Alexander Wolber

Alexander Wolber ist Psychologe (M. Sc.) und seit 2018 Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung mit Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie. Seit 2020 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Konstanz, wo er zum Thema „Dynamische Veränderungen der Risikowahrnehmung bei Schizophrenie“ forscht. Im Bachelor-Studiengang Psychologie der Universität Konstanz gibt er zudem Lehrveranstaltungen zu „Persönlichkeitsstörungen“ sowie zu „Berufsethik und Berufsrecht“ in der Psychologie. Seit 2022 ist er erster Vorsitzender der evolutionär-humanistischen GBS-Bodensee e. V. (eine Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS)). Gemeinsam mit der GBS-Bodensee gründet er im Jahr 2025 das erste „Humanistische Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz“ (HBBK), das von der Stadt Konstanz mit knapp 15.000 Euro gefördert wird. Das HBBK wird sich mit Bildungs- und Beratungsangeboten u. a. für die Förderung des kritischen Denkens in Konstanz einsetzen. Ab Januar 2025 erhält er zudem ein Promotionsstipendium der GBS.

Alexander Wolber – Rituelle Gewalt / Mind Control und die Psychologie der Dissoziation (2026)

Anhänger der Verschwörungserzählung „Rituelle Gewalt / Mind Control“ (RG–MC) glauben, dass manche Menschen in ihrer Kindheit Opfer von ritueller – meist satanischer – Gewalt wurden. Durch anhaltende und extreme Traumatisierungen würden zunächst dissoziative Zustände ausgelöst, in denen die Betroffenen angeblich „programmierbar“ seien. Je nach Wunsch könnten so beliebig viele Persönlichkeiten abgespalten und mit spezifischen Aufgaben versehen werden, die später durch sogenannte „Trigger“ aktivierbar wären. Ohne psychotherapeutische „Hilfe“ sind die Betroffenen in der Regel nicht in der Lage, sich an diese Ereignisse oder an ihre Teilpersönlichkeiten zu erinnern. Psychiater und Psychotherapeuten diagnostizieren dann eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS).

Die RG–MC basiert im Wesentlichen auf zwei Fehlannahmen: Zum einem unterstellt sie die Existenz ritueller satanischer Gewalt, für die es bis heute keine belastbaren Belege gibt; zum anderen liegt ihr ein verzerrtes Verständnis des Phänomens der Dissoziation zugrunde. Der klinische Alltag zeigt zudem, dass sowohl Patienten als auch Fachpersonen im Gesundheitssystem bisweilen unklare und unzutreffende Vorstellungen davon haben, was Dissoziationen sind und wie man angemessen mit ihnen umgeht.

Dieser Vortrag verbindet theoretische und praktische Perspektiven auf die Entstehung, Diagnostik und Behandlung von Dissoziationen und beleuchtet dabei ihre unterschiedliche Phänomenologie. Zudem wird aufgezeigt, an welchen Punkten die Annahmen der RG–MC zur Dissoziation den wissenschaftlichen Boden verlassen und wie evidenzbasiert die Diagnose der DIS tatsächlich ist.

Alles Schwurbler oder einfach psychisch gestört? (2025)

Auf den unlauteren Spielfeldern der Esoterik, Verschwörungstheorien und des Paranormalen gibt es einige Akteure, die die Nöte ihrer potenziellen Opfer schamlos ausnutzen, ihnen das Geld aus der Tasche ziehen und Versprechungen machen, die nicht eingelöst werden können. Jenseits dieses „Täter-Opfer“-Prinzips existieren zahlreiche Menschen, die tatsächlich an solche parawissenschaftlichen Phänomene glauben – und zwar unabhängig davon, ob sie einen finanziellen Mehrwert daraus ziehen können oder nicht. Die Gründe dafür können vielschichtig sein: Persönlichkeitsmerkmale, soziokulturelle Einflüsse, Neigung zu kognitiven Verzerrungen, Relevanz von spirituellen und religiösen Bedürfnissen, Bildungsniveau, Leben in unsicheren Zeiten, psychische Störungen u. v. m.

Aus einer klinisch-psychologischen Perspektive möchte ich mich in meinem Vortrag schwerpunktmäßig mit psychischen Störungen beschäftigen. Am Beispiel von ausgewählten Störungsbildern (z. B. Persönlichkeitsstörungen und Störungen aus dem psychotischen Formenkreis) werde ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Urteilsfindung (z. B. „jumping to conclusions“) und der neuronalen Verarbeitung von esoterischen, verschwörungstheoretischen und paranormalen Stimuli im Vergleich zu psychisch gesunden Personen herausarbeiten. Dabei werde ich aufzeigen, dass es einige Parallelen zwischen psychischen Störungen und parawissenschaftlichen Einstellungen gibt.

Für die Förderung des wissenschaftlichen Denkens und die Aufklärung über Parawissenschaften soll diese Differenzierung dazu beitragen, eines nicht zu vergessen: Es gibt Menschen, die nicht viel dafür können, dass sie so denken, wie sie denken.

Ich werde meinen Vortrag mit einigen Schlussfolgerungen für die aufklärerische Praxis und den Umgang mit Menschen abschließen, bei denen parawissenschaftliches Denken Symptom einer (sich anbahnenden) psychischen Störung sein könnte. Darüber hinaus werde ich darlegen, warum Empathie manchmal hilfreicher sein kann als Faktenspam.