
Dr. Erich Eder ist Zoologe und lehrt seit 25 Jahren an der UniversitĂ€t Wien und seit 2015 als Assistenzprofessor fĂŒr Biologie an der Medizinischen FakultĂ€t der Sigmund Freud PrivatUniversitĂ€t. Er ist gemeinsam mit Krista Federspiel und Heinz Oberhummer einer der MitbegrĂŒnder der Gesellschaft fĂŒr Kritisches Denken.
Dr. Erich Eder â Wer’s glaubt! â Wie Bildung den Glauben an Pseudomedizin und Paranormales beeinflusst (2026)
Wissen wirkt?! Glaube an Alternativmedizin und Paranormales in AbhÀngigkeit von Studienerfolg und naturwissenschaftlicher Bildung
In einer Querschnitt- und einer LÀngsschnittstudie untersuchten wir die ZusammenhÀnge zwischen naturwissenschaftlich-medizinischer Bildung und dem Glauben an Paranormales (paranormal belief, PB) und Alternativmedizin (so-called alternative medicine, SCAM sensu Ernst 2018).
Durchgehend existierte eine starke und hoch signifikante positive Korrelation zwischen PB und SCAM, was nicht ĂŒberrascht, beruht doch beides wesentlich auf unwissenschaftlichem Denken und der Vorstellung auĂer- oder ĂŒbernatĂŒrlicher Wirkmechanismen.
An Gymnasium-Oberstufen fĂŒhrte wir medizinisch relevante biologische Wissenstests durch. Die Ergebnisse bei diesem Test korrelierten negativ mit PB und dem Glauben an SCAM. Um diese Momentaufnahme zu bestĂ€tigen, machten wir eine LĂ€ngsschnittstudie an Medizinstudenten, die wir durch individuelle Codes nach drei Jahren wieder befragen und zuordnen konnten.
Das Medizinstudium wirkte sich offensichtlich messbar auf die Reduktion der nicht-wissenschaftlicher Glaubensinhalte aus, und zwar stÀrker bei mÀnnlichen als bei weiblichen Studierenden. Der Glaube an SCAM sank nach absolviertem Bachelorstudium bei beiden Gruppen signifikant, PB sank nur bei MÀnnern signifikant.
Neben den bisher hauptsÀchlich untersuchten psychodynamischen Faktoren hat also nachweislich naturwissenschaftlich-medizinische Bildung einen wesentlichen Einfluss auf den Glauben an Paranormales und Alternativmedizin.
Was ich dem Granderwasser verdanke. (2025)
Nach einem Vierteljahrhundert ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Im Jahr 1999 schrieb ich einen Leserbrief, der unerwartete Folgen hatte: Mehrere Klagen wurden gegen mich erhoben, mit einem Gesamtstreitwert von 60.000 âŹ. Auf den ersten Blick eine belastende Erfahrung, doch aus diesen Prozessen ergaben sich wertvolle Lektionen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass man im Widerstand gegen esoterischen Unfug nicht allein bleibt: Innerhalb von nur zwei Monaten wurden durch Crowdfunding 24.000 ⏠an Gerichtskosten gedeckt â ein beeindruckendes Zeichen der SolidaritĂ€t. Die BeschĂ€ftigung mit dem Wasserschwindel fĂŒhrte auch dazu, dass ich mich seit mehr als 15 Jahren wissenschaftlich mit Aberglauben, dem Glauben an Alternativmedizin, Evolutionsleugnung und Rechtsextremismus befasse. Zudem brachte mir diese Auseinandersetzung Freundschaften, Kontakte zu Menschen, die mich auf meinem beruflichen Weg maĂgeblich unterstĂŒtzten. Was als juristische Herausforderung begann, fĂŒhrte letztlich dazu, dass ich meinen heutigen Beruf ausĂŒbe. Ironischerweise verdanke ich meine Karriere also dem Granderwasser â es wirkt (!), wenn auch auf eine ganz andere Weise, als es seine AnhĂ€nger behaupten.


