
Christian Balon, B.A., MSc ist Pflegewissenschaftler, Lehrer und langjĂ€hriger Experte fĂŒr Gesundheits- und Krankenpflege. Nach seiner Ausbildung zum Diplom-Krankenpfleger und TĂ€tigkeit auf einer anĂ€sthesiologischen Intensivstation absolvierte er die Sonderausbildung fĂŒr Intensivpflege am AKH Wien. Seit 1995 ist er in der Ausbildung von Pflegepersonal tĂ€tig, u. a. als Lehrer und Leiter der Sonderausbildung fĂŒr AnĂ€sthesie- und Intensivpflege in Mistelbach sowie spĂ€ter als Lehrer fĂŒr Anatomie, Physiologie und Pathologie an der HTL fĂŒr Biomedizin und Gesundheitstechnik.
Balon publizierte FachbeitrĂ€ge und BĂŒcher zur Pflegewissenschaft und zum Wundmanagement, ist Mitglied der GWUP und engagiert sich in der skeptischen AufklĂ€rung, unter anderem mit VortrĂ€gen zu Themen wie isolierter Schlafparalyse und Pseudomedizin.
Therapeutic Touch, Reiki und Co. Vom Laienseminar zur Fachhochschule in den Pflege- und Gesundheitsberufen
Seit ĂŒber zwei Jahrzehnten wird in der Krankenpflege, aber auch in anderen Gesundheitsberufen die Methode âTherapeutic Touchâ und auch andere Formen der sogenannten Energiearbeit wie z.B. Reiki oder âQuantum Touchâ eingesetzt. Wurden die Grundkonzepte und Inhalte dieser Pseudoverfahren anfĂ€nglich in Form von kleinen Seminaren und speziellen Workshops im deutschsprachigen Raum verbreitet, zeigt sich seit einiger Zeit die Tendenz, besonders Therapeutic Touch auch im Fachhochschulstudium der Gesundheits- und Krankenpflege anzubieten. Dieses Angebot bringt verschiedene Spannungen und Fragestellungen mit sich. PrimĂ€r stellt sich die Frage, warum Pflege- und Gesundheitsberufe â darunter auch Hebammen â teilweise mit evidenzbasierten Methoden unzufrieden sind und sich daher auf alternative Angebote konzentrieren. Zweitens muss der Frage nachgegangen werden, warum die Pflegewissenschaft sich vermehrt auf Erkenntnisse im Rahmen des âEvidence based nursingâ konzentrieren will, andererseits im Bereich der bekanntesten Pseudomethode wie Therapeutic Touch auf dem wissenschaftlichen Auge offensichtlich blind ist.
Dieser Vortrag verfolgt daher mehrere Ziele. Als Basis soll das Prinzip und besonders die Entwicklung von Therapeutic Touch sowie die schleichende Implementierung in den Pflegealltag dargestellt werden. Neben den Diskussionen im deutschsprachigen Raum wird auch auf die seit Jahren geĂŒbte Kritik von skeptischen Kollegen aus den USA eingegangen. Im Gegensatz zu Ăsterreich und Deutschland, gibt es in den USA eine Menge an publizierter Fachkritik sowie Studien zur eigentlichen Unwirksamkeit und möglichen Placeboeffekten in Bezug auf Therapeutic Touch sowie auch dem ideologisch-verwandten Reiki. Im letzten Drittel des Vortrages wird versucht eine mögliche ErklĂ€rung zu geben, wie und warum sich diese Pseudoverfahren ĂŒber die Jahre in den Pflegebereich einschleichen und etablieren konnten und wie man aus rationaler Sicht mit dieser Problematik umgehen kann, da die Eroberung der Hochschulen durch Therapeutic Touch als sehr bedenklich angesehen werden muss. Hier wird sich auch zeigen, egal ob Pseudomedizin oder Pseudopflege, es ergeben sich immer die gleichen psychologischen und soziologischen Faktoren, die zur Rechtfertigung und auch Verteidigung dieser Methoden verwendet werden.


