Dr. Holm Hümmler

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Dr. Holm Gero Hümmler, Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensberatung, studierte Physik mit Nebenfach Meteorologie an der Universität Frankfurt und Betriebswirtschaft an der FernUniversität Hagen. Bis zu seinem Wechsel in die Wirtschaft forschte er am Max-Planck-Institut für Physik in München, dem CERN in Genf und dem Brookhaven National Laboratory. Interessengebiete innerhalb der GWUP sind Grenzgebiete der Physik sowie Wirtschaftsesoterik und Kampfkunst (Foto: merbach.net)

Wenn Ikonen der Wissenschaft schwurbeln (2024)

Pseudowissenschaftlicher Unsinn erhält eine besondere Glaubwürdigkeit und Reichweite, wenn er von Menschen verbreitet wird, die für herausragende wissenschaftliche Leistungen bekannt sind. Unter den Vertretern höchst seltsamer Behauptungen findet sich eine ganze Reihe von Nobelpreisträgern: Der Physiker Ivar Giaever leugnet den menschgemachten Klimawandel, und sein Mitpreisträger aus dem Jahr 1973, Brian Josephson, ist ein Anhänger der transzendentalen Meditation und glaubt an Telepathie und andere parapsychologische Phänomene. Linus Pauling, Nobelpreisträger für Chemie, warb für überdosierte Vitamine und dient bis heute als Rechtfertigung für allerlei Alternativmedizin. Kary Mullis, Nobelpreisträger und Erfinder des PCR-Verfahrens zum Nachweis von DNA, wurde später zum prominenten Virenleugner, vor allem von HIV. Der Mitentdecker von HIV hingegen, der Nobelpreisträger für Medizin Luc Montagnier, verharmloste später die Covid-Pandemie und wollte Autismus mit Antibiotika heilen.

Doch auch außerhalb von Nobelpreisträgerkonferenzen finden sich prominente Wissenschaftler mit fragwürdigen Ansichten, gerade auch in Bezug auf Covid. John Ioannidis, einer der Mediziner mit den meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen und bekannt als Verfechter der evidenzbasierten Medizin, verbreitete während der Pandemie absurd niedrige Sterberaten und zog Prognosen der seriösen Epidemiologie ins Lächerliche, die sich als zutreffend erweisen sollten. Auch ein Aushängeschild der deutschen Querdenkerszene, Sucharit Bhakdi, wurde zumindest in Publikumsmedien lange Zeit als herausragender, renommierter Wissenschaftler präsentiert. Der Nachfolger von Werner Heisenberg als Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik, Hans-Peter Dürr, wurde zu einem der Wegbereiter der Quantenesoterik und warb für Rupert Sheldrakes „morphische Felder“ und die pseudowissenschaftliche Biophotonenlehre.

Welche Mechanismen treiben besonders anerkannte Wissenschaftler dazu, sich von der Realität abzuwenden? Ist es Zufall, dass unter den erwähnten Namen keine Frau auftaucht? Wie kann man einschätzen, ob ungewöhnliche Thesen von Wissenschaftlern seriös sind?

Verschwörungstheorien selbst testen: Zu Hause, in der Schule, im Pub…(2019)

In Verbindung mit rechtspopulistischen und postfaktischen Ideologien haben einige längst vergessen geglaubte Verschwörungstheorien in jüngerer Vergangenheit eine unerwartete Renaissance erlebt. Es wird nicht nur behauptet, dass wir von einer geheimen „neuen Weltordnung“ beherrscht werden oder dass tausende von Augenzeugen, die am 11. September Flugzeuge ins World Trade Center und das Pentagon fliegen sahen, lügen oder getäuscht wurden: In Facebookgruppen und auf Seiten mit tausenden von Anhängern wird ernsthaft diskutiert, welchen Durchmesser die Eingänge zur hohlen Erde haben oder wie man den verblendeten „Globeheads“ endlich klarmachen kann, dass die Vorstellung, dass die Vorstellung, die Erde sei rund, nur eine religionsähnliche Indoktrination ist.
Die Argumentationen dafür stützen sich bemerkenswert oft auf naturwissenschaftlich-technische Behauptungen. Selbst der weniger wissenschaftsaffine Xavier Naidoo versucht die flache Erde mit einem Lineal vor dem Horizont zu beweisen. Manche dieser Argumente („Würde die Erde sich drehen, dann müsste sie sich unter einem stehenden Hubschrauber hinwegbewegen“, britischer Cricketstar Freddie Flintoff) sind haarsträubend naiv, aber die meisten lassen sich kaum unvorbereitet entkräften, selbst wenn man weiß, dass sie falsch sind.
Hierzu ist es zunächst einmal notwendig, die eigentlichen vermeintlichen Beweise von argumentativen Nebelkerzen, in den Raum gestellten Behauptungen und emotionalen Tiraden zu trennen. Von den eigentlichen Belegen erfordern einige wenige Expertenwissen oder ausgiebige Recherchen. Die allermeisten lassen sich jedoch durch überschaubaren Rechercheaufwand, Schulmathematik, einfache Skizzen oder mit Hausmitteln reproduzierbare Experimente auf die Probe stellen. Der Vortrag greift beispielhaft einige Schlüsselthesen wichtiger Verschwörungsbehauptungen auf, isoliert die zentralen Kernargumente und zeigt, wie man sie systematisch auf die Probe stellen kann. In den Beispielen kommen als Methoden eine einfache Recherche, Nachrechnen, Skizzieren, Gelegenheitsexperiment für zu Hause und Live-Experiment zum Einsatz.
Stellen wir gemeinsam einige der Schlüsselargumente der Flacherdler, Hohlwelt- und Chemtrailgläubigen auf die Probe! Die Nachahmung einfach für sich, mit Schülern oder bei Skeptics in the Pub ist wärmstens empfohlen.

Burkhard Heim – Held der UFO-Szene, zweiter Einstein oder nur ein Einzelgänger in der Sackgasse? (2017)

Wenn man dem Autor diverser UFO-Bücher, Illobrand von Ludwiger glauben will, dann war Burkhard Heim einer der größten deutschen Denker des 20 Jahrhunderts und einer der erfolgreichsten Physiker nach Werner Heisenberg. Der Esoteriker Dieter Broers, Autor reißerischer Bücher zur angeblichen Zeitenwende 2012, bezeichnet Heim als Ausnahme-Erscheinung der modernen Wissenschaft und maßgeblichen Vordenker der Naturwissenschaft. Der „Forschungskreis Heimsche Theorie“ behauptet, Heim sei es gelungen, Einsteins Traum zu verwirklichen und „eine vollständig geometrische Beschreibung sämtlicher Kräfte und die Aufstellung einer Formel für die Massen der Elementarteilchen“ zu entwickeln. Jenseitsforscher bezeichnen Heim als den deutschen Hawking oder einen zweiten Einstein und meinen in seinen Arbeiten Ergebnisse zu finden, „die sich weitgehend mit den Übermittlungen unserer jenseitigen Lehrer decken“.
Aus wissenschaftlicher Sicht war Burkhard Heim ein Physiker, der die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, nie durch eine Doktorarbeit bewiesen hat. Heims einzige wissenschaftliche Veröffentlichung, ein Artikel in einer einigermaßen angesehenen deutschsprachigen Fachzeitschrift, wird in der Fachliteratur nicht zitiert, von anderen Wissenschaftlern also offenbar kaum wahrgenommen.
War Burkhard Heim also ein Spinner? War er ein wissenschaftlicher Außenseiter, ein Sonderling oder einfach nur unbedeutend, oder vielleicht doch ein verkanntes Genie? Wusste Burkhard Heim vielleicht gar zu viel und wird von einem Kartell der Wissenschaftler totgeschwiegen?