Werdegang

Beruf:

  • Seit 2013: Prof. fĂŒr Internationales Management an der HTWG Konstanz.
    Schwerpunkte: Intl. Management und Intl. Vertriebsmanagement, Umweltmanagement, Treibhausgasbepreisung, Dekarbonisierung der Schwerindustrie, KomplexitÀtsmanagement.
  • 2005 – 2013: Saint-Gobain Solar, u. a. Vertriebsleitung Nordeuropa, Regionalleitung Nordeuropa, GeschĂ€ftsfĂŒhrung.
  • 2003 – 2005: Saint-Gobain Glass GmbH, Assistent der GeschĂ€ftsfĂŒhrung Deutschland und Assistent der Vertriebsleitung Europa

Ausbildung:

  • Promotion zum Thema nicht-lineare dynamische Systeme in internationalen Wertschöpfungsketten, WWU MĂŒnster
  • Studium Wirtschaftsingenieurwesen, TU Darmstadt und NTNU Trondheim

Sonstiges:

  • Scientist for Future (Leitung Regionalgruppe Konstanz, Mitglied Fachgruppe Industrie & Ökonomie)
  • IPCC Expert Reviewer SYR AR6 2023

Qualifikation zum Thema

  • Seit 2014 Unterrichtseinheiten zur Wissenschaftstheorie inkl. Wissenschaftsablehnung im Rahmen der Lehrveranstaltung KomplexitĂ€tsmanagement
  • Seit 2022 vielfĂ€ltige VortragstĂ€tigkeiten und Workshops zum Thema Wissenschaftsablehnung, insb. Klimawandelleugnung

Verstehen statt Verurteilen – Umgang mit Wissenschaftsablehnung im persönlichen Umfeld

Warum lehnen manche Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse vehement ab – selbst angesichts eines globalen wissenschaftlichen Konsenses? Der Vortrag analysiert Wissenschaftsablehnung nicht als Wissensdefizit, sondern als psychologischen und sozialen Prozess. Ausgangspunkt können persönliche EnttĂ€uschungen, Vertrauensverluste oder Erfahrungen von Kontrollverlust sein, die existenzielle Unsicherheiten verstĂ€rken. In der Folge können Angst vor VerĂ€nderung und IdentitĂ€tsverteidigung einen Denkmodus begĂŒnstigen, der als „motivated reasoning“ beschrieben wird: Informationen werden selektiv verarbeitet, sodass sie zur bestehenden Weltanschauung passen.

Debatten ĂŒber Klimaforschung, Impfungen, Evolution oder Gentechnik fungieren dabei hĂ€ufig nicht primĂ€r als wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern als symbolische Konfliktverlagerung, in der tieferliegende IdentitĂ€tsverteidigung, Kontrollverluste oder gesellschaftliche Entfremdung verhandelt werden. Reine Faktenargumente zur Wissenschaft greifen daher oft zu kurz.

Der Vortrag zeigt HintergrĂŒnde und typische Diskussionsmuster auf und leitet daraus Strategien fĂŒr einen konstruktiven Umgang im persönlichen Umfeld ab. Im Mittelpunkt stehen Beziehungspflege, Deeskalation, Perspektivwechsel und das Angebot gesichtswahrender Lösungen. Ziel ist nicht kurzfristige Überzeugung, sondern langfristige Stabilisierung von Vertrauen und DialogfĂ€higkeit.

Wissenschaftsablehnung erscheint so weniger als Ausdruck individueller IrrationalitĂ€t, sondern als nachvollziehbarer – wenn auch problematischer – BewĂ€ltigungsversuch von persönlicher Unsicherheit. Ein respektvoller Umgang kann dazu beitragen, Polarisierung zu reduzieren und RĂ€ume fĂŒr produktiven Austausch offen zu halten.