Ich beschäftige mich mit Religionskritik, Pseudowissenschaft und skeptischem Denken im digitalen Raum. Ich bin Mitglied der GWUP und setze mich in meinem Podcast „Lost & Found“ mit den kognitiven und psychologischen Mustern hinter irrationalen Überzeugungen auseinander– sowohl in religiösen als auch in säkularen Kontexten. Mein Fokus liegt auf verständlicher Aufklärung, epistemischer Selbstkritik und einer dialogfähigen skeptischen Haltung jenseits von Arroganz.

Wenn Wissen nicht schützt: Kognitive Muster, Sinnsuche und Pseudowissenschaft im digitalen Zeitalter

In einer Zeit, in der Information jederzeit verfügbar ist, überrascht es, wie viele Menschen weiterhin an Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen oder unplausible Narrative glauben – auch wenn sie gut informiert sind. Dieser Vortrag nimmt dieses Paradox in den Blick und zeigt, dass reines Wissen allein kein verlässlicher Schutz vor irrationalen Überzeugungen ist.

Auf Grundlage psychologischer, religionssoziologischer und kommunikationswissenschaftlicher Forschung werden zentrale kognitive und emotionale Muster analysiert, die Überzeugungen stabilisieren: intuitive Urteilsbildung, das Bedürfnis nach Sinn und Kontrolle, narrative Kohärenz sowie Autoritätsorientierung. Diese Muster können durch religiöse Sozialisation begünstigt werden, sind jedoch keineswegs auf Religion beschränkt. Sie finden sich ebenso in säkularen Milieus, politischen Ideologien und pseudowissenschaftlichen Bewegungen.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem digitalen Kontext. Algorithmische Verstärkung, Informationsüberlastung und die Illusion epistemischer Kompetenz führen nicht automatisch zu besseren Überzeugungen, sondern stabilisieren häufig bestehende Narrative. Klassische Aufklärungsstrategien wie Faktenchecks oder Debunking stoßen hier an klare Grenzen und können unter bestimmten Bedingungen sogar kontraproduktiv wirken.

Der Vortrag schließt mit einem Plädoyer für eine moderne, selbstkritische Skepsis, die epistemische Demut ernst nimmt, kognitive Verwundbarkeiten anerkennt und Aufklärung nicht mit Belehrung verwechselt. Ziel ist ein praxisnaher Beitrag zur skeptischen Debatte, der zeigt, wie kritisches Denken jenseits von Arroganz und Polarisierung gefördert werden kann.