Konstantin Linder, M. Sc.

  • Master „Medizinische Ernährungswissenschaften“, Lübeck
  • Ernährungsberater und Fitnesstrainer, Adendorf
  • Wissenschaftliche Hilfskraft „Institut für Entzündungsmedizin“ UKSH
  • Bachelor „Ökotrophologie“, Kiel
  • Youtube Kanal „Gesundheit und Wissenschaft”

Essen – Zwischen Wissenschaft und Glauben

Um ernährungsbezogene Gesundheitsaussagen einordnen zu können muss bekannt sein, wie dieses Wissen produziert wird, wo die Grenzen der Methoden liegen, was wir bisher denken zu wissen und wie sicher sind wir und dessen sind.

Dazu werden in Grundzügen die Methoden der jungen Disziplin der Ernährungswissenschaften dargestellt und von anderen Bereichen, wie der Medizin, abgegrenzt. Darauf aufbauend werden die allgemein anerkannten Vorstellungen zu einer bedarfsgerechten Ernährung präsentiert und die Frage beantwortet: Gibt es gesundes/ungesundes Essen? Auf Basis dieser Grundlage werden wir Beispiele weitverbreiteter Ernährungsmythen einordnen und in ihrer Glaubwürdigkeit bewerten. (Exemplarisch und unter Änderungsvorbehalt: Ernährung und Mikrobiom, Gefährliche Zusatzstoffe, toxische Kontaminanten, Ernährung als Medizin, … )

Der Vortrag soll vor Allem befähigen, Ernährungsaussagen in Medien kritisch hinterfragen zu können und gegebenenfalls die eigenen Vorstellungen von „gesunder Ernährung“ zu aktualisieren.

Dr. biol. hum. Robert Mestel

Dr. biol. hum. Robert Mestel, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor Verhaltenstherapie, Abt. leiter Forschung/Qualitätssicherung VAMED Rehaklinik Bad Grönenbach. Arbeitsschwerpunkte: Angst- und Zwangsstörungen, Psychodiagnostik, Bindungstheorie, Qualitätssicherung, Psychotherapieforschung, Evaluation.

  • Studium der Psychologie in Konstanz, Abschluss Diplom 1992 (Thema Borderline Persönlichkeitsstörung)
  • Promotion zum Dr. biol. hum. an der Universität Ulm 2001 (Spezifität und Stabilität von Bindungsmustern)
  • Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten: 1999 (Verhaltenstherapie)
  • Psychotherapie-Ausbilder seit 1996; Supervisor, Lehrtherapeut und Selbsterfahrungsleiter Verhaltenstherapie seit 2011 an 8 Instituten
  • Universitäts-Dozent für Masterstudium Psychologie (Universität Salzburg) seit 2019
  • Leiter Abt. Forschung & Qualitätssicherung an der VAMED Reha-Klinik Bad Grönenbach seit 1992
  • über 100 Fachpublikationen
  • Psychotherapeutischer Schwerpunkt: Angst- und Zwangsstörungen,
  • Arbeitsschwerpunkte: ICD-10 Psychodiagnostik, Bindungstheorie, Interpersonelle Theorie, psychologische Testverfahren, Verhaltenstherapie, Lerntheorie, Placeboforschung, Homosexualität, Psychotherapieforschung, Persönlichkeitsstörungen, Qualitätssicherung

Therapiemythen: Fakten und Fiktionen in der psychotherapeutischen Praxis (2025)

Abstract: Dieser Vortrag beleuchtet nach eine kurzen Vorstellung empirisch fundierter Wirkfaktoren der Psychotherapie verbreitete Mythen in der Psychotherapie und stellt ihnen wissenschaftlich fundierte Fakten gegenüber. Viele Missverständnisse und falsche Annahmen über psychische Störungen und deren psychotherapeutische Behandlung können die Erwartungen und das Vertrauen von Patienten beeinflussen.

