeugung männlicher Gewalt?

Unsere Einschätzung: Der Fall Peterson ist für Skeptiker interessant und lehrreich, weil er die Komplexität und Vielschichtigkeit unserer Lebenswirklichkeit illustriert. So gibt es einerseits berechtigte Kritikpunkte an bestimmten Sichtweisen Petersons. Andererseits zeigt die Diskussion über seine Person, dass ideologisch motivierte Fehlinformationen („Fake News“) die öffentliche Sicht auf einen Menschen und seine Thesen stark verzerren können.

Was tun gegen Fake News? (2018)

Als Skeptiker sind wir an vielen Fronten aktiv. Wir bekämpfen alle möglichen Arten von Unfug. Darunter fallen vor allem Esoterik und Verschwörungstheorien sowie Pseudo- und Parawissenschaften. Infolge des enormen Bedeutungszuwachses der sozialen Medien ist ein neues Betätigungsfeld hinzugekommen: die Bekämpfung von „Fake News“. In Zeiten des Web 2.0 ist es für Skeptiker wichtig, das Phänomen der Fake News ebenfalls zu verstehen und zu diskutieren, wie man mit ihm umgehen kann. Zu dieser Debatte möchte ich mit meinem Vortrag einen Beitrag leisten, indem ich drei Fragen diskutiere.

1. In einem ersten Schritt möchte ich fragen, was Fake News eigentlich sind und was nicht. Dabei werde ich sie von ähnlichen Phänomenen abgrenzen, mit denen man sie leicht verwechseln kann (z.B. schlichte Falschmeldungen und Lügen). Ich werde dafür plädieren, sie als eine Form von „Bullshit“ zu verstehen. (Dabei handelt es sich um einen Terminus Technicus, der durch den amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt geprägt wurde. Siehe hierzu: H. Frankfurt, On Bullshit, 2005).

2. Nach der Begriffsklärung werde ich in einem zweiten Schritt fragen, warum man Fake News eigentlich problematisch finden sollte. Hierbei wird es mir darum gehen, die ethischen Gesichtspunkte aufzuarbeiten, die eine Rolle in der Bewertung spielen. Dazu zählen vor allem individuelle und kollektive Fehlentscheidungen, ein möglicher Vertrauensverlust in die Medien, individuelle Rufschädigungen, die Gefahr der Antagonisierung von Bevölkerungsgruppen sowie ein potentieller Schaden für unser demokratisches System.

3. Im dritten und letzten Schritt werde ich fragen, welche Lösungswege sich anbieten. Ich werde einige davon skizzieren, die den verschiedenen involvierten Parteien zur Verfügung stehen. Das sind insbesondere Gesetzgeber/Regierung/Rechtssystem, Social-Media-Unternehmen, NGOs (etwa GWUP, Mimikama, Correctiv, etc.), Suchmaschinen-Anbieter und Nutzer. Gleichzeitig werde ich auf die ethischen Probleme eingehen, die die einzelnen Strategien aufwerfen. Diese stellen sich vor allem hinsichtlich des individuellen Rechts auf Meinungsäußerungsfreiheit und des Problems der Zensur.

Wie erkennt man Pseudowissenschaften? An ihren Argumenten! (2017)

Die moderne Medizin ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig die Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft ist. Wer wissenschaftlich erforschte Arzneimittel verwendet, der maximiert seine Chance auf Heilung. Wer sich dagegen auf pseudowissenschaftliche Medizin verlässt, der verschenkt diese Chance oder schadet sich sogar. Die Frage, wie man Pseudowissenschaften erkennt, ist also nicht nur von wissenschaftsphilosophischem Interesse. Sie ist eine enorm wichtige, lebenspraktische Frage. Die Debatte der vergangenen Jahrzehnte zeigt allerdings, wie schwer es ist, sie präzise, grundlegend und philosophisch haltbar zu beantworten. Heute ist weitgehend anerkannt, dass es eine Vielzahl von Vergleichsdimensionen gibt, die für die Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft eine Rolle spielen. Martin Mahner nennt die folgenden: „statements, problems, methods, theories, practices, historical sequences of theories and/or practices (i.e., research programs in the sense of Lakatos), and fields of knowledge.“ Interessanterweise ist in dieser (ansonsten sehr hilfreichen) Liste ein Aspekt nicht explizit genannt: die Art und Weise, wie in den Pseudowissenschaften argumentiert wird. Meines Erachtens eignet sich dieser Aspekt besonders gut für die Unterscheidung zwischen Wissenschaften und Pseudowissenschaften. Denn Pseudowissenschaften verstoßen i. d. R. eklatant gegen fundamentale Grundsätze, die jeder vernünftige Mensch beim Argumentieren beachten sollte. In meinem Vortrag möchte ich diese Grundsätze (in einer für Laien verständlichen Form) vorstellen und anhand von Beispielen zeigen, wie sie uns helfen können, Pseudowissenschaften zu erkennen.