
Studium der Kommunikationswissenschaften, darunter auch Statistik und empirische Sozialforschung, Magister über das Deutschenbild und Migration in der türkischen Literatur, lebte in Moskau, Istanbul, Connecticut und im Senegal, wo sie als Mitarbeiterin des Goethe Instituts in der Bildungskooperation, im Sprachkursmanagement und an der Istanbul-Universität als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) tätig war. Besonderes Interesse an ideologiekritischen Fragestellungen. In München engagiert sie sich ehrenamtlich insbesondere für frauenspezifische Menschenrechtsfragen wie Prostitutionspolitik, aber auch Identitätspolitik und ideologische Varianten von Genderfragen. Sie ist seit 2010 Vorstandsmitglied des Nord Süd Forum München, Mitgründerin des Bündnis Nordisches Modell und Gründerin der Aktionsgruppe Gleichstellung Bayern, AGGB.
Forschungszweck Prokrastination? Wie Wissenschaft sich selbst genügt – und die Untätigkeit der Politik fördert
Wenn Politik in dringenden Fragen keine Maßnahmen ergreifen will, weil sie die Konsequenzen fürchtet, hat sie verschiedene Möglichkeiten, die Legislaturperiode untätig zu überstehen. Ein besonders prominentes Beispiel findet sich am Beispiel der Prostitutionspolitik, die – kurios genug – in den Zuständigkeitsbereich des Familienministeriums fällt. Während fast der gesamten Ampel-Koalition durfte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen das Prostituiertenschutzgesetz in Hinblick auf seine Zielerreichung evaluieren, obwohl dieses Gesetz auch ohne jede Forschung für jedermann offensichtlich nur sehr eingeschränkt wirksam werden konnte: nämlich für die 10 – 20% der Frauen, die der gesetzlichen Anmeldepflicht nachgekommen waren. Der Rest ist Dunkelfeld – und das zu evaluieren, stand nicht im Auftragsbuch. Außerdem war das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 nur ein Gesetz, das die Auswirkungen des ohnehin vollständig gescheiterten Prostitutionsgesetzes von 2002 verbessern sollte.
Das Ergebnis der dreijährigen Forschungstätigkeit: Das Prostituiertenschutzgesetz habe „Potenzial“. Eine solide sozialwissenschaftliche Studie konnte nicht abgeliefert werden, weil es keine Vergleichsdaten gab. Repräsentativ war die Studie auch nicht, die Erhebung der Daten erfolgte per Online-Befragung, die über Portale und Bordellbetreibende verteilt wurden. Wer die Fragen beantwortet hat, blieb letztendlich völlig unklar. Bei einem qualitativen Teil wurden nur 17 Frauen in der Prostitution befragt, im Schnitt 30 Minuten lang. Die Ergebnisse der Evaluation, die nun vorliegen, sind auch nach Aussage des Projektleiters lediglich für die befragten Frauen selbst aussagekräftig, aber nicht repräsentativ.
Trotz der fragwürdigen Auftragsstellung, die sinnvolles wissenschaftliches Arbeiten kaum möglich machte, wurde der Forschungsauftrag vom KFN angenommen. Und trotz der fragwürdigen Ergebnisse hat das BMBFSFJ die Evaluation angenommen. Diese bildet jetzt die Grundlage, auf der eine Expertenkommission weitere eineinhalb Jahre (oder länger?) über Strategien und Maßnahmen in Hinblick auf irgendwas mit Prostitution diskutieren darf. Die Leitung der Kommission hat der Projektleiter der Evaluation.
Was ich zeigen möchte, ist, wie Politik die Lösung von Problemen mit Hilfe einer dienstbereiten Wissenschaft verhindert. Denn es gibt, wie ich versuchen werde nachzuweisen, im Feld Prostitution längst kein Erkenntnisdefizit mehr, nur noch ein Umsetzungsdefizit.


