Robert Mestel

Dr. biol. hum. Robert Mestel

Dr. biol. hum. Robert Mestel

Dr. biol. hum. Robert Mestel, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor Verhaltenstherapie, Abt. leiter Forschung/QualitÀtssicherung VAMED Rehaklinik Bad Grönenbach. Arbeitsschwerpunkte: Angst- und Zwangsstörungen, Psychodiagnostik, Bindungstheorie, QualitÀtssicherung, Psychotherapieforschung, Evaluation.

  • Studium der Psychologie in Konstanz, Abschluss Diplom 1992 (Thema Borderline Persönlichkeitsstörung)
  • Promotion zum Dr. biol. hum. an der UniversitĂ€t Ulm 2001 (SpezifitĂ€t und StabilitĂ€t von Bindungsmustern)
  • Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten: 1999 (Verhaltenstherapie)
  • Psychotherapie-Ausbilder seit 1996; Supervisor, Lehrtherapeut und Selbsterfahrungsleiter Verhaltenstherapie seit 2011 an 8 Instituten
  • UniversitĂ€ts-Dozent fĂŒr Masterstudium Psychologie (UniversitĂ€t Salzburg) seit 2019
  • Leiter Abt. Forschung & QualitĂ€tssicherung an der VAMED Reha-Klinik Bad Grönenbach seit 1992
  • ĂŒber 100 Fachpublikationen
  • Psychotherapeutischer Schwerpunkt: Angst- und Zwangsstörungen,
  • Arbeitsschwerpunkte: ICD-10 Psychodiagnostik, Bindungstheorie, Interpersonelle Theorie, psychologische Testverfahren, Verhaltenstherapie, Lerntheorie, Placeboforschung, HomosexualitĂ€t, Psychotherapieforschung, Persönlichkeitsstörungen, QualitĂ€tssicherung

Therapiemythen: Fakten und Fiktionen in der psychotherapeutischen Praxis (2025)

Abstract: Dieser Vortrag beleuchtet nach eine kurzen Vorstellung empirisch fundierter Wirkfaktoren der Psychotherapie verbreitete Mythen in der Psychotherapie und stellt ihnen wissenschaftlich fundierte Fakten gegenĂŒber. Viele MissverstĂ€ndnisse und falsche Annahmen ĂŒber psychische Störungen und deren psychotherapeutische Behandlung können die Erwartungen und das Vertrauen von Patienten beeinflussen.

Der Vortrag untersucht gĂ€ngige Mythen wie die Annahme, dass alle Therapeuten oder alle Psychotherapieformen gleich gut sind, dass die gute Beziehung von Therapeut und Patientin ausreichend fĂŒr den Therapieerfolg ist, dass Empathie der Therapeutin immer gut ist, dass erfahrene Therapeuten bessere Ergebnisse als AnfĂ€nger erzielen, dass mehr Sitzungen zu viel besseren Ergebnissen fĂŒhren, dass “tiefere” tiefenpsychologische Therapien zu besseren anhaltenderen Therapierfolgen fĂŒhren, dass Psychotherapie viel besser wie Zuckerpillen wirkt, dass es unabdingbar ist, bestimmte einzelne Techniken zu verwenden oder dass man bei allen psychischen Störungen gleich viel erreichen kann.

Nach einer kurzen Übersicht ĂŒber Psychotherapien mit ĂŒberdurchschnittlich hohen Quoten an SchĂ€digungen und unerwĂŒnschten Nebenwirkungen wird angestrebt, eine fundierte, realistische und Hoffnung vermittelnde Sicht auf Psychotherapie zu vermitteln.

Fragestellungen:

  1. Welche verbreiteten Mythen existieren in der Psychotherapie?
  2. Welche Folgen ergeben sich aus der Klarstellung dieser Mythen fĂŒr Patienten und Psychotherapeuten?

 

Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung – zwischen Evidenz und zweifelhaften Techniken (2020)

Mehr als die HĂ€lfte der Menschen im westlichen Kulturkreis haben mindestens ein Trauma gemĂ€ĂŸ der offiziellen Definition erfahren. Etwa 2% der Deutschen entwickeln irgendwann im Leben eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Nach einer kurzen Skizzierung der empirischen Wirksamkeit fĂŒr verschiedene Behandlungsoptionen (medikamentös, Breitband-Psychotherapie, spezifische Psychotherapien) wird auf vermutete Wirkfaktoren bei der Traumabehandlung eingegangen. Auf dem Anbietermarkt tummeln sich neben wissenschaftlich gesicherten und bewĂ€hrten Verfahren auch sehr viele, die noch nie untersucht wurden, aber als wirkungsvoll auf dem Markt angepriesen werden (z. B. “Brainspotting” oder “Somatic Experiencing”). Besonders schwer fĂ€llt die Einordnung bei der umstrittenen Methode “Eye Movement Desensitization Reprocessing (EMDR)”, deren Wirksamkeit zwar belegt ist, der Wirkmechanismus jedoch völlig unklar bleibt. So zeigten ein Dutzend Entmantelungsstudien, dass es keinen Unterschied machte, ob der Patient wie im Manual angegeben dem Finger des Therapeuten mittels Augenbewegungen folgt oder nur auf eine ruhende Kerze oder Hand schaut. Es stellt sich auch die Frage, wie die Wirkung von Traumatherapien bei blinden Patienten zu verstehen ist, bei denen keine Augenbewegungen möglich sind. Ein heftiger Streit umtobt “Meridian Energie Techniken” (MET) bzw. Klopftechniken, bei denen traumatisierte Patienten Meridianbahnen der Akupunktur abzuklopfen haben. Zwar zeigen sich in kontrollierten Studien Effekte, jedoch wurde fast ausschließlich in esoterischen Verbandszeitschriften publiziert mit kleinen Fallzahlen bei analogen Populationen (keine wirklich klinisch relevanten FĂ€lle) und es liegen keine Entmantelungsarbeiten vor. Zuletzt wird auf das Problem der mangelhaften Verbreitung wirksamer Verfahren in der Therapeutenpraxis eingegangen und auf mögliche GrĂŒnde dafĂŒr.