Arne Brettschneider (M. Sc.) ist Psychologischer Psychotherapeut mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung in eigener Praxis in Köln. Nach seinem Psychologiestudium mit klinischem und neuropsychologischem Schwerpunkt arbeitete er als Einzel- und Gruppentherapeut in der Klinik fĂŒr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des UniversitĂ€tsklinikums Bonn, bevor er sich in eigener Praxis niederließ. Neben seiner therapeutischen TĂ€tigkeit ist er Mitglied im Verein Sokratischer Weg, der mithilfe der Methode Street Epistemology dazu beitragen möchte, GesprĂ€che konstruktiver zu gestalten und Menschen wieder stĂ€rker in den Austausch zu bringen.

Überzeugungen zwischen IdentitĂ€t, Kognition und sozialer Zugehörigkeit: Zur Schwierigkeit von EinstellungsĂ€nderungen im GesprĂ€ch

Ausgehend von der Beobachtung, dass Menschen viele ihrer Überzeugungen mit großer Sicherheit vertreten, ohne die zugrunde liegenden GrĂŒnde oder Methoden der Urteilsbildung immer klar benennen zu können, widmet sich dieser Vortrag der Frage, warum es oft so schwerfĂ€llt, eigene Überzeugungen zu verĂ€ndern. Im Zentrum stehen psychologische und soziale Mechanismen, die dazu beitragen, dass Widerspruch nicht nur als sachliche Herausforderung, sondern hĂ€ufig auch als Bedrohung der eigenen IdentitĂ€t erlebt wird. Dadurch entstehen Abwehrreaktionen, Frustration und Polarisierung, die einen offenen Austausch erschweren.

Die hier verhandelten Mechanismen beschrĂ€nken sich dabei nicht auf extreme oder ideologisch verhĂ€rtete Positionen, sondern betreffen Überzeugungsbildungs- und Verteidigungsprozesse in ganz unterschiedlichen sozialen Feldern, einschließlich seriöser wissenschaftlicher und akademischer Kontexte.

Der Vortrag beleuchtet, wie emotionale Bindungen, soziale Zugehörigkeit, kognitive Verzerrungen und das BedĂŒrfnis nach innerer Konsistenz dazu beitragen können, dass Menschen widersprĂŒchliche Informationen eher abwehren oder umdeuten, als ihre eigenen Positionen zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund steht die Frage im Zentrum, wie trotz unterschiedlicher Überzeugungen ein offener Austausch möglich werden kann, ohne dass GesprĂ€che unmittelbar in Abwehrhaltungen, Rechtfertigungsmuster oder verhĂ€rtete Fronten umschlagen.