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Prof. Dr. Wolfgang Hell

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Wolfgang Hell hat in Frankfurt und Heidelberg Physik studiert und anschließend an sein Diplom im Bereich Wahrnehmungspsychologie in Konstanz promoviert. Nach seiner Habilitation auf dem Gebiet Aufmerksamkeit, ebenfalls in Konstanz, hat er in MĂŒnster eine Professur fĂŒr Angewandte Psychologie angenommen. Schon seit langem interessiert er sich fĂŒr Forschungsmethodik und fĂŒr normale ErklĂ€rungen fĂŒr scheinbar Paranormales und ist auch nach seiner Pensionierung diesen Interessen treu geblieben. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP.

Heiligenschein und Aura (2024)

Beiden Vorstellungen ist gemeinsam, dass sie einen nichtstofflichen Körper (oder eine Lichterscheinung) um den physischen Körper postulieren. Eine Lichterscheinung um einen Kopf oder Körper ist ein unter bestimmten Wahrnehmungsbedingungen unvermeidlich auftretendes physiologisches PhĂ€nomen, das auf einer Kombination von Nachbild und Augenbewegungen resultiert. Seine Interpretation als „Heiligenschein“ beruht auf Unkenntnis der physiologischen Ursache, ist aber im historischen Wahrnehmungskontext verstĂ€ndlich.

Die Aura war ursprĂŒnglich sehr nahe dem Heiligenschein verwandt, hat sich aber in der Esoterik erweitert zu „Theorien“ mehrerer Astralkörper, ohne dass einigermaßen Einigkeit auch nur ĂŒber die Anzahl der Astralkörper bestehen wĂŒrde. In solchen Gedankengebilden ist die interpretatorische Phantasie dem physiologischen Ursprung weit enteilt.

Der Vortrag demonstriert mit vielen Beispielen die physiologische Grundlage fĂŒr die Wahrnehmung eines „Heiligenscheins“. Anschließend referiere ich die sehr unterschiedlichen, phantasiereichen Vorstellungen zu Auren, deren Ursprung mehr psychischer als physiologischer Natur ist.

Signifikant! Replikationskrise in der Psychologie (2018)

„In der FĂŒhrungsriege deutscher Unternehmen geht es nobel zu. Wer Kaiser, König oder FĂŒrst heißt, arbeitet hĂ€ufiger in Spitzenpositionen als Kollegen mit Namen Bauer, SchĂ€fer oder Maier. Das haben Forscher der UniversitĂ€t Cambridge und der HEC Paris herausgefunden“ (SĂŒdwest-Presse Ulm, 02.11.2013). Dies ist eines von vielen Forschungsergebnissen, die bei teilweise systematisch vorgenommenen Neu-Untersuchungen nicht repliziert werden konnten. Wenn (zu) viele Ergebnisse sich nicht bestĂ€tigen lassen, ist irgendetwas faul in der Art und Weise, wie Psychologinnen ihre Ergebnisse finden bzw. prĂ€sentieren, oder in den Worten von Wagenmakers in Bezug auf Bems parapsychologische Experimente zur Umkehr des Zeitpfeils: „Wenn unsere wissenschaftlichen Standardmethoden einem erlauben, das Unmögliche zu beweisen, dann mĂŒssen diese Methoden revidiert werden.“
Schuld ist der allzu laxe und sorglose Umgang der Forscher mit dem Signifikanztest: Multiples Testen, opportunistisches Veröffentlichen, viele Freiheitsgrade bei der Wahl des Tests, Abbrechen oder WeiterfĂŒhren einer Testreihe nach einem zwischenzeitlichen Signifikanztest usw. sind die „harmlosen“, gut gemeinten Fehler, viel hĂ€ufiger als der direkte Betrug. Der Vortrag wird zeigen, dass
(1) die Ergebnisse von Signifikanztests oft ĂŒberinterpretiert werden,
(2) „signifikant“ im Kontext eines statistischen Tests auf keinen Fall synonym mit „bedeutsam“ ist und
(3) das nominelle Signifikanzniveau oft weit von dem realen entfernt ist.
Der Vortrag schließt mit einem Überblick ĂŒber die verschiedenen VorschlĂ€ge zur Abhilfe bzw. zur Verbesserung des Umgangs mit dem Signifikanztest