
Prof. Dr. Richard Traunmüller ist Professor für Politikwissenschaft und Empirische Demokratieforschung an der Universität Mannheim. Seine Forschungsschwerpunkte sind die psychokulturellen Grundlagen der Demokratie, insbesondere sozialer Zusammenhalt, politischer Konflikt, Meinungsfreiheit und politische Toleranz, sowie quantitative Methoden in der Politikwissenschaft. Seine Arbeiten wurden unter anderem im American Journal of Political Science, im British Journal of Political Science, in Political Analysis und in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.
Ist die „Cancel Culture“ wirklich ein Mythos?
Dieser Vortrag leistet einen empirischen Beitrag zur Debatte über akademische Freiheit und „Cancel Culture“, indem er zentrale Annahmen und Argumente dieser Debatte einer systematischen Überprüfung unterzieht. Er untersucht Einstellungen zur akademischen Freiheit und Erfahrungen mit Einschränkungen der akademischen Meinungsäußerung an deutschen Hochschulen. Die Analyse stützt sich auf Umfrageexperimente unter Studenten sowie auf eine groß angelegte Befragung von rund 9.000 Wissenschaftlern. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie kontroverse Positionen bewertet werden, unter welchen Bedingungen Einschränkungen der akademischen Freiheit befürwortet werden und inwieweit die Betroffenen selbst von sozialem Druck oder Sanktionen berichten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bedenken hinsichtlich der „Cancel Culture“ im Hochschulbereich nicht unbegründet sind, auch wenn ihre Formen und Ausprägungen einer sorgfältigen Differenzierung bedürfen. Der Vortrag reflektiert zudem die öffentliche und akademische Rezeption dieser Ergebnisse.


