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Mirko Gutjahr

Mirko Gutjahr 2018 400

Mirko Gutjahr

Mirko Gutjahr M.A. ist Historiker und ArchĂ€ologe. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte und ArchĂ€ologie der FrĂŒhen Neuzeit. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung LuthergedenkstĂ€tten in Sachsen-Anhalt und kuratierte u.a. im JubilĂ€umsjahr 2017 die Nationale Sonderausstellung »Luther! 95 SchĂ€tze – 95 Menschen«. Privat betreibt er als „Der Buddler“ zwei Podcasts mit SkurrilitĂ€ten aus der Geschichte und ArchĂ€ologie, in denen hĂ€ufig skeptische Themen behandelt werden. Mit Vortragsthemen wie etwa zu den „Bosnischen Pyramiden“, zu PseudoarchĂ€ologie oder der Geschichte des magischen Denkens ist er regelmĂ€ĂŸiger Gast bei skeptischen Veranstaltungen wie den „Skeptics in the Pub“.

Luthers Geister: Vom Einfluss des Protestantismus auf den Gespensterglauben oder: Wie die Protestanten zu GeisterjÀgern wurden

Bis zur Reformation war die Welt der Geister noch sehr ĂŒberschaubar: FĂŒr die Christen des Mittelalters waren Gespenster ein Beweis fĂŒr das Weiterleben der Seele nach dem Tod und der Existenz eines Fegefeuers. Doch als Luther um 1530 letzteres kurzerhand abschaffte, galten fĂŒr ihn und seine Nachfolger Geistersichtungen nur mehr als reiner Teufelsspuk – ja, der Glaube an das Auftreten verstorbener Seelen war zeitweilig sogar ein deutliches Unterscheidungskriterium zwischen den Konfessionen. Denn die protestantische Kirche sah in Spukerscheinungen nicht mehr das Auftreten von Armen Seelen oder Totengeistern, die die Lebenden um Spendung von Seelenmessen oder AblĂ€ssen zur Erlösung aus dem Fegefeuer baten, sondern als das Wirken von gefĂ€hrlichen DĂ€monen und Teufeln. Doch so klar, wie die Kirchenoberen das gerne gehabt hĂ€tten, verliefen die Grenzen in dieser Frage oftmals doch nicht: So konnten sich evangelische Pastoren etwa schon auch einmal als GeisterjĂ€ger betĂ€tigen, katholische Theologen dagegen die Existenz von Gespenstern schlechthin verneinen, wĂ€hrend die einfache Bevölkerung beiderlei Glaubensrichtungen in SpukphĂ€nomenen einfach oft ein Ventil fĂŒr angestaute soziale Probleme fand. Als im 19. Jahrhundert die Vorstellung einer möglichen Kommunikation mit den Toten wieder populĂ€r wurde, waren es dann ausgerechnet protestantische Milieus, die im großen Maße zu Wegbereitern des Spiritismus wurden. Nach dem Niedergang dieser pseudowissenschaftlichen Totenbeschwörung und im Zuge einer zunehmenden SĂ€kularisierung scheint die westliche Welt heute zwar weitgehend profanisiert, aber selbst im Zeitalter von TV-Shows wie „Ghost Hunters“ und „Most Haunted“ wurzeln „moderne“ Auffassungen von Gespenstern immer noch tief in Vorstellungen aus der Reformationszeit. Wieviel Luther steckt heute noch in den GeisterjĂ€gern?