Bernd Harder: Warum verwendet die GWUP so viel Zeit und Engagement darauf, über die Zaubertricks von Mentalisten aufzuklären? Ist nicht gerade die massive Kritik an „The Next Uri Geller“ unfreiwillige Werbung dafür?
Amardeo Sarma: Uri Geller noch bekannter zu machen, als er es ohnehin schon ist, ist kaum möglich. Natürlich stürzt sich die GWUP nicht reflexartig auf jede noch so abseitige Behauptung. Aber wenn ein angeblich übersinnliches Phänomen in aller Munde ist, sollten auch die Skeptiker dazu nicht schweigen. Denn viele Zuschauer von „The Next Uri Geller“ suchen durchaus nach kritischen Informationen. Da wäre es doch schade, wenn sie keine finden würden.
Bernd Harder: Als die GWUP gegründet wurde, war Uri Geller schon ein Star.
Amardeo Sarma: Eben. Ich habe mich vor 20, 30 Jahren selbst darüber geärgert, dass es keinerlei Pendant zu den Thesen von Bestseller-Autoren wie Däniken, Berlitz und Buttlar oder zu der Performance von Medienlieblingen wie Uri Geller gab. Deshalb ist 1987 die GWUP entstanden. Heute kann zumindest niemand mehr sagen, dass es keine kritischen Informationen zu Präastronautik, Bermuda-Dreieck, Ufos oder Telekinese gibt. Man mag unsere Argumente nicht teilen – aber sie sind öffentlich für jedermann verfügbar. Und zur Kritik an Parawissenschaften gehört auch, dass vorgetäuschte „Psi-Effekte“ erklärt werden.
Bernd Harder: Viele Wissenschaftler beziehen keine Stellung zu Parapsychologie, Astrologie, Radiästhesie et cetera, weil sie solche Themen nicht aufwerten wollen. Wo sehen Sie die größere Gefahr: im Aufwerten oder im Totschweigen?
Amardeo Sarma: Parawissenschaften dürfen ganz eindeutig keinen Schweigeschutz genießen. Aus meiner Sicht haben Wissenschaftler die Verpflichtung, ihre Erkenntnisse auch der breiten Bevölkerung zu vermitteln. Für den Rückzug in den akademischen Elfenbeinturm habe ich überhaupt kein Verständnis – gerade wenn es um „Übersinnliches“, Unsinniges, Abergläubisches geht. Dass die wahren Experten, wie Physiker, Psychologen, Biologen, Historiker und viele andere, sich hier wider besseres Wissen nicht engagieren, ist mit ein Grund dafür, weshalb Mystifizierer wie Uri Geller die öffentliche Diskussion beherrschen. Mein Appell an die Scientific Community ist: „Nehmen Sie sich ein Beispiel etwa an Carl Sagan und Richard Feynman!“
Bernd Harder: Gibt es eine taugliche, erfolgversprechende skeptische Strategie für den Umgang mit Medien-Phänomenen à la Geller?
Amardeo Sarma: Die ist recht simpel: Informationen geben und zum kritischen Denken anregen. Konkret in diesem Fall: Was sind die alternativen Erklärungen zu dem, was Geller macht? Wie kann man solche „Wunder“ auch anders herbeiführen als mit paranormalen Kräften, wie funktionieren entsprechende Zaubertricks? Und damit verbunden die Aufforderung an alle, die zum Zuhören bereit sind, die Plausibilität der „skeptischen“ und der „magischen“ Deutung des Gezeigten miteinander zu vergleichen.