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Varnan Chandreswaran ist nicht nur Neurowissenschaftler und Psychologe, sondern auch YouTuber. Nachdem er sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat, arbeitet er als Doktorand daran, die Funktionsweise des Gehirns zu entschlüsseln. Mit der gleichen Sachlichkeit stellt er sich auf seinem YouTube-Kanal kontroversen und emotional aufgeladenen Themen wie dem Patriarchat, Gendern und Pubertätsblocker bei Trans-Kindern. Mit mehreren Millionen Aufrufen auf seinen Videos hat er eine breite Zuschauer Basis erreicht, die seine wissenschaftlich fundierte Sichtweise zu schätzen weiß. Sein Ziel ist es, durch ein tieferes Verständnis von Mensch und Gesellschaft Klarheit darüber zu schaffen, wie ein besseres Leben möglich ist und wie nicht.

Warum immer ich? Empirische Befunde zu den psychologischen Motiven von Wokeness (2026)

Wokeness ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema öffentlicher Debatten geworden. Befürworter verstehen sie als notwendige Sensibilisierung für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, Kritiker hingegen bemängeln eine zunehmende Moralisierung und Polarisierung. Eine entscheidende Frage bleibt jedoch bislang weitgehend unbeachtet. Welche psychologischen Motive liegen dieser Weltsicht zugrunde und welche Konsequenzen hat sie für Menschen und öffentliche Debatten?

Zum Verschwörungsdenken existiert inzwischen eine umfangreiche empirische Literatur. Diese deutet darauf hin, dass solche Überzeugungen von drei grundlegenden Motiven getragen werden. Dazu gehören das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen in unsicheren Zeiten, das Streben nach Kontrolle angesichts wahrgenommener Bedrohungen sowie der Wunsch, ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten (Douglas et al., 2017). Diese Befunde helfen zu erklären, warum sich solche Weltbilder verbreiten und wie sie zugleich das Leben der Betroffenen einschränken können. Für Wokeness hingegen liegen bislang nur wenige empirische Untersuchungen vor.

In meinem Vortrag präsentiere ich erstmals Daten aus zwei deutschen Stichproben. Grundlage ist ein Fragebogen einer finnischen Forschergruppe (Lahtinen et al., 2024), den wir mit verschiedenen Aspekten der mentalen Gesundheit und Persönlichkeit in Beziehung setzen. Dasselbe Vorgehen wenden wir auch auf Verschwörungsmentalität an. Die Ergebnisse zeigen, dass Wokeness mit einer stärker externalen Kontrollüberzeugung sowie geringerer Resilienz und Selbstwirksamkeit einhergeht. Ein negativer Zusammenhang mit mentaler Gesundheit zeigt sich hingegen nicht. Stattdessen bestehen Zusammenhänge mit Narzissmus und einer Tendenz, die Opferrolle zu betonen.

Auf Basis dieser Daten argumentiere ich, welche Folgen dies für öffentliche Debatten über gesellschaftliche Probleme haben kann. Besonders relevant wird es dann, wenn psychologische Motive wirksam werden, die mit intellektueller Redlichkeit in Konflikt stehen. Abschließend diskutiere ich, wie Skeptizismus dazu beitragen kann, Debatten offen und sachlich zu bewahren, damit sie nicht in eine Schieflage geraten.

Soziale Ungleichheit – Warum wir einen evidenzbasierten Ansatz brauchen (2024)

In den Chefetagen finden sich hauptsächlich Männer, und der wissenschaftliche Betrieb ist mehrheitlich weiß. Aber was ist die Ursache dafür? In diesem Kontext fallen häufig geladene und emotionalisierte Begriffe wie „Patriarchat“ (“patriarchy”) oder „weiße Vorherrschaft“ (“white supremacy”) und Phrasen wie „Sprache schafft Wirklichkeit“ (eine Anspielung auf die sog. Sapir-Whorf-Hypothese). Dies lenkt oft vom eigentlichen Punkt ab.
In der wissenschaftlichen Diskussion wird die Ursache für Ungleichheiten regelmäßig in Stereotypen und Rollenbildern gesucht. Als Lösung werden nicht selten Diversitätstrainings gefordert. Doch wie fundiert ist dieser Ansatz? Zweifel sind angebracht. In meinem Vortrag werde ich relevante Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte vorstellen, interpretieren und diskutieren. Was z.B. zeigen Studien, bei denen Bewerbungen verschickt werden, in welchen die Namen der Bewerber variiert werden? Werden Bewerber mit „typisch schwarzen“ Namen (etwa: „Jamal“) tatsächlich diskriminiert? Spielen angeborene Geschlechterunterschiede eine Rolle für die Studien- und Berufswahl? Erklären sie das Missverhältnis in den Chefetagen? Ein nüchterner Blick auf die Befundlagen soll helfen, die Debatte zu entideologisieren und uns helfen, sachlich einzuschätzen, wie zutreffend verbreitete Vorannahmen über soziale Ungleichheiten wirklich sind.
Schließen möchte ich mit einem Plädoyer für die These, dass ein evidenzbasierter Ansatz bei gesellschaftlichen Fragen zu einem zielführenderen und effektiveren Wandel und einer besseren Welt für alle beitragen kann. Eine gesunde Portion Skeptizismus führt also nicht nur zu besserer Medizin, sondern ist auch die beste Medizin für unsere Gesellschaft.