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Summary

Samuel Fitoussi zeigt, warum Intelligenz und Bildung nicht automatisch vor falschen Überzeugungen schützen. Soziale Anerkennung, Konformitätsdruck und ideologisch homogene Gruppen können dazu führen, dass selbst offensichtliche Irrtümer verteidigt und verstärkt werden. Besonders problematisch wird dies, wenn einflussreiche Intellektuelle gesellschaftliche und politische Entscheidungen prägen. Als Gegenmittel empfiehlt Fitoussi kritischen Dialog, Meinungsfreiheit und intellektuelle Bescheidenheit.

Warum Intellektuelle irren

Pourquoi les intellectuels se trompent / Samuel Fitoussi
Éditions de l’Observatoire, Paris 2025, ISBN 979-10-329-3388-6, € 22 (Print), €14,99 (eBook)

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Warum halten gerade kluge und gebildete Menschen mitunter besonders hartnäckig an falschen Überzeugungen fest? Samuel Fitoussi untersucht in seinem Buch „Pourquoi les intellectuels se trompent“ die sozialen und kognitiven Mechanismen hinter intellektuellen Irrwegen.

Manche Ideen seien so absurd, dass nur Intellektuelle daran glaubten, so George Orwell. Samuel Fitoussi geht weiter: Er behauptet, Intelligenz und Bildung schützten nicht nur nicht vor Irrtümern, sondern könnten sie sogar bedingen. In einem anregenden und gut belegten Sachbuch, bisher nur auf Französisch erschienen – „Pourquoi les intellectuels se trompent“ (Warum Intellektuelle irren) –, untersucht Fitoussi die sozialen, kulturellen und kognitiven Mechanismen, die auch Intellektuelle blind für teilweise sehr folgenschwere Irrtümer machen.

Fitoussi zeigt zum Einstieg, wie systematische Denkfehler ihren Ausdruck in kognitiven Verzerrungen finden. Das ist bekannt, aber mit anregenden Beispielen und neueren Studien belegt. So überrascht es doch, wie stark auch Forscher dazu neigen, Erkenntnisse nach Bestätigung der eigenen Vorannahmen zu filtern.

„Wir sind nicht die Nachkommen von Kopernikus und Galileo, sondern der tugendhaften Menge, die sie verurteilte“ (Übers. d. Rez.): Unser Überleben hing Millionen Jahre vom Vertrauen unserer Gruppenmitglieder ab. Wir neigen also evolutionär bedingt zum Konformismus. Es ist wichtiger, in den Augen der anderen gut zu sein, als das Richtige zu tun. Die Wertschätzung der eigenen Weltbild-Gemeinschaft ist wichtiger für die Entscheidungsfindung als Rationalität; Loyalitätsbekundung wichtiger als Wahrheit.

Die Angst vor dem Verlust des sozialen Status treibt Menschen zu irrationalen Entscheidungen, bzw. zu sozial rationalen Entscheidungen. Je öffentlicher die Debatte, desto stärker wirkt dieser Mechanismus. Intelligenz bietet hier keinen Schutz vor dem Sieg schlechter Ideen. Wenn sich eine Meinung durchsetzt, sind wir darauf programmiert, sie nicht nur anzunehmen, sondern auch zu nähren und zu festigen.