Prof. Dr. Cornelius Courts

Prof. Dr. Cornelius Courts studierte Biologie und promovierte in Genetik (molekulare Onkologie) an der Uni Köln. 2008 wechselte er in die forensischen Wissenschaften – er begann eine TĂ€tigkeit als Leiter der Abteilung fĂŒr Forensische Genetik am Institut fĂŒr Rechtsmedizin in Bonn. 2011 startete er das Wissenschaftsblog »blooD’N’Acid«, das er bis heute betreibt. 2015 habilitierte er sich an der Uni Bonn im Fach Forensische Molekularbiologie und wechselte dann den Ort, nicht aber das Fach: 6 Jahre leitete er die Abteilung fĂŒr Forensische Genetik am Institut fĂŒr Rechtsmedizin des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. 2021 erhielt er einen Ruf auf die Professur fĂŒr Forensische Molekulargenetik an der Uni Köln, dem er folgte und wo er seit September 2021 außerdem die Abteilung fĂŒr Forensische Molekulargenetik am Institut fĂŒr Rechtsmedizin der Uniklinik Köln leitet. Im Januar 2023 wurde er gewĂ€hltes Mitglied der gemeinsamen Spurenkommission der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Rechtsmedizin und kriminaltechnischen Institute der LandeskriminalĂ€mter und des Bundeskriminalamtes.

Faking Science – Raubverlage, Fake-Journals und KIs die Artikel schreiben und begutachten, bedrohen uns alle (2026)

Die Wissenschaft hat ein großes Problem. Unser wichtigstes Kapital – GlaubwĂŒrdigkeit und Vertrauen – steht auf dem Spiel. Die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in seriösen, „peer-reviewten“ Fachzeitschriften bildet das Fundament wissenschaftlicher Erkenntnis. Doch dieses System gerĂ€t zunehmend unter Druck: Harte Arbeit, KreativitĂ€t, Zeit und Geld sind erforderlich, um echte Forschung zu betreiben – gleichzeitig erzeugen Fehlanreize, der Mißbrauch bibliometrischer Kennzahlen und dasDamokles-Schwert des „wer schreibt, der bleibt“ enormen Publikationsdruck und senken dieHemmschwelle zum Betrug.

In diese LĂŒcke stoßen Raubverlage, sog. „PapermĂŒhlen“ und inzwischen auch KĂŒnstliche Intelligenzen, die wissenschaftliche Artikel und sogar deren Begutachtungen automatisch erzeugen. So entstehen zahllose Pseudo-Publikationen, die durch gekaufte oder manipulierte Zitationen den Anschein wissenschaftlicher Relevanz erwecken. Die Folgen reichen weit ĂŒber akademische Metriken hinaus: Wenn gefĂ€lschte Forschung unbemerkt in den wissenschaftlichen Diskurs, in Ausbildung, Medien oder gar in politische Entscheidungen einsickert, ist das Fundament der Wissenschaft bedroht.

Der Vortrag beleuchtet das Ausmaß dieses Problems, erklĂ€rt die Mechanismen dahinter und zeigt, warum gefĂ€lschte Wissenschaft kein RandphĂ€nomen mehr ist – sondern eine systemische Gefahr fĂŒr Forschung, Gesellschaft und AufklĂ€rung. Kritisches Denken war nie wichtiger!

Dogs will not replace us – Ein Forensischer Molekularbiologe erklĂ€rt, warum Hunde keine DNA riechen können (2025)

2018 veröffentlichten die Rechtsmedizin Leipzig und die Polizei Sachsen eine Sensationsentdeckung in einem forensisch-wissenschaftlichen Fachjournal: Mantrailer-Hunde können DNA riechen und anhand des Geruchs Menschen erkennen! Diese Entdeckung hĂ€tte Forensische Molekularbiologen, ihre aufwendigen Labore und teuren Maschinen eigentlich ĂŒberflĂŒssig gemacht. Der begeisterten Pressemeldung folgten zahlreiche Zeitungsschlagzeilen und Medienberichte, das ZDF widmete der Entdeckung sogar einen Platz in seiner Sendung „Terra X – VerrĂ€terische Spuren – Die Geschichte der Forensik“.

Einer kritischen Untersuchung hielt der Befund jedoch nicht stand, kritische Kommentare wurden veröffentlicht, das Fachjournal und auch die Pressestelle des Uniklinikums Leipzig ruderten zurĂŒck. Inzwischen ist klar, dass Hunde keine DNA riechen können und derlei Befunde bei Gericht keinerlei Beweiswert haben. Die Doktorarbeit, die aus dem Fachartikel entstand, gilt als umstritten, der Verdacht der Manipulation steht im Raum, eine Anzeige wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens wurde erstattet.

Warum Hunde keine DNA riechen können (können), wie der Fachartikel das peer-review ĂŒberstehen konnte und warum Mantrailer-Hunde als Beweismittel bei Gericht abzulehnen sind, erklĂ€rt ein Forensischer Molekularbiologe.