Dr. Gernot Wilhelm Buth ist Physiker mit Schwerpunkt Festkörperphysik. Nach Studium und Promotion zu einem materialwissenschaftlichen Thema (Röntgenkleinwinkelstreuung an magnetooptischen Speicherschichten) arbeitete er zunächst als Postdoc am HASYLAB in Hamburg im Bereich Proteinkristallographie. Von 1997 bis 2025 war er Strahlrohrwissenschaftler für Einkristalldiffraktometrie an der KIT Light Source.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigt er sich seit vielen Jahren kritisch mit dem Thema Kreationismus. Bereits 1998 hielt er auf dem World Sceptics Congress in Heidelberg einen Vortrag über „Creationism in Europe“. Zudem referierte er 2023 auf dem überregionalen Stammtisch der GWUP-Regionalgruppen über eine kreationistische Ausstellung.

Schöpfungs(pseudo)wissenschaft – wie man eine alte Idee neu erfindet

Anfang des Jahrtausends sorgte der Kreationismus (bevorzugte Eigenbezeichnung: „Schöpfungswissenschaft“) in deutschsprachigen Medien für Schlagzeilen, als der Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus, ein evolutionskritisches Lehrbuch würdigte, die hessische Kultusministerin Karin Wolff Schöpfungslehre im Biologieunterricht an bestimmten hessischen Schulen rechtfertigte und Christoph Kardinal Schönborn die Gültigkeit der Evolutionstheorie „im neodarwinistischen Sinn“ bestritt. Seitdem ist es scheinbar ruhig geworden um die deutsche Schöpfungswissenschaft. Klimakrise, Finanz- und Eurokrise, Flüchtlingskrise, Corona-Pandemie und Ukrainekrieg haben den Kreationismus aus den Schlagzeilen verdrängt. Doch der Schein trügt: Weitgehend unbeachtet von der (Medien-) Öffentlichkeit hat sich die Schöpfungswissenschaft neu aufgestellt. Seit 2019 findet alle zwei Jahre eine Schöpfungskonferenz mit international besetztem Referentenpool und zuletzt über 2000 Teilnehmenden statt. Nach dem Vorbild des „Creation Museum“ in Kentucky (allerdings deutlich kleiner als dieses) wurden zudem mehrere Schöpfungsausstellungen gestaltet. Die größte und bedeutendste unter ihnen tourt seit 2021als Wanderausstellung durch Deutschland, begleitet von Vortragsveranstaltungen.In dem Vortrag wird vom Besuch dieser Schöpfungsausstellung, „Auf den Spuren des Unsichtbaren“, und der Schöpfungskonferenz „kreatikon ´25“ berichtet. Der Schwerpunkt liegt auf der Beobachtung und Beschreibung der Art und Weise, wie die Schöpfungswissenschaft neue Ergebnisse und ganze neue Forschungszweige der Naturwissenschaften – wie etwa die Epigenetik –in ihr schöpfungstheoretisches Paradigma integriert und als Bestätigung ihres kreationistischen Weltbildes interpretiert. Ergeben sich hieraus legitime Anfragen an die etablierten Naturwissenschaften? Wird hierdurch gar, wie die Schöpfungswissenschaft es beansprucht, ein Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften eingeleitet? Falls nicht, ergeben sich wenigstens Konsequenzen für die Wissenschaftskommunikation? Diesen Fragen wird in dem Referat auf den Grund gegangen.

Begleiten Sie mich auf eine Exkursion in eine Anderswelt und damit in eine nicht allzu ferne Vergangenheit, in der – wissenschaftlich erwiesen! – Dinosaurier zusammen mit Menschen auf dieser Erde lebten, Wölfe und Tiger Vegetarier waren und der Mensch nicht irgendeine Spezies unter vielen, sondern sich als die von einem intelligenten Urheber als eigener Grundtyp erschaffene „Krone der Schöpfung“ fühlen durfte.