Der Vortrag untersucht gängige Mythen wie die Annahme, dass alle Therapeuten oder alle Psychotherapieformen gleich gut sind, dass die gute Beziehung von Therapeut und Patientin ausreichend für den Therapieerfolg ist, dass Empathie der Therapeutin immer gut ist, dass erfahrene Therapeuten bessere Ergebnisse als Anfänger erzielen, dass mehr Sitzungen zu viel besseren Ergebnissen führen, dass “tiefere” tiefenpsychologische Therapien zu besseren anhaltenderen Therapierfolgen führen, dass Psychotherapie viel besser wie Zuckerpillen wirkt, dass es unabdingbar ist, bestimmte einzelne Techniken zu verwenden oder dass man bei allen psychischen Störungen gleich viel erreichen kann.

Nach einer kurzen Übersicht über Psychotherapien mit überdurchschnittlich hohen Quoten an Schädigungen und unerwünschten Nebenwirkungen wird angestrebt, eine fundierte, realistische und Hoffnung vermittelnde Sicht auf Psychotherapie zu vermitteln.

Fragestellungen:

  1. Welche verbreiteten Mythen existieren in der Psychotherapie?
  2. Welche Folgen ergeben sich aus der Klarstellung dieser Mythen für Patienten und Psychotherapeuten?

 

Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung – zwischen Evidenz und zweifelhaften Techniken (2020)

Mehr als die Hälfte der Menschen im westlichen Kulturkreis haben mindestens ein Trauma gemäß der offiziellen Definition erfahren. Etwa 2% der Deutschen entwickeln irgendwann im Leben eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Nach einer kurzen Skizzierung der empirischen Wirksamkeit für verschiedene Behandlungsoptionen (medikamentös, Breitband-Psychotherapie, spezifische Psychotherapien) wird auf vermutete Wirkfaktoren bei der Traumabehandlung eingegangen. Auf dem Anbietermarkt tummeln sich neben wissenschaftlich gesicherten und bewährten Verfahren auch sehr viele, die noch nie untersucht wurden, aber als wirkungsvoll auf dem Markt angepriesen werden (z. B. “Brainspotting” oder “Somatic Experiencing”). Besonders schwer fällt die Einordnung bei der umstrittenen Methode “Eye Movement Desensitization Reprocessing (EMDR)”, deren Wirksamkeit zwar belegt ist, der Wirkmechanismus jedoch völlig unklar bleibt. So zeigten ein Dutzend Entmantelungsstudien, dass es keinen Unterschied machte, ob der Patient wie im Manual angegeben dem Finger des Therapeuten mittels Augenbewegungen folgt oder nur auf eine ruhende Kerze oder Hand schaut. Es stellt sich auch die Frage, wie die Wirkung von Traumatherapien bei blinden Patienten zu verstehen ist, bei denen keine Augenbewegungen möglich sind. Ein heftiger Streit umtobt “Meridian Energie Techniken” (MET) bzw. Klopftechniken, bei denen traumatisierte Patienten Meridianbahnen der Akupunktur abzuklopfen haben. Zwar zeigen sich in kontrollierten Studien Effekte, jedoch wurde fast ausschließlich in esoterischen Verbandszeitschriften publiziert mit kleinen Fallzahlen bei analogen Populationen (keine wirklich klinisch relevanten Fälle) und es liegen keine Entmantelungsarbeiten vor. Zuletzt wird auf das Problem der mangelhaften Verbreitung wirksamer Verfahren in der Therapeutenpraxis eingegangen und auf mögliche Gründe dafür.

Michael Scholz

Michael Scholz ist Bibliothekar und betreibt seit 2015 den Blog “Onkel Michaels kleine Welt”, in dem er sich mit Aufklärung zu sogenannter “Alternativmedizin”, Verschwörungstheorien, angeblichen Geheimgesellschaften, Antisemitismus und anderen Schwurbel aller Art beschäftigt.

NS-Pseudomedizin und ihre langfristigen Folgen

– gemeinsamer Beitrag mit Edzard Ernst

Im Dritten Reich wurde die sogenannte Alternativmedizin von Heinrich Himmler, Rudolf Hess und anderen Nazi-Größen nach besten Kräften gefördert. Dies lässt sich in vielfacher aufzeigen, z. B.: Heilpraktiker, Neue Deutsche Heilkunde, Rudolf Hess Krankenhaus, Menschenversuche mit sogenannter Alternativmedizin in Konzentrationslagern. Die meisten der führenden Vertreter der NS-Pseudomedizin überlebten das Dritte Reich relativ unbeschadet und beeinflussten sodann die sogenannte Alternativmedizin in Deutschland maßgeblich. Anhand von einigen ausgewählten Beispielen kann dieser Einfluss klar dargestellt werden. Er wirft Fragen auf, die Ideologie, Ethik und Pseudowissenschaft betreffen

Dipl.-Ing. Amardeo Sarma, Foto: Evelin Frerk

Amardeo Sarma ist Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und war über 35 Jahre in der industriellen Forschung in den Bereichen Kommunikation und IT-Sicherheit tätig. Derzeit ist er Geschäftsführer der Scientific Temper gUG (haftungsbeschränkt). Sarma ist Mitbegründer der GWUP e. V. und des europäischen Dachverbandes für europäische Organisationen der Skeptikerbewegung ECSO (European Council of Skeptical Organisations), Vorstandsmitglied von WePlanet international und WePlanet DACH e. V. (vormals Ökomoderne e. V.), Fellow und Mitglied des Executive Council des US-amerikanischen Committee for Skeptical Inquiry CSI, vormals CSICOP, sowie CSI-Repräsentant in Europa. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit ist seit über 40 Jahren die Auseinandersetzung mit Pseudowissenschaften ein wesentlicher Schwerpunkt. Seit zehn Jahren schreibt und hält er Vorträge zu den Themen Wohlstand, Umwelt und Klima. Er ist außerdem Ehrenpräsident von Trust in Digital Life VZW und Vorstandsmitglied des SDL Forum e. V.

Weltbevölkerung: Kollaps, Wohlstand oder Überalterung? (2025)

Noch heute gibt es Warnungen vor einer „Bevölkerungsbombe“, die uns alle zugrunde richtet. Sind wir zu viele oder werden wir zu viele? Paul R. Ehrlich sagte Desaster noch im 20. Jahrhundert voraus. Viele halten das noch für das größte Menschheitsproblem. Stimmt es? Oder tragen gar Menschen zu mehr Wohlstand bei? Oder gibt es das umgekehrte Problem der Überalterung inklusive der Länder Asiens? Der Vortrag gibt einen Einblick in die Komplexität dieser Frage, für die es keine einfachen Antworten gibt. Der Vortrag geht auf die gegenseitigen Abhängigkeiten von Bevölkerungszahlen, Technologieentwicklung, Bildung, Wohlstand, Altersentwicklungen und Umweltbelastungen ein und wie diese dann unsere Zukunft beeinflussen.

 

 

Wider Verharmlosung und Alarmismus: ein rationaler Blick auf die Klimadebatte (2023)

Die Datenlage ist klar: Die Erdatmosphäre erwärmt sich, und die Hauptursache ist anthropogener Natur, d.h. durch Kohlendioxid- und Methanemissionen menschlichen Wirtschaftens bedingt. Doch ist diese Erwärmung eher harmlos oder existenziell bedrohlich? Lassen wir Klimawandelleugner außen vor, gibt es unter denen, die die Sachlage anerkennen, Übertreibungen in beide Richtungen: die einen spielen herunter, die anderen ergehen sich in apokalyptischem Alarmismus. Der Vortrag macht eine sachliche Bestandsaufnahme auf Grundlage der Berichte des Weltklimarates IPCC und des aktuellen Standes der Klimaforschung.

 

Klima, Gentechnik und Nachhaltigkeit: Mit wissenschaftlichem Skeptizismus gegen Wunschdenken und Faktenleugnung (2018)

Im Kontext der Nachhaltigkeit zur Erhaltung der Lebensgrundlagen für bald 10 – 15 Milliarden Menschen betrachtet der Vortrag die Problematik des Klimawandels und der Ernährungssicherheit. Zunächst wird der Stand der Wissenschaft zu diesen Themen in Kurzform behandelt. Anschließend wird in diesen Bereichen gezeigt, dass viele Fakten nicht wahrgenommen werden. Diese betreffen die Bevölkerungsentwicklung und die Entwicklung der Emissionen und der modernen Landwirtschaft. Das Verdrängen oder Ignorieren von Tatsachen hängt oft damit zusammen, dass bei vielen Beteiligten und Entscheidungsträgern eine tatsächliche oder vermeintliche Diskrepanz besteht zwischen ihren Werten und Grundüberzeugungen und den wissenschaftlichen Fakten. Anhand dieser schwierigen Lage werden die Herausforderungen für die Skeptikerbewegung skizziert.

Ali Hackalife ist Informatiker und beschäftigt sich intensiv mit digitalen Sicherheitsfragen. In seinem Podcast “Auch-interessant!” spricht er regelmäßig über Betrugsmaschen und aktuelle Cybergefahren. Auf der SkepKon 2025 gibt er spannende Einblicke in die raffinierten Techniken, mit denen Betrüger ihre Opfer täuschen – und zeigt, wie man sich effektiv dagegen schützen kann.

Hack me if you can, Betrug entdecken und verstehen.

Die Welt wird immer digitaler – und Betrüger passen sich an. Angriffe per QR-Code, Phishing-Mails, manipulierte Umleitungen und gefälschte Drohschreiben sind längst Alltag. Selbst große Unternehmen mit umfassenden Sicherheitsschulungen werden Opfer solcher Tricks. Doch wie geschickt sind diese Angriffe wirklich, und wer trägt die Verantwortung?

Ali Hackalife zeigt auf der SkepKon einige der bemerkenswertesten Betrugsmaschen des Jahres 2024. Er erläutert, mit welchen perfiden Methoden Betrüger Menschen und Systeme austricksen – von gefälschten Briefen, Stickern und Uniformen bis hin zu manipulierten Schlüsselkarten und Netzwerken. Zudem beantwortet er praxisnahe Fragen: Schützt es wirklich, die Webcam abzukleben? Und an wen wendet man sich, wenn man eine Sicherheitslücke entdeckt?

Ein Vortrag für alle, die digitale Gefahren verstehen und sich besser schützen wollen.

Dr. Dr. Sebastian Schnelle

Dr. Dr. Sebastian Schnelle hat zu extremistischen Ideologien, insbesondere religiösem Fundamentalismus und Rechtsextremismus, promoviert. Überlegungen zu reaktionären esoterischen Reaktionen finden sich in seiner Dissertationsschrift „Im Namen Allahs?“ und in „On the Translation of Political Theology into Secular Language“ in Crossroads: An Interdisciplinary Journal for the Study of History, Philosophy, Religion and Classics, Vol. 6, (1): 26 – 30 (2012)

Neoreaktion und beeinflusste Medien (2025)

Die Neoreaktion (NRx) hat in den letzten Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen und sich als subversive intellektuelle Strömung im digitalen Zeitalter etabliert. Diese Bewegung, die sich gegen die Prinzipien der liberalen Demokratie stellt und technokratische sowie autoritäre Regierungsmodelle bevorzugt, hat eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, Medienlandschaften zu beeinflussen. Dieser Vortrag untersucht die ideologische Basis dieser Bewegung, ebenso wie die Mechanismen, mit denen neoreaktionäre Ideen in den Mainstream einsickern und welche Rolle soziale Medien dabei spielen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Verbindung von Curtis Yarvin, einem der Vordenker der Neoreaktion, seinen angeblichen Förderer Peter Thiel und den Thiel Freund und Besitzer von X / Twitter Elon Musk gerichtet werden.

Podiumsdiskussion mit Judith Fässler. (2024)

Abstract HIER.

Dr. med. Janos Hegedüs

Dr. Janos Hegedüs, geboren 1986, Pronomen “Big Cheese”, ist ein deutscher Arzt mit ungarischer Abstammung. Nach seinem Medizinstudium an der Semmelweis Universität in Budapest und fünfjähriger Tätigkeit als Rettungssanitäter zog er 2012 nach Deutschland. Seitdem arbeitet er als Arzt in Sachsen, wo er 2017 Facharzt für Innere Medizin wurde und sich 2022 auf Gastroenterologie spezialisierte. Seit 2020 ist er als Oberarzt tätig.

Neben seiner medizinischen Laufbahn betreibt er seit 2017 einen erfolgreichen YouTube-Kanal, den er gemeinsam mit seiner Frau gestaltet.
Mit über 18.000 Abonnenten, mehr als 300 Videos und 2,5 Millionen Aufrufen betreibt er skeptische Aufklärung und teilt medizinisches Wissen und Erfahrungen aus seinem Berufsalltag.

Die Kunst der Illusion – Pseudomedizin in Heilpraktikerpraxen (2025)

Dieser Beitrag präsentiert die Ergebnisse einer Untersuchung von 100 zufällig ausgewählten Heilpraktikerpraxen im Raum München. Ziel war es, die beruflichen Hintergründe der Heilpraktiker, ihre Ausbildungen sowie die Bandbreite der angebotenen Behandlungsmethoden systematisch zu erfassen und kritisch zu analysieren. Die Datenerhebung erfolgte anhand öffentlich zugänglicher Informationen auf den jeweiligen Webseiten, wobei besonderes Augenmerk auf die Selbstdarstellung, die verwendete Terminologie, angebotene Leistungspakete sowie auf die Vielfalt und den Evidenzstatus der vermittelten Methoden gelegt wurde.

Die Untersuchung zeigt, dass Heilpraktikerpraxen neben etablierten, jedoch nach wie vor umstrittenen Verfahren wie Homöopathie, Osteopathie oder Bachblütentherapie in über 80% der Fälle auch besonders ungewöhnliche Leistungen anbieten. Diese „exotischen“ Methoden werden häufig als Alleinstellungsmerkmal präsentiert, um sich innerhalb der umkämpften Heilpraktikerlandschaft hervorzuheben. Die Spannbreite dieser Angebote reicht von pseudowissenschaftlichen Energie- und Schwingungstherapien über den Einsatz esoterischer Apparaturen zur vermeintlichen Vitalfelddiagnostik bis hin zu mystisch konnotierten Verfahren, die sich auf fernöstliche oder indigene Heilsysteme berufen. Derartige Angebote weisen durchgängig einen Mangel an belastbarer wissenschaftlicher Evidenz auf.

Anhand der Analyse wird deutlich, dass die Beliebtheit dieser hanebüchenen Methoden sowohl marktpsychologisch als auch soziokulturell erklärbar ist. Faktoren wie der Placebo-Effekt, ein wachsendes Bedürfnis nach individuellen, spirituell konnotierten Gesundheitsansätzen, mangelnde wissenschaftliche Grundbildung in breiten Bevölkerungsschichten sowie gezieltes Marketing tragen zu ihrer Verbreitung bei. Hinzu kommt ein fehlendes regulatives Korrektiv, das Heilpraktikern weitgehend ermöglicht, ohne fundierte Nachweise für Wirksamkeit und Sicherheit zu agieren.

Dieser Vortrag veranschaulicht die unterschiedlichen Formen evidenzarmer „Therapieangebote“ im Heilpraktikerwesen und setzt sie in Relation zu medizinisch-wissenschaftlichen Standards. Abschließend werden mögliche Konsequenzen für Patientengesundheit, Gesundheitspolitik und öffentliche Wahrnehmung diskutiert, um ein besseres Verständnis dieses wachsenden Phänomens zu schaffen

Prof. Dr. Sascha Skorupka, Professor für Physik und Technik im Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda
(Foto: René Spanka)

Ganz natürlich und ohne Chemie? – Ein kritischer Blick auf alternative Wasch- und Reinigungsmittel

Alternative Wasch- und Reinigungsmittel werden mit Aussagen wie „ganz natürlich und ohne Chemie“ oder „schont die Umwelt und den Geldbeutel“ beworben. Um die Wirksamkeit alternativer Wasch- und Reinigungsmittel, deren geringe Umweltauswirkungen und die Ungefährlichkeit im Vergleich zu handelsüblichen Produkten beurteilen zu können, wird ausgehend von der Frage was Schmutz ist, der Reinigungsprozess genauer betrachtet.

Schmutz ist Materie am falschen Platz, die Unterscheidung, ob etwas Schmutz ist, ist also keine Frage, die auf chemischer oder physikalischer Grundlage beantwortet werden kann, sondern häufig eine Frage der Ästhetik. Das Wasch- und Reinigungsergebnis ergibt sich aus dem Zusammenspiel der vier Faktoren Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit, die im Sinnerschen Kreis zusammengefasst sind. Die Kernaussage des Sinnerschen Kreises ist, dass bei Veränderung eines Faktors die anderen drei Faktoren so angepasst werden können, dass das gleich Ergebnis erzielt werden kann, z. B. bei ECO-Programmen.

Die wesentliche Aufgabe eines Wasch- und Reinigungsmittels ist, den Schmutz zu lösen und ihn in Lösung zu halten. Wirksame Wasch- und Reinigungsmittel sind daher auch eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit, da sie die Stoffe lösen, für die sie ausgelegt sind, unabhängig, ob sie als Schmutz empfunden werden. Ungefährliche, bzw. sanfte Mittel sind meist weniger effektiv, was längere Einwirkzeiten oder stärkere mechanische Unterstützung erfordert. Natürliche Stoffe wie Essig oder Zitronensäure sind nicht per se umweltfreundlich oder ungefährlich. Zum Beispiel kann Essigsäure bei konzentrierter Nutzung Oberflächen und Gummidichtungen angreifen und zu Hautreizungen und schweren Augenverletzungen führen. Auch „biologische“ Alternativen wie Waschnüsse sind problematisch, da sie oft ineffektiv und somit nicht nachhaltig sind. Besondern kritisch ist der Einsatz von Lebensmitteln als Wasch- oder Reinigungsmittel zu betrachten, da dies zur Lebensmittelverschwendung beiträgt.

Insgesamt wird vor dem unkritischen Einsatz „natürlicher“ Reiniger gewarnt. Konventionelle Wasch- und Reinigungsmittel sind in der Regel sicherer in der Anwendung und bei korrekter Dosierung nachhaltiger.

Jonas Hessenauer

Jonas Hessenauer studierte Sozial- und Rechtswissenschaften an der Universität Erfurt sowie Gesellschaftstheorie an den Universitäten Jena und Haifa (Israel). Während seines Studiums arbeitete er u.a. als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Soziologie und am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Universität Jena. Seine Masterarbeit trägt den Titel „Zum Verhältnis von Esoterik und Antisemitismus: Eine Analyse am Beispiel der Anthroposophie“.

Seit Juni 2023 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Tikvah Institut in Berlin in einem Forschungsprojekt zur Israelberichterstattung in deutschen Print- und Onlinemedien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Esoterik und Kritische Theorie.

Charakteristika des anthroposophischen Antisemitismus

Der Vortrag widmet sich dem Verhältnis von Esoterik und Antisemitismus am Beispiel der Anthroposophie. Als empirische Grundlage dienen anthroposophische Schriften aus drei zeitlichen Phasen: von Rudolf Steiner selbst, aus der anthroposophischen Tradition nach ihm mit Schwerpunkt auf der völkischen Bewegung und dem Nationalsozialismus sowie anthroposophische Zeitschriften aus dem Jahr 2021. Dabei wird deutlich, dass zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ideologien in struktureller, funktionaler und inhaltlicher Hinsicht bestehen. Zudem lässt sich die Reproduktion antisemitischer Mythen und Stereotype in anthroposophischen Publikationen in allen untersuchten Zeiträumen nachweisen.

Dies legt die These des Vortrags nahe, dass Antisemitismus bereits in der anthroposophischen Lehre latent angelegt ist. Dies gilt insbesondere für drei Grundelemente der anthroposophischen Lehre: Steiners Evolutionslehre, den Antimaterialismus und den Karmaglauben. Es wird daher argumentiert, dass die Anthroposophie nicht nur Verschwörungsmythen im Allgemeinen nahesteht, wie die einschlägige Forschung (etwa zu „conspirituality“) nahelegt, sondern auch dem Antisemitismus im Besonderen. Anschließend werden die Spezifika des anthroposophischen Antisemitismus herausgearbeitet. Charakteristisch sind seine ausgeprägte Aversion gegen den Materialismus und seine Begründung. Außerdem fügt er dem klassischen modernen Antisemitismus eine weitere spirituelle (Hierarchie-)Ebene jenseits der materiellen Wirklichkeit hinzu. Mit der karmischen Deutung der Shoah existiert zudem ein antisemitisches Motiv, das direkt auf esoterische Grundannahmen zurückgeht.

Das Paradox der Geschlechtergleichstellung: Warum mehr Gleichstellung nicht immer mehr Ähnlichkeit bedeutet

Geschlechtergleichstellung ist ein Eckpfeiler fortschrittlicher Gesellschaften und löst Debatten in Politik, Wissenschaft und darüber hinaus aus. Während der Kampf um Grundrechte in vielen Teilen der Welt nach wie vor dringend ist, zählen Länder wie Island, Finnland, Norwegen und Deutschland durchweg zu den geschlechtergerechtesten Nationen. Diese Gesellschaften werden oft als Modelle des Fortschritts gefeiert, offenbaren aber auch ein rätselhaftes Phänomen, das unsere Annahmen in Frage stellt.

Die allgemeine Meinung besagt, dass sich mit zunehmender Geschlechtergleichstellung die Berufswahl und die Interessen von Männern und Frauen annähern sollten. In geschlechtergerechten Gesellschaften könnten wir erwarten, dass mehr Frauen Autos reparieren und mehr Männer kleine Kinder erziehen. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. In den geschlechtergerechtesten Ländern gehen die Berufsinteressen von Männern und Frauen stärker auseinander als je zuvor, insbesondere in MINT-Fächern. Dieses kontraintuitive Ergebnis wirft eine provokante Frage auf: Warum führt eine erhöhte Gleichstellung zu größeren Unterschieden?

In diesem Vortrag werde ich das „Gleichstellungsparadoxon der Geschlechter“ (Gender Equality Paradox) untersuchen, ein Phänomen, das ich in meiner Forschung mit Prof. Dr. David Geary entdeckt habe. Unsere Studien zeigen, dass mit abnehmenden gesellschaftlichen Zwängen intrinsische Vorlieben und Interessen stärker ausgeprägt sein können, was zu unerwarteten Ergebnissen führt. Wir werden diskutieren, wie kulturelle, biologische und psychologische Faktoren zusammenwirken, um diese Muster zu formen, und warum dieses Paradoxon vorherrschende Narrative über Gleichheit und Chancen in Frage stellt.

Begleiten Sie mich, wenn wir uns mit den Daten befassen, die Auswirkungen auf Politik und Bildung untersuchen und neu darüber nachdenken, was wahre Gleichheit der Geschlechter bedeuten könnte. Dieses Paradoxon untergräbt nicht das Streben nach Gleichheit – es vertieft unser Verständnis der menschlichen Natur und der Komplexität des gesellschaftlichen Fortschritts